Vatertag rollt an

Warum Vatertag am dritten Sonntag im Juni gefeiert werden sollte und Bollerwagen auf ihre Fahrtüchtigkeit überprüft werden

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Echte Vaterliebe: Ein Biker umarmt liebevoll sein Kind – Grafik: onm

Noch ein Mal schlafen, dann ist Vatertag, liebe Kinder. Holt schon mal den Bollerwagen aus dem Keller, bereitet schon mal den Grill vor, blast schon mal das Festzelt auf, putzt schon mal die Harley, bereitet euch schon mal seelisch und körperlich drauf vor – denn eure Väter tun es auch.

Wenn Männer ziellos durch die Gänge hetzen, die Gesichtszüge merkwürdig ins Grinsen gleiten, sich über Kleinigkeiten aufregen und nichts auf die Reihe kriegen, überhaupt nervös erscheinen, dann muss irgendwas im Busch sein. Richtig. Vatertag rollt an.

Am 29. Mai 2014 ist Vatertag oder Männertag oder Herrentag oder Christi Himmelfahrt – also Feiern angesagt – zumindest in Deutschland. Ob im stillen Kämmerlein für sich allein oder mit der Familie oder in der Kirche oder im Freien unter Freunden, ob Vater oder einfach Mann oder die, die es noch werden wollen.

Doch ist Christi Himmelfahrt wirklich auch Vatertag?

Laut zahlreichen Internetquellen ist der wirkliche Vatertag der 3. Sonntag im Juni – zurückzuführen auf Sonora Louise Smart Dodd (geb. 18.02.1882 in Jenny Lind, Arkansas, USA; gestorben: 22.03.1978), deren Vater William Jackson Smart im amerikanischen Bürgerkrieg als Veteran 1861-1865 gekämpft hatte. Als Älteste von sechs Kindern musste sie mit 16 Jahren mit ansehen, wie ihre Mutter Ellen Victoria Cheek Smart bei der Geburt ihres letzten Kindes verstarb und sodann ihr Vater sich liebevoll um die Kinder kümmerte und endlose Opfer auf sich nahm, damit die Kinder eine gute Zukunft haben. Im Jahre 1909 erfuhr Sonora in einer Sonntagspredigt vom Muttertag und wunderte sich darüber, dass es noch keinen Tag zu Ehren des Vaters geben würde. So beschloss sie, den Vatertag ins Leben zu rufen.

Mit Unterstützung von „Spokane Ministerial Association“ und der „Young Men’s Christian Association (YMCA)“ feierte man in Spokane, Washington, USA, sodann den ersten Vatertag am 19. Juni 1910 – ein dritter Sonntag im Juni. Trotz Kritik aus der Bevölkerung wurde Sonora 1966 von Präsident Lyndon B. Johnson und 1972 endgültig von Präsident Richard Nixon unterstützt. Sie wurde offiziell zur „Mutter des Vatertags“ anerkannt.

In den meisten Ländern feiert man seitdem den Vatertag immer am dritten Sonntag im Juni – an dem Väter wirklich von ihren Kindern geehrt werden, also die Verdienste für die Familie, um die sie sich kümmern (ob „nur“ finanziell oder persönlich und/oder finanziell). Väter in anderen Ländern werden beschenkt und verwöhnt am Vatertag. In den Niederlanden zum Beispiel wird den Vätern Frühstück ans Bett gebracht. In Frankreich schenken die Kinder meist Selbstgebasteltes oder malen ein Bild. Auch in der Schweiz wird seit 2007 der Vater immer am 3. Sonntag im Juni geehrt im Rahmen eines Väter-Kinder-Aktionstages.

Christi Himmelfahrt ist also nicht unbedingt mit Vatertag gleichzustellen – Christi Himmelfahrt bezeichnet lediglich im christlichen Glauben die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Und in Ländern wie z. B. Russland, Südkorea, Polen und Brasilien wird der Vatertag an ganz anderen Tagen im Jahr gefeiert. In Deutschland hat sich seit Jahren der Brauch der „Herrenpartie“ (eine Kutschfahrt oder Wanderung in die Natur mit Bollerwagen und Konsum von Alkohol) durchgesetzt. Aber kein Vergnügen in Deutschland ohne Kontrolle:

Achtung, Bollerwagen werden geprüft!

Morgen wird in Deutschland die Sau rausgelassen, da wird gesoffen und gefeiert, bis der Arzt kommt … oder die Polizei oder das Ordnungsamt. Denn in OWL will man tatsächlich fahrbare Grills verbieten und Bollerwagen auf ihre Zulassung hin überprüfen laut mt.de?! Da ist die Frage eines Kommentators wohl berechtigt, „ob der TÜV die Holzdinger auf Herz und Nieren überprüft“. Wir stellen uns gerade vor, wie der vollbeladene Bollerwagen auf den Kopf gestellt wird:

Erst mal muss eine ordnungsgemäße Ladungssicherung vorhanden sein (also nicht den Gurt vergessen und schön festziehen rund um die Wodkaflaschen), die Bremsen werden bestimmt auf ihre Tauglichkeit hin überprüft (also noch schnell Bremsbeläge auswechseln), das Reifenprofil könnte mit einem 1-Euro-Stück und der Luftdruck gemessen werden, die Lenkachse könnte quietschen (also unbedingt ölen), der Unterboden darf sicher keine Löcher aufweisen (ist ja auch Mist, wenn das Bier sich plötzlich nach unten verabschiedet).

Mal abgesehen von der Fahrtüchtigkeit des „Fahrzeugs“. Wird im Ernstfall der „TÜV-GS“-Aufkleber abgekratzt, oder wird der Bollerwagen womöglich eingezogen, bis ein Bußgeld bezahlt ist? Bekommt man Punkte in Flensburg, wird der Führerschein eingezogen, muss man dann für 400 Euro zum „Idiotentest„?

Dass dann noch Fußgängerwege am Mittellandkanal gesperrt werden, damit die Väter nicht von der Brücke springen, überhaupt, dass es verboten ist, am Vatertag von irgendeiner Brücke zu springen, ist wohl selbstredend. Denn im schlimmsten Fall Wasserleichen zu bergen, ist seitens der Feuerwehr mit ordentlich Aufwand verbunden und kostet nur Steuergelder.

Aber mal ernsthaft: Auch unter Polizisten, Ordnungshütern und Feuerwehrleuten sind Väter – und die sind fürs ordentliche Feiern bekannt. Also liebe OWLer Behörden, beschränkt doch bitte eure Dienste auf die Notfälle und lasst die Väter und Männer, die nicht im Dienst sind, in Ruhe (oder auch etwas lauter und ausschweifender) feiern! Sie haben es sich doch verdient, oder?! ;o)

So, genug geschwafelt. Wir wünschen euch Vätern auf dieser Welt – auch unseren eigenen – morgen wie auch am 15. Juni und allen anderen Tagen, an denen euch geehrt wird – einen großartigen kontrollfreien Vatertag!


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