Totensonntag: ein Tag der Stille oder des Vorweihnachtstrubels?

Festbasare in Schleswig-Holstein sorgen am Totensonntag für Aufruhr bei der Kirche und den Bürgern

Skulptur eines Arbeiters auf dem Melatenfriedhof Köln - Foto: onm
Skulptur eines alten Mannes auf dem Melaten-Friedhof Köln – Foto: onm

Weihnachtsstollen konnte man schon im September verzehren, Adventskalender und Schoko-Nikoläuse sind größtenteils ausverkauft und die Weihnachtsbeleuchtung hängt bereits. Doch heute ist Totensonntag – ein Tag der Stille und der Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

Das scheinen Veranstalter von Festbasaren in Schleswig-Holstein anders zu sehen. Laut aktuellem Bericht der SHZ erhitzten sich die Gemüter über bereits eingeschaltete Weihnachtsbeleuchtung und an diesem Wochenende eröffnete Weihnachtsmärkte. „Zur Vorfreude auf Weihnachten gehört das Warten“, meint Pastor Stefan Döbler, Sprecher der Nordkirche, und fragt:. „Worauf sollen wir uns noch freuen, wenn schon Mitte November Straßen und Geschäfte weihnachtlich geschmückt sind?“ Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Nord, erklärte daraufhin, dass es keine Rolle spiele, welche Events die Kaufleute-Vereinigungen im Kalender unterbringen wollten, „um ihre Besucher mit schönen Impressionen zu verzaubern“.

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen war es, der durch Kabinettsorder im Jahre 1816 für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten den Sonntag vor dem 1. Advent zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ bestimmte, in Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege, die gegen Napoleon geführt wurden, und weil überhaupt ein Tag des Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr fehlte. Evangelische Landeskirchen übernahmen diese Bestimmung.

Mittlerweile ist der Totensonntag – auch Ewigkeitssonntag genannt – in allen deutschen Bundesländern und in der Schweiz besonders geschützt. Feiertagsgesetze aller Bundesländer bestimmten den Totensonntag als Trauer- und Gedenktag oder als „stillen Tag“ bzw. „stillen Feiertag„, für den besondere Einschränkungen gelten. Dazu gehören zum Beispiel Verbote von Musikaufführungen in Gaststätten, öffentliche und gewerbliche Unterhaltungsveranstaltungen, zum Teil begrenzt auf bestimmte Stunden des Totensonntags.

Eine Ausnahme stellt hier Hamburg dar: Das Hamburger Gesetz über Sonntage, Feiertage, Gedenktage und Trauertage ermächtigt den Hamburger Senat, „durch Rechtsverordnung (…) Tage zu sonstigen Gedenk- oder Trauertagen zu erklären“, beispielsweise durch das Hamburgische Ladenöffnungsgesetz, das am 1. Januar 2007 in Kraft trat. Totensonntag gehört nicht dazu.

Aber ob gläubig oder nicht – für viele Menschen hat der Totensonntag vor allem eine persönliche Bedeutung. In stillem Gedenken besuchen sie ihre verstorbenen Bekannten und Verwandten auf Friedhöfen, schmücken ihre Gräber und sind ihnen einfach nahe. Das Vergangene Revue passieren zu lassen, lässt sich nur an einem vollkommen ruhigen Ort bewältigen – der auch zu Hause sein kann, wenn man nicht die Gelegenheit hat, eine Grabstelle zu besuchen. Wenn einem zum Weinen zumute ist, kann man keinen Weihnachtstrubel gebrauchen.

Putte Melatenfriedhof Köln - Foto: onm
Putte Melaten-Friedhof Köln – Foto: onm

Auch wenn der Einzelhandel das nicht gerne liest: Der Totensonntag gehört den Toten, nicht den Lebenden. Feierei ist hier völlig fehl am Platz, meinen wir. Ab nächste Woche haben alle Händler und Käufer genug Gelegenheit, ihrem Shopping- und Feier-Wahn nachzugehen. Gemeinsam mit den Menschen, die heute in Ruhe ihren Verstorbenen gedenken konnten, kann man sich dann auch auf die Adventszeit, die Weihnachtsmärkte und das Weihnachtsfest einstimmen.

In diesem Sinne gedenkt unsere Redakteurin heute ihrer liebsten Oma Erika, ihrer Oma Helene, ihrem Opa Walter, ihrem Opa Fritz, ihrem Onkel Karl, ihren Tanten Charlotte und Grete, und Frau Irmer – alles Menschen aus Berlin und Köln, die mit ihrem vergangenen Leben einschneidende positive Erlebnisse hinterlassen haben. DANKE, dass es euch gab!

Textquellen: shz.de, Wikipedia.org


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