Störche in Minden-Rodenbeck

Rodenbeck ist ein historisches Storchendorf: Wie vor 100 Jahren nisten seit 2010 Weißstörche auf der Kopfpappel im Naturschutzgebiet der Mindener Bastauwiesen

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Seit 2010 nisten Jahr für Jahr Störche auf der Kopfpappel in Minden-Rodenbeck – Fotos: onm

Mitten im Naturschutzgebiet der Bastauwiesen von Minden kann auch der Stadtteil Rodenbeck von einer historischen Storchengeschichte erzählen. Auf einer Kopfpappel siedeln sich wie vor 100 Jahren seit 2010 Weißstörche an.

Dass der Mindener Stadtbezirk Rodenbeck noch mehr zu bieten hat außer das “Getto” in den Köpfen bekannter Medienmacher, konnten wir bereits in einem vergangenen Bericht aufklären. Mitte August dieses Jahres entdeckten wir einen weiteren Meilenstein in der Geschichte Rodenbecks: den Storchenhorst auf der “Kopfpappel Mitteldamm” – eine Nisthilfe für Störche hoch oben auf einem abgestorbenen, geköpften Baum. Zum Glück gerade noch rechtzeitig. Denn das Storchenpaar, was sich dort niederließ, bereitete sich schon auf seinen langen Flug ins Winterquartier nach Afrika bzw. andere ferne Länder vor.

Errichtet wurde der Horst im Jahr 2005 vom Aktionskomitee “Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke”. Eine neue Schautafel am Rande des Mindener Naturschutzgebietes Bastauwiesen, Nähe Mitteldamm, weist darauf hin, dass “Störche nach 96 Jahren zurückgekehrt” seien nach Rodenbeck. Ein guter Grund, dem “Storchendorf” Rodenbeck geschichtlich die Ehre zu erweisen und ein bisschen tiefer zu graben:

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Die Windmühle Rodenbeck verdeutlicht noch heute den einst landwirtschaftlich-dörflich geprägten Charakter des Mindener Stadtbezirks

Ein Dorf im Westen von Minden

Der Stadtteil Rodenbeck (auch “Minden-West” genannt) war bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stark landwirtschaftlich und dörflich geprägt. Die Rodenbecker Windmühle am Mühlendamm (Galerieholländer von 1821) gilt als eines der ältesten Bauwerke und Zeitzeuge aus längst vergangenen Tagen in dem westlich gelegenen Mindener Stadtbezirk.

Erst in den 1930er Jahren begann die starke Besiedlung, beginnend mit dem Bau der Siedlung Rodenbeck. Heutzutage ist der Stadtteil zum einen geprägt durch Einfamilienhäuser aus den 1930/1940er Jahren bis in die neuzeitigen Baujahre sowie durch Mehrfamilienhäuser, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bis in den 1970er Jahren und später errichtet wurden. Doch ein dörflicher Teil Rodenbecks ist erhalten geblieben.

Quer durch Rodenbeck fließt die Bastau, ein Nebenfluss der Weser im Kreis Minden-Lübbecke, wie auch durch die Bastauniederung – ein zwischen Minden und dem Großen Torfmoor bei Lübbecke (bekannt als “Hiller Moor”) liegendes altes vermoortes Urstromtal der Weser.

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Mitten durch Minden-Rodenbeck fließt die Bastau, ein 19,2 km langer Nebenfluss der Weser

Nach einer Phase der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Bastauniederung standen ab den 1970er Jahren in diesem Gebiet immer mehr Flächen für die Unterschutzstellung wildlebender Pflanzen und Tiere zur Verfügung. So wurde ein großer Teil der Niederung (1802,3 Hektar) ab 1988 unter Naturschutz gestellt, die sogenannten “Bastauwiesen”. Diese zählen seitdem zu einem der größten Naturschutzgebiete im Mühlenkreis und gelten als eines der größten Feuchtgebiete in Nordrhein-Westfalen.

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Eine Schautafel am Mitteldamm klärt über die Geschichte der Rodenbecker Störche auf

Hier wiederum mittendrin befinden sich die “Mindener Wiesen”, die ursprünglich dem Bischof von Minden (seinerzeit: Bischof Volkwin V. von Schwalenberg, Sohn des Grafen Volkwin IV. von Schwalenberg und Ermengard von Schwarzburg-Blankenburg) unterstellt waren. 1280 übertrug er aber alle Eigentumsrechte an die Stadt Minden. Fortan wurde auch der Flusslauf der Bastau verlegt, die einst nahe dem Dorf Barkhausen ihre Mündung in die Weser hatte, um die Stadtgräben im Rahmen der Festung Minden füllen zu können.

