„Zum Abheben“ – Trecker Treck 2015 in Hille

Tractor Pulling in Hille: wo Landmaschinenbesitzer oft Kruse heißen und ihre Trecker Bremswagen durch den Dreck ziehen - ein kraftvolles Motorsport-Wochenende

Wenn der Trecker vom Boden abhebt und der Schiri mit der grünen Flagge wedelt, ist das weitmöglichste Maß erreicht beim Trecker Treck in Hille – Fotos: onm

„Wie viele Kruse’s gibt’s eigentlich? Da hat wohl einer ordentlich Söhne gemacht“, scherzte Moderator Martin Wiehe beim 9. Trecker Treck in Hille während des Laufs der Bauernklasse bis 11 Tonnen. Tatsächlich nahmen vier Traktorfahrer mit Namen „Kruse“ am vergangenen Motorsport-Wochenende teil – neben zahlreichen weiteren Teilnehmern. Ein Erlebnis mit mehr Power und zum Abheben.

Martin Wiehe führte professionell und humorvoll durch die 2-tägige Veranstaltung

Wir waren zum Finale am Sonntag vor Ort: Wer schaffte wie viele Full Pulls, welcher Trecker erreichte überhaupt die 100-Meter-Marke, welcher frisierte Traktor hebt vom Boden ab und welcher gräbt sich mit den Reifen ein, wer zieht den schwergewichtigen Bremswagen am weitesten durch den „Dreck“ (<räusper> über die Sandbahn)?

Kraftpakete von 3.500 bis 11.000 Kilogramm keuchten in der Bauernklasse, was Motor, Zylinderköpfe und Steigbegrenzer hergaben. Da lag echter Männerduft in der Luft.

Nach dem Wiegen und Zollstockmaß geht es an den Start. Nun wird der sogenannte Bremswagen angehängt, ein langer Hänger mit Gewicht, den es gilt, mit dem Trecker auf der sandigen Wettkampfpiste bis zur 100-Meter-Marke („Full Pull“) möglichst weit zu ziehen. Schaffen mehrere Teilnehmer einen Full Pull, wird der Bremswagen schwerer gemacht und ein Stechen ausgefahren, bis der Sieger feststeht.

Doch einen Haken gibt es ja immer: Je weiter man den Bremswagen zieht, desto schwerer lässt er sich ziehen. Denn der Ballastbehälter („Back“) auf dem Bremswagen verlagert seinen Schwerpunkt von den Rädern auf die Kufe und erhöht somit seinen Zugwiderstand. Somit ist der Trecker, der den Bremswagen am weitesten zieht, der stärkste und damit Sieger.

So erreichte Udo Sturhann vom Trecker Treck Team (TTT) Hille – das diese großartige Veranstaltung ausrichtete – mit seinem Fendt 515C von 1998 mit Serien-Turbolader den weitesten Pull von 105,72 Metern in der Bauernklasse bis 7,5 Tonnen (über 160 PS). Sieger ist er mit dieser Leistung jedoch noch lange nicht, denn es folgte der zweite Streich: Da es etliche Stechen gab, wurden die „Full Pulls“ aller Teilnehmer am Ende zusammengezählt.

Bei insgesamt 11 Bauernklassen (BK) und zwei Hobbysport-Klassen konnte es demnach nicht nur Einen geben, sondern gleich 11 verschiedene Erstplatzierte bei der Gesamtbewertung, und zwar:

  • Heiko Lange aus Hille mit seinem Unimog 406 von 1973 in der BK bis 3,5 t
  • Henning Beckemeier aus Minden auf dem IHC 844 S von 1976 in der BK bis 4,5 t (4-Zylinder ohne Turbo)
  • Frank Bostock aus Twistringen mit dem IHC 946 von 1974 in der BK bis 4,5 t (4-Zylinder mit Turbo + 6-Zylinder) sowie in der BK bis 5,5 t (über 100 PS)
  • Matthias Schekelmann vom TTT Hille auf dem IHC 844S von 1979 in der BK bis 5,5 t (bis 100 PS)
  • Mark Ossenfort vom TTT Hille mit seinem IHC 956 von 1987 in der BK bis 6,5 t (bis 140 PS)
  • Marcel Kottmeier vom Team RG Bohnhorst auf „Bob“ Case IH 1455 von 1994 in der BK bis 6,5 t (über 140 PS)
  • Frank Wittemeier vom TTT Hille auf dem Fendt 514C von 1996 in der BK bis 7,5 t (bis 160 PS)
  • Michael Horstmann vom TTT Hille per Fendt 612LSA von 1986 in der BK bis 7,5 t (über 160 PS)
  • Jonas Hoppmann aus Hille mit seinem Fendt 924 von 1999 in der BK bis 9 t
  • Jürgen Kollmeier aus Hille auf dem Fendt 818 von 1998 in der BK bis 11 t

sowie

  • Johannes Breuer vom TTT Hille mit seinem 200 PS starken „Let’s Dance“ Fendt 614 mit nachgerüstetem Turbolader von 1978 in der Hobbysport-Klasse bis 3.500 kg; sowie in der Hobbysport-Klasse bis 4.500 kg.

