Zusammenfassung und politische Statements zur Multifunktionshalle Minden

Kosten für Projekt "Multihalle" Minden bewegen sich aktuell zwischen 35,2 und 38,6 Millionen Euro - politische Fraktionen geben Stellungnahmen ab nach Sondersitzung

Die Baustelle Multifunktionshalle Minden steht immer noch in Planung – und die Kosten scheinen zu steigen von Ratssitzung zu Ratssitzung – Archivfoto: onm

Die Planung für das Projekt „Multifunktionshalle“ auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Minden kann weiterverfolgt werden, teilt die Stadt nach einer Sondersitzung freudig mit. Mehrheitlich stimmten die Stadtverordneten für den Einsatz weiterer 200.000 Euro für Beratungsleistungen. Der ganze Kostenumfang für das Millionenprojekt steht jedoch immer noch nicht fest. Dafür gibt’s Lob und Kritik seitens der Politik. Neun Fraktionen und fraktionslose Stadtverordnete geben Statements zum Projekt ab. Und wir fassen alles an einem Ort zusammen.

Am Ende einer rund dreistündigen Debatte im Mindener Stadtrat fand sich in einer Sonderratssitzung am 29. Juni 2017, einberufen von der Fraktion DIE LINKE, eine breite Mehrheit für die Genehmigung des Dringlichkeitsbeschlusses, neben bereits verbrauchten 300.000 Euro zusätzlich 200.000 Euro für Dienstleistungen des Unternehmens Assmann Beraten+Planen AG in Zusammenarbeit mit HPP Architekten, DBS Ingenieure und SEM Sport und EventMarketing bereitzustellen.

41 Stadtverordnete stimmten mit „Ja“, 7 sprachen sich dagegen aus und 6 Ratsmitglieder enthielten sich, da noch aussagekräftige Zahlen und Daten für den Businessplan, das Betriebskonzept, die Altlastenbeseitigung sowie für die Markt- und Bedarfsanalyse fehlten.

Stadt und Kreis halten an Plänen für Multifunktionshalle fest

Trotz Kritik an der Informationstransparenz (siehe auch gemeinsame Stellungnahme der Stadtverordneten) hält Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) an den Plänen des Millionenprojekts fest, genau wie Minden-Lübbeckes Landrat Dr. Ralf Niermann.

„Diese (weiteren 200.000 Euro) seien unbedingt notwendig, um am Ende der Planungen über die Realisierung des Projekts entscheiden zu können“, so Jäcke. „Das Projekt hat das Potenzial, erhebliche Bedeutung für die gesamte Region, für die Stadt Minden und insbesondere für das Rechte Weserufer zu entfalten. Mit der Multifunktionshalle biete sich eine einmalige Chance für Minden.“

Warum Mindens Bürgermeister so von dem Projekt überzeugt ist, ist einfach zu erklären. Zusammen mit Landrat Dr. Niermann und namhaften Unternehmern aus der Region hat er am 31. August 2016 einen Verein namens „Veranstaltungs- und Kongressarena Minden-Lübbecke e.V.“ gegründet, um das Bauvorhaben zu unterstützen (siehe unser Bericht). Herauszulesen aus diesen Worten der Pressemeldung der Stadt Minden:

„Die Partnerschaft von Stadt, Kreis und Wirtschaft in diesem Projekt ist einmalig in der Bundesrepublik“, sagte Jäcke. Denn die Kosten für die ersten Planungen in Höhe von 300.000 Euro seien je zu einem Drittel vom Kreis, von der Stadt und der Wirtschaft getragen worden. Verschiedene Unternehmen hätten in Gesprächen, die in den vergangenen Monaten von Landrat Dr. Ralf Niermann und Bürgermeister Jäcke geführt wurden, ihre Bereitschaft erklärt, sich für eine Multifunktionshalle finanziell zu engagieren. „Das Projekt leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsförderung und Fachkräftesicherung“, so der Bürgermeister weiter.

Auf Deutsch: Die Vertreter von Stadt, Kreis und Wirtschaft wollen von der „Multifunktionshalle“ profitieren. Ob und in welcher Höhe dies den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt, bleibt abzuwarten.

