Weihnachtsmarkt 2013 – Tradition, Kommerz und Religion

Irgendwas ist anders in Deutschland zur Weihnachtszeit im Jahr 2013

Ist dieser christliche Weihnachtsstern bald passé? Foto: onm

Väterchen Frost ist definitiv im November 2013 auch in Deutschland eingetroffen. Der Winter ist gekommen. Damit man auch vier Wochen lang daran erinnert wird, rechtzeitig für Weihnachtsgeschenke zu sorgen, öffnen Weihnachtsmärkte in aller herren Städten mitten in der Innenstadt und locken uns mit glitzernden Sternkenketten, Glühwein und Lebkuchenduft … sowie verlängerten Ladenöffnungszeiten. Zwischendurch erscheint dann noch der Nikolaus am 6. Dezember und bestückt unsere Stiefel mit Leckereien.

Die Deutschen lieben ihre Traditionen und wollen sich die christliche Zeit mit leuchtenden Plastikschneemännern am Fenster und abgeholzter bunt geschmückter Nordmanntanne im Wohnzimmer nicht nehmen lassen. Das ist doch die einzige Zeit, wo man besinnlich mit der gesamten Familie an einem Tisch das zurückliegende Jahr Revue passieren lassen kann – ob das nun in heftigen Diskussionen wegen nicht verziehender Zimperlichkeiten ausartet oder nicht – am Ende gehen alle gut gefüllten Magens und mit erleichterter Mine nach Hause. Schließlich ist Weihnachten, das Fest der Liebe.

Doch irgendwas ist dieses Jahr anders. Irgendwelche Muslime in Deutschland, so vernimmt man vielen Pressemeldungen, fühlen sich anscheinend plötzlich diskriminiert, wenn sie von allen Seiten mit Weihnachtsschmuck und christlicher Musik behelligt werden, angefangen mit einem kleinen Aufstand gegen Sankt-Martins-Züge. Aus Angst vor Anschlägen wurden manche Laternenumzüge dann in “Sonne-Mond-und-Sterne-Fest” umbenannt, oder die historische Gestalt des St. Martin trat einfach nicht auf, damit andere Religionsgemeinschaften nicht ausgeschlossen würden. Auch mehrere Weihnachtsmärkte nannte man kurzerhand um. Angefangen hat diese kontroverse Diskussion jedoch mit der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen. Rüdiger Sagel, Vorsitzender der Linken in NRW, forderte von heute auf Morgen, christliche Tradtionen muslimischen Mitbürgern nicht aufzudrängen. Was St. Martin betrifft, sei die Botschaft, den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen, eher überkonfessionell. Er fände es gut, wenn sich alle Kinder angesprochen fühlen und kein Kulturkreis diskriminiert wird.

Mit dieser Meinung scheint die Linkspartei jedoch allein zu stehen, denn sowohl die Piratenpartei und CDU wie auch der Zentralrat der Muslime stellen klar, dass Muslime in Deutschland überhaupt kein Problem damit haben, wenn Menschen in ihrem eigenen Land auch ihre traditionellen Feste feiern, ganz im Gegenteil! Schließlich hat ein Großteil sich bereits dem christlichen Glauben zugewandt und/oder ist sogar freiwillig zum Christentum konvertiert. Wenn ihnen etwas fehlt, dann ist es das Interesse der Deutschen an ihren Traditionen, die sie gern und ausführlich jederzeit jedem erklären. Und kommt man erst einmal ins persönliche Gespräch mit den „ausländischen Nachbarn“, lösen sich schnell Missverständnisse und Unklarheiten in Luft aus. Werden beide Seiten mit ihren unterschiedlichen Traditionen und Gebräuchen dann auch ernst genommen und gegenseitig respektiert, steht einem gemeinsamen Zusammenleben in einem Land nichts mehr entgegen. So wie Rüdiger Sagel der Linkspartei, der sich „missverstanden“ fühlte und so eine Diskussion überhaupt nicht entfachen wollte.

Wobei man eindeutig unterscheiden muss zwischen gewaltverherrlichender Religion und friedlicher Religion. Nicht alle Muslime sind Terroristen und nicht alle Christen sind Unschuldsengel. Es sind meist einzelne Menschen, die zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Den Schluss zu ziehen, weil der eine muslimische Nachbar aus Ehrverletzungsgrund seine eigene Schwester tötete, weil sie bereits versprochen war und sich heimlich mit einem deutschen Mann traf, dass alle Muslime gewalttätig seien, ist der falsche Weg. Was für ein Bild geben dann die Deutschen ab, die im Ausland ansässig sind? Sind wir auch alle Kindesmörder, weil gerade in Deutschland eine junge Mutter aus Verzweiflung ihre beiden Kinder im Garten vergrab? Nein, natürlich nicht.

Die entfachte Diskussion um Tradition und Religion und Namensänderungen von christlichen Festen ist somit völlig fehl am Platze. Christen brauchen das Weihnachtsfest wie Muslime ihren Ramadan ~ wobei es da etliche Ausnahmen von der Regel gibt. ;o) Jedem das Seine! Auch den Chinesen, Japanern, Afghanen, Indern, Afrikanern, Türken, Libanesen und vielen anderen „Ausländern“ in Deutschland.

Wenn man jetzt die nur noch auf Kommerz gerichteten Weihnachtsmärkte wieder etwas traditioneller gestalten würde, z. B. mit weniger künstlicher Beleuchtung und mehr handgebastelten regionalen Angeboten (anstatt Billigartikeln aus Fernost), würden vielleicht auch wieder kindliche Augen leuchten, wenn es zum ersten Mal ein selbstgebackenes Lebkuchenstück probieren darf, zusammen mit einer Tasse Kakao. Und warum nicht auch handgemachte Produkte von muslimischen Mitbürgern anbieten, die bewundernswerterweise in der U-Bahn blind Pullover stricken, während sie sich mit ihrer Freundin unterhalten. Ein nettes Gespräch dazu gibt’s dann garantiert gratis.

Und bitte nicht die Deutschen vergessen, die nichts zum Leben haben – und das ist nicht nur der Bettler am Straßenrand, sondern etliche deutsche Erwachsene (also nicht nur die Kinder!) leben am Rande des Existenzminimums und müssen sich jeden Monat „über Wasser halten“ aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten und der immer schwierigeren Arbeitsmarktlage. Da helfen vor allem keine immer stärkeren Sanktionen gegen Arbeitslose – wenn sie es schaffen, den Fallmanager des zuständigen JobCenters überhaupt von ihrer Hilfebedürftigkeit überzeugen zu können und nicht von einer Flut von auszufüllenden Papieren regelrecht „überfallen“ werden, mal ganz abgesehen von der immer häufiger auftretenden Respektlosigkeit gegenüber „arbeitswilligen“ Menschen.

Respektiert und hilft man den Erwachsenen, hilft man auch den Kindern!

In dem Sinne wünscht OctoberNews allen Menschen eine angenehme, besinnliche Zeit – ob mit oder ohne Weihnachtsbrauchtum.


Diesen Bericht teilen: