“War doch klar, dass er gewinnt”

SPDler Michael Jäcke wurde zum neuen Bürgermeister von Minden gewählt - ein Ergebnis, das nicht überrascht - seine Amtszeit beginnt am 20. Oktober 2015

Michael Jäcke bei Wahlparty
Der strahlende Sieger bei der Wahlparty am 13. September: Michael Jäcke wurde zum neuen Bürgermeister der Stadt Minden gewählt – Fotos: onm
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Jamal spricht es aus: “War doch klar, dass er gewinnt.”

Nun ist es amtlich. Zum neuen Bürgermeister der Stadt Minden wurde SPD-Kandidat Michael Jäcke gewählt. Der 53-jährige aus der Mindener Nordstadt ist vom Wahlsieg und dem “Rückenwind seiner Wähler begeistert und freut sich auf die Zusammenarbeit mit allen Mindener Parteien und mit der tollen Verwaltung im Rathaus”, wie er auf seiner Facebook-Seite bekannt gibt.

“Für kurze Zeit war es ja knapp. Aber war doch klar, dass er gewinnt”, äußerte der 9-jährige Jamal bei der Wahlparty am vergangenen Sonntag selbstbewusst. “Man hat ihn ja überall gesehen. Und es kann eben nur einen geben.” Mit “überall gesehen” meint der im Rollstuhl sitzende Drittklässler aus Bölhorst die in der Stadt Minden ausgehängten Wahlplakate. Seine zwei Geschwister und seine Eltern freuen sich mit ihm über das Wahlergebnis.

Und das war um 19.38 Uhr eindeutig, als alle 64 Schnellmeldungen der 54 Wahllokale ausgewertet waren:

Wahlergebnis BM-Wahl Minden
Wahlergebnis Mindener Bürgermeisterwahl vom 13. September 2015, 19:38 Uhr – Quelle: krz.de

Das Wahlergebnis kann auf der Webseite des Kommunalen Rechenzentrums Minden-Ravensberg Lippe (KRZ) eingesehen werden.

Flagge Minden
Minden zeigt Flagge mit neuem Bürgermeister

Während die elektronische Anzeige bei der Wahlparty im Rathaus Minden um 19.16 Uhr noch eine Wahlbeteiligung von 36,23 Prozent anzeigte, ist diese noch einmal nach unten korrigiert worden vom KRZ auf 36,16 Prozent. So erhielten Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) 52,21 %, CDU-Kandidat Ulrich Stadtmann 35,30 %, Matthias Beier (UB-UWG) 1,76 % und der parteilose Kandidat Jürgen Schnake 10,74 % der Wählerstimmen.

Demnach haben sich 63,84 Prozent der Mindener Bürger nicht an der Bürgermeisterwahl beteiligt bzw. teilweise ungültige Stimmen (1,47 %) abgegeben. Was heißt: 65.542 Mindener waren am 13. September wahlberechtigt, 23.698 Mindener haben den Termin nicht genutzt.

Wenn man der besagten elektronischen Auswertung des KRZ vertraut. Nur dass diese – rechnet man die Ergebnisse der vier Kandidaten zusammen, auf 100,01 Prozent kommt und nicht, wie eigentlich erwartet, 100 Prozent. Aber hier handelt es sich wohl “nur um einen mathematischen Rundungsfehler, auf den man nichts geben sollte”, erläutert Jürgen Schnake in einem heutigen Telefonat.

Seiner Meinung nach gibt es jedoch eine Ungereimtheit in der Berichterstattung des Mindener Tageblatts. Wie man dem nachfolgenden Screenshot, den er von einem Unterstützer übermittelt bekam und an uns weiterleitete, entnehmen kann, wurde am Wahltag bereits um 17.25 Uhr seitens dieses Lokalanzeigers verkündet, dass Michael Jäcke Mindens neuer Bürgermeister ist. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal im Teletext des WDR ein Ergebnis zu finden. Aber auch hier vermutet Jürgen Schnake schlicht eine “technische Lösung”.

MT über BM Jäcke
Screenshot-Auszug des Mindener Tageblatts (MT) mit einem Beitrag vom 13.09.2015, 17.25 Uhr – alle Copyright-Rechte liegen beim MT
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Rodenbecks Ortsvorsteher Bernd Müller freut sich mit Bürgermeister Jäcke über das Wahlergebnis

Nun gut. Die Suppe ist gegessen, die Mindener haben gewählt. Ulrich Stadtmann und Jürgen Schnake sind trotzdem mit dem Wahlergebnis zufrieden. Matthias Beier haben wir leider bei der gestrigen Wahlparty um zehn Minuten verpasst. Aber wir trafen Rodenbecks Ortsvorsteher Bernd Müller an, der sich wahnsinnig über den Wahlsieg des neuen Bürgermeisters freute. Verständlich, da er selbst dem SPD-Stadtverband angehört.

