Wer den Makler bestellt, bezahlt

Gute Nachricht für Mieter aus der Hauptstadt: Wer den Makler bestellt, bezahlt ihn zukünftig auch - Bestellerprinzip am 1. Oktober 2014 beschlossen

Zahlt zukünftig der Auftraggeber die Maklerprovision für die Vermittlung der Immobilie? Symbolfoto: onm

Endlich eine gute Nachricht aus der Hauptstadt: Wer den Makler bestellt, der bezahlt ihn zukünftig auch.

CDU und SPD haben sich jetzt in Berlin in einer geplanten Neuregelung auf das sog. „Bestellerprinzip“ verständigt. Noch immer ist es leider so, dass Vermieter bei Vermittlung einer Wohnung sich vom Mieter die Maklercourtage bezahlen lassen, obwohl der Vermieter selbst den Makler beauftragt hat. Insbesondere in Großstädten ist dies der Fall, wo die Wohnungsknappheit gnadenlos ausgenutzt wird. Nicht selten hört man dann: „Der wird schon die Maklerprovision zahlen, wenn er die Wohnung haben will.“

Nun ist hoffentlich bald Schluss mit lustig. Sollten die aktuellen Koalitionsgespräche Früchte tragen, wird der Vermieter selbst für die Maklerkosten aufkommen müssen, diese immerhin bis zu 2,38 Nettokaltmieten betragen. Bei 600 Euro Kaltmiete sind das 1.428 Euro an Maklerprovision, die bei erfolgreicher Anmietung bisher der Mieter aufbringen muss, und zwar auf einen Schlag – neben der 1. Miete (inkl. Nebenkostenabschlag!) und der Mietkaution (max. 3 Nettokaltmieten) für die neue Wohnung. Da die Mietkaution grundsätzlich in 3 Raten abzahlbar ist, muss der Mieter im 1. Monat also sage und schreibe rd. 2.800 Euro aufbringen. Und davon sind noch keine Möbel gekauft und steht noch kein Essen auf dem Tisch.

Mieter können sich also hoffentlich zukünftig auf provisionsfreie Wohnungen freuen – zumindest in den Bundesländern, die der geplanten Neuregelung zustimmen, wie bisher Nordrhein-Westfalen, Bremen, Hamburg. Und vorausgesetzt, die Maklerprovision wird vom Vermieter im Endeffekt nicht auf die Anfangsmiete draufgeschlagen!

Dr. Franz-Georg Rips, Präsident des Deutscher Mieterbund e.V. (kurz: DMB), hält die geplante Neuregelung nur für gerechtWer eine Dienstleistung (in diesem Fall einen Wohnungsmakler) in Auftrag gibt, muss dafür zahlen. (siehe Pressemitteilung des DMB vom 19.11.2013) Ist schon ein guter Ansatz, müsste aber bis ins Kleinste ausgefeilt werden, denn Vermieter und Immobilienmakler haben meist gute Anwälte, wie der DMB weiß.

Den Impuls für dieses sensible Thema gab ursprünglich Anfang 2012 eine Gesetzesinitiative der SPD-Fraktion aus Hamburg, der Gesetzesvorschlag ging am 22. März 2012 in den Bundesrat ein. § 6 Abs. 1 des Wohnraumvermittlungsgesetzes (WoVermG) besagt bereits in der heutigen Fassung, dass „der Wohnungsvermittler Wohnräume nur anbieten darf, wenn er dazu einen Auftrag von dem Vermieter oder einem anderen Berechtigten hat“. Wer den Wohnungsmakler bei erfolgreicher Vermittlung jedoch bezahlt, ist nicht geregelt, was sich bisher Immobilienmakler und Vermieter in Deutschland umfangreich zunutze machten. Lt. Hamburger Gesetzesinitiative und aktueller Koalitionsgespräche wird jetzt auch der Vermieter zum „Besteller“ erkoren bei Inanspruchnahme dieser Dienstleistung. Schließlich müssen Mieter, die einen Makler für die Wohnungssuche beauftragen, ihre Rechnungen auch alleine zahlen und können sich das Geld nicht etwa vom Vermieter zurückholen – der im Endeffekt von den Mieteinnahmen profitiert.

Entgegen der Auffassung des Immobilienverbandes IVD, die darin einen Eingriff in die Vertragsfreiheit von Maklern sehen, sieht der „Ring Deutscher Makler, Verband der Immobilienberufe und Hausverwalter (RDM) – Landesverband Berlin & Brandenburg e.V.“ darin kein Problem und unterstützt seit 2012 die Hamburger Gesetzesinitiative. Letztendlich wurde immer wieder seitens der Mieterverbände über die zahlreichen Missstände bei der Wohnungsvermittlung in Ballungsgebieten westdeutscher Großstädte berichtet. Zum Teil wurden Mietinteressenten von inkompetenten und/oder unseriösen Maklern abgefertig, teilweise sogar Vermittlungsgelder „unter der Hand“ eingefordert. Ganz abgesehen von den häufig fehlerhaften Immobilienanzeigen, die z. T. Fotos von vor 10 Jahren zeigen oder gar keine, wo man sich die notwendigen Informationen erst „erbetteln“ muss, oder auch einfach falsche oder verschönernde Angaben macht, um die Wohnung schnellstmöglichst „an den Mann“ bringen zu können. Und für diese „Leistung“ soll der Mieter dann auch noch eine teure Provision zahlen. „Das schadet dem Ansehen des Berufsstandes der Makler in Deutschland.“

Ausgeschlossen von der geplanten Neuregelung soll übrigens der Wohnungskauf bzw. Hauskauf – denn erst einmal geht es darum, Gerechtigkeit für die Mieter herzustellen, die aufgrund ständig steigender Mietpreise bei Neueinzug mit enorm hohen Kosten belastet werden.

Im Übrigen machen es uns andere Länder mal wieder vor: In Großbritannien, den Niederlanden und Belgien zahlen Mieter keine Provision bei erfolgreicher Wohnungsvermittlung.

Nun heißt es Daumen drücken für alle Mieter Deutschlands, dass die geplante Neuregelung zur Maklercourtage auch (zügig) umgesetzt wird, frei nach dem Motto, „wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch“! So einfach könnte es sein.


Update:
Das Bestellerprinzip wurde im Zuge des „Gesetz zur Dämpfung des Mietanstiegs auf angespannten Wohnungsmärkten und zur Stärkung des Bestellerprinzips bei der Wohnungsvermittlung (Mietrechtsnovellierungsgesetz – MietNovG)“ tatsächlich umgesetzt. Es wurde durch das Bundeskabinett am 1. Oktober 2014 beschlossen und vom Bundesrat am 27. März 2015 gebilligt. Das Gesetz tritt nach seinem Artikel 4 überwiegend am 1. Juni 2015 in Kraft.


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