Wir halten bis zum Schluss die Stange!

Max Bahr Baumarkt in Porta Westfalica Barkhausen schließt endgültig

Fotos: onm
Diese Max Bahr Mitarbeiter halten bis zur Filialschließung sinnbildlich wacker die Stange – Fotos: onm

Nun ist es passiert: Der Max Bahr Baumarkt in Porta Westfalica schließt endgültig am 25. Februar 2014. Damit verlieren mindestens diese oben gezeigten acht Mitarbeiter ihren langjährigen Arbeitsplatz.

OctoberNews berichtete bereits umfangreich über die Insolvenz des Baumarktriesen Max Bahr und die Betroffenheit der Mitarbeiter in der Filiale in Porta Westfalica Barkhausen in Nordrhein-Westfalen (siehe Berichte). Auch wenn diese Filiale nur ein Tropfen auf dem heißen Stein der ehemals insgesamt 124 Max Bahr Baumärkte in Deutschland ist, wovon 51 bereits geschlossen sind, bleibt den Angestellten dieser Filiale nur noch das sogenannte „Transfergeld“ (für ca. 3 bis 6 Monate) oder gleich zum Arbeitsamt. Wobei eine Mitarbeiterin, die vor Kurzem ihre bevorstehende Arbeitslosigkeit beim JobCenter ankündigte, tatsächlich den Vorschlag erhielt: „Dann gehen Sie doch ins Ausland. … Und wenn Sie das nicht wollen, verweigern Sie wohl die Arbeit.“ Mal abgesehen von diesem völlig unangebrachten Verhalten des Arbeitsamtes: Geht man von durchschnittlich 10 Angestellten pro geschlossenem Max Bahr Baumarkt aus, sind das immerhin bereits rund 510 betroffene Max Bahr Mitarbeiter.

Ob und wann diese von anderen Baumarkt-Konzernen wie beispielsweise Hagebau oder Bauhaus übernommen bzw. eingestellt werden, steht in den Sternen, schließlich verfügen andere Baumärkte bereits über genügend eigene Mitarbeiter. Die Angestellten der Max Bahr Filiale in Porta Westfalica haben jedenfalls das Nachsehen, denn es hat sich weder ein Nachfolger für die Immobilie gefunden im Flurweg 3, noch ist irgendein Ansatz zu erkennen, dass diese umfassend ausgebildeten Menschen jemals irgendwo Anschluss finden. Letztendlich handelt es sich um eine bunte Mischung von jung bis älter, ob männlich oder weiblich.

Auf die Frage hin, ob sie sich bereits woanders beworben hätten, zum Beispiel in anderen Baumärkten, entgegnet man uns mit traurigem Blick und den Worten: „Wenn dann werden doch nur ehemalige Mitarbeiter aus Max Bahr Filialen in Großstädten wie Hannover und Hamburg vermittelt.“ Mitarbeiter aus kleineren Städten werden anscheinend vernachlässigt.

Des Weiteren kündigt sich in absehbarer Zeit ein Neubauprojekt eines riesigen Baumarktes mitten in Minden an, der zwar über noch keine Baugenehmigung verfüge, aber in circa zwei Jahren so ziemlich alles an Baumärkten schlucken wird, was noch übrig geblieben ist in näherer Umgebung von Porta Westfalica und Minden.

OctoberNews hat heute, am letzten Tag vor der endgültigen Schließung, noch einmal den Baumarkt in Porta Westfalica aufgesucht – und es bot sich ein erschreckendes Bild: Lediglich in der vordersten Reihe direkt vor den Kassen war noch Ware in den fast leergeräumten Regalen zu entdecken, eigentlich nur Kleinkram wie Schrauben, Leisten, Aufkleber, letzte Lackfarben etc. Aber tatsächlich sahen sich noch immer Kunden um, ob sie nicht noch etwas zu Schleuderpreisen ergattern konnten. 95 Prozent Rabatt auf die ersehnte Ware war natürlich fast geschenkt – was sich manche Mitarbeiter noch auf den Rücken des Arbeitskittels schrieben, um ihre volle Einsatzbereitschaft zu zeigen.Nur noch 1 Tag

Trotz des unglaublichen Angebots gab es aber in den vergangenen Tagen noch Kunden, die am Preis feilschen wollten und meinten „Sie schließen doch sowieso, also können Sie doch auch noch was am Preis machen“. Kurz nach dem entstandenen Gruppenfoto tönt es von einer Mitarbeiterin an der Kasse: „Da wollte gerade einer den Korb für 10 Cent kaufen“, gemeint war wohl ein Max Bahr Einkaufskorb, deren Verkauf sie für den Preis ablehnte, „dafür muss man woanders mindestens 5 Euro zahlen.“ Da fällt es schon schwer, seine Wut zu verbergen – aber selbst in diesem Augenblick blieb man noch freundlich, wie man es eben jahrelang selbstverständlich praktiziert hatte. Schließlich sind alle Mitarbeiter dieses Max Bahr Baumarktes stolz darauf, hier gearbeitet zu haben.