Wichtig ist, dass das Gebiet Bastauwiesen auch Bestandteil des 2505 Hektar großen EU-Vogelschutzgebietes “Bastauniederung” gemäß der Richtlinien der Europäischen Union über die Erhaltung von wildlebenden Vogelarten wurde – und das mit großem Erfolg:

Der Weißstorch brütet wieder in Rodenbeck

Freudig gibt das Aktionskomitee “Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke” e.V. auf seiner Website bekannt, dass es bereits im 19. und 20. Jahrhundert zwei Storchenhorste auf Kopfpappeln in Rodenbeck gab: einmal gegenüber der damaligen Rodenbecker Schule und ein weiterer Horst am Hof Schilling.

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Vogelschutz- und Naturschutzgebiet Bastauwiesen ist ausgeschildert

Genauer gab es auf dem Hof Schilling am Oberdamm 62 in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) ein besetztes Storchennest, das sich auf der Kopfpappel an der Hofeinfahrt befand. Das vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts angebrachte Nistangebot wurde von den Störchen sofort angenommen. Auf dem Hof Schilling gab es bis etwa 1914 nistende Weißstörche. Ein Foto aus dem Nachlass Heinrich Schillings um 1912, das sich heute in Besitz des Westfälischen Storchenmuseums in Petershagen-Windheim befindet, zeigt fünf Kinder, die sich vor der Kopfpappel postieren.

Im Rahmen des allgemeinen Niedergangs der Störche blieben sie im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts auch in Rodenbeck aus, kehrten jedoch Mitte der 1990er Jahre langsam ins Gebiet zurück, berichten die Storchenfreunde weiter. Da lag es nahe, wieder einen Storchenhorst auf einer Kopfpappel zu errichten – doch dieses Mal mitten im Naturschutzgebiet Bastauwiesen.

Auf Initiative des Aktionskomitees wurde schließlich 2005 traditionsgemäß eine zwischenzeitlich abgestorbene Pappel am nördlichen Rand des Mitteldamms im östlichen Teil der Bastauwiesen geköpft und in rund acht Meter Höhe eine Nisthilfe für Weißstörche angebracht. Dann hieß es warten. Doch fünf Jahre lang fühlte sich niemand für den Horst zuständig, um eine mögliche Anwesenheit von Störchen zu melden.

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Die Bastauwiesen in Minden-Rodenbeck sind heutzutage ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Spaziergänger, werden teils aber noch leicht landwirtschaftlich genutzt

Bis 2010 das erste nistende Weißstorchenpaar in diesem Horst gesichtet wurde. Ein erster Rodenbecker Jungstorch erblickte Ende Mai 2010 – nach 96 Jahren andauernder Abwesenheit von Weißstörchen – das Licht der Welt. Dr. Dr. Alfons Rolf Bense, Vorstandsmitglied des Aktionskomitees, packte die Gelegenheit beim Schopfe, besorgte einen Kran und beringte das Jungtier mit der Nummer “7X448” und dem Hinweis, wenn man den Vogel auffindet, der Vogelwarte Helgoland melden kann.

Insgesamt konnten in den Jahren 2010 bis 2015 neun ausgeflogene Rodenbecker Jungstörche beobachtet werden. Im Weißstorch-Jahresbericht 2016 für den Mühlen- und Storchenkreis Minden-Lübbecke werden auf den Seiten 34 und 35 zudem alle Ankünfte von beringten Störchen im Jahr 2016 aufgezählt.

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Am 14. August 2016 konnte unsere Redakteurin auf einer Fahrradtour das nistende Rodenbecker Storchenpaar beobachten

Wobei 2016 als ganz besonderes Jahr in die Storchengeschichte Rodenbecks eingehen wird: Erstmals hat ein Weißstorchenpaar (Paar des Vorjahres) in Rodenbeck drei Jungstörche zur Welt gebracht. Und alle drei konnten zur Freude ihrer stolzen Eltern die Flügel ausbreiten und in die weite Welt hinausfliegen.

Veranstaltungshinweis:
Am Montag, 24. Oktober 2016, 19.30 bis 21 Uhr, wird Dr. Dr. Bense einen bildhaften Vortrag zum Thema “Klapperstorch” halten im NABU Besucherzentrum Moorhus, Frotheimer Str. 57a in 32312 Lübbecke-Gehlenbeck (Google Maps). Der Eintritt beträgt 4 Euro. Weitere Informationen findet man auf der Webseite.

Quelle: stoerche-minden-luebbecke.de, Marcus Trümper vom Aktionskomitee, Wikipedia, OctoberNews


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