Weserlieder 2015 wegen Sturm „Zeljko“ nur am Freitag

Der Weserlieder-Samstag des Open Air Festivals in Minden wurde wegen Sturmwarnung abgesagt - The Creepshow lockte am Freitag die meisten Gäste an

Fans The Creepshow
Für Fans von „The Creepshow“ war der Auftritt auf den Weserliedern 2015 das absolute Highlight – Fotos: onm

Weserlieder Open Air 2015 in Minden konnte am vergangenen Freitagabend mehr Gäste als im Vorjahr verzeichnen – gut so, denn der Festival-Samstag musste wegen angekündigten Sturmböen abgesagt werden.

Das hatte sich Andreas Schöneberg, einer der beiden Veranstalter (neben Christoph „Pity“ Rolfes) und Pressewart der Weserlieder, auch anders vorgestellt. Dabei war doch der Festival-Freitag so gut verlaufen. Das erste Wetterleuchten setzte praktisch zeitgleich gegen 1.30 Uhr mit Spielende des Headliners ein, woraufhin die meisten Besucher den Weg nach Hause ereilten. Ein starkes Gewitter mit Regenfällen folgte in der Nacht von Freitag zu Samstag.

Trotzdem waren die Veranstalter guten Mutes, denn der Samstagmorgen verlief sonnig und ruhig. Eigentlich ein guter Start für einen zweiten Festivaltag. Bis sich die Wolken zusammenzogen und eine Unwetterwarnung vom Deutschen Wetterdienst herausgegeben wurde: „Für die Zeit ab 14 Uhr kann mit Sturmböen und sogar orkanartigen Böen bis zu 110 Stundenkilometer Geschwindigkeit gerechnet werden.“ So sahen sich die Veranstalter – aus Sicherheitsgründen seiner eingeladenen Musikbands und Fans gegenüber – dazu gezwungen, den Festival-Samstag komplett abzusagen. Der Sonntag bot sich als Alternative gar nicht erst an, weil keine Genehmigung vorlag.

Weserlieder-Team Sturm
Das Weserlieder-Team lief wortwörtlich Sturm am vergangenen Samstag

Um 19 Uhr sollte es ja mit „Alex Amsterdam“ auf der Bühne losgehen. „Ich weine bitterliche Tränen …“, postete er auf der Facebook-Seite der Weserlieder. Dann sollten Women Market, Fightball, Mega! Mega! und Town of Saints folgen.

Platzwart Joern Lacour ging buchstäblich „der Arsch auf Grundeis“. In einem Facebook-Kommentar beschrieb er, welche Maßnahmen von jetzt auf gleich durchgeführt werden mussten: „Bands informieren, mit der Presse telefonieren, damit die Absage publik wird … Da steht noch ein komplettes Festival. Und in wenigen Stunden kommt ein Orkan. … Aber schaffen wir es allein, alles sturmfest zu bekommen? Für ein paar Minuten geht mir der Arsch auf Grundeis. Bin halt der Platzwart. Wenn der Platz weg fliegt, kann ich auch gleich nach Hause gehen.“

Doch seine Sorge war unbegründet. Daniel Westermann von der DLRG Minden und Simon Hücker vom Deutschen Roten Kreuz sagten kurzerhand ihre Hilfe zu. Schon kurze Zeit später war das Festivalgelände voller Helfer. „Sicherheitsabbau, alles runter, alles was geht in die Lkws, Planen raus aus den Zäunen, sichern was möglich ist, Hauptsache der Wind hat keine Angriffsfläche. Das war kein Abbau, sondern Abriss“, ergänzte Lacour. Sämtliche Stände, die Bühne und sonstige Aufbauten konnten so bereits vor dem Sturm abgebaut und sichergestellt werden. Die Weserlieder-Crew fand Unterschlupf bei der DLRG.

