Über 80 Oldtimer pausierten am Rittergut Haddenhausen

6. Touristische Oldtimer-Ausfahrt im Rahmen der "Tage der Herrenhäuser 2017" führte am Rittergut Haddenhausen in Minden vorbei

Ein Bild wie aus längst vergessenen Tagen, möchte man meinen – rund 80 Oldtimer pausierten auf dem historischen Gutshof (hier: Scheune von 1862) vor dem Rittergut Haddenhausen – Fotos: onm

Über hundert Oldtimer-Freunde in mehr als 80 Fahrzeugen aus circa sieben Jahrzehnten genossen bei herrlichstem Sommerwetter ihre Ausfahrt ab Lübbecke durch den Mühlenkreis bis nach Niedersachsen. Erstes Ziel war das Rittergut Haddenhausen in Minden.

Wir schreiben den 18. Juni 2017, die Sonne brennt, der Himmel zeigt sich von seiner besten Seite. Um 11.12 Uhr trifft voller Erwartung vieler Schaulustige der erste Oldtimer auf der Einfahrt zum Rittergut Haddenhausen ein: der Triumph TR6 – der Letzte seiner Art, als Cabrio selbstverständlich. Bei dem großartigen Wetter musste man einfach offen fahren. Aber ob Limousine, Cabrio, Kombi oder Coupé – Hauptsache, man konnte sein Schätzchen aus der Garage befreien und bewegen. Und das taten die Fahrzeughalter aus Lübbecke, Minden, Bielefeld, Osnabrück, überhaupt Minden-Lübbecke und Umgebung.

Oldtimer-Ausfahrt-Organisator Arthur Plate (re.) überreichte Haddenhausens Rittergutbesitzer Boris von dem Bussche ein Buch mit einem kleinen Auto und einem Anhänger mit Bild des Rittergutturmes als Dank für seine Gastfreundschaft

Alle zwei Jahre organisiert von Arthur Plate und seiner Frau Hildegard Meier-Plate begaben sich so die Oldtimer-Liebhaber nicht nur zum sechsten Mal auf Tour, sondern feierten auf ihrer Reise im gemütlichen Tempo auch das 10-jährige Jubiläum des Vereins Herrenhäuser und Parks im Mühlenkreis.

Sehr zur Freude des Ehepaars Dr. Susanne und Boris von dem Bussche, das ihre zahlreichen Gäste zwischen den historischen Gemäuern herzlichst empfing und sogar das Tor zu ihrem privaten Rittergut öffnete (was sonst nur unter Anmeldung betreten werden darf). Familie Preußendorff hingegen, die vor dem Rittergut ihren Hofladen führt sowie die Direktvermarktung und die Führungen über das Rittergut organisiert, wies die über 80 Oldtimer und Youngtimer in ihre Parkgelegenheiten auf dem Gutshof ein.

Und die waren ein echter Augenschmaus. Von Mercedes, BMW, Alfa Romeo, Porsche, VW, MG, Opel, Ford, Borgward, Jaguar und Rolls-Royce über einen Feuerwehrwagen, einen Abschlepper bis hin zum Kübelwagen der Bundeswehr präsentierten die stolzen Besitzerinnen und Besitzer ihre auf Hochglanz gepflegten Karossen aus den etwa 1920er bis 1980er Jahren.

Dabei fiel uns sofort der Porsche 911 E ins Auge – denn genau in diesem irischgrünen Outfit lief vor Kurzem der einmillionste Porsche Carrera S vom Band – in Anlehnung an die ersten Ur-Elfer von 1963. Nur dass das Modell von Armin Gauselmann (54) aus Lübbecke ein Reimport von 1971 ist, den er vor gerade mal einem Monat erwarb. Einst in Händen eines amerikanischen Soldaten fand das gute Stück vor zwei Jahren zurück nach Deutschland und wurde von der bekannten Werkstatt Pannhorst Classics in Gütersloh neu aufgebaut.

