Warum Schafe am Pfingstmontag nüchtern sein müssen

Wenn am Mühlentag 2015 die Rossmühle streikt, werden auf dem Museumshof Rahden eben Schafe geschoren und die Pferde vor den Karren gespannt

Schafe scheren Titelbild
Schäfer Norbert Möller befreite am sonnig-warmen Mühlentag 2015 seine „nüchternen“ Schäfchen von der dicken Wolle – Fotos: onm

Aus verschiedenen Ecken hörte man Schafe blöken, Bienen summen und Pferde traben – es war ganz schön was los am Pfingstmontag auf dem Museumshof Rahden. Obwohl die Rossmühle ausgerechnet am Mühlentag 2015 außer Betrieb war, konnte sich das Museumsdorf im Kreis Minden-Lübbecke an 500 Besuchern mehr als in den letzten drei Jahren erfreuen.

Der großflächige Museumshof in Rahden-Kleinendorf bot am vergangenen Montag bei frühlingshaftem Wetter ein umfangreiches Aktionsprogramm für die ganze Familie. Während Museums-Imker unweit eines echten Bienenstocks das Honigschleudern erklärten, brauchte man Kindern nicht lange „Honig ums Maul schmieren“, damit sie unter Anleitung von Gerda Kolkhorst aus Rahden-Tonnenheide ihre ersten Bienenwachskerzen rollten.

Verlockender als der süße Honiggeruch war aber der Duft aus dem Backhaus. Doch wer zu spät kommt, den bestraft halt das Leben: Um 15.30 Uhr waren alle 13 Bleche voll mit selbstgebackenem Butter- und Rhabarberkuchen aus dem Holzofen bereits ausverkauft. Auf diesen Ansturm waren selbst die Fördervereinsmitglieder nicht gefasst. Wer später dazukam, konnte noch die wohlige Wärme in dem Haus am voll funktionsfähigen Brunnen spüren.

Bienenwachskerzen rollen
Gerda Kolkhorst zeigte am Pfingstmontag Kindern, wie man aus Bienenwachsstreifen kleine Kerzen rollt

Plötzlich tat sich was in einem anderen Fachwerkhaus auf dem Museumshof, man hörte so merkwürdige Kratzgeräusche und aufgeregte Kinderstimmen. Kein Wunder, Norbert Möller aus Varl war am Werk. Der seit 1982 selbstständige Schäfer hatte einen kleinen Teil seiner Schafherde mitgebracht, die er vor den Augen der Besucher im Schafstall scherte. Während er seinen zappelnden Schäfchen das „Fell über die Ohren zog“, erklärte er: „Schafe sollten nüchtern sein, bevor sie geschoren werden – wie bei den Menschen vor einer Operation.“

Und das Schaf sollte so „rasiert“ werden, dass das Vlies (die Schurwolle) – das ganz schön an den Fingern klebt, wie sein Schäferlehrling zeigte, der die Wolle in den Sack stopfte – zusammenhängend bleibt. Schließlich musste die Schafwolle von Gisela Wimmer noch „kadiert“, also gekämmt, werden, um die Knötchen zu entfernen und die Besucher zu „filzen“ – gemeint ist natürlich, mit den Gästen Filz-Figuren zu kreieren, wie beispielsweise kuschelweiche Broschen, die sie stolz mit nach Hause nehmen konnten.

Weidenflechtkörbe Westphal
Heinz Westphal’s Weidenflecht-Traktoren sind ein echter Hingucker für jeden Landgarten

Die eher „harte Tour“ fuhr da Heinz Westphal aus Uchte. Seine Flechtkörbe, Küchentabletts, Hocker und Blumenkübel in Traktoren- und Motorradform sind eine „Augen-Weide“ für jeden, der robuste Handwerksqualität schätzt. Das große Sortiment fand viel Anklang. Da aber nicht jeder Besucher um die 25, 40 oder mehr Euro auf Tasche hatte, blieb der erhoffte Umsatz weg. Doch der Mann gibt wirklich alles, um seine Ware an den Mann bzw. Frau zu bringen, nur mit dem Internet hat er es nicht so. Daher empfehlen wir, einfach mal bei ihm vorbeizuschauen unter der Anschrift: Möhlenbrehe 2, 31600 Uchte.

