„Tapetenwechsel“ im Eine-Welt-Dorf Minden

Austauschfamilien lernten Entstehungsgeschichte des Eine-Welt-Dorfs des Caritasverbands Minden kennen bei Pizza aus dem Lehmbackofen

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Kinder aus Gastfamilien lernten die Entstehungsgeschichte des Eine-Welt-Dorfes in Minden kennen – da guckte schon manch einer in die „Röhre“ beim Entdecken von Relikten aus alten Tagen

Zehn Familien mit und ohne Migrationshintergrund lernten beim Caritas-Projekt „Tapetenwechsel“ die Entstehungsgeschichte des Eine-Welt-Dorfes in Minden kennen und genossen bei herrlichstem Sonnenschein schmackhafte Pizza aus einem Lehmbackofen.

Lehmbackofen
Der Lehmbackofen ist syrischen Familien als Kochstelle bekannt

Ende September 2015 fand die erste Familienexkursion im Rahmen der Caritas-Arbeitsgemeinschaft „Tapetenwechsel“ statt. Rund 40 Mitglieder der Projektfamilien konnten die Weser per Paddelboot unsicher machen. Am 9. Juli 2016 war es dann wieder soweit: Der Caritasverband Minden e.V. (gefördert von „Aktion Mensch“) holte 8- bis 12-jährige Kinder unterschiedlicher kultureller, religiöser, ethnischer und sozialer Herkunft und ihre Familienmitglieder ins Eine-Welt-Dorf – ein „Dorf“ mitten in der Mindener Altstadt mit Projekthäusern aus aller Welt, Lehmbackofen, Wasserspielplatz und einem Feuchtbiotop.

Syrische Mutter
Schamia, eine von zwei syrischen Müttern, kennt Lehmbacköfen aus ihrer Heimat

„Das kennen wir!“, riefen zwei yezidische Mütter aus Syrien, „unsere Eltern haben so gekocht. Im Augenblick werden diese Öfen in vielen Orten Syriens wieder gebaut, um warme Mahlzeiten bereiten zu können.“ Für die meisten Teilnehmer war der Lehmbackofen ein Relikt aus der Vergangenheit, für andere eben eine bekannte Kochmöglichkeit.

Und die wurde gut angeheizt. Schließlich galt es, selbstgemachte Pizza auf der heißen Glut zu backen, die bei den Gastfamilien für Begeisterung sorgte. Daniela Basti und Nelly Lindemann, beide Mitarbeiter der Friedenswoche e.V., sorgten dafür, dass die Pizza rechtzeitig aus dem Backofen auf den Tisch kam.

Während gemeinsam im Freien das leckere Mahl verzehrt wurde, unterhielt die 7-jährige Irina H. mit einem Blockflötenspiel, wofür sie von der gesamten Gruppe mit viel Applaus, auch für ihren Mut zum Auftritt, belohnt wurde. Projektleiterin Beata Hellenbrand stand ihr dabei gern zur Seite.

Pizza
Selbstgemachte Pizza vom Backblech wie in alten Tagen im Lehmofen gebacken – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen

Frei Herumtoben und sich am Wasserspielplatz erfrischen stand genauso auf dem Programm, wie gemeinsame Kreisspiele und kleine Aufgaben für die Familienpaare. So konnten sie sich besser Kennenlernen und erste Einblicke in die Lebensweise der anderen verschaffen.

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Projektleiterin Beata Hellenbrand stand dicht an Irinas Seite beim Blockflötenspiel und freut sich über den gelungenen „Tapetenwechsel“

„Es macht mich glücklich zu sehen, wie positiv sich der interkulturelle Kontakt der  Kinder auf die ganze Familie auswirkt“, freute sich Hellenbrand und erklärte weiter: „Deutsche Familien, die den Austausch mitmachen, berichten von neuen und sehr schönen Erfahrungen, die sie bis jetzt noch nie so intensiv mit anderen Kulturen erlebten. Und Zuwandererfamilien freuen sich, dass sie Gesprächspartner und Freunde in ihrer neuen Heimat gewinnen und ihre Deutschkenntnisse in entspannter Atmosphäre praktisch anwenden können. Der ‚Tapetenwechsel‘ fördert Integration nicht von oben herab, sondern auf gleicher Augenhöhe. Und das freut mich am meisten.“

Was zeichnet das Projekt „Tapetenwechsel“ aus?

Bei „Tapetenwechsel“ handelt es sich um eine Arbeitsgemeinschaft bzw. ein Projekt des Vereins Caritasverband Minden. Es wird finanziell unterstützt von Aktion Mensch e.V., einer erfolgreichen Soziallotterie, die sich unter anderem für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft (Inklusion) einsetzt.

Die Kinder sollen in einem „Schüleraustausch vor Ort in Minden“ ganzheitlich den Alltag und die Lebensweisen verschiedener Familienkulturen kennenlernen, jeweils mehrere Tage in der Familie eines anderen Kindes in Minden verbringen und den Alltag aus dessen Perspektive miterleben.

Das Projekt „Tapetenwechsel“ stellt dabei entsprechende Bedingungen für einen gleichberechtigten Kontakt dar. Auf dieser Basis können Respekt und Wertschätzung für die Unterschiede zwischen den Gruppen gefördert werden. Die positiven Eindrücke aus einer Kontaktsituation sollen auf die ganze Fremdgruppe übertragen werden und zum Abbau von Vorurteilen unter den verschiedenen kulturellen Gruppen führen.

Das Projekt soll außerdem nachhaltig zur Entwicklung tragfähiger Freundschaften unter den Kindern beitragen und zu langlebigen Kontakten zwischen den Eltern verschiedener kultureller Herkunft. Damit der Schüleraustausch gelingt, werden Eltern und Kinder auf den Besuch durch Workshops zu verschiedenen Themen intensiv vorbereitet. Zudem werden die Familien vor, während und nach dem Schüleraustausch bei gemeinsamen Aktionstagen, Ausflügen und Hausbesuchen begleitet.

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Bei gemeinsamen Kreisspielen konnten die Teilnehmer im Eine-Welt-Dorf sich erste Einblicke in die Lebensweise der anderen verschaffen und sich besser kennenlernen

Und das Eine-Welt-Dorf?

Das Eine-Welt-Dorf besteht seit 2002 – angefangen mit dem Bau eines Lehmfachwerkhauses auf dem Marktplatz in der Mindener Altstadt durch Schulkinder aus Griechenland, Afghanistan, Deutschland, Italien und der Türkei. Eine Zusammenarbeit, die den Geist des Internationalen Projekttags der UNESCO-Projektschulen 2002 unter dem Motto „Kulturen begegnen sich – weltoffen“ widerspiegelte und bis heute mit allerlei weiteren Projekten ungebrochen anhält.

Weitere Informationen findet man unter www.caritas-minden.de sowie unter www.eine-welt-dorf.de.

Textquelle: Caritasverband Minden, OctoberNews, Fotos: Detlef Müller


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