Erklärung zu den Kosten

Um wohl die Gemüter zu beruhigen, erinnert Jäcke an die Ausgangslage: Für den erheblichen Sanierungsaufwand beim Brandschutz der Kampa-Halle aus den 1970er Jahren müsste der Kreis Minden-Lübbecke einen Millionenbetrag in die Hand nehmen, um die Halle zu ertüchtigen. „Dann hätten wir aber weiter nur eine Sporthalle, die weiterhin nur eingeschränkte Möglichkeiten für Veranstaltungen bietet und mittelfristig aufgrund der steigenden Anforderungen der Veranstalter vermutlich gar nicht mehr nutzbar ist“, verdeutlicht er.

Die bestehende Kampa-Halle kommt in die Jahre und braucht eine moderne Alternative, sind sich die Verantwortlichen von Stadt und Kreis einig – Foto: Stadt Minden

Wie hoch bzw. niedrig im Vergleich zur neuen Multifunktionshalle dieser „Millionenbetrag“ für die Sanierung der Kampa-Halle ausfalle, erläutert der Bürgermeister jedoch nicht. Stattdessen schwenkt er über zu einer Erklärung der Kosten für das Neubauprojekt Multihalle:

An Kosten wurden für den reinen Bau der Halle 25,3 Millionen Euro berechnet. Hinzu kommen Beträge für eine sehr wahrscheinliche Baukostensteigerung, die Baunebenkosten, die Außenanlagen und Parkflächen, Unvorhergesehenes sowie die Nutzung des denkmalgeschützten Lokschuppens als Verwaltungsgebäude.

Am Ende stehe hier eine Summe von Netto 34,4 Millionen Euro in der Kostenschätzung, fasst Stadtkämmerer Norbert Kresse zusammen. Netto deswegen, weil eine zu gründende Besitz-GmbH, die die Halle bauen soll, vorsteuerabzugsberechtigt wäre. Würde man ein Systemparkhaus errichten, kämen rund 3,4 Millionen Euro dazu. Kresse widersprach mutmaßlichen Kostensteigerungen von bis zu 45 Millionen Euro für das Projekt, da es sich hierbei um die Bruttosumme mit eingerechnetem Systemparkhaus handele. (ON: Kurz auf den Kostenplan geschaut, stimmt die Rechnung. Aber das Systemparkhaus ist in den aktuellen Plänen fest integriert, also kann man hier von mindestens 37,8 Millionen Euro ausgehen.)

Hinzu kommt: Die Erträge und Aufwände für Veranstaltungen und Gastronomie müssen nun mit einer zu beauftragenden Businessplanung noch genauer berechnet werden, so Kresse. Es gelte, die in der Machbarkeitsstudie getroffenen Annahmen zu hinterfragen, zu vertiefen und von der Modellhaftigkeit hin zum „Praxisfall Minden“ zu entwickeln.

In der gesamten Berechnung sei auch noch nicht die Vergabe des Namensrechtes für die Veranstaltungs- und Kongressarena, die jährlich einen sechsstelligen Betrag einbringen könnte, enthalten. Weitere Einnahmen sollen aus der Vermietung von sogenannten Showrooms und Sponsoring-Modellen kommen.

Über mögliche Förderungen für das Projekt haben Landrat und Bürgermeister bereits Mitte März dieses Jahres in Düsseldorf mit dem damaligen Städtebauminister und amtierenden Landesvorsitzenden der SPD Nordrhein-Westfalen, Michael Groschek, gesprochen. Danach wurde eine Unterstützung für die Erstellung der Außenanlagen und des Umfeldes in Aussicht gestellt.

ON: Jau, die Gedanken sind frei.

Zum Umfang des Projekts

Die Systemplanungen stellte Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz, dem Rat vor. Zielstellung für das vorliegende Konzept war es, den Nachweis der planerischen Umsetzbarkeit auf dem vorgesehenen Grundstück (ehemaliges Güterbahnhofsgelände), das die Stadt Minden Ende 2016 erworben hat, zu erbringen. Auch sollte vom beauftragten Planungsbüro eine Baukonstruktion vorgelegt werden mit Flächen- und Höhenentwicklung, Funktionalität und Flexibilität, Raumorganisation Stellplätzen, Außenanlagen, einer Grobgestaltung und der notwendigen Ausstattung. (ON: An dieser Stelle wird verborgen, was das „erworbene“ Gelände eigentlich gekostet hat und aktuell kostet)

„Das alles ist weit fortgeschritten“, so Bursian. Nach der derzeitigen Grobplanung (Stand: 20. Juli 2017) gehe man von einer Halle mit 11.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche aus.

Ein Schnitt durch die geplante Veranstaltungs- und Kongressarena zeigt die verschiedenen Ebenen und Kapazitäten – Quelle Grafik: Stadt Minden

Die Veranstaltungs- und Kongressarena soll Platz für maximal 5500 Zuschauer bieten, beim Aufbau einer Kopfbühne wären dies noch 5000 Plätze und bei GWD-Heimspielen (Turn- und Sportverein Grün-Weiß Dankersen-Minden e.V.) würden 4000 Sportbegeisterte auf Sitzplätzen in die Halle passen. Die Kapazität bei Kongressen liege bei circa 2500 Teilnehmern.

Die Halle wäre teilbar und flexibel nutzbar. Als Veranstaltungsraum könnte auch das Foyer mit 1000 Quadratmetern Fläche und weitere Tagungs- und Seminarräume (mit) genutzt werden. Die unteren Tribünen sollen flexibel ein- und ausfahrbar sein und an einer Stelle einen Durchlass für Lastwagen bieten, die somit direkt in die Halle fahren könnten für einen schnellen Auf- und Abbau. Auch würde es einen komfortablen Backstage-Bereich und modernste Technik geben.

ON: Uijuijui – und das in dem rund 80.000-Einwohner-Kleinstädtchen. Die Verantwortlichen wollen anscheinend hoch hinaus.

Entscheidung voraussichtlich Ende 2017

Insbesondere steht aber noch gar nicht fest, ob das Neubauvorhaben überhaupt in die Tat umgesetzt wird. Denn die Entscheidung über das Projekt soll voraussichtlich erst Ende dieses Jahres von Rat und Kreistag getroffen werden. Dann soll auch feststehen, in welchem Umfang sich der Kreis als Juniorpartner und die Wirtschaft am Projekt beteiligen.

Stadtkämmerer Kresse: „All das sei zu konzeptionieren, mit den Partnern insbesondere in der Wirtschaft abzustimmen und werde der Politik Ende des Jahres vorgelegt, um eine ’sehr stabile Entscheidungsgrundlage‘ zu haben.“

Altlastenuntersuchung und -entsorgung

Als weiteren brisanten Punkt nimmt die Stadt Minden zur Altlastenentsorgung Stellung. Denn wie schon OctoberNews-Leser Fritz Pucher in seinem Kommentar unter unserem Bericht vom 15. Juni 2017 erläuterte, sei es „schon erstaunlich, dass ’nur‘ darüber berichtet wird, was möglicherweise überirdisch entsorgt werden soll. Über die gigantischen Altlasten im Untergrund spricht erstmal niemand … Wird ja bezuschusst …“

Tatsächlich handelt es sich bei dem 43.000 Quadratmeter großen Baugelände um ein ehemaliges Güterbahnhofsareal der Deutschen Bahn AG, wo sich davor ein städtisches Gaswerk befand – und der Boden ist mit stark teerhaltigem PAK (Polyzyklisch Aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet. PAK kennt man aus der Verkokung von Steinkohle, was größtenteils im Straßenbau (Asphalt) und für Dachpappe genutzt und seit 1970 verboten wurde.

Neben Altlasten wird außerdem mit Blindgängern (Bomben) aus dem Zweiten Weltkrieg gerechnet. Endgültige Klarheit darüber sollen Sondierungs-Untersuchungen bringen, für die noch alte Gebäude abgerissen werden müssen, die nicht unter Denkmalschutz stehen.

