US-Car-Treffen 2016 in Hille ein Eldorado für Nostalgie-Fans

Stolze Besitzer von rund 200 US-Fahrzeugen präsentierten sich vor der Alten Brennerei in Hille - Sonne satt sowie Rock- und Folkmusik inbegriffen

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Ein wahrhaftiger “Eldorado” für Nostalgie-Fans bot sich beim vierten US-Car-Treffen in Hille – Fotos: onm

Rund 200 US-Fahrzeuge setzten sich am 10. Juli 2016 der brütenden Hitze aus und zeigten sich an der Alten Brennerei in Hille von ihrer besten Seite den zahlreich erschienenen Besuchern – Livemusik, Speis und Trank inbegriffen.

Waren es vor zwei Jahren noch rund 100 Fahrzeuge (siehe unser Beitrag von 2014 inklusive fetter Bildergalerie und Video), platzte der Parkplatz vor der Alten Brennerei beim 4. US-Car-Treffen in Hille aus allen Nähten und zählte die doppelte Menge an Fahrzeugen – eins schöner als das andere. Das ließ auch die zahlreichen Besucher bei rund 30 Grad im Schatten und strahlendem Sonnenschein nicht kalt.

Wir waren von ca. 15 bis 16 Uhr vor Ort und pickten uns zwei ganz besondere Oldtimer-Schätzchen heraus – und ihre Besitzer, die beide das erste Mal dabei waren:

Ein Traum in Weiß mit rotem “Cappy”

Seit seinem 16. Lebensjahr interessiert sich Bengt Müller aus Stemwede schon für Fahrzeuge aus den USA und sammelt seit den 1970er Jahren entsprechende Prospekte. Mitgebracht zum Treffen hat er seine Frau Birgit Nobbe (64), Sohn Karl Nobbe (11) sowie seinen vor sechs Wochen erworbenen “Chrysler New Yorker Brougham” aus dem Jahre 1976. “Mit dieser Preisklasse bin ich schon 10.000 Kilometer durch die USA und Kanada gefahren”, erzählte er.

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Mit 5,86 Meter Länge passt der 1976er “Chrysler New Yorker Brougham” nicht in genormte deutsche Parkplätze

Auch sein “Neuer” musste unter wehendem Wüstensand leiden, weshalb der weiße Lack stumpf und teilweise neu lackiert wurde. Aber außer den kleinen Lackstellen und einer neuen Batterie sei der Chrysler mit dem roten Kunstlederverdeck und roten Samt-/Leder-Sitzbezügen in “absolutem Originalzustand”, betonte er. Der aus Texas stammende Oldtimer befinde sich seit 2012 in deutscher Hand und sei gerade mal “original 33.374 Meilen” (Stand 10. Juli) gefahren.

Mit 208 PS (7,2 Liter Hubraum: 440 cid) unter der Haube – und der V8 Big Block Motor sieht wirklich original aus (keine getunten Teile zu erkennen) – gibt Müller den Wert seines Fahrzeuges mit 18.000 Euro an. “Übrigens mit Katalysator der ersten Generation, da wussten die Deutschen noch gar nicht, wie Katalysator geschrieben wird”, erklärte Müller, “1974 wurde mit der Produktion in den USA erst angefangen. Daher kann er bleifreies Benzin tanken.”

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Ob Sohn Karl später genauso viel Begeisterung für alte US-Cars wie Bengt Müller zeigen wird? Sein “cooles” T-Shirt lässt es vermuten.

Bei einem Gewicht von 2,3 Tonnen (vollgetankt), 100-Liter-Tank und Verbrauch von “Darüber-sprechen-wir-lieber-nicht” könnte sich ein Katalysator durchaus rentieren. Warum der Besitzer nun ausgerechnet auf die ca. 5,86 Meter langen Oldies steht im Straßenverkehr, verriet er gern:

“Bei einem Stockcar-Rennen im Jahr 1972 wurde ein 67er Pontiac Boneville zu Schrott gefahren. Ein silbernes Coupé.” Da Müller als junger Mann damals diese Autos total bewunderte, blieb ihm dieses Erlebnis in schlechter Erinnerung. So “rettet” er seit rund 30 Jahren US-Oldtimer und mag das gemütliche Fahren.

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Ehefrau Birgit Nobbe fand einen kühlen Platz im Schatten, während der luxuriöse Chrysler der prallen Sonne ausgesetzt war

Mit der Hektik in Deutschland kommt auch seine Frau nicht so zurecht: “In den USA kann es achtspurige Autobahnen geben und die Leute fahren in gemütlichem Tempo, ohne Drängelei.” Allerdings weiß man, dass es in Amerika auch empfindliche Strafen für Tempoüberschreitungen gibt. “Die fangen ab 500 Euro an und aufwärts”, erklärte Birgit Nobbe.

Sohnemann Karl schwieg sich dazu aus und lächelte. Bengt Müller wollte aber eins nicht unerwähnt lassen: “Am 1. Juli feierte der Chrysler seinen 40. Geburtstag.”

Ein “Eldorado” auf vier Rädern

Auch wenn der Namensbestandteil es vermuten lässt: Dieses Vehicle stammt nicht aus Kolumbien. Der “Cadillac Eldorado Convertible” von Daniel S. aus Hannover ist ein Detroiter Original – schon zu erkennen an den offiziellen “Detroit Tigers” Baseball-Aufklebern am Heck.

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Trotz Standplatz in der hintersten Ecke war der knallrote Cadillac Cabrio schon von Weitem zu sehen und fand reges Interesse bei den Besuchern

Fast schüchtern stand der knallrote US-Oldtimer mit offenem Verdeck bis zum Schluss der Veranstaltung auf einem hinteren Parkplatz. “Es war vorne kein Parkplatz mehr frei, deshalb habe ich mich hierher gestellt”, klärte er auf. “Ich bin ja das erste Mal dabei.”

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Daniel S. ist stolz auf seinen Neuerwerb und extra aus Hannover angereist

Nach dem auffallend gelben Kennzeichen mit aufgedrucktem Oldtimer (siehe Titelfoto) befragt, erklärte der 27-Jährige, dass das US-Car aus Polen überführt und letzte Woche von ihm in Hamburg gekauft wurde. Doch der Zustand ist nicht 1A: Seitenleisten und Verkleidungsteile lösen sich bereits, an vielen Stellen hat sich der Klarlack verabschiedet, kann man also direkt auf den mattroten Originallack schauen, Verdeck und Sitzbezüge des Cabrios zeigen Risse und Löcher. Praktisch ein Oldtimer im Rohzustand, der noch eine Menge Restaurationsarbeiten vor sich hat. “Rund 10.000 Euro muss ich noch reinstecken, damit er ca. 30.000 Euro wert ist”, meinte Daniel (seinen Nachnamen möchte er lieber nicht veröffentlicht sehen).

Schließlich wurde der Wagen 1973 gebaut und hat schon einige Wege auf sich genommen, 40.690 Meilen laut Tacho (wobei dieser nur eine fünfstellige Anzeige hat und Daniel nicht weiß, ob das der Originalstand ist). Verschiedene Holz-Intarsien im Cockpit und an den Türen im Innenraum deuten schon auf eine besondere Machart hin.

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Hier gibt’s noch viel zu tun, weiß der Besitzer, aber Daniel S. ist zu allem bereit

Und der Fernfahrer weiß, wovon er spricht. Er hat schon viele US-Oldtimer gesehen und ist fest der Meinung, dass Investition und Aufwand sich lohnen werden. 8,2 Liter Hubraum sind ja auch nicht zu verachten. Klar, dass auch dieses rote, ebenfalls 5,86 Meter lange “Schlachtschiff” einen 100-Liter-Tank besitzt und der US-Oldie rund 35 Liter auf 100 Kilometern verbraucht.

Vielleicht sieht man ihn in einem Jahr irgendwo wieder und kann schon die ersten Fortschritte sehen.

Veranstalter wollte nur Oldtimer sehen

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Klaus Fuhse und Michael Beer unterhielten als “Hired Hands” beim US-Car-Treffen mit Gitarrensongs

Werner Köster, der zur Veranstaltung über Facebook aufrief, verkündete kurz vor dem Treff, dass nur US-Oldtimer gewünscht seien, aus Platzgründen sowie: “Die Besucher des Treffens möchten ausgefallene, seltene Fahrzeuge sehen. Somit in erster Linie alte Autos. Hot Rods, Heckflossen, Chromstoßstangen, MuscleCars zum Beispiel.” Niemand fahre seiner Meinung nach sonntags los, um PT Cruiser, 300C, Voyager, Chevrolet Matiz, Nubira oder Ähnliches zu sehen. “Auch die modernen Camaros, Mustangs, Dodge sowie alle modernen PickUp´s, RAMs etc. sind wohl chic, aber passen nicht wirklich zum Oldschool-Flair bzw. in das beabsichtigte Konzept”, erklärte er.

Da hätte man auf den Veranstaltungsflyer auch “Oldtimer” mit draufschreiben sollen, monierten einige Interessenten. Ein Tipp, der sicherlich beim nächsten US-Car-Treffen in Hille beherzigt wird.

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Der Parkplatz vor der Alten Brennerei (li. weißes Gebäude) in Hille war auch gegen Nachmittag noch voll mit US-Oldie-Schätzchen und interessierten Besuchern

Letztendlich war es aber eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Veranstaltung, die begeisterte. Daher findet man auch jede Menge Bildergalerien auf der Facebook-Veranstaltungsseite (Login notwendig).

Livemusik von Muckertreffen-“Chef” Klaus Fuhse und Michael Beer und einer uns nicht bekannt gewordenen Rock-/Folkmusik-Band sowie jede Menge Speis und Trank rundeten das gelungene Treffen ab.


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