Zufahrt-Sperrung Kaiser-Wilhelm-Denkmal am 7. und 8. Juli

Region Minden-Lübbecke feiert Wiedereröffnung des Denkmals am 8. Juli 2018 ausschließlich mit geladenen Gästen - Besucher haben ab 9. Juli wieder Zutritt

„Normale“ Besucher und „kleine Medien“ müssen am 8. Juli zur Wiedereröffnungsfeier des Kaiser-Wilhelm-Denkmals draußen bleiben – Archivfotos: onm

Die Zufahrt zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica ist am 7. und 8. Juli 2018 weiträumig den ganzen Tag gesperrt, teilt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit. Grund für die Sperrung ist die offizielle Wiedereröffnungsfeier des Denkmals mit freigelegter Ringterrasse, an der ausschließlich geladene Gäste teilnehmen dürfen. Alle anderen Besucher wie auch Kleinmedien bekommen ab 9. Juli wieder Zutritt.

Mittlerweile herrscht ja in den regionalen Medien ein regelrechter Hype rund um die Neueröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Gipfel des Wittekindsbergs in Porta Westfalica. Teilnehmen dürfen an dem Denkmal-Fest am 8. Juli von 13.30 Uhr bis 21.30 Uhr allerdings nur diejenigen, die eine Einladung vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erhalten haben*. Für alle anderen bleiben die Zufahrt Kaiserstraße und der Zutritt zum Denkmal bereits einen Tag vorher und am Veranstaltungstag verwehrt. Ab 9. Juli wird das Denkmal wieder für den normalen Besucherverkehr freigegeben – wobei kurz vor dem Eröffnungstermin und danach in der 28. Kalenderwoche vermutlich mit einem erhöhten Besucherstrom zu rechnen ist.

LWL-Direktor Matthias Löb teilte dazu bereits mit Pressemeldung vom 9. Mai 2018 mit: „Wir freuen uns, wenn die Menschen mit uns feiern. Allerdings müssen wir an diesem Sonntag den Zustrom von Besucherinnen und Besuchern auf 3.500 begrenzen. Ab Montag, 9. Juli, ist die Zufahrt für jeden wieder frei.“

Neben der Besichtigung des neuen „LWL-Besucherzentrum Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ im Ringsockel bietet der LWL den geladenen Gästen am Veranstaltungstag jedenfalls zusammen mit dem Betreiber des neuen Restaurants „Wilhelm 1896“ (der Kotelett-Schmiede Gaststättenbetriebs-GmbH, siehe gruppenreise-navi.com) ein umfangreiches Rahmenprogramm. Es werden Speisen und Getränke serviert sowie Informationen zum Denkmal und die Region gegeben – abgerundet durch ein Kinderprogramm, das sich rund um „den Kaiser“ dreht.

Nur wer diese Einladung erhalten hat, darf am 8. Juli bei der Wiedereröffnungs-Feier des Kaiser-Wilhelm-Denkmals teilnehmen (hier: Einladung an ein Parteimitglied der Piratenpartei Minden-Lübbecke)

Saniert und neu interpretiert wird das insgesamt 88 Meter hohe Denkmal (Sockel: 5,5 Meter, Kaiser: 7 Meter, Baldachin mit Kaiserkrone: 50 Meter, Rest: 27,5 Meter) seit 2015 vom LWL als Eigentümer, nachdem der Landschaftsverband am 11. Oktober 2013 auf seiner Landschaftsausschuss-Sitzung beschloss, für die Sanierung und Teil-Rekonstruktion der (ursprünglich 120 Meter Durchmesser umfassenden) Ringterrasse 2,8 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (kurz: Bundesbauministerium, BMI) unterstützte die Umgestaltung mit 5,5 Millionen Euro und wollte das Denkmal als „national wertvolles Kulturgut“ anerkennen (ob es dazu kam oder kommt, entzieht sich unserer Kenntnis). Die Gesamtkosten wurden so in 2015 auf 12,4 Millionen Euro kalkuliert.

Dann gab es wohl Probleme bei der Wiederherstellung der Ringmauer, weshalb die Kosten auf 16,4 Millionen Euro stiegen (lt. Bericht Süddeutsche Zeitung vom 20. Februar 2018), woran sich der Bund mit 5,8 Millionen Euro beteiligte und die Stadt Porta Westfalica mit 600.000 Euro. Außerdem gab’s Geld von der NRW-Stiftung in Höhe von 300.000 Euro (lt. Bericht Neue Westfälische vom 12. Mai 2018).

Im Vorfeld wurde aus der Bevölkerung heraus im Jahr 1996 zum 100-jährigen Jubiläum des Denkmals (Einweihung war am 18. Oktober 1896) der Verein zur Förderung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals e.V. gegründet, der bereits erste Instandsetzungsarbeiten durchführen ließ und sich daran mit rund 200.000 Euro (damals: 400.000 DM) finanziell beteiligte. Außerdem gab es Gästeführungen (siehe unser Bericht).

