Weserflößer legen in Minden an

Weserfloßfahrt 2016 der Weserflößer Reinhardshagen endet nach 204 Kilometern am 9. September in Minden - Aktionen rund ums Holz an der Schlagde am 10. September

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Floßfahren erfährt seine Wiedergeburt: Wie hier auf der Weser in Minden bewegen sich immer mehr Jugendliche auf den schwimmenden Hölzern – Symbolfoto: onm

Dass Floßfahren nicht nur Spaß machen kann, sondern auch eine langgehegte Geschichte aufzuweisen hat, zeigen die Weserflößer Reinhardshagen unter dem Motto „regional ist nicht egal“ am 10. September 2016 an der Schlagde in Minden.

Zu Zeiten wenig ausgebauter Straßen- und Bahnnetze war die Flößerei einst die bestmögliche Methode, Holz als Brennmaterial oder Ausgangsrohstoff für diverse Fertigungen über weite Strecken zu transportieren. Das Holz wurde vor Ort geschält, zu einem Floß gebunden und über das Wasser bewegt. Im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung verlor die Flößerei zwar immer mehr an Bedeutung, wurde aber bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts noch von einzelnen Familien in Deutschland am Leben erhalten, bis sie letztendlich als Handwerk vollends ausstarb.

Doch das Floßfahren erfährt seine Wiedergeburt: Traditionsverbundene Freundeskreise, Vereine wie auch einzelne Jugendliche haben das Bauen und vor allem Fahren auf Flößen als Sport- und Freizeit-Betätigung entdeckt.

Und nicht nur das, es gibt auch was zu Feiern. Anlässlich des 1150-jährigen Jubiläums des erstmals im Jahr 866 in klösterlichen Unterlagen erwähnten Dorfes Vaake – inzwischen Ortsteil der Großgemeinde Reinhardshagen in Nordhessen – nahmen 18 Vereinsmitglieder der Weserflößer Reinhardshagen e.V. ihr handwerkliches Geschick in die Hand und bauten am Vaaker Weserufer ein Floß, in nur drei Tagen und nach historischem Vorbild.

In einer wahren Meisterleistung verbauten die Männer 70 von Hand geschälte Fichtenstämme von circa 20 Meter Länge, was den klassischen 100 Festmetern (100 Kubikmetern) entspricht. Das Floß umfasst schließlich traditionell eine Länge von 40 Metern und ist 7 Meter breit.

Ein Floß zu bauen erfordert Kraft und handwerkliches Geschick – Foto: Weserflößer Reinhardshagen

Dann war es soweit. Am 4. September starteten die Weserflößer in Vaake und durchlaufen seitdem in Tagesetappen zahlreiche Ortschaften entlang der Weser, bis sie schließlich nach 204 Kilometern am 9. September gegen 19 Uhr als letzte Station Minden erreichen werden.

An der Schlagde – dem ältesten Schiffsanlegeplatz Mindens (heute Großraumparkplatz unterhalb der Fischerstadt) – kann das Weserfloß sodann am 10. September zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden. Die offizielle Begrüßung erfolgt um 13 Uhr.

Aktionen rund ums Holz – historisch und modern, für Klein und Groß – runden das besondere Ereignis ab.

Am Sonntag, 11. September, beginnt dann der Abbau des Floßes. Denn nach der Floßfahrt sollen die Stämme am 12. September im Getreidehafen einem Sägewerk zugeführt werden, worauf die Erbauer besonderen Wert legen. So würde nichts verschwendet, sondern handele es sich um eine „hocheffiziente Transporttechnik ohne Energieeinsatz“ (mal abgesehen von den abgesägten Bäumen, der menschlichen Arbeitskraft und der Energie des Sägewerks).

„Regional ist nicht egal“

Aufmerksam gemacht werden soll mit der Floßfahrt auf zwei Themen: die 2014 von der deutschen UNESCO-Kommission zum immateriellen Kulturerbe erklärte Flößerei sowie die mögliche Entwicklung von gemeinsamen Projekten, gefördert von der Weser-Region.

Die Initiatoren der Weserfloßfahrt wollen durch die mit der Fahrt verbundene Region an der Weser auch auf die demografische Situation und Entwicklung in Südniedersachsen, Ostwestfalen und Hessen aufmerksam machen. Die sich hier ergebenden Probleme und Herausforderungen seien für die betroffenen Gebiete ähnlich, sodass eine Kooperation und die Entwicklung kultureller, wirtschaftlicher, touristischer und sonstiger gemeinsamer Projekte für die gesamte Weserregion vorteilhaft sein könnten, meinen die Initiatoren.

Am 10. September werden die Mindener die hessischen Flößer an der Schlagde begrüßen können – Foto: Weserflößer Reinhardshagen

Konkret könnte das verwendete Motto „regional ist nicht egal“ eine „zukunftsweisende, nachhaltige Bedeutung für die Menschen an der oberen und mittleren Weser bekommen“.

Sogar erste Vorschläge wie Schulpartnerschaften von Flussanliegergemeinden, ein (dezentrales) „Weserfloß-Erlebnis-Museum“ oder ein Qualitätssiegel für Produkte aus der Weserfloß-Region, zum Beispiel Möbel aus heimischen Hölzern, sind als mögliche Projekte angedacht.

Alle Informationen zum Verein Weserflößer Reinhardshagen findet man auf der Website www.weserfloesser.de.

Quelle: Stadt Minden, Göttinger Tageblatt, OctoberNews


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