Alle Erst- bis Drittplatzierten durften auf dem Siegertreppchen Platz nehmen und ihre verdienten Trophäen von Frau Wassmann (der Ehefrau des Moderators „Tommy“ vom Trecker-Tauziehen in Hille, der mit seinem „Little Toy“-Schlepper selbst in zwei Klassen den 11. und 2. Platz holte) entgegennehmen.

Für richtigen Spaß sorgten aber knallende Sektkorken (sofern man(n) die Flasche aufkriegte) und klebrig-nasse Duschen quer übers Feld unter den Gewinnern – sehr zur Freude der zahlreich erschienenen Besucher. Die Hiller wissen eben, wie man richtig feiert.

Außerdem gab es noch eine echte Attraktion zu bewundern: den „Flying Hawk“ – ein Tractor-Pulling-Monstrum auf nur vier Rädern (im Gegensatz zu manchem Trecker mit Doppelbereifung), dafür mit 6000 Pferdestärken (zwei Motoren á 3000 PS) unter der offenen Haube und 24 Zylindern (wir haben nachgezählt). Das 3,5 Tonnen schwere Gerät Marke Eigenbau ist schon das Dritte seiner Art, erklärte Michael Dickmann, der mit seinem „Team Porta“ rund dreieinhalb Jahre daran arbeitete. Seit 2001 tüftelt der 39-Jährige zusammen mit seinem Bruder Christian und Vater „Chef“ Karlheinz (bekannt unter „Die Dickmänner“) in seiner Werkstatt in Porta Westfalica, schließlich sei er gelernter Landmaschinen-Mechaniker und in der Landwirtschaft groß geworden.

Thomas „Tommy“ Wassmann und seine Kollegen vom Trecker Treck Team Hille sind stolz auf die gelungene Veranstaltung und freuen sich schon aufs nächste Mal

Zuschauer, die am Samstag und Sonntagmittag beim Trecker Treck dabei waren, konnten diese Kraftmaschine live in Aktion erleben. Nur Sonntagnachmittag wollte der Falke einfach nicht fliegen. Dabei waren alle Zylinder einzeln betankt. Doch nach zwei erfolglosen Startversuchen stellte sich heraus: das Getriebe war platt. Wer sein Auto liebt, der schiebt eben – oder in diesem Fall lässt es ziehen, von einem fahrtüchtigen Schlepper natürlich.

Eine Ehrenrunde auf dem Bühnenhänger zusammen mit allen Siegern dieses Motorsport-Wochenendes wurde Dickmann trotzdem zuteil. Denn beim Trecker Treck wird kein Landmaschinen-Fahrer allein gelassen, ob sie aus der Gemeinde Hille, aus Warmsen, Uchte, Minden, Petershagen, Vinnen, Herzlake, Hilter, Herssum, Lübbecke, Twistringen, Espelkamp, Porta Westfalica, Marienfeld, Bahrenborstel, Diepenau, Hüllhorst, Essern, Steinfeld, Rahden, Lavelsloh oder Löningen kommen. „Tommy“ konnte sich zudem über das „Flying Hawk“-Cappy von Dickmann freuen.

Elf Sieger konnten sich beim Trecker Treck 2015 in Hille über hart verdiente Pokale freuen und drehten eine Ehrenrunde auf dem Wettkampfplatz

Ohne Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Hille (mit der wohl einzigen Frau am Steuer an diesem Sonntagnachmittag) hätte man das nicht hinbekommen, und ohne Sponsoren geht nichts, betonten Moderatoren Wiehe und Manuel Müller. Sie bedankten sich, indem sie jeden Sponsor namentlich durch’s Mikro bekannt gaben.

Besucher konnten im Übrigen ihre Favorit-Schleppermarken auch mit nach Hause nehmen: ob Pulli, T-Shirt, Weste oder Sticker – hier war für jeden etwas dabei:

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Am Merchandise-Stand fanden Pullis, Westen, T-Shirts und vieles mehr regen Anklang bei den Trecker Treck Fans

Da zwischen Hille und Bohnhorst alle zwei Jahre abgewechselt wird, findet das nächste Trecker Treck 2016 wieder in Bohnhorst statt (siehe dazu unser Bericht von 2014).

Wer jetzt schon Diesel geleckt hat, der komme einfach am 26. und 27. September 2015 zum 3. Trecker Treck nach Twistringen (Landkreis Diepholz in Niedersachsen). Dort findet an dem Wochenende auch ein Stadtfest statt und ab 13 Uhr ein verkaufsoffener Sonntag.

Doch nun zu unserer 296 Fotos umfassenden Bilderstrecke:

Alle Endergebnisse des Trecker Treck 2015 in Hille hat uns freundlicherweise Michael Schmidt vom Trecker Treck Team Hille übersichtlich im Tabellenformat als PDF-Datei zur Verfügung gestellt (einfach Link anklicken zum Öffnen).


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