Stadt Minden sucht Partner für “Handlungskonzept Wohnen”

Steigende Mieten und Nachfragen nach Single- und Sozialwohnungen zwingen die Stadt Minden zur Umsetzung von städtebaulichem Entwicklungskonzept

Die Nachfrage nach bezahlbaren Single- und Sozialbauwohnungen steigt nicht nur in Großstädten, sondern auch in der Stadt Minden – Archivfoto: onm

Gestiegene Mietpreise sowie zu wenig günstiger Wohnraum und Sozialbauwohnungen stellen nicht nur die Hauptstädte der Bundesländer Deutschlands vor große Herausforderungen. Auch in der ostwestfälischen Kleinstadt Minden ist die Wohnungsmarktlage angespannt. Minden sei in den vergangenen zwei Jahren – im Schwerpunkt durch Zuwanderung – auf mittlerweile rund 84.000 Einwohnerinnen und Einwohner gestiegen, heißt es vonseiten der Verwaltung. Die Stadt habe daher in den Jahren 2016 und 2017 ein „Handlungskonzept Wohnen“ aufgestellt und verabschiedet, das nun umgesetzt werden soll.

Nach unserem Bericht vom 22. März zum Thema steigende Baulandpreise, mit dem wir auf die Neubausiedlung “Harrelkämpe” im Stadtteil Rodenbeck aufmerksam machten, in der lediglich private Eigentumshäuser und Häuser mit Eigentumswohnungen entstehen, veröffentlichte die Stadt Minden am 29. März 2018 eine Pressemeldung, dass der Rat bereits am 23. März letzten Jahres einstimmig (mit acht Enthaltungen) das städtebauliche Entwicklungskonzept, genannt “Handlungskonzept Wohnen”, beschlossen hätte und jetzt Taten folgen würden.

Dabei beruft sich die Stadt auf eine Aussage von Bürgermeister Michael Jäcke, die schon am 25. Januar dieses Jahres zum Auftakