Unwetterfront zog über OWL

Tornado war eine Fallböe, die am 22. Mai 2016 in der Stadt Minden, in Minden-Lübbecke und ganz OWL für Schäden an Häusern, Autos und Bäumen sowie für Überschwemmungen sorgte

Unwetter Haus in Minden-Meissen
Vom Unwetter beschädigtes Haus in Minden-Meißen – Foto: Berufsfeuerwehr Minden

Eine Unwetterfront mit Starkregen, Hagel und Blitzgewitter zog am 22. Mai 2016 zwischen ca. 19.30 und 20.30 Uhr über Ostwestfalen-Lippe (OWL). Betroffen waren die Kreise Minden-Lübbecke, Paderborn und Lippe. Insbesondere in der Stadt Minden kam es zu zahlreichen Schäden an Häusern, Autos und Bäumen. In Paderborn riss der Sturm Flügel eines Windrades ab. In Porta Westfalica stürzte ein Rollerfahrer über einen herausgespülten Gullideckel. Starke Überschwemmungen waren in OWL ebenfalls zu verzeichnen.

Bei dem anfangs vermuteten Tornado handelte es sich um eine “Gewitter-Fallböe”, geht ein Wetterexperte mittlerweile davon aus. (Starke Fallböen werden auch als “Downbursts” bezeichnet und treten meist im Zusammenhang mit Gewittern auf). Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes wollen sich jedoch zunächst noch nicht festlegen.

Schwere Häuser-Schäden in Minden

Das hohe Hinweisaufkommen der Bevölkerung brachte den Notruf zeitweise an seine Belastungsgrenze. Von der Berufsfeuerwehr Minden wurde der wetterbedingte Ausnahmezustand ausgerufen (Aufhebung der Alarm- und Ausrückordnung, Bildung einer stabsmäßigen Einsatzleitung). Auch wurde Vollalarm für sämtliche Einheiten der freiwilligen Feuerwehr ausgelöst. Bis zu 280 Feuerwehrleute waren in Minden, Porta Westfalica, Bad Oeynhausen, Espelkamp und Petershagen bis 1 Uhr nachts im Einsatz. Und die Polizei Minden-Lübbecke wurde zu 61 Einsätzen gerufen.

Vor allem der Mindener Stadtbezirk Meißen im Südosten war von dem Unwetter besonders betroffen: Fünf Häuser in der Viktoriastraße und im Bereich der “Grille” wurden schwer beschädigt. Die Dächer wurden von der Fallböe abgedeckt und ein umgestürzter Baum fiel auf das Dach eines dieser Häuser. Außerdem entriss der Sturm die Teerpappe eines Flachdachs. Auch wurden Keller von den Regenmassen unterspült.

Insgesamt mussten wegen Einsturzgefahr 33 Menschen mit ihren Haustieren evakuiert werden. Sie kamen zunächst bei Nachbarn oder Verwandten unter, die Tiere auf Veranlassung der städtischen Ordnungsbehörde vorübergehend ins Tierheim. Verletzt wurde niemand in Minden.

Weitere Bäume in Minden-Meißen stürzten um, Äste und Dachpfannen fielen auf Straßen und Gehwege, Autos und Anbauten. Auch kam es zu mehreren Fahrbahnüberschwemmungen. Die Bundesstraße 65 musste aufgrund umgestürzter Bäume in Fahrtrichtung Bückeburg von der Polizei für rund eine Stunde voll gesperrt werden.

Wir haben das Unwetter-Ereignis von Minden-Rodenbeck aus in einem Video festgehalten:

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Die von starken Schäden betroffenen Häuser wurden am Vormittag des 23. Mai von einem Mitarbeiter der Unteren Bauordnungsbehörde der Stadt Minden in Augenschein genommen. Danach sind zwei Häuser in Minden-Meißen vorerst unbewohnbar und baupolizeilich gesperrt worden. Diese dürfen, ausgenommen von befugten Sachverständigen, derzeit nicht betreten werden.

Die Bewohner der drei anderen beschädigten Häuser in Minden-Meißen konnten zwischenzeitlich wieder in ihre Wohnungen zurück, die Häuser wurden notdürftig repariert. Dachdeckerbetriebe waren sofort dran, die Schäden zu beseitigen und die Häuser abzusichern. Alle Haustiere sind inzwischen wieder bei ihren Besitzern.

Nach ersten Schätzungen der Polizei dürften die Schäden im oberen sechsstelligen Eurobereich liegen.

Überschwemmungen und ein Unfall in Minden-Lübbecke

In den Städten Porta Westfalica, Bad Oeynhausen, Espelkamp und Petershagen wurden ebenfalls unwetterbedingte Einsätze gemeldet: Straßen waren überflutet und wurden unbefahrbar, Keller liefen mit Wasser voll und Bäume stürzten um. Autos wurden von Hagelkörnern beschädigt, teilweise brachen die Scheiben. Im Bereich B 482 kam der Verkehr zum Erliegen.

Insgesamt waren in Porta Westfalica 78 Einsätze abzuarbeiten. Auch hier wurde ein Stab in der Feuer- und Rettungswache gebildet. Und Anwohner halfen mit Motorsägen, die umgestürzten Bäume zu zerlegen.

Über einen herausgespülten Gullideckel stürzte ein Rollerfahrer in Porta Westfalica und zog sich schwere Verletzungen zu. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Windkraftanlage im Kreis Paderborn zerlegt

In Borchen-Dörenhagen im Kreis Paderborn rissen ein Blitzschlag oder eine heftige Windböe zwei Flügel einer rund 18 Jahre alten Windkraftanlage ab und ein Flügel knickte ein. Die tonnenschweren, langen Flügelblätter flogen mehr als hundert Meter weit auf die angrenzenden Felder.

Die Feuerwehren Dörenhagen und Kirchborchen waren vor Ort im Einsatz, um mögliche Folgeschäden zu verhindern. Verletzt wurde hier niemand.

Allerdings werden demnächst die Zulassungsverfahren der rund 40 Windkraftanlagen in der Gemeinde vom Kreis Paderborn überprüft und Wartungsprotokolle angefordert sowie anschließend ein Gutachten zur Ursachenermittlung in Auftrag gegeben.

Schweres Unwetter auch im Kreis Lippe

In Bad Salzuflen im Kreis Lippe wurden bis 21 Uhr 70 Einsätze der Feuerwehr gemeldet, in Detmold zwei, in Leopoldshöhe und im Kalletal jeweils einer. Hier kam es insbesondere zu Überschwemmungen in der Salzufler Innenstadt und der Fußgängerzone.

Zahlreiche Keller liefen voll, im Bereich Schliepsteiner Tor floss das Wasser in drei Geschäfte, auf der Rudolph-Brandes-Allee, der Walhallastraße und der Beetstraße kam der Verkehr zum Erliegen. Die Feuerwehr musste Gullis von Laub und Schlamm befreien. Auf der Bielefelder Straße stürzte ein 25 Meter langer Baum quer über die Straße.

Die meisten Schäden konnten bereits beseitigt werden. Menschen wurden im Kreis Lippe nicht verletzt.

Es handelt sich hier um eine Zusammenfassung verschiedenster Quellen: Radio Westfalica, Stadt Minden, Feuerwehr Minden, Polizei Minden-Lübbecke, WDR, Neue Westfälische, Landeszeitung, Westfalen-Blatt. Angaben ohne Gewähr.


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