Weitere Händler, wie die Drohner Edelbrennerei „BrennerEy“ aus Stemwede, die ansonsten auch Führungen anbietet, Olga Mesterheide mit ihrem „Marme Lädchen“ aus Preußisch Oldendorf, die selbstgemachte Marmeladen in den ungewöhnlichsten Geschmackskreationen herstellt und sogar die „Deutschland-Marmelade“ erfand, „Bienen-Wachholz“ aus Espelkamp, mit denen Honigprodukten man sich sogar waschen und eincremen kann, und viele mehr boten ein reichhaltiges Angebot für jeden Geschmack und Geldbeutel.

Besucher
Bei selbstgebackenem Blechkuchen, Pfingstpfanne und anderen bäuerlichen Gerichten konnten Besucher wie in alten Zeiten es sich richtig gemütlich machen auf dem Museumshof Rahden

Nicht zu verachten war außerdem die „Pfingstpfanne“ am Imbisswagen der Fleischerei Schröder: Geschnetzeltes mit Minikartoffeln und Kräuterquark – ideal gewürzt, aus der Pfanne über offenem Feuer gebrutzelt. Für das leibliche Wohl wurde insgesamt mehr als erwartet gesorgt.

Außerdem konnte man noch die verschiedenen Museumshäuser mit ihren bäuerlich-geschichtsvollen Einrichtungen und Ausstellungsgegenständen von innen besichtigen. Ob Webstuhl, Trachtenkleidung, Bilder, historisches Schrankbett, Kindermöbel oder alte Weinfässer in der Böttcherei – man braucht mehr als einen Tag, um alles zu entdecken.

Rossmühle mit gebrochener Triebachse
Am letzten Aktionstag brach die Triebachse der historischen Rossmühle ab, weshalb eine Vorführung am Mühlentag nicht möglich war

Die Funktion der Rossmühle konnte aufgrund der abgebrochenen Triebachse (langer wellenförmig verlaufender Eichenstamm vom Dachspitz bis kurz über den Boden, der bei angeschnallten Lastpferden die Mühle antreibt) nicht vorgeführt werden am Mühlentag. Die Konstruktion an sich war aber einsehbar und die Pferde wurden halt „vor den Karren gespannt“, genauer gesagt vor eine Kutsche, die alle 15 bis 20 Minuten von Helmut Telckemeyer aus Sielhorst mit interessierten Besuchern durch Kleinendorf fuhr.

Zudem konnte man zwischen Schafweide und Ruine der Burg Rahden verweilen, einen kleinen Spaziergang rund ums Schloss Rahden machen oder ein Biotop mitten im Wald entdecken, wo Wildgänse gerade ihren Nachwuchs pflegten.

Der Besuch des Museumshofs Rahden hat sich am Mühlentag auch ohne Mühle mehr als gelohnt. Wer das historische Dorf selbst entdecken möchte, dem empfiehlt sich, die nächsten Aktionstage zu besuchen: am 20. und 21. Juni 2015 den Mittelalterlichen Markt, am 26. Juli 2015 das LandArt-Festival, am 23. August 2015 den Kreismühlentag und am 11. Oktober 2015 den Traditionellen Wurstetag.

Veranstaltungsort:
Museumshof Rahden
Museumshof 1, 32369 Rahden-Kleinendorf (Google Maps)

Eintrittspreise:
Einzelbesucher: 3 Euro
Schüler, Studenten und Schwerbeschädigte mit gültigem Ausweis: 1,50 Euro
Kinder bis 15 Jahre (unter Begleitung Erwachsener): Eintritt frei
Plattdeutscher Gottesdienst am 23. August 2015: Eintritt frei
Kutschfahrt: 1 Euro pro Person

Ein Handyvideo vom Schafscheren wurde uns freundlicherweise von OctoberNews-Leser Joachim G. zur Verfügung gestellt:

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Und nun zu unserer Bildergalerie:


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