Fast hätte unsere Redakteurin den Schlüssel zu ihrem grünen Traumflitzer in der Hand gehalten, wurde er ihr doch verheißungsvoll von Gauselmann entgegengehalten – aber genauso schnell wieder zurückgezogen. Nun ja, „heute ist nicht alle Tage; ich komm wieder, keine Frage.“

Das Organisationsteam mit Arthur Plate am Steuer fuhr standesgemäß im weißen Mercedes vor

Demgegenüber fuhr Organisator Plate ganz in Weiß mit Frau und Freunden im „Gepäck“ vor. Sein historischer Mercedes Cabrio der S-Klasse, der seinerzeit oft als „Hochzeitskutsche“ herhalten musste, begeistert noch heute zahlreiche Autoliebhaber.

Viel Zeit zur Oldtimerbeschauung blieb uns leider nicht, da gegen 12 Uhr schon die Weiterfahrt durch den Minden-Lübbecker Mühlenkreis bis zum Schloss Ippenburg in Bad Essen geplant war. Auch das Anschieben eines dunkelblauen Opel Commodore, dessen Motor – getreu der alten Tage – einfach nicht anspringen wollte, durch einen Passanten bekamen wir lediglich erzählt. Denn wir lauschten zwischenzeitlich der umfangreichen Geschichtserzählung des Rittergutherrn von dem Bussche über das Anwesen.

So befindet sich das Rittergut Haddenhausen seit über 400 Jahren in Besitz der Familie von dem Bussche, genauer gesagt seit 2012 im Besitz des Ehepaars. Urkundlich im Jahre 1033 das erste Mal erwähnt, somit rund 984 Jahre alt, wechselte das Schloss mehrmals seine Besitzer und gelangte ab 1457 in Eigentum der Familie von Münchhausen. Bekannt für ihre bewaffneten Konflikte mit der Stadt Minden wurde das Rittergut nach einer Fehde zwischen den Bischöfen von Minden und Osnabrück im Jahre 1530 fast vollständig zerstört. 1539 gewann von Münchhausen schließlich vor Gericht sein Anwesen zurück.

Über 100 Gäste lauschten der Geschichtserzählung von Boris von dem Bussche zu dem Rittergut seiner Familie

Doch der Vermögensverfall fraß die Familie von Münchhausen während des Wiederaufbaus auf. Schließlich wurde das Gut 1610 an die mit den Münchhausens verwandte Familie von dem Bussche-Lohe verkauft. Johann von dem Bussche ließ dann durch Baumeister Eberhard Wilkening das Schloss im Stil der Weserrenaissance neu errichten (1613-1616 entstand der erste Flügel, 1627 der zweite). Sodann gründete man 1685 eine Familienstiftung und anschließend die Stiftung „Bussche-Hünnefelder Stammlegat“ im Jahre 1708.

Als einzigen Zeitzeugen nennt Boris von dem Bussche einen alten Kamin von 1540 im Dachgeschoss des Gemäuers und als herausragende Arbeit das auffällige Portalornament aus dem Jahre 1627 am linken Flügel mit einer „eigenartigen“ Anordnung von religiösen Skulpturen wie dem Heiligen Christophorus, Jesus und anderen Figuren. Im Übrigen ist der von der Innenhofseite aus gesehene linke Flügel zurzeit vollständig bewohnt (500 Quadratmeter auf zwei Geschossen) und der rechte Flügel baufällig und leerstehend.

Insgesamt war das Herrenhaus mitsamt der zahlreich pausierenden Oldtimer einfach schön anzuschauen. Davon abgesehen haben wir wieder ein Stück Geschichte der Stadt Minden gelernt – bei grandiosem Sommerwetter. Interessanter konnte man einen Sonntag nicht abschließen. In diesem Sinne herzlichen Dank und liebe Grüße an die Veranstalter und Gastgeber!

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.

Quelle: herrenhaeuser-parks-muehlenkreis.de, www.rittergut-haddenhausen.de


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2 Kommentare zu “Über 80 Oldtimer pausierten am Rittergut Haddenhausen

  1. Hildegard Meier-Plate
    23.06.2017 at 16:27

    Vielen Dank für Ihren schönen Bericht und die vielen Aufnahmen der Autos, jetzt konnten wir als Organisatoren einmal alle Autos sehen!!
    Ich hätte gern den Bericht und die Fotogalerie. Ist das möglich? Und wenn ja, was muss ich tun?
    Mit freundlichen Grüßen
    Hildegard Meier-Plate

    • Redaktion
      23.06.2017 at 19:34

      Herzlichen Dank, Frau Meier-Plate! Sie erhalten Antwort per E-Mail.

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