Warnwesten sind Pflicht. Was ist mit Notfallhammer?

Sommerzeit - Unfallzeit - Warnweste - Notfallhammer

Nicht immer steht im Notfall sofort ein Rettungsdienst bereit – Symbolfoto: pcdazero/pixabay CC0

Das Mitführen einer Warnweste im Kraftfahrzeug ist nun für jeden Pflicht. Wir meinen: Ein Notfallhammer mit Gurtschneider sollte ebenfalls zur Standardausrüstung eines jeden geschlossenen Fahrzeugs gehören.

Seit 1. Juli 2014 besteht in Deutschland Warnwestenpflicht. In jedem Fahrzeug, ob gewerblich oder privat, ob Pkw, Lkw oder Bus (wobei Motorräder und Wohnmobile unverständlicherweise ausgenommen bleiben), muss mindestens eine Warnweste vorhanden sein. Fährt ständig ein Beifahrer mit, müssen zumindest bei gewerblichen Fahrzeugen zwei Warnwesten mitgeführt werden (lt. UVV Fahrzeuge BGV D29). Die Warnwesten müssen in Gelb, Orange oder Rot gehalten sein und entweder der DIN EN 471 oder der EN ISO 20471:2013 entsprechen. Wird bei Kontrollen keine Warnweste vorgefunden, droht ein Verwarnungsgeld. Warnwestenpflicht im Ausland, siehe ADAC-Übersicht (PDF-Datei).

Da wir uns ja mitten in der Sommerurlaubszeit befinden, die für zahlreiche Unfälle bekannt ist (Sonne hat geblendet, Tacho ausgereizt, Motor zu heiß geworden, Cabrio-Dach schließt nicht bei schlagartigem Regenschauer, durch wichtigen Anruf auf Smartphone abgelenkt, usw.), sollte vielleicht doch – wenn auch im letzten Moment – ein bisschen auf Sicherheit im Fahrzeug wert gelegt werden. So von wegen „unvorhergesehene Ereignisse“ und so.

Okay, wenn so ein Idiot einen Stein von der Brücke aufs Auto schmeißt, kann man das nicht verhindern, auch nicht plötzlich ausfallende Elektronikbauteile oder ohne Grund aufblasende Airbags. Menschen sind eben nicht unfehlbar – auch nicht die Autobauer.

Wenn jedoch der Unfall bereits passiert ist (was wir niemandem wünschen!) und man ist im schlimmsten Falle im Auto eingeklemmt und irgendeine brennbare Flüssigkeit läuft aus, es bilden sich Rauchschwaden oder gar Flammen, da nützt auch keine Warnweste. Vorausgesetzt, man ist noch am Leben und bekommt noch irgendwas mit in dem Schockzustand, folgt man doch eigentlich seinem Instinkt. Man will raus aus dem Fahrzeug, möglichst schnell raus.

Haben Sie im eingeklemmten und/oder gar verletzten Zustand schon mal versucht, sich ohne Werkzeug, also nur mit Körperkraft, alleine aus dem Fahrzeug zu befreien? Ist Ihnen das gelungen? Sie (hoffentlich) Glücklicher! Vielen Leuten gelingt das jedenfalls nicht, auch wenn man erfahrungsgemäß in der Not unglaubliche Kräfte entwickeln kann. Sie müssen auf die Feuerwehr und/oder andere Helfer warten, die nach einem gelungenen Notruf nicht immer innerhalb weniger Minuten am Einsatzort sein können, z. B. wenn man irgendwo im Nirgendwo verunglückt. Ist ja meistens so: wenn’s kommt, kommt’s richtig.

Wir meinen daher, dass in einem solchen Fall ein Notfallhammer mit integriertem Gurtschneider ein großartiges Hilfsinstrument ist. Am besten direkt zwischen Fahrer und Beifahrer an der Konsole angebracht, vielleicht in unmittelbarer Nähe des Handyhalters, wo man heutzutage wohl automatisch hingreift im Notfall, oder bei Rauchern in der Nähe des Aschenbechers (das ist ernst gemeint!). Der ADAC rät dazu, die Halterung im Teppichboden des Fahrzeugs zu befestigen (?!). Dabei handelt es sich um ein kleines Werkzeug, was so gut wie keinen Platz wegnimmt.

