“Wir sind die Tuning-Szene”

Aufgemotzt und abgefeiert: Tag der offenen Tür war am "Car-Samstag" bei der Mietwerkstatt Minden in Hille-Hartum gut besucht

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Geschäftsführer-Duo Ferdinand Berger und Dominik Selle (v. li.) mit ihren treuesten Fans aus der Tuning-Szene am “Car-Samstag” vor der Mietwerkstatt-Minden – Fotos: onm

Trotz Wechselwetter fanden Car-Tuning-Fans aus dem Raum Minden, Herford und Schaumburg zur Mietwerkstatt-Minden nach Hille-Hartum. Denn das Schrauber-Duo hatte zum “Car-Samstag” bzw. Tag der offenen Tür eingeladen mit Szene- und Showcars sowie Live-Musik von DJ Morris.

Es war der 18. Juni 2016, die Sonne schien grelle, die Regenwolken schoben sich dazwischen, dann wieder Hochsommer, und wieder Herbstfeeling – so ging das den ganzen Tag lang. Da fiel es Tuning-Fans nicht leicht, zu entscheiden, ob man seine jahrelang gepflegte, aufgemotzte und liebevoll gestaltete “Karre” aus der Garage holen soll oder nicht, um sie nach Hartum zu kutschieren.

Aber die Neugier auf Neues, Schmackes auf Bratwurst, Pizza und diverse Getränke sowie der Mindener Plattenteller von DJ Morris überzeugten dann doch. So trudelten im Laufe des “Car-Samstags” immer wieder Gäste ein – mal mehr, mal weniger – und tauschten sich gemeinsam über ihre vorgeführten BMWs, VWs, Audis und andere Marken aus.

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Schrauber- und Tuning-Fans tauschen sich untereinander über ihre Fahrzeuge aus am Tag der offenen Tür der Mietwerkstatt-Minden in Hille-Hartum

“Bis circa 11 Uhr standen wir alleine da und dachten schon, da kommt keiner”, erzählte Ferdinand Berger, einer der beiden Geschäftsführer der Mietwerkstatt-Minden. “Doch dann ging’s los.” (Die Veranstaltung war ja für 9 bis 22 Uhr angekündigt). Besitzer der verschiedensten Karossen fuhren vor oder präsentierten ihr Auto auf dem Parkplatz nebenan – wie beispielsweise Andreas B. mit seinem BMW:

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Andreas B. zeigte gerne, wie viel Power unter der Motorhaube und in dem Kofferraum steckt seines Youngtimer-BMWs

Der Youngtimer stammt aus dem Jahre 1989 und befindet sich seit 17 Jahren in seinem Besitz. Und seitdem wurde an dem 171 PS starken Cabrio (der Tacho zeigt 240 km/h an) mit 2,5 Liter Hubraum mächtig gewerkelt: Ein nagelneues schwarzes Stoffdach, auf dem die Regentropfen tanzen, wenn er die – im Kofferraum verstaute – Soundanlage aufdreht, sticht genauso ins Auge wie die 9 Zoll Alufelgen (auf 215er Bereifung), der Zender Frontspoiler und der Doppelauspuff.

“Die MHW-Rücklichter habe ich mir selber zu Weihnachten geschenkt”, erzählte er stolz. Außerdem seien die neuen Felgen leichter zu reinigen als die alten. Auch im Kofferraum hat er einiges verändert, um die Anlage unterzubringen und gleichzeitig optimalen Stauplatz für Warndreieck, Ersatzrad und Ähnliches zu schaffen. Dafür hat er Holzbretter entsprechend zugeschnitten und mit Stoff verkleidet. Das Fahrzeug habe heute einen Wert von rund 20.000 Euro (ohne Soundanlage), weshalb er seinen Nachnamen und Wohnort nicht veröffentlicht sehen möchte.

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Peter K. ist stolz auf seinen “dezenten” 380-PS-Flitzer

Mit Letztgenanntem hat auch Peter K. so seine Schwierigkeiten. Denn wenn er mit seinem – für 6000 Euro von Mattweiß auf Perlmuttweiß umlackierten – Nissan 350 Z auftaucht, sind ihm “Langfinger”-Blicke sicher. Immerhin versteckt sich hinter den großen, leicht nachgetönten Scheiben und dem fast dezenten Karosserie-Design ein V6-Monster mit 380 PS und 3,5 Liter Hubraum.

Abgerundet durch Doppel-Sportauspuff, hinten 10,5×19 Zoll und vorne 9,5×19 Zoll Alufelgen von Rial, einem Heckflügel und Xenon-Scheinwerfer, die gar nicht so böse dreinschauen wie dem Hinterteil nach vermutet, lässt das Interieur aufgrund des Alters etwas zu wünschen übrig, beinhaltet aber immerhin Sportlenkrad und Sportkupplung.

