Test: Mit der App nextTicket im öffentlichen Nahverkehr unterwegs

Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und NRW-Verkehrsministerium suchen insgesamt 9000 Test-Teilnehmer, die im öffentlichen Nahverkehr mit der „nextTicket“-App bezahlen wollen – Foto: VRR

Ohne Kleingeld, ohne lästiges Anstehen und Aussuchen am Ticketautomaten – einfach mit der „VRR nextTicket App“ im öffentlichen Nahverkehr ab 1. März 2018 in Nordrhein-Westfalen (NRW) unterwegs sein. Dafür wirbt zurzeit der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), der die App zusammen mit dem Verkehrsministerium vorgestellt hat, und sucht Gelegenheitsfahrer 18+, die sich dem Praxistest stellen wollen.

Wer gelegentlich mit einem 4er-, 10er- oder 24-Stunden-Ticket in Papierform mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr unterwegs war, dürfte Neuland betreten während der Testphase der „nextTicket“-App. Erst mal die zahlreichen Informationen und FAQs lesen auf der Webseite, dann online registrieren mit Name, Anschrift und Bankverbindung. Und wenn man Glück und ein Smartphone oder Tablet mit SIM-Karte hat, wird man als Test-Teilnehmer angenommen – um sich dann durch den Tarife-Dschungel zu kämpfen.

Erfahrene Smartphone-Nutzer, die mit der herkömmlichen VRR-App im ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr) des VRR in NRW Fahrtstrecken gesucht und Tickets über den Online-Shop gekauft haben, dürften hingegen keine Probleme haben mit der Benutzung des elektronischen Test-Tickets. Die „nextTicket“-App liefert die gesuchten Fahrtverbindungen zwischen Standort und Ziel.

Neu dabei ist: Der Kunde muss sich vor dem Einsteigen an der Haltestelle per App einchecken und am Zielort nach dem Aussteigen wieder auschecken. Der Vorteil an der Sache: Die „nextTicket“-App errechnet automatisch das günstigste Ticket. Abgerechnet wird zum Monatsende. Sollte sich jemand aus Versehen zwei Mal ein- oder auschecken, erkenne das System das automatisch und es erfolge eine Gutschrift.

In der zweiten Testphase ab Juni 2018 werden die Fahrten nach Kilometern abgerechnet (voraussichtlich 20 Cent pro Kilometer). Wie viele Tarifgrenzen zwischen Start und Ziel liegen, sei dann irrelevant. Insgesamt laufe der Praxistest sechs Monate lang. Eine Bedienungsanleitung in Kurzform bietet der VRR im PDF-Format zum Download an.

Die „nextTicket“-App gilt für alle öffentlichen Nahverkehrsmittel (Bus, Straßenbahn, RE- und RB-Linien) innerhalb des ausgewiesenen VRR-Raums – mit Ausnahme von IC-, EC- und ICE-Verbindungen. Für Fahrten über das VRR-Gebiet hinaus muss man ein herkömmliches Ticket erwerben.

Für die Bewerbung als Testkunde (Alter: über 18 Jahre), die Registrierung und die „nextTicket“-App fallen keine Kosten an, sondern nur der entsprechende Fahrpreis, versichert das VRR-Team auf ihrer Facebook-Seite in einem Kommentar. Lediglich die Übertragung der mobilen Daten kann bekannterweise abhängig vom Datentarif der SIM-Karte zusätzliche Gebühren verursachen.

NRW-Verkehrsministerium fördert Pilotprojekt mit 600.000 Euro

VRR-Vorstand José Luis Castrillo, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst und Rheinbahn-Vorstand Michael Clausecker präsentieren die nextTicket App – Foto: VRR

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, VRR-Vorstand José Luis Castrillo und Rheinbahn-Vorstand Michael Clausecker sind zuversichtlich, dass die neue App bei den Testkunden ankommt: „Mit nextTicket benötigen Fahrgäste für ihre Fahrt mit Bus und Bahn nur noch ihr Smartphone und die nextTicket-App – die Suche nach dem richtigen Tarif vor Fahrtantritt entfällt.“ Bei einer Sonderfahrt mit der Straßenbahnlinie 705 der Rheinbahn gaben sie vor Kurzem den Startschuss für die neue Applikation und präsentierten die Funktionsweise.