ON: Gut zu wissen, nachdem wir uns am 10. Juni einen umfassenden Überblick über das frei zugängliche Gelände verschafften und darüber berichteten. Interessanterweise wurde das Gelände erst kurz nach unserem Bericht vom 15. Juni und noch vor der Sondersitzung (29. Juni) abgesperrt. Nicht auszumalen, was Menschen, die dieses Gelände bisher betraten, hätte passieren können. Schließlich richteten sich dort auch Obdachlose „häuslich“ ein – von der Ausbildungsstätte Fach-Werk, der Toyota-Werkstatt und dem Modell-Eisenbahn Club direkt nebenan mal abgesehen.

Zumal das von der Stadt Minden beauftragte Büro Dr. Kerth + Lampe Geo-Infometric GmbH aus Detmold, spezialisiert auf Bodenschutz und Altlasten, bereits im November 2016 im Haupt- und Finanzausschuss die Ergebnisse einer historischen Erkundung und ihre ersten Bodenuntersuchungen vorstellte. Auch zu den Belastungen aus der Gaswerk-Nutzung liegen der Stadt ausführliche Gutachten vor.

Daraufhin hat die Stadt nämlich zwei Prozesse gegen die Deutsche Bahn AG geführt. Da sie den zweiten Prozess jedoch verlor, wurde eine Rückstellung in Höhe von knapp 1,4 Millionen Euro von der Kämmerei gebildet für die Entsorgung des mit PAK belasteten Bodens. (ON: Woher die „1,4 Mio. Euro“ stammen bzw. aus welchen Mitteln/Leistungen sie abgezweigt wurden, wird nicht erklärt). Allerdings gehen die Experten nach einer ersten, groben Schätzung von maximalen Kosten für die Altlastenuntersuchung und -entsorgung in Höhe von 4 Millionen Euro aus.

Schlummert unter diesem Boden nicht nur teerhaltiges PAK, sondern auch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg? Das werden Sondierungen zeigen. Archivfoto: onm

Einziger Wermutstropfen: Davon würden – wenn überhaupt die hoch berechneten Kosten zum Tragen kommen – maximal 800.000 Euro auf die Stadt Minden entfallen, so Bursian. Als schon zugesagt gelte hier eine 80-prozentige Kostenübernahme der Altlastenentsorgung.

Doch jetzt kommt wieder der Haken: Die Altlastenbeseitigung sei ein Extraposten, der nicht auf die Kosten der Multifunktionshalle berechnet werde. Das Gleiche gelte für die anstehenden Sondierungen auf dem Gelände, die von der Bezirksregierung Detmold vorgenommen werden.

ON: Summa summarum bewegt sich das Planungsprojekt Multifunktionshalle Minden also nach aktuellen Berechnungen der Stadt Minden irgendwo zwischen 35,2 und 38,6 Millionen Euro (zuzüglich Sondierungen und Mehrwertsteuer).

Statements der Politik

Zu der in der Sondersitzung vom 29. Juni geführten Diskussion über die Multifunktionshalle hat die Pressestelle der Stadt Minden nach einer Anregung des Verwaltungsvorstandes der Stadt Minden um Stellungnahmen der im Rat vertretenen Fraktionen und fraktionslosen Stadtverordneten gebeten, die sich wie folgt äußerten (Stand: 20. Juli 2017):

DIE LINKE:

Die Multihalle ist, angesichts der vom Stadtkämmerer prognostizierten Haushaltsentwicklung, ein Luxusbedürfnis. Auch ohne ein neues Gutachten kann man jetzt schon sehen, dass die Defizite zur weiteren Einschränkung der Grundbedürfnisse für die Bürgerinnen und Bürger führen werden. Als Stärkungspaktkommune muss die Stadt Minden in den nächsten Jahren eine „schwarze Null“ bei weiterer Haushaltskonsolidierung erreichen. Dies bedeutet, dass alle Verluste durch Steuer- und Abgabenerhöhungen oder Leistungskürzungen im sozialen oder kulturellen Bereich, also bei den Grundbedürfnissen, erreicht werden müssen, um die Ziele des Stärkungspaktes zu erreichen. Aus diesem Grund war die Information aller Stadtverordneten und der Bürgerinnen und Bürger mehr als überfällig. Wir unterstützen den von den Grünen eingebrachten Antrag eines „Bürgerentscheids“. Die Bürger sollten die Wahl haben, ob sie eine Multihalle benötigen. Sie sind es letztendlich, die wahrscheinlich mit Leistungseinschnitten oder Steuererhöhungen für Multihalle bezahlen müssen.