Dass sich die Entscheidung des Veranstaltungsteams als gut und richtig erwies, zeigte sich in ganz Deutschland. Sturmtief „Zeljko“ sorgte am vergangenen Samstag ab ca. 17 Uhr bis kurz vor Mitternacht für herabfallende Äste und umstürzende Bäume, die wiederum diverse Zugverkehre lahmlegten, Dächer wurden abgedeckt, und in den Niederlanden bei Arnheim nahe der deutschen Grenze wurde ein Autofahrer sogar von einem umstürzenden Baum getötet. Auf dem Festivalgelände hatte es einen Baum erlegt. Die Mindener Feuerwehr und Polizei war im Dauereinsatz, konnte jedoch außer umgestürzten Bäumen, die zu beseitigen waren, keine schwerwiegenden Einsätze verzeichnen.

Abgebrochene Äste "zierten" nach dem Sturm das gesamte Stadtbild Mindens
Abgebrochene Äste prägten nach dem Sturm das gesamte Stadtbild Mindens

Pressewart Schöneberg bedauerte sehr, dass die Veranstaltung wetterbedingt nicht weitergehen konnte: „Wir können für eure Sicherheit und auch die unserer Helfer nicht garantieren. Wir möchten nicht, dass jemand zu Schaden kommt. Auch wenn sich die Lage vielleicht im Laufe des Abends beruhigen sollte: Wir glauben, dass diese Entscheidung die richtige ist. Es fällt uns schwer und wir sind sehr traurig, aber die Erinnerungen an gestern Abend werden bleiben.“ Zu allem Unglück rutschte er selbst noch über eine Treppenstufenkante und zog sich eine Prellung am Fußwurzelbereich zu. Er wurde für fünf Wochen krankgeschrieben.

Die Musikband „Fightball“ aus Berlin reagierte direkt nach ihrer Ankunft hingegen spontan und gab kurzerhand Samstagabend ab 21.30 Uhr ein Konzert bei freiem Eintritt im „Ameise Kulturhügel Hamburger Hof“ in Minden. Dazu äußerten Sie in einem Facebook-Kommentar: „Super schade, dass das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Trotzdem.. wir freuen uns auf die sympathischen feierlaunigen MindenerInnen und das Weserlieder-Team! Lasst uns heute Abend zünftig feiern!“

Ordentlich gefeiert wurde auf jeden Fall am Festival-Freitag. Laut Aussage der Veranstalter waren allein an diesem Tag schon mehr Besucher verzeichnet worden als im Vorjahr. Tatsächlich war ein Fortbewegen auf dem Gelände kaum möglich bei der Menschenmasse – diese füllte das Gelände bis runter zur Weser, schon wegen des neuen Biergartens.

Hauptanziehungspunkt war jedoch die Band The Creepshow aus Toronto/Ontario (nach den Auftritten von „Fernglas“ und „Giant Rooks“ – wo wir nicht dabei waren). Da brauchte es keinen Sturm, um die Bühne beben zu lassen, das erledigten die Bandmitglieder schon selbst – insbesondere die charismatische Sängerin Kendalyn „Kenda“ Legaspi. Sie kletterte sogar während der Show eine Bühnentraverse hoch und stand kurzerhand auf dem Kontrabass von Sean „Sick Boi“ McNab. Die Gäste waren total aus dem Häuschen. Manche reisten sogar mit Fan-Shirts an.

The Creepshow
Sängerin Kenda und ihre Band „The Creepshow“ aus Kanada (Nordamerika) heizten den Festival-Besuchern am Freitag ordentlich ein

Pogo tanzen war sozusagen Pflicht unter den Festival-Besuchern während des Auftritts. Schließlich fließt in dem Musikstil von „The Creepshow“ nicht nur Rockabilly, sondern auch reichlich Punk mit ein, weshalb sich das Ganze „Psychobilly“ nennt. Die Kanadier ließen es krachen, versorgten ihre Fans mit Rhythmus ohne Ende. „The Creepshow“ war das Highlight des Abends, was sich schon daran zeigte, dass nach dem Auftritt zahlreiche Besucher das Festivalgelände verließen. Was dem keinen Abbruch tat, so konnte man sich freier bewegen.

Andreas Schöneberg
Veranstalter Andreas Schöneberg freute sich am Freitag über die zahlreichen Besucher und die Bandauswahl des Weserlieder-Teams

Andreas Schöneberg war jedenfalls sichtlich zufrieden mit der Bandauswahl, wie er während des Konzerts verriet.