Das zeigt sich allein darin, dass heute während des Gesprächs die Aussage eines Mitarbeiters fiel: „Wir halten bis zum Schluss die Stange!“ Ein großartiger Titel für das obige Gruppenfoto, was aus diesem Motto heraus entstand.

Doch morgen ist Schluss mit lustig: Von 9 bis 10.30 Uhr wird noch der Laden gefegt, ein Abschlussgespräch geführt und Stammkunden erwartet, die diese geschätzten Mitarbeiter noch würdig verabschieden und sich mit Kuchen und Blumen bedanken möchten für all die Jahre, die sie stets respektvoll, kompetent und jederzeit freundlich beraten wurden.

Insbesondere eine ca. 90-jährige Stammkundin aus dem nahegelegenen Klinikum hatte ausnahmslos in diesem Baumarkt eingekauft, weil sie dort als Frau respektiert und dementsprechend behandelt wurde – was man von anderen Baumärkten mit ihren meist männlichen Kollegen nicht behaupten könne. „Von uns können sich andere noch eine dicke Scheibe von abschneiden“, hallt es in der fast leerstehenden Halle von einer Mitarbeiterin. Eine jüngere Kundin weinte sogar an der Kasse, als sie sich vor Kurzem verabschiedete. Vor allem Mindener Kunden rund um den Stadtteil Rodenbeck müssen jetzt andere Baumärkte aufsuchen, um notwendige Materialien zu besorgen.

OBI und Co. verlangen zudem höhere Preise als Max Bahr, obwohl eine Baumarktkette zurzeit wohl mit Praktiker-Manier „20 % auf alles“ wirbt – der Spruch, der Praktiker in den Ruin trieb – und somit auch das später angekaufte Traditionsunternehmen Max Bahr. Ohne die Zugehörigkeit zur Dachmarke Praktiker ab 2007 würde das familiengeführte Unternehmen Max Bahr vielleicht noch heute blühen und gedeihen und vor allem die bei den Kunden heißbegehrten Pflanzen verkaufen, schließlich bestand die Baumarkt Max Bahr GmbH & Co. KG aus Bau- und Gartenmärkten, müsste man meinen. Aber wie bereits berichtet, verdankt man die Insolvenzen von Praktiker und Max Bahr letztlich den misslungenen Börsenspekulationen der Metro AG und unter anderem der Royal Bank of Scotland.

Doch was nützt das ganze Palaver. Alle Mitarbeiter des Max Bahr Baumarktes in Porta Westfalica Barkhausen stehen ab morgen ca. 11 Uhr ohne Arbeit da. Und was das Traurigste an der Sache ist: Keiner scheint sich für die Schicksale dieser Menschen zu interessieren von der lokalen bzw. regionalen Pressewelt. Es wurde zwar die Insolvenz erwähnt und dass man schöne Schnäppchen machen kann, sonst nichts. Allein diese Tatsache hat alle Mitarbeiter dieser Filiale sehr getroffen!

OctoberNews ist jedenfalls tief betroffen – das hat keiner verdient, schon gar nicht Menschen, die trotz ihrer bevorstehenden Arbeitslosigkeit noch den letzten Kunden bis zur besenreinen Verabschiedung so stolz und freundlich verabschieden. Das schnürt einem den Hals zu. Möge sie morgen früh ein Blumen- und Kuchenmeer überschütten und ein Schutzengel sie auf allen zukünftigen Wegen begleiten. Das, was sie gegeben haben, sollen sie auch zurückbekommen! 

Und hier die letzten traurigen Impressionen:

Und so sah der Max Bahr Baumarkt in Porta Westfalica noch 7 Tage zuvor aus, wo noch mit „nur“ 70 Prozent Rabatt auf das verbliebene Warensortiment geworben wurde:

 


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