Stadt Minden testet solarbetriebene Müllpresse

Den Fußgängerweg zwischen Kanzlers Weide und Glacisbrücke ziert ab sofort eine Mülltonne mit Presse, die über Sonnenenergie betrieben wird - auch zum Zigarettenkippen-Entsorgen

Mülltonne High-tech
Hightech-Mülleimer steht zu Testzwecken für ein Jahr auf Kanzlers Weide – Fotos: onm

Wer vom Parkplatz Kanzlers Weide Richtung Glacisbrücke geht oder umgekehrt, wird an dem grauen Kasten nicht vorbeigehen können, ohne einmal genauer hinzuschauen. Die Stadt Minden hat die erste kompakte Müllpresse mit Zigarettenkippen-Entsorger für Passanten in Betrieb genommen, die vollständig mit Solarenergie betrieben wird.

Da staunt man nicht schlecht und will es gleich ausprobieren, dieses “Monstrum” in Grau, das zwischen Parkbank und Infotafel einfach nicht zu übersehen ist. Versehen mit einer eindeutigen Grafik handelt es sich um einen Mülleimer oder Mülltonne oder so was Ähnliches. Mist, wir haben gerade nichts zum Wegschmeißen dabei. Aber da nähert sich eine Passantin dem Kasten und fragt: “Ist das überhaupt ein Mülleimer?”

Na sicher doch. Klappe auf, Müll rein, Klappe zu – weg ist der Müll. Erinnert an diese Altkleider-Container. Und jetzt? Passiert irgendwas? Nichts zu hören oder sehen. Eine andere Passantin auf der Parkbank klärt auf: “In der Mülltonne ist eine Presse, die den Müll so alle Stunde oder anderthalb Stunden zusammendrückt.” Aha, also eine Müllpresse – im Kleinformat.

Jetzt leuchtet es auch ein, warum sich auf dem Kasten ein Solarpaneel befindet. Die eingespeiste Sonnenenergie treibt die Presse im Innern an. Interessant. Außerdem befindet sich an dem Kasten ein Loch, wo man Zigarettenkippen entsorgen kann, sehr praktisch.

Griller hinterlassen gerne auf Kanzlers Weide ihren Müll - dagegen kann die 100 Meter entfernte High-tech-Mülltonne helfen
Griller hinterlassen gerne auf Kanzlers Weide ihren Müll – dagegen kann die nur 50 Schritte entfernte Hightech-Mülltonne helfen

Für mehr Informationen sorgt die aktuelle Pressemeldung der Stadtverwaltung und ein wenig Recherche: Auf Kanzlers Weide wurde jetzt die erste solarbetriebene Müllpresse in Minden in Betrieb genommen. Bereits eine Stunde Sonne reicht aus, um den Mülleimer einen Monat lang mit Energie zu versorgen.

Dank der eingebauten Presse, die einen Pressdruck von 680 Kilogramm (laut Herstellerangaben eigentlich 570 kg) auf den Müll ausübt, passt in den “Solar-Abfalleimer” sieben Mal mehr Müll hinein als in normalen Mülleimern. „Die neu installierte Tonne hat somit gegenüber den konventionellen Müllbehältern ein deutlich größeres Fassungsvermögen“, stellt Betriebshofleiter Horst Lehning heraus.

Was zur Folge hat, dass diese in einem größeren Zeitabstand anzufahren und zu leeren ist als herkömmliche Müllbehälter. Die weniger notwendig werdenden Anfahrten reduzieren so den Kohlendioxid-Ausstoß und verbessern die Energiebilanz.

Aber dieses graue eckige Ding kann noch mehr: Über eine LED-Anzeige wird der Füllstand angezeigt. Wird keine Statusänderung registriert, sendet das Modul 24 Stunden nach der letzten Statusänderung den aktuellen Status. Über ein GSM/GPRS-Modul werden außerdem die exakten Positionsdaten über das Mobilfunknetz übertragen. So können die Städtischen Betriebe Minden (SBM) online nachsehen, ob der Mülleimer geleert werden muss oder nicht. Intelligentes Teil.

Vorerst kann es aber nur eine geben in Minden von diesen Hightech-Mülleimer-Mülltonne-Müllpressen. „Nach einer einjährigen Testphase kann entschieden werden, ob weitere Standorte in der Mindener Innenstadt mit diesem Modell ausgestattet werden. Bei einem Preis von 5000 Euro muss genau abgewogen werden, ob sich die Investition lohnt“, erklärt Lehning. Da kann man ihm nur recht geben bei den maroden finanziellen Verhältnissen der Stadt. Brüder oder Schwester in der Stadt muss sich die graue Tonne erst mal verdienen.

Ziel der Stadt Minden ist es jedenfalls, stark frequentierte Plätze wie Kanzlers Weide (die es unbedingt nötig hat, wie obiges Bild veranschaulicht) sauber zu halten und dadurch das Stadtbild zu verbessern.

In größeren Städten wie Hamburg, Düsseldorf, Bremen, Münster, Recklinghausen, Arnsberg, Bielefeld und Kiel sind die Solar-Tonnen namens “BigBelly® Solar” bereits im Einsatz. Auch Paderborn und Arnsberg nutzen Sonnenenergie zum Müllpressen. Bislang sind durchweg positive Ergebnisse zu verzeichnen.

Erfunden wurde die Tonne übrigens vor zehn Jahren in den USA, Boston, und wird wohl auch heute noch dort hergestellt. Für den deutschen Markt ist die Tochterfirma German Eco Tec GmbH zuständig.

Wir meinen: Bei so viel Umwelt- und Kostenbewusstsein muss sich das innovative graue Ding einfach rentieren. Die Stadt Minden setzt hier ein gutes Zeichen in die richtige Richtung, auch wenn eigentlich “Ebbe in der Kasse” ist.

Apropos: Während unseres Mülleimer-Meetings schaute ein Flaschensammler ziemlich stutzig in die Röhre. Bei Öffnen der Klappe ist kein Zugriff auf den eingeworfenen Müll möglich. Des einen Glück ist eben des anderen Leid.

Nachfolgend zeigen wir das gute Stück nichtsdestotrotz noch mal von oben und von vorne:

Update 12.11.2015:
Auf Nachfrage bei der Presseabteilung der Stadt Minden, warum die solarbetriebene Müllpresse nicht mehr an der Stelle Kanzlers Weide steht, erhielten wir die Antwort, dass sich der “BigBelly® Solar” nach wie vor in der Testphase befinde und an unterschiedlichen Stellen in Minden ausprobiert würde. Derzeit stehe die Mülltonne zwischen Simeonsplatz und Innenstadt. Als nächster Einsatzort sei die Einkaufzone in der Bäckerstraße während des Weihnachtsmarktes vorgesehen. Danach würden die Städtischen Betriebe Minden (SBM) über den endgültigen Standort der Müllpresse entscheiden.


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