Na gut, besonders chic sieht es nicht aus (s. Beispiel des ADAC). Dafür dürfte dieser Notfallhammer ein hohes Maß zur Selbsthilfe beitragen. Denn man weiß ja aus Erfahrung: Im Notfall ist niemand da, der einem (sofort) hilft. Der Mensch hat schließlich auch einen eingebauten Selbstschutz – das ist für einen selbst natürlich ungemein nützlich, sieht man aber jemand anderen in Not, muss nach dem Selbstschutz erst mal der Verstand einsetzen.

Auf Deutsch: Der Selbstschutz sagt einem erst mal, „hau ab und schütz dich selbst“, und erst dann meldet der Verstand: „Mist, eigentlich hätte ich dem armen Menschen gerade helfen können. Aber ich kann ja zumindest mit dem Handy Polizei oder Feuerwehr verständigen. Wie war die Nummer doch gleich?“ Nur so zur Info: Die einheitliche gratis Notrufnummer in ganz Europa (!) lautet: 112. Oder wissen Sie, wie viel Kilometer man in 3 Minuten mit dem Fahrzeug runterreißen kann? Genau. Man ist als Außenstehender schon längst fernab vom Unfallort.

Ausgenommen vom Notruf hilft das dem Verunfallten natürlich wenig. Er liegt immer noch eingeklemmt im Auto und kann sich ohne fremde Hilfe und ohne geeignetes Werkzeug nicht befreien. Der Verunglückte erfährt die vergangene Zeit in dem Moment auch anders, für ihn fühlen sich höchstwahrscheinlich Minuten wie Stunden an, er bekommt Panik. Wenn der Fahrer selber jedoch einen Notfallhammer angeschafft und im Auto montiert hat, klickt sein Verstand um: „Wozu habe ich das Ding denn gekauft? Jetzt sollte ich es auch benutzen.“

Der logische wie auch der emotionale Verstand sagt uns Menschen also normalerweise, was wir zu tun und zu unterlassen haben.

Auch die Redakteurin von OctoberNews hat vor langer Zeit eine Situation erlebt, die sie nicht vergessen kann. Sie war Beifahrerin eines Pkw-Fahrers, der trotz Aufforderung, auf der Autobahn nicht so zu rasen (180 km/h bei erlaubten 100 km/h mit einem Kleinwagen), und trotz lautem mehrmaligen Hinweis, dass der Lkw auf der rechten Spur merkwürdig fährt, nicht die Geschwindigkeit drosselte. Dann geschah es, der Lkw-Fahrer muss wahrscheinlich am Lenkrad eingeschlafen sein und rollte plötzlich quer über alle drei Spuren.

Die Redakteurin riss das Lenkrad des Fahrers rum, sodass das Auto nach rechts auswich und auf einen anliegenden Lkw-Parkplatz raste. Der Fahrer trat jetzt voll auf die Bremse und brachte das Auto zum Stehen. Obwohl Fahrer und Beifahrerin am ganzen Leibe zitterten, wollte der Fahrer ohne Pause sofort weiterfahren, „er wolle nach Hause“. Das geht nun echt gar nicht! Unsere Redakteurin riss den Autoschlüssel aus dem Zündschloss, stieg aus und verdonnerte den Fahrer zu einer Zwangspause. Sodann fuhr sie selbst den Wagen „nach Hause“.

Hätte unsere Redakteurin damals nicht so gehandelt, würden Sie heute mit großer Wahrscheinlichkeit nichts von ihr lesen. (Okay, kann auch von Vorteil sein, hi, hi, und „Hätte liegt im Bette“). Den Rest können Sie sich denken – nur nicht nachmachen!

Auslöser für diesen Beitrag war übrigens eine Szene in einer Serie auf DMAX, wo ein Lkw-Fahrer mit einem voll beladenen Holz-Schlepper auf einer Schlammstrecke ins Schleudern gerät, zur Seite kippt, im Fahrerhaus eingeklemmt wurde und sich trotz der kräftigen Statur und dem harten Job nicht selbst befreien konnte.

Der erste Gedanke: Ein Notfallhammer hätte ihm sicher geholfen in der Situation. Damit hätte er eine Verbundglasscheibe einschlagen, diese heraustreten und sich selbst befreien können.


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