„Die Menschen in Nordrhein-Westfalen wollen mit dem ÖPNV schnell, unkompliziert und günstig von A nach B kommen. Die Digitalisierung bietet der ÖPNV-Branche die Chance, noch stärker kundenorientierte Dienstleistung anzubieten und somit den Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr zu erleichtern. nextTicket ist ein Pilotprojekt für ein zeitgemäßes und kundenfreundliches Angebot. Der Praxistest ist dabei der Anfang eines Prozesses. Ziel muss ein verbundübergreifender eTarif sein“, referierte Wüst, dessen Verkehrsministerium das Pilotprojekt mit insgesamt 600.000 Euro fördert.

Castrillo meint: „Im Öffentlichen Personennahverkehr nutzen Fahrgäste zunehmend digitale Services, um Fahrten mit Bus und Bahn zu planen, Zugang zum Nahverkehrssystem zu erhalten und sich rund um den ÖPNV zu informieren. Entsprechend treibt der VRR die Vernetzung von Tarif, Information, Vertrieb und Mehrwertdiensten in seinen digitalen Anwendungen weiter voran. Damit Fahrgäste den ÖPNV noch einfacher und intuitiver nutzen können – ohne Tarifkenntnisse und passendes Bargeld für ein Ticket –, entwickelt der VRR mit nextTicket seinen Nahverkehrstarif weiter und erprobt die neue Tarif-Generation in einem mehrstufigen Praxistest.“

Hierfür sucht der VRR Pioniere, die neugierig und bereit sind, auch im ÖPNV zukunftsweisende Wege zu gehen. Über 3200 Teilnehmer hätten sich bereits für den Praxistest „nextTicket“-App angemeldet – 9000 Testpersonen können teilnehmen.

Auswertung durch Kompetenzcenter

Mit dem Praxistest „nextTicket“ überprüft der VRR, inwieweit Fahrgäste bereit sind, ihr Smartphone für das Ticketing im ÖPNV zu nutzen, ob sie mit der neuen Ticket-Generation zufriedener sind und ob ein elektronischer Tarif Einfluss darauf hat, wie oft sie Bus und Bahn fahren.

Dafür entwickelte die MENTZ GmbH aus München in Zusammenarbeit mit einer Projektgruppe, bestehend aus Mitarbeitern des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, des KCEFM (Kompetenzcenter Elektronisches Fahrgeldmanagement NRW – eine Einrichtung beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) und ausgewählten Vertretern von Verkehrsunternehmen, eine Test-App mit einem „smartphonebasierten Check-In / Check-Out-System“ (lt. Ausführungen auf der Website der KCEFM (neu: KCD NRW)).

Um Erkenntnisse, Aussagen und Daten über die Tarifergiebigkeit, Systemakzeptanz, Praxistauglichkeit des technischen Systems und anderes zu gewinnen, wird der Test von einer Marktforschung begleitet. Von bis zu 9000 Testkunden, die sich für den Praxistest anmelden können, sollen rund 3000 Nutzer nach ihrer Meinung zum System befragt werden.

Der gesamte Prozess wurde von den Datenschutzbeauftragten der Bogestra (Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG) und des VRR hinsichtlich datenschutzrelevanter Aspekte geprüft und wird außerdem mit einem Fachanwalt für Datenschutz abgestimmt. Der Landesdatenschutzbeauftragte NRW ist ebenfalls über das Projekt unterrichtet worden. Alle personenbezogenen Verkaufsdaten werden vor der Auswertung anonymisiert und sechs Monate nach Beendigung des Praxistests unwiderruflich gelöscht, versichert der VRR.

VRR will „nextTicket“ flächendeckend einführen

Ziel des Ganzen sei es, dass der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr voraussichtlich in den kommenden Jahren ein elektronisches Fahrgeldmanagement-System der Stufe 3 (EFM3) flächendeckend im Verbundgebiet des VRR einführen will. Hierbei soll es sich um ein smartphonebasiertes Check-In / Check-Out oder Check-In / Be-Out-System handeln, um einen leistungsabhängigen (zum Beispiel kilometerbasierten) elektronischen Tarif einzuführen.

Ob sich Aufwand und Geld gelohnt haben, wird sich voraussichtlich ab September 2018 zeigen.

Interessierte Nahverkehrskunden erhalten unter www.nextticket.de detaillierte Informationen zum Projekt und können sich als Test-Teilnehmer anmelden.

Quelle: Pressemeldung der Landesregierung NRW, Website und Facebook-Seite des VRR, Webseite des KCEFM


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