Auch Karl-Ernst Hunting, Leiter der IHK Minden, ließ sich das Spektakel nicht entgehen. Nicht zu vergessen die Security, die – im Gegenteil zum letzten Jahr – deutlich freundlicher und zugänglicher war.

Doch nun zum Headliner des Freitagabends. Mandrake’s Monster aus den Niederlanden warteten mit gutem alten Metal auf – und eigenwilligen Abwandlungen. Nach einem langen Intro folgte zunächst ein „Warmlaufen“. Nach und nach steigerten die Musiker aber das Tempo und heizten dem Publikum immer stärker ein. Mit einem Schlagzeugsolo von Mart Nijen, begleitet von Bassist Sem Christoffel, und Headbanging von Sänger Martin Duve tauten sie die Zuschauermenge auf.

Was man jedoch nicht jeden Tag geboten bekommt, war das Gitarrenduell von Alex Freise and Peter Muller. Während die Festival-Besucher den Song „Seven Nation Army“ von „The White Stripes“ anschnitten, erwiderten die beiden E-Gitarristen mit Klängen deutscher Kinderlieder, wie „Hänschen klein“ und „Alle meine Entchen“, und hauten dann härtere Töne um die Ohren. Ein Heidenspaß, der für einen gelungenen Abschluss sorgte.

Mandrakes Monster
Headliner „Mandrake’s Monster“ steigerte das Verlangen beim Publikum nach mehr Rock und Metal

Auf dem Gelände an sich tummelten sich zahlreiche „Fress- und Sauf-Stände“. Ob Bratwurst, Bier, Nichtalkoholisches, Asia-Pfanne oder indisches Geflügel mit Curry und Joghurt im Weserlieder-Restaurant-Zelt – die Auswahl war groß (die Preise leider auch). Ein Mann hielt es am Freitagabend aber nicht einen Moment auf der Stelle: Guido Niemeyer, Quartiermanager in Minden-Rodenbeck, wurde an seiner „Kommando Cocktail Bar“ praktisch überfallen. Der Ansturm war so groß, dass man Niemeyer alle halbe Stunde mit Sackkarre Nachschub holen sah. Er und sein Team kamen kaum hinterher bei dem Andrang.

Guido Niemeyer
Guido Niemeyer kam am Freitag nur selten dazu, Cocktails selbst zu mixen

Dann kümmerte er sich auch noch um die Fluchtwege, die man wohl verbaut hatte. Aufgeregt redete er auf die Männer von der Security ein, die einen Zaun schließlich so umstellten, dass Besucher im Falle panikartiger Flucht von dem Gelände auch genug Platz hätten und nicht von „Mauern“ eingekesselt würden.

Letztendlich versorgten zahlreiche Weserlieder-Helfer die Künstler im Backstage-Bereich, verkauften Merchandise am Stand und halfen an jeder Stelle aus, wo sie gerade gefragt waren.

Nur ein Zelt (bzw. zwei) fiel aus der Rolle. Kaum beleuchtet, fast anonym, betrieben zwei Männer einen „Philip Morris“-Stand – und gleich nebenan ein großes Raucherzelt. Wer per Tablet sich mit seinen persönlichen Daten (ab 18 Jahre) registrierte, bekam ein kostenloses Zigaretten-Probepäckchen geschenkt und konnte an einer Gewinnspielverlosung teilnehmen. Die Zigaretten versteckte man hinter einem Pult. Fotoaufnahmen wurden strikt verboten.

Besucher Festival
Zufrieden und gestärkt verließen Weserlieder-Besucher in der Nacht von Freitag zu Samstag das Festival-Gelände

Insgesamt eine fantastische Veranstaltung – der Wettergott war den Weserliedern ja auch gut besonnen am Freitag. Und das Jahr 2015 wird den Weserlieder-Gästen, Veranstaltern und allen, die daran mitgewirkt haben, wohl in besonderer Erinnerung verbleiben. Der wahrscheinlich finanzielle Verlust muss noch errechnet werden. Doch nun zu unserer Fotostrecke:


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