Unser Held des Tages: Marc, der Tierfreund

Wenn ein Nachbar in Minden-Rodenbeck spontan zur Hilfe eilt

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Mit dieser Dachlatte hat Marc spontan zur Hilfe geeilt – Foto: onm

Da will man einer Katze in Minden-Rodenbeck zu seiner Freiheit verhelfen und kriegt es einfach nicht auf die Reihe. Bis auf Marc, unser Held des Tages!

Ein „Stubentiger“ ist nun 5 Jahre alt und sehnt sich jetzt nach der Freiheit. Er genießt zwar schon seit Jahren den Ausblick vom Balkon, ging schon oft genug mit seinen Besitzern Gassi, will aber ab sofort genau wie die Nachbarskatzen frei und allein in der Gegend herumlaufen, jeden Buchsbaum beschnuppern, jeden Grashalm anknabbern und jeden Baum bezwingen können. Schließlich kennt er sich schon ein bisschen in der Umgebung aus – aber da geht doch mehr.

So mussten wir uns was einfallen lassen. Schließlich ist dieser schwarze Kater auch im Wald geboren worden, wo er damals als Kind wie Robin Hood plötzlich den Weg versperrte und die beiden Menschen zu seinen neuen Ernährern erkor. Jetzt ist es aber vorbei mit der Kindheit und den niedlichen Kuscheleien, die Erwachsenen müssen auch loslassen können.

Das fällt den beiden Katzenbesitzern zwar merklich schwer, schließlich könnte ihn ein Auto überfahren, ihn jemand anfüttern und/oder sogar wegschnappen so ganz ohne Halsband – aber dieser Kater braucht jetzt nun mal seine Freiheit, und die sollte man ihm auch geben. Mit den Katzenbesitzern von nebenan hat man sich schließlich schon unterhalten, wie man das bewerkstelligen könnte. Da scheint es jedenfalls bestens zu klappen. Außer die Zecken sind lästig, die man tagtäglich aus den Katzen mit einer Pinzette „herausdrehen“ muss. Einmal waren sogar Flöhe dabei, da musste die ganze Wohnung von den lästigen Viechern befreit werden (schaurige Vorstellung, was einem schon im Gespräch eine Gänsehaut bereitete). „Da muss man durch.“

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Warten auf die Freiheit – Foto: onm

Gut, man hat sich also als Erdgeschossbewohner dazu entschieden, einen Zugang zum Balkon verschaffen zu wollen, worüber die Katze ungehindert in ihr Zuhause zurückfinden kann. So durchwühlten wir unseren Keller, fanden irgendwie nichts Brauchbares, was einer Leiter oder Latte ähnelte, sondern nur eine relativ neue, lange Teppichboden-Papprolle. Diese große Papprolle klemmten wir nun zwischen das Geländer des Balkons und dem Erdreich des davor bepflanzten Busches. Sieht eigentlich soweit ganz gut aus, ist auch lang genug. Nur irgendwie ist das noch nicht die Endlösung. Ist auch fraglich, ob die Katze über die glatte Rolle abrutschen kann oder nicht. Letztendlich besteht diese aus Pappe, wird den wechselnden Wetterbedingungen also nicht lange standhalten können.

Muss ja total hilflos ausgesehen haben, wie wir Laien da so rumhantierten. Denn plötzlich stand ein großer Mann mittleren Alters hinter uns, mit einer langen Holzlatte über dem entblößten Oberkörper und Kabelbindern in den Händen, und meinte: „Hallo, ich bin Marc, ich habe euch gesehen und dachte, ihr braucht Hilfe.“

Da hat er recht! Wir krepelten uns ganz schön ab mit der langen Teppichbodenrolle, wussten auch gar nicht, wie wir diese am Balkon befestigen sollten. Da ist so eine Dachlatte doch wesentlich zweckerfüllender. „Ich bin ja auch tierlieb“, meinte Marc. „Hast du auch eine Katze?“ „Nein, aber ich hatte mal einen Hund, das war so ein Mischling aus Schäferhund, Spitz und Collie, wir nannten ihn immer Zwergschäferspitz (oder so ähnlich), er war ja ziemlich klein.“ 

Marc schickte der Himmel. Wir können es immer noch nicht fassen, dass er einfach so (!) spontan herüberkam und uns eine Holzlatte inklusive Kabelbinder schenkte, weil er es nicht mit ansehen konnte, wie wir mit der Teppichrollenpappe kämpften, um diesem Kater einen Zugang zum Balkon zu verschaffen.

Wir haben uns dann zwar für eine Drahtbefestigung entschieden, weil sich die Latte damit besser befestigen ließ am Balkon und nicht so auffällig ist. Aber spontan ohne Nachfrage zu helfen, wenn jemand in der Nachbarschaft Hilfe benötigt, diese Erfahrung war uns neu.

Daher ist Marc, der Tierfreund, unser Held des Tages! Lieber Marc, wenn du das hier liest: Wir senden dir auf diesem Wege ganz herzliche Grüße und ein riesen Dankeschön! DANKE, dass es so einen Menschen wie dich gibt!

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Kaum ist das Brett am Balkon angelegt, folgt der erste Schritt in die tierische Freiheit – Foto: onm

Und wie man sieht, hat die Katze sich sofort an das Brett zur Freiheit herangetastet und auch schon einen ersten Rundgang unternommen. Tja, Marc, mit deiner simplen Spontanaktion hast du uns Menschen aus der Patsche geholfen und einem Tier, seinem Instinkt folgen zu können. So einfach kann es im Leben sein, und so macht das Leben Spaß!

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Der Schritt vom Stubentiger zur freilaufenden Katze ist geglückt – Foto: onm

Marc wirft schlussendlich unsere nutzlose Teppichpapprolle über die Schulter und sagt: „Und die nehme ich mit, werde ich verheizen.“ Keine Frage, so findet auch diese noch zu ihrer Bestimmung. Und ein Stuhl bei unserer ersten Grillaktion ist für dich schon mal reserviert.

In diesem Sinne hoffen wir mit diesem Beitrag auf viele Nachahmer! ;o)


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