“Später kommen Ledersitze, Lederhimmel, eine ordentliche Musikanlage und Alcantara-Verkleidung an den Seitentüren”, erklärte Peter. Aber vorerst ist er stolz auf seine familienuntaugliche Neuanschaffung, sagte sein verschmitztes Lächeln aus – hat ja schon ein bisschen “Kleingeld” gekostet.

Über Geld spricht man natürlich ungern in der Tuning-Szene. Lieber tritt man ab und an aufs Gaspedal, lässt den Auspuff röhren oder hinterlässt eine schwarze Gummispur auf dem Asphalt. “Hier können wir auch mal Krach machen, ohne dass es jemanden stört”, antwortete Geschäftsführer Dominik Selle auf die Frage, warum man denn einen Standort außerhalb wählte, zumal die Stadt Minden als Bestandteil des Firmennamens gewählt wurde.

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Hinter dem hart an der Schmerzgrenze tiefergelegten Golf mit Audi-Alufelgen sieht man weit und breit nur Felder (gegenüber der Werkstatt) – gut für auch mal lautstarkes Aufbäumen

Auf der Hand lag halt nicht nur, dass die zwei gelernten Kfz-Mechaniker hier vor drei Jahren einen günstigen Platz gefunden haben, sondern auch, dass sie eben aus Minden kommen. “Da werben wir auch am meisten”, so Selle, “weil ein Großteil unserer Kundschaft aus Minden kommt. Aber auch aus der Region Minden und Schaumburg.”

ON: “Gibt es in Hille denn keine Tuning-Szene?” Selle antwortete selbstbewusst und wie aus der Pistole geschossen: “Wir sind die Tuning-Szene!”

Doch zurück zu den “Schätzchen”. Ein weißer Ford Mustang Cobra SVT wartete quasi darauf, in der Linse eingefangen zu werden – inklusive Fahrer natürlich. Schwarzer Audi neben schwarzer Harley vor schwarzer Fassade macht sich immer gut. Weiße Karossen unter strahlender Sonne blenden sich zwar gegenseitig, dafür gab’s noch einen schokobraunen Audi und einen knallorange-farbenen Ford mit schwarzem Totenkopf-Muster auf dem Dach sowie einen blauen VW mit weißen Porsche-Felgen und Rallyestreifen zu sehen. Sehen Sie selbst in unserer kleinen Bilderstrecke:

Doch wo Rallye draufsteht, muss noch lange nicht Rallye drin sein. Alles deutete bei einem Fahrzeug darauf hin: Überrollbügel, Name neben Deutschlandflagge an der Fensterscheibe, Sportgurte etc. – doch Fehlalarm, sollte nur den Anschein eines Rallyewagens erwecken. Ein No-Go für unsere Redakteurin, die selbst in den 80/90er Jahren mit Rallyefahrern bundesweit unterwegs war.

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DJ Morris sorgte bei der Veranstaltung für stimmungsvolle Livemusik

Das ist halt Fahrzeugtuning, wobei der englische Begriff „Tuning“ so viel wie Abstimmen bzw. in Einklang bringen bedeutet, also individuelle Veränderungen und Modifikationen an Personenkraftwagen, Motorrädern und Lastkraftwagen vorzunehmen, die dem Zweck dienen, die Leistung oder die Fahreigenschaften zu verbessern bzw. zu verändern – oder eben nur das Optische zu ändern.

Alles in allem war es eine klasse Veranstaltung am “Car-Samstag”, die sich sicherlich rumsprechen und noch viele Fans aufgemotzter Fahrzeuge anziehen wird. Am überdachten Tischhockey konnte man übrigens auch seine sportlichen Stärken ausreizen. Und zwischendurch lies noch ein Bulli seine Reifen qualmen. Besser geht echt nicht.

Letztendlich handelt es sich bei der Mietwerkstatt-Minden in Hartum jedoch nicht um eine spezielle Tuning-Werkstatt, sondern um kostengünstige Werkstatt-Arbeitsplätze, wo jeder an seinem eigenen Fahrzeug herumschrauben kann. Drei Hebebühnen (zwei verschiedene Bühnentypen bis 3,2 Tonnen, darunter eine ebenerdige Doppelscherenbühne für sehr tiefe Fahrzeuge), das notwendige Werkzeug sowie Diagnose- und Einstellgeräte, Schweiß-, Trenn- und Spezialwerkzeuge stehen in großem Umfang zur Verfügung.

Alle Informationen findet man auf der Website www.mietwerkstatt-minden.de.


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