ZEROLAP, Projekt 2+ und Müller rockten Bückeburger Motorradclub

Wenn Berliner, Dresdener und Bückeburger eine Party schmeißen, dann klappt's auch mit der Wiedervereinigung

ZEROLAP live 01.11.2014 bei MC Skull in Bückeburg - Fotos: onm
Mit harten Tönen und schnellen Gitarren überzeugte ZEROLAP im Clubhaus des MC Skull – Fotos: onm

Drei Bands aus Berlin, Dresden und Obernkirchen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, rockten an Allerheiligen 2014 die Bühne des Motorradclubs Skull in Bückeburg. ZEROLAP, Projekt 2+ und Müller versorgten das bunt gemischte Publikum mit New Wave, 70er Rockmusik und gutem alten Heavy Metal.

Projekt 2+ aus Ortrand bei Dresden machte den Anfang. Sie selbst bezeichnen sich als experimentelle Beat- und Rockmusiker, wobei der Auftritt, der Takt und die deutschen Texte eher an “Da, Da, Da” aus den 80ern erinnern. Dabei bedient Keyboarder Friedrich Kern zwei Tasteninstrumente gleichzeitig und singt im gleichen Zuge. Schlagzeuger Rudolph Dasler gibt ordentlich den Takt an und haut tatsächlich rockige Klänge aus dem Fell. Dass die zwei Teenager auch improvisieren können, zeigten sie mit “Ausweis” – ein Song, der spontan aus dem Hut gezaubert wurde und die Zuhörer automatisch zum Mitsingen zwang. Ein junges Duo mit Potential.

Projekt 2+
Das Duo “Projekt 2+” brachte NW wieder ins Rollen

Nach einer Kaltes-Buffet-Pause zeigte Müller aus Berlin (Kreuzberg und Friedrichshain), was sie aus den Boxen des MC Skull herausholen können. Sänger und Gitarrist Tom Müller – der Bandname fällt auf ihn zurück – kommt normalerweise aus dem Country-Genre. Die Band hatte sich jedoch auf eigens kreierte sanft-rockige Songs im Stil der 70er Jahre geeinigt und sauber aufs Parkett gelegt. Auch Nessi (am Bass) und Pepe (Drums) konnte man die langjährige Erfahrung als Musiker anmerken. Unter anderem stellten sie ihren Song “Falling in Love” vor. Die Klänge aus den 70ern sind halt nicht kleinzukriegen und haben ganze Generationen geprägt. “Der damals bekannte ‘Alabama’-Countryschuppen mit Livemusik und das gleichnamige Kino in Berlin-Wedding existiert nicht mehr, dafür ist Wedding ein richtiger Kiez geworden”, wälzt er mit unserer Redakteurin in Heimaterinnerungen. “Du wirst Berlin nicht mehr wiedererkennen.”

Für den Auftritt der Headliner musste sodann die Zeit überbrückt werden, bis Drummer Jojo sein Schlagzeug nach den Umbauaktionen der vorherigen Bands wieder so aufgebaut und eingestellt hatte, dass es passt und fett klingt. Das war jedoch kein Problem, denn “Matze” vom MC Skull klärte uns derweil darüber auf, dass der Motorradclub keine “Chapter” besitzt, also Ortsgruppen des Bückeburger Clubs.

Nachdem die Mitglieder immer wieder eine passende Behausung gesucht hatten, haben sie endlich ihr Gebäude gefunden, ein alter, denkmalgeschützter Lokschuppen direkt an den Bahngleisen. Stolz zeigt er Bilder an der Wand, die die Sanierungsarbeiten zeigen: Da wurden Wände rausgerissen, neue Böden betoniert, Decken abgehangen und vieles mehr. Mittlerweile ist es zu einem stattlichen, rustikal-gemütlich eingerichteten Clubhaus hergerichtet, das sich sehen lassen kann. “Das massive Mauerwerk hat jedoch auch seine Nachteile”, erzählte Matze, “wir haben hier weder Warmwasser noch eine Heizungsanlage.” Daher haben sie Öfen angeschlossen, die mit Holzscheiten beheizt werden. “Die erzeugen zwar eine gemütliche Wärme im Winter, aber wir haben öfters Probleme mit Schimmelbefall”, erklärte der 48-jährige, der seit 15 Jahren dabei ist. “Dafür ist unsere Musikanlage jetzt so verkabelt, dass nur ein einziger Stecker die gesamte Anlage vom Strom trennt. Die kann jetzt jeder Laie bedienen.”

Müller
“Müller” aus Berlin schlugen weich-rockige Töne ganz im Stil der 70er an

Und die hat’s in sich. Ob AC/DC, Country oder bekannte deutsche Lieder aus den 80ern – auf der Songliste ist einfach alles gespeichert und dröhnt aus den Lautsprechern. Da wurde dann auch mal das Tanzbein geschwungen hinter der Bar. Ansonsten sind Frauen unerwünscht im Motorradclubleben – ist halt doch eine Männerdomäne. Der MC Skull hat übrigens diesen Sommer sein 35-jähriges Jubiläum gefeiert, was mit einer Sommerparty ordentlich gefeiert wurde.

Doch zurück zu den Headlinern. Das Schlagzeug ist aufgebaut. ZEROLAP betritt jetzt die Bühne. Die alt eingesessenen Musiker aus Obernkirchen, Bückeburg und Minden fingen gerade an, die ersten Töne zu schlagen, als schon die ersten Smartphones gezückt wurden, um kleine Filmchen zu drehen und Bilder zu schießen. Es wurde laut. Angenehm laut, aber hart. Heavy Metal eben. Für den Gastgeber des Abends wurde jeder Song mit “dieses Lied ist für Bodo” angekündigt und die Rocker waren von den Socken. Altbekannte Songs wie “No Fear of Pain” und “No Escape” wurden neu aufgemischt und neue Songs kamen hinzu. Die Bandmitglieder hatten auch lange genug nichts von sich hören lassen und wurden schon als “Kellerkombo” abgestempelt.

Matze
Matze vom MC Skull guckt nur wegen der Kamera so böse ;o)

Und dann das. Die Stimme von Floyd klang rau, der neue Gitarrist Alex schlug in die Saiten, als gäbe es kein Morgen, Bassmann “Producer” Rainer wollte am liebsten zwischen die Besucher springen, was wegen Platzmangel jedoch ausblieb, und Drummer Jojo grinste wie ein Honigkuchenpferd beim Spielen, weil einfach alles nur “geil, geil, geil” war. “Von wegen, ich kann kein Doublebass!”, verkündete er stolz.

“Das sind genau die Töne, die wir brauchen”, heißt es nach dem Auftritt von ZEROLAP seitens Matze, der völlig aus dem Häuschen war und den “Presi” schon während des Bühnengelages anrief und über die Band informierte. Ein Folgeauftritt im Februar scheint für die Bandmitglieder schon sicher zu sein, was ordentlich begossen wurde. Letztendlich erschien zu später Nacht auch der “Presi” mit Gefolge und es wurde noch mal gebührend gefeiert.

Eins ist auf jeden Fall amtlich: Der Abend des 1. November 2014 beim MC Skull war faszinierend wie gemütlich und spaßig zugleich. Es ergaben sich neben der großartigen Livemusik auch interessante und lustige Gespräche zwischen Dresdenern, Berlinern und Schaumburgern – so läuft das mit der Wiedervereinigung! Und das Rockerleben ist eben nicht nur Harley fahren und “born to be wild” …

Und hier noch die Bildergalerie vom Auftritt der Band ZEROLAP (Fotos unserer Redakteurin):


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