AfD (Alternative für Deutschland):

Die AfD-Fraktion unterstützt grundsätzlich die Bemühungen, das rechte Weserufer sinnvoll zu entwickeln. Auch sind wir für eine Multifunktionshalle mit dem Entwicklungskonzept „Quartier rechtes Weserufer“, sofern die in Auftrag gegebenen Wirtschaftlichkeitsanalysen ein positives Ergebnis ergeben. Unabhängig davon ist jedoch festzustellen, dass eine vorherige komplette Sanierung des verseuchten Bodens unumgänglich ist. Die in der Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung eingebrachte Stellungnahme des BBM (Bürger-Bündnis Minden) zu den Sanierungskosten und auch eigene Recherchen lassen einen erheblichen Kostenaufwand befürchten. Sollte der für Minden verbleibende Kostenanteil zu hoch sein, müsste unseres Erachtens eine Sanierung des Geländes in Teilstücken erfolgen, um das Quartier Zug um Zug für die Entwicklung nutzbar zu machen und die Stadt weiterzuentwickeln. In diesem Falle wäre jedoch ein Großprojekt, wie die Multifunktionshalle, zum gleichen Zeitpunkt nach momentanen Kenntnissen kaum umsetzbar.

Liberale Fraktion (FDP und Piraten):

Die Liberale Fraktion ist der Auffassung, dass die in der letzten Sonderratssitzung ausführlich behandelte Altlastensanierung und das damit verbundene Kostenrisiko nicht dem Projekt Multifunktionshalle zugerechnet werden dürfen, wie von einigen Seiten ausführlich dargelegt. Das nun beschlossene, weitere Gutachten soll mit belastbaren Daten endlich für die überfällige Klarheit sorgen, um entscheiden zu können, ob wir uns das Projekt leisten wollen – und können. Ohne Frage würde dieses weitere Investitionen am Rechten Weserufer auslösen. Die ebenfalls lange überfällige Altlastensanierung hat ohnehin zu erfolgen – ob mit oder ohne Halle. Stadtentwicklung erfordert gelegentlich Mut und Vision. An beidem mangelte es einigen Ratsmitgliedern in der jüngsten Ratssitzung erkennbar.

SPD:

Die SPD-Fraktion sieht die geplante Multifunktionshalle als eine große Chance sowohl für die Stadt Minden und hier insbesondere für das gesamte Rechte Weserufer als auch für das Kreisgebiet. Bereits jetzt zeigt sich, dass in Minden und Umgebung Bedarf für eine größere Halle für verschiedene Nutzungen besteht. Eine Zustimmung der SPD-Fraktion wird jedoch erst und nur dann erfolgen, wenn die voraussichtlichen Kosten, die zu erwartenden Einnahmen und somit die von der Stadt zu tragenden Verluste ermittelt sind und das Defizit für den städtischen Haushalt zu verantworten ist. Für die Verwirklichung des Projekts ist die finanzielle Beteiligung des Kreises und der Wirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke unverzichtbar, so Fraktionsvorsitzender Bernd Müller.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

Sobald alle bisherigen und zukünftigen Kosten für Grunderwerb, Altlastensanierung, Planung, Finanzierung, Bau, Betrieb und Unterhaltung sowie eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile (z. B. Weiterbetrieb der Kampa-Halle) vorliegen, soll die Entscheidung über die Verwirklichung des Projektes im Rahmen eines Ratsbürgerentscheids gemäß § 26 der Gemeindeordnung erfolgen. Die Entscheidung über ein Projekt von derart weitreichender Bedeutung, insbesondere in finanzieller und städtebaulicher Sicht, sollte nach unserer Meinung basisdemokratisch von den Bürgerinnen und Bürgern getroffen werden.