Auf jeden Fall erwarb der LWL zur Imageverbesserung die ehemalige „Denkmalsgaststätte“ unterhalb des Denkmals, um diese nach einem Räumungsverkauf in 2015 abzureißen (siehe unser Bericht), neue – kostenpflichtige – Parkflächen sowie einen Imbiss mit Toiletten und Touristenartikeln zu schaffen (siehe Fotostrecke in unserem Bericht und Ausführungen zum Parkplatz in unserem anderen Bericht).

Das zukünftige Besucherzentrum soll eine Ausstellung beinhalten (ein Partnerprojekt der Westfälischen Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH, LWL-Kulturabteilung, Dr. Ulrich Hermanns Ausstellung Medien Transfer GmbH – siehe Präsentationsmappe), die die Geschichte der Umgebung von der Zeit der Römer in Germanien, die schon den Bergeinschnitt nutzten, über Preußens Pathos bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in den Stollen direkt unter dem Monument darstelle.

Neben dem oben genannten Parkplatz direkt unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit 170 Stellplätzen (für Pkw, Motorräder, Reisebusse, zwei für Elektroautos – Preise von 8 bis 18 Uhr: 3 Euro für drei Stunden oder Tagesticket für 5 Euro pro Pkw) soll ein zusätzlicher Parkplatz mit weiteren 140 Stellplätzen in der Nähe der südlichen Einfahrt zum Weserauentunnel entstehen sowie noch ein Parkplatz im Tal.

Außerdem soll ein Pendel-Bus zum und vom Denkmal (Fahrtpreis voraussichtlich 3 Euro pro Person) die Besucher dazu animieren, nicht mit dem eigenen Auto bis zum Denkmal zu fahren. Davon abgesehen kann man auch mit dem Fahrrad bzw. E-Bike den Höhenunterschied von rund 294 Metern über die serpentinenartige Kaiserstraße oder zu Fuß durch den Wald überwinden.

Jährlich werden 150.000 Besucherinnen und Besucher erwartet laut LWL (mit Stand Mai 2018 seien es rund 120.000 jährlich laut Neue Westfälische), denen von den Denkmal-Terrassen aus eine Aussicht auf das gegenüberliegende Wesergebirge mit dem Jacobsberg, auf die Stadt Porta Westfalica-Hausberge sowie auf das Wesertal und die Weserbrücke geboten wird.


*2500 Tickets verloste der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in fester Zusammenarbeit mit dem Mindener Tageblatt (MT) zur Wiedereröffnungsfeier des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit freigelegter Ringterrasse an Besucher. Einsendeschluss war der 1. Juni 2018. Weitere 1000 Tickets wurden anscheinend an geladene Gäste aus allen politischen Parteien der Region Minden-Lübbecke (Frank Tomaschewski zeigte uns beispielsweise am Abend mit den PIRATEN stolz seine Einladung), Bürgermeister und deren Vertreter der Pressestellen, Landrat plus Pressestelle, Kultusminister, Vertreter des LWL und die eigenen Medienvertreter des MT verteilt.

Bis heute heißt es, dass die Nachfrage nach Tickets höher als das Angebot (gewesen) sei. Plätze seien nur begrenzt verfügbar zum Denkmal-Fest, maximal 3500 Menschen könnten daran teilnehmen. Doch am 23. Juni wurden plötzlich über mt.de15 Karten für Exklusivbesuch beim Kaiserdenkmal“ verlost. Interessant, denn wir haben nach rechtzeitiger Anfrage beim LWL bis heute keine Presseeinladung im Briefkasten.

Wurde hier einem Medium ein Vorrecht zur Berichterstattung gewährt? Geht es um „Selbstbeweihräucherung“? Nun ja. Dann werden wir uns halt demnächst selbst einen Eindruck verschaffen, wieder eine „fette“ Bilderstrecke mitbringen und noch kritischer draufschauen, was an diesem geschichtlichen Ort für Millionen von Euros der Steuerzahler bereits umgesetzt wurde oder eben noch nicht.

++ UPDATE ++

Okay, jetzt besteht aber langsam Erklärungsbedarf (seitens des LWL), was die Ticketausgabe zur „Kaiser“-Wiedereröffnung betrifft, an der angeblich „aus Sicherheitsgründen“ maximal 3500 Menschen teilnehmen dürften.

Denn der Minden Kurier kündigt über seine Facebook-Seite am 29. Juni an, 30 Bustickets zur Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am 8. Juli zu verlosen, und erklärt: „Der Zugang zum Denkmal ist limitiert, nur mit den entsprechenden Bändchen kommt man dorthin.“ Ebenfalls verschenkte Radio Westfalica am 29. Juni „den ganzen Morgen Tickets“ (Anzahl unbekannt). Hinzu kam noch WDR „Lokalzeit OWL“ vor Kurzem, die eine unbestimmte Anzahl an Tickets verlosten.

Quelle: Medieninfos des LWL, Wikipedia, Stadt Porta Westfalica, Westfalen-Blatt, OctoberNews (weitere Links s.o.)


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