Unbekannter Erbauer errichtete Kita Rodenbeck mit „Haus der Begegnung“

Seit August 2017 steht ein Neubau im Zehlendorfer Weg für Quartiersbüro, Kita, Jugendamt u.a. - Stadt Minden ist Träger - doch von Veröffentlichung keine Spur

Ein gelbes Gebäude in der Stadt Minden gibt Rätsel auf: das neue „Haus der Begegnung“ mit Kita Rodenbeck – Fotos: onm

Fast unbemerkt wurde im August 2017 im Zehlendorfer Weg 2-4 im Stadtteil Rodenbeck ein Neubau errichtet – Erbauer unbekannt. Der auffallend gelb gestrichene Neubau in Minden soll voraussichtlich erst im Frühjahr 2018 der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden und eine Kita mit „Haus der Begegnung“ beinhalten. Wir haben vorher schon mal nachgehakt.

Wenn Christian Niehage nicht gewesen wäre, der uns beim Quartiers-Spaziergang in Bärenkämpen (siehe unser Bericht) nicht nur verriet, dass er selbst seit 1. August letzten Jahres den neuen Posten eines Quartiersmanagers für den Stadtteil Rodenbeck besetze, sondern man auch dabei wäre, am Zehlendorfer Weg ein neues Quartiersbüro einzurichten (bisher war nur Quartiersmanager Guido Niemeyer bekannt am Wilmersdorfer Weg 5), wären wir nicht auf den Neubau gestoßen, der einige Überraschungen bereithält.

Zuerst einmal wurde weder von der Stadt Minden noch von anderen Medien bekannt gegeben, dass zum 1. August 2017 ein Neubau am Zehlendorfer Weg in Minden-Rodenbeck entstehen soll. Da Quartiersmanager Niehage aber seit dem Zeitpunkt schon dabei war, sein neues Büro einzurichten, muss folglich das Objekt schon an seinem Platz stehen.

So machten wir uns am 9. Dezember auf den Weg und fanden tatsächlich unter der Anschrift Zehlendorfer Weg 2-4 einen Neubau mitten im Wohngebiet (gegenüber einer Hochhausreihe, verwaltet von der Firma Vonovia, siehe auch Geokarte Minden) vor, so wie er auf unseren Bildern zu sehen ist. In einem kurzen Gespräch mit zwei Anwohnern bestätigten diese, dass das Gebäude bereits seit August letzten Jahres stehen würde und erzählten begeistert, wie schön es doch wäre, „wo doch vorher hier eine Müllhalde war“.

Bei näherer Betrachtung des Neubaus entdeckten wir bereits installierte Briefkästen und mit Plakaten beklebte Fenster. Zu unserem Erstaunen scheint jedoch lediglich im Obergeschoss ein Büro für das Quartiersmanagement Rodenbeck vorgesehen zu sein – die übrigen Räume des dreiteiligen, eingeschössigen Blockbaus werden laut Briefkastenbeschilderung für eine „Kita Rodenbeck“, ein „Jugendamt“ und eine „Tagespflege“ hergerichtet. Zwei Briefkästen waren noch unbeschildert.

Und das Haus scheint schon „belebt“ zu sein. So wurde am 8. November 2017 im ersten Obergeschoss bereits zum „Elterncafé“ eingeladen mit dem Hinweis, dass Akila Cheik-Hussein bei „Fragen zu behördlichen und anderen offiziellen Angelegenheiten bzw. Briefe oder Termine“ hilfreich zur Seite stehe. Zudem sei das Elterncafé immer mittwochs von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Das vorgefundene Plakat ist in deutscher und arabischer Sprache verfasst.

Auch die Integrationsassistentin hatten wir bereits beim Quartiers-Spaziergang durch Bärenkämpen kennengelernt. Und sie scheint bereits fest in das neue Quartiersteam Rodenbeck integriert zu sein, wie man der Webseite der Stadt Minden entnehmen kann.

Wer aber hat den Neubau errichtet? Welche Kosten entstehen hier dem Steuerzahler? Und warum wird so ein „Geheimnis“ daraus gemacht?

Die Pressestelle der Stadt Minden äußerte sich zu unserer Anfrage am 13. Dezember: „Das einzige, was dort neu gebaut wurde (aber nicht durch die Stadt) ist eine Kita mit „Haus der Begegnung“ (Stadt ist hier Mieterin) mit einem öffentlichen Raum zur Jugendarbeit und Büros für den Allgemeinen Sozialen Dienst sowie für einen der beiden Quartiersmanager im OG. Weitere Infos haben wir dazu nicht. Es wird dazu noch eine Pressemitteilung geben, wenn die offizielle Einweihung im Frühjahr erfolgt.“

Das beantwortet zwar nicht unsere Fragen vom 12. Dezember, wann mit dem Bau begonnen wurde, wann er fertiggestellt wurde, wer der Bauherr ist, was er gekostet hat inklusive Einrichtung und Außenanlage (ein Spielplatz ist schon zu erkennen), wie viele Personalstellen dort besetzt werden, wer die laufenden Kosten trägt und warum der Neubau überhaupt notwendig wurde.