CDU:

Wir haben auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs die einmalige Chance, eine Entwicklung voranzutreiben, die für Minden und die gesamte Region von großem Vorteil ist. Dieses können wir aber nur angehen, wenn wir die dauerhaften finanziellen Auswirkungen für den Haushalt der Stadt Minden und somit für die Bürgerinnen und Bürger kennen. Aus diesem Grund ist ein aussagefähiges Gutachten über den Betrieb einer Multifunktionshalle am Bahnhof notwendig. „Vor dem Hintergrund der Altlasten auf dem Gelände sind wir zudem gegenüber den nachfolgenden Generationen in der Verantwortung, hier eine Klärung und Verbesserung der Situation zu erreichen“, so Fraktionsvorsitzender Ulrich Stadtmann.

Mindener Initiative (MI):

Die Ratsfraktion der Mindener Initiative (MI) begrüßt die breite Zustimmung der Ratsmitglieder für die weitere Planung zur Errichtung einer Multifunktionshalle auf dem rechten Weserufer. „Das Ergebnis der jüngsten Stadtverordnetenversammlung sollte auch ein deutliches Zeichen für die Unternehmen und das wirtschaftliche Umfeld sein, dieses Großprojekt weiter zu unterstützen“, erklärt der Fraktionssprecher der Unabhängigen Wählervereinigung, Harald Steinmetz. Eine solche Event-Halle könne als sogenannter weicher Standortfaktor auch eine seit Langem notwendige Initialzündung für die Stadtentwicklung auf dem östlichen Weserufer sein. „Wir müssen angesichts der besonderen finanziellen Herausforderung und der aktuellen Hinweise des Stadtkämmerers aber auch die zukünftigen Belastungen durch Invest und jährliches Defizit gründlich überprüfen und abwägen“, betont Steinmetz. Am Ende stehe dann die Entscheidung, welche Belastungen haushaltsverträglich seien und welche Beträge wir bereit sind, jährlich als Defizitausgleich für eine Multifunktionshalle in den Haushalt aufzunehmen.

Bürger-Bündnis Minden (BBM):

„Eine Entscheidung für oder gegen das Projekt werden wir abhängig von der Haushaltslage der Stadt Minden erst treffen, wenn alle Rahmenbedingungen und Kosten, insbesondere die der Altlastenerkundung und -bewertung und daraus folgende Nutzungsbeschränkungen des Geländes, bekannt sind. Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Multifunktionshalle, sehen allerdings den gewählten Standort, das Altlastengelände des ehemaligen Güterbahnhofs, als äußerst problematisch und unter Umständen für die Verwirklichung des Projektes als nicht geeignet“, betont die Stadtverordnete des BBM, Claudia Herziger-Möhlmann. „Den Vorschlag der Grünen, die Mindener Bürgerinnen und Bürger in einem Bürgerentscheid anstelle des Rates über den Bau einer Multifunktionshalle selbst entscheiden zu lassen, wird das BBM unterstützen“, erklärt Anton Dschida, 1. Vorsitzender des BBM. Das BBM kann sich sehr gut auch die Ertüchtigung der Kampa-Halle vorstellen sowie je nach der Nutzungsbeschränkung alternative Bauoptionen für den Standort des ehemaligen Güterbahnhofs, wie sie beispielsweise im städtebaulichen Entwicklungskonzept von 2011 vorgeschlagen wurden.

Liberal Konservative Reformer (LKR):

Auch ohne Berücksichtigung der Grundstückskosten bewegt sich der gegenwärtig absehbare finanzielle Gesamtaufwand für die Umsetzung des Projektes auf eine Größenordnung von etwa 45 Millionen Euro zu, so Dr. Alf Domeier von der LKR. Im Jahresabschluss 2016 fordert der Kämmerer eindringlich „weitere eigene Konsolidierungsmaßnahmen“. „Mir ist völlig unverständlich, dass vor diesem Hintergrund der Bürgermeister und der Baubeigeordnete das Projekt durchzusetzen versuchen, obwohl für die Rathaussanierung bereits 35 Millionen Euro bewilligt wurden.“

HINWEIS: Den Sachstand vom 29. Juni 2017 kann man einer PowerPoint-Präsentation der Stadt Minden im PDF-Format entnehmen.

Textquelle: Pressestelle Stadt Minden, OctoberNews


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