Tier- und Pflanzenwelt bedroht wegen industrialisierter Landwirtschaft

Besuch der GRÜNEN bei der Biologischen Station Minden-Lübbecke zeigt auf: Artensterben in der Agrarlandschaft macht eine Wende dringend notwendig

Die Kreistagsfraktion der GRÜNEN beim Besuch in der Biologischen Station Minden-Lübbecke – Foto: Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft und die Überdüngung der Felder haben negative Spuren in der Tier- und Pflanzenwelt hinterlassen. Auf deutschen Äckern werden 50 Prozent mehr Pestizide als 1995 eingesetzt, obwohl die Wirkstoffe immer giftiger werden. Die Kreistagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN zieht Fazit nach ihrem vergangenen Besuch in der Biologischen Station Minden-Lübbecke.

Die Bastauwiesen in Minden-Rodenbeck sind unter anderem berühmt für ihre jährlich wiederkehrenden Störche – Tierfotos: onm

„Im Vogelschutzgebiet Bastauniederung, einem 2500 Hektar großen Naturschutzgebiet und entlang der kleinen Aue sind in den letzten Jahren die Kiebitzbestände massiv zurückgegangen“, beschreibt Cornelia Schmelzer, Fraktionsvorsitzende der grünen Kreistagsfraktion, die Lage zum Artensterben im Mühlenkreis.

Doch das sei längst nicht alles. Auf ihrer vergangenen Fraktionssitzung diskutierten DIE GRÜNEN mit der Leiterin der Biologischen Station Minden-Lübbecke e.V., Jutta Niemann, über das Artensterben in der Agrarlandschaft des Mühlenkreises und kamen zu folgendem Ergebnis:

In den letzten Jahrzehnten sei die Landwirtschaft vom Träger der Biodiversität zu einer ihrer größten Bedrohungen geworden. 35 Prozent der Ackerwildkräuter und 39 Bienenarten seien in den letzten 20 Jahren inzwischen in Europa ausgestorben. Auch der Verlust von Grünlandflächen sei eine Ursache des vielfältigen Artensterbens. Seit 1970 hätten die Grünlandflächen in NRW um 300.000 Hektar abgenommen. Das betreffe ein Viertel der Gesamtflächen.

Für die grüne Kreistagsfraktion sei deshalb die Rückgewinnung von grünen Wegeseitenstreifen, Graswegen, Böschungen und Grabenbereiche an Bachläufen eine Möglichkeit, die Lebensräume für die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten im Kreis Minden-Lübbecke zu erhalten. In der von Ackerbau und Viehzucht dominierten Kulturlandschaft seien Feldraine (auch: Flurgrenze, grasbewachsener Grenzstreifen zwischen zwei Äckern oder Fluren) so etwas wie „kleine Oasen der Wüste“ geworden.

Ungeachtet der Tatsache, dass Landwirte die Bereitschaft zeigten, an ökologisch ausgerichteten Förderprogrammen wie Vertragsnaturschutz teilzunehmen, könne der Verlust wertvoller Arten bisher nicht verhindert werden. Denn der ständig wachsende ökonomische Druck auf die Landwirtschaft führe zur Bearbeitung der Felder mit immer größeren, leistungsfähigeren, schweren Maschinen und in vielen Fällen zu einer allmählichen Überackerung der ausgewiesenen Begleitflächen. Zudem würden immer giftigere (toxische) Pestizide zur Abwehr von Insekten oder anderen Kleinstlebewesen eingesetzt, die die Ernte „gefährden“ könnten.

Deshalb wollen DIE GRÜNEN sich dafür einsetzen, dass der Kreis Minden-Lübbecke und die Städte und Gemeinden überprüfen, ob ihre Flächen unbefugt bewirtschaftet werden, um sie gegebenenfalls aus ökologischen Gründen als Blühstreifen zurückzugewinnen.

„Wollen wir die Landwirtschaft zukunftsfähig machen, müssen wir die momentane Abhängigkeit von Pestiziden aufbrechen. Studien zeigen, dass in der Landwirtschaft bis zu 60 Prozent weniger Pestizide eingesetzt werden könnten – ohne, dass die Ernte dadurch kleiner ausfällt. Und der ökologische Landbau zeigt seit Jahren, dass Anbau auch ganz ohne chemisch-synthetische Pestizide gelingt. Für uns ist das der Weg in die Zukunft“, meint Schmelzer.

Erfolge sieht man zum Beispiel in den Bastauwiesen in Minden-Rodenbeck sowie in Stadthagen (siehe Tierfotos der Redaktion), aber auch in der Windheimer Marsch (Petershagen) durch ein erfolgreiches Beweidungskonzept mit etwa 60 Hochlandrindern der Biologischen Station Minden-Lübbecke und dem Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche“:

„Durch die Beweidung hat sich eine vielfältige Biotopstruktur entwickelt, die zur Folge hat, dass sich vielfältige Wasservogelarten und sogar die Kreuzkröte neu angesiedelt haben. Außerdem ist dort mittlerweile eine Hochburg der Neuntöter mit fünf bis sieben Paaren vertreten. Aber auch das Naturschutzgebiet ‚Nordholz‘ zeichnet sich mit einem der größten Kammmolch-Vorkommen NRWs aus. Sie gehören zu den bedrohten Tierarten“, informierte Niemann die grüne Kreistagsfraktion.

Textquelle: Petra Walter-Bußmann, Geschäftsführerin der Kreistagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN Minden-Lübbecke, Ergänzung: OctoberNews


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