Aber die Stadt Minden weiß sehr wohl, dass dieses Gebäude neu gebaut wurde, welchen Zwecken es dient, nennt es beim Namen und ist sogar „Mieterin“. Schließlich sei bereits eine offizielle Einweihung im Frühjahr 2018 geplant, und Quartiersmanager Niehage wurde bereits vor fünf Monaten von der Stadt angestellt. Auch der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) gehört der Stadt Minden an, wie auch das Jugendamt und die Kindertagesstätte.

Das alles sind Kostenfaktoren, die bisher nicht öffentlich kommuniziert wurden.

Allerdings stellte die Stadt Minden im März 2016 einen Förderantrag beim Land Nordrhein-Westfalen (NRW) aus dem „Städtebau-Sonderprogramm zur Integration von Flüchtlingen“, wie man einer Pressemeldung vom 4. März 2016 entnehmen kann. In dieser heißt es: „Die eingereichten Projekte in Rodenbeck sind: der Neubau einer Zweifach-Sporthalle an der Grundschule Hohenstaufenschule (geschätzte Kosten: 2,7 Millionen Euro), der Neubau eines Multifunktionsgebäudes für Bildung, Integration und Stadtteilarbeit an derselben Grundschule (1,24 Millionen Euro), die Ergänzung des bereits laufenden Stadtteilmanagements in Rodenbeck um die Stelle eines Koordinators/einer Koordinatorin für ehrenamtliche Aktivitäten (255.000 Euro) sowie die Ausstattung des Stadtteilmanagements mit einem Verfügungsfonds (25.000 Euro).“

Bewilligt wurden vom Land NRW aber nur die Mittel für das Quartiersmanagement Rodenbeck in Höhe von 252.000 Euro, wie man dem Anhang der Pressemeldung des Landes NRW vom 18. März 2016 entnehmen kann. Gelder zur Förderung eines Neubaus „Kita Rodenbeck mit Haus der Begegnung“ sind weder beantragt noch genehmigt worden.

Bevor es weitergeht, hier unserer Bilderstrecke vom Neubau:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.

Auf Nachfrage bestätigt das Land NRW Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung am 3. Januar 2018: „Die Stadt Minden hat aus dem Sonderprogramm Flüchtlinge Fördermittel in Höhe von 252.000 für ein Quartiersmanagement und einen Verfügungsfonds für den Stadtteil Rodenbeck erhalten. Es handelt sich nicht um eine Neubauförderung, sondern ausschließlich Personal- und Sachkosten. Kenntnisse über den Bauherrn oder Eigentümer des Gebäudes liegen hier nicht vor.“

Auch eine Anfrage an Vonovia brachte keine Erkenntnisse über den Erbauer bzw. Finanzierer des Neubaus am Zehlendorfer Weg. Vonovia antwortete am 2. Januar: „Das Gebäude wurde nicht von uns errichtet und gehört uns auch nicht.“

Aber man findet zumindest einen (Paywall-) Archiv-Bericht auf mt.de vom 25. September 2013, der darauf hinweist, dass damals in einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Stadt Minden bekannt wurde, dass ein privater Investor „für Kapazitäten am Zehlendorfer Weg“ sorgen und ein neues Objekt bauen wollte für Kindergartenplätze im Stadtteil Rodenbeck. Und die Stadt soll Träger werden (sprich: Personal und Sachmittel zur Verfügung stellen).

Das hört sich doch ganz nach dem von uns besichtigten Neubau an. Doch es findet sich keine Pressemeldung zur Planung und Errichtung der neuen Kita Rodenbeck mit Jugendeinrichtung und Quartiersmanagement. Umso überraschender ist:

„Kita Rodenbeck“ und Quartiersteam wird umfassend beworben

Konzentriert man sich bei der Suche auf das Stichwort „Kita Rodenbeck“, findet man bereits zahlreiche Ankündigungen im Internet – beginnend mit der Stadt Minden, die den Neubau sogar mit Foto unter der Rubrik „Kitas“ eingetragen hat. Als Träger der Kita Rodenbeck wird die Stadt Minden genannt, des Weiteren eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse und als Leiter der Kita: Wolfgang Vehlewald – bekannt als Trainer des Sportvereins 1860 Minden, der unter anderem am 2. September 2013 als kommissarischer Leiter der Kita „Sieben Bauern zur Einweihungsfeier erklärte: „Wir selbst sind sehr zufrieden mit dem neuen Gebäude und dem tollen Außengelände“.“ (siehe Pressemeldung Stadt Minden)

Ob Vehlewald selbst Erbauer oder Eigentümer ist oder zu vielleicht mehreren Investoren des Neubaus zählt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren (auf unsere Anfrage vom 4. Januar 2018 haben wir von ihm noch keine Antwort erhalten).

Ein weiterer Interneteintrag auf der Website kita.nrw.de spricht von „Städt. Kita Rodenbeck“. Davon ausgehend, dass mit der Abkürzung „Städtische“ gemeint ist, und dadurch, dass hier als zuständige Stelle das „Jugendamt der Stadtverwaltung Minden“ und als Träger die „Stadt Minden – Jugendamt“ genannt ist, müsste man draus schließen, dass die Stadt Minden schon lange über das Neubau-Objekt Bescheid weiß. Zudem wird hier schon die Anzahl der zur Verfügung stehenden Kita-Plätze angegeben: „Plätze für Kinder unter 3 Jahren: 6“ und „Plätze für Kinder über 3 Jahren: 37“. Auch auf der Webseite KiTa.de findet man einen Eintrag „Städt. Kita Rodenbeck“.

Außerdem findet man eine Tabelle der Stadt Minden mit „Tageseinrichtungen für Kinder“ für das Kindergartenjahr 2017/2018 mit Stand 20. Oktober 2017, in der ebenfalls die Kita Rodenbeck am Zehlendorfer Weg eingetragen steht.

Im Übrigen wirbt die Stadt Minden auf ihrer Webseite Quartiersmanagement Rodenbeck damit: „Seit August 2017 gibt es ein weiteres Quartiersbüro im Zehlendorfer Weg 4. Christian Niehage ist hier als Ansprechpartner vor Ort. Im Quartiersbüro sind zusätzliche Räume für verschiedene Nutzungen eingerichtet worden. So ist beispielsweise der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des Jugendamtes zu festen Sprechstunden erreichbar.“

All diese Einträge lesen sich so, als ob die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Minden bereits längst über diese neue Einrichtung Bescheid wüssten. Vielleicht wurde schon intern dafür geworben – nach außen hin findet sich jedenfalls bis dato keine offizielle Ankündigung.

Zuguterletzt finden sich doch noch (spärliche) Kosten-Angaben im Haushaltsbuch bzw. „Managementplan 2017 und 2018-2020“ der Stadt Minden auf Seite 511 (Seite 23 der PDF-Datei) unten den Hinweis: „Für die Stadtteilzentren Bärenkämpen und Rodenbeck wurde jeweils ein Stadtteilfonds in Höhe von 10 T € (10.000 Euro) veranschlagt. Ebenfalls ist unter dieser Gliederung ein Budget für die Stadteilentwicklung (15 T €) (also: 15.000 Euro) eingerichtet.“

Fazit

Unsere Suche nach dem unbekannten Erbauer, der die „Kita Rodenbeck“ mit „Haus der Begegnung“ zum 1. August 2017 praktisch „aus dem Boden stampfte“, bleibt vorerst ohne Erfolg. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Name des „privaten Investors“ nicht preisgegeben werden soll zum jetzigen Zeitpunkt.

Die Stadt Minden scheint definitiv Mieter und Träger der neuen Einrichtung zu sein.

Gefördert wird bisher lediglich der Ausbau des Quartiersmanagements und ein Verfügungsfonds für den Mindener Stadtteil Rodenbeck vom Land NRW mit insgesamt 252.000 Euro. Die Stadt Minden plant dafür Ausgaben in Höhe von mindestens 10.000 Euro. Das Neubau-Objekt an sich wird nicht vom Land NRW gefördert.

Öffentlich kommuniziert wurden diese Kosten für die Steuerzahler bisher nicht – geschweige denn das Projekt öffentlich bekannt gemacht, bevor es entstand, sodass sich die Rodenbecker Anwohner vielleicht dazu äußern könnten. Der Neubau wurde einfach „heimlich, still und leise“ gebaut und eingerichtet – und bereits Personal eingestellt.

Die „Geheimniskrämerei“ rund um das neue Gebäude am Zehlendorfer Weg bleibt vorerst schleierhaft, wenn man bedenkt, dass es sich doch um eine sinnvolle Einrichtung zu handeln scheint und bereits Aktivitäten stattfinden. Es wird doch sonst jedes „Vorzeigeobjekt“ noch vor dem Bau bekannt gegeben.


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