Mit Andreas Schöneberg (bekannt als “Schöni” und Macher der Weserlieder) unterhielten wir uns sehr ausgiebig zum Abschluss der Wahlparty. Er hielt zwar unter Verschluss, welchen Kandidaten er wählte, verriet uns aber, dass ein Großteil der Stadtverwaltungs-Mitarbeiter in puncto Kunst und Kultur sehr aufgeschlossen ihm gegenüber sei. Als wir ihn darauf ansprachen, dass viele Mindener Bürger den Eindruck haben, dass eine gewisse Vetternwirtschaft in Minden herrsche, weshalb viele Zugezogene bzw. die, die sich mit der Verwaltung nicht gutstellen oder keine Ahnung davon haben, einfach keine Chance erhielten, räumte er im Großen und Ganzen ein, dass es schon schwierig sei – aber nicht unmöglich.

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Dirk Schnake ließ es sich nicht nehmen, zwei Wetten abzuschließen zur Kandidatur seines Bruders Jürgen

Jürgen Schnake lud – wie alle Kandidaten – zur Wahlparty Freunde und Familie ein. So durften wir seinen Bruder Dirk Schnake aus Lübbecke sprechen, der uns zwei lustige Geschichten erzählte. Zum einen hatte dieser mit einem Freund um drei Kästen Bier gewettet, dass Kandidat Schnake “zweistellig abschließe” (Dirk wettete dagegen). Diese Wette hat er verloren. Zum Zweiten schworen sich die beiden Brüder: Wenn Jürgen zum Bürgermeister von Minden gewählt wird, stellt sich Dirk zur nächsten Wahl in Lübbecke. Da Dirk bei dem Gedanken daran anscheinend mulmig wurde, ist er wohl noch “mit dem blauen Auge davongekommen”.

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Jürgen Schnake stößt an auf seinen 10-Prozent-Wahlsieg

Ex-Bürgermeister Michael Buhre kam uns zusammen mit seiner 42-jährigen Lebensgefährtin Dr. Gerlind Pracht noch im Treppenhaus des Rathauses entgegen, weil sie vergaßen, eine Jacke mitzunehmen. So erfuhren wir von ihm, dass er sichtlich “erleichtert” ist, sein Amt als Verwaltungsvorstand abgegeben zu haben. Was er mit seiner neu gewonnenen Freizeit nun anfangen werde, habe er noch nicht geplant. Erst mal abschalten heißt die Devise.

Von dem ehemaligen Bürgermeisterkandidaten Schnake kitzelten wir in einem heutigen Telefonat noch ein Statement heraus. “Es war eine schöne Wahl. Ich kann mit dem Ergebnis gut leben, wenn nicht sogar sehr gut”, versicherte er. Außerdem erhielt er nach der Wahl so viel positives Feedback von Mindener Bürgern, die ihn unter anderem dazu ermuntern, weiterzumachen, dass er vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darüber nachdenken wird, sich in fünf Jahren wieder zur Wahl zu stellen.

Auf die Frage hin, ob er Michael Jäcke für geeignet hält, ein Bürgermeisteramt zu führen, erläutert Schnake, dass er ja die Gelegenheit hatte, ihn während der Wahlkampfzeit etwas näher kennenzulernen. Doch er mache sich Sorgen: “Ich halte Herrn Jäcke für eine angstbesetzte Person. Es täte mir leid, wenn ich damit recht haben sollte. Mir wurde zu verstehen gegeben, dass ca. 80 Prozent der Stellen in der Verwaltung schon unter Herrn Buhre gelitten hätten, wohingegen rund 20 Prozent ihre Stellung mehr als genießen konnten. Das Jäcke’sche ‘weiter so!’ täte mir für die Betroffenen an dieser Stelle ganz besonders leid.”

Nun bleibt abzuwarten, wie sich Sozialdemokrat Michael Jäcke in seiner neuen Rolle als Verwaltungsoberhaupt der Stadt Minden ab dem 20. Oktober 2015 (Beginn seiner Amtszeit) behaupten wird. Es gibt ja eine Menge Baustellen zu bewältigen, nicht nur die in der Innenstadt:

Baustelle Minden
Baustelle auf dem Mindener Marktplatz – vom Fenster des Rathauses aus betrachtet

++ UPDATE ++
Später stellte sich noch heraus, dass Alt-Bürgermeister Michael Buhre, Neu-Bürgermeister Michael Jäcke und Hilles Bürgermeister Michael Schweiß nicht nur die gleichen Vornamen haben, sondern auch alle drei die gleiche Schule besuchten, verriet Schweiß in seiner Rede zur Abschiedsfeier von Buhre: „Es ist nicht nur so, dass wir beide Michael heißen und beide im Abi-Jahrgang waren auf dem Herder-Gymnasium. Auch der künftige Bürgermeister der Stadt Minden war zufällig auch in diesem Jahrgang. Also irgendetwas Seltsames ist dort mit uns geschehen – und wir waren einfach dafür vorgesehen.“ (siehe unser Bericht vom 11. Oktober 2015)

Und die örtlichen Medien des J.C.C. Bruns Verlags haben nachgeholfen, wie eine Anzeige im “Willem”, Ausgabe KW 14 auf Seite 5, vom 6. April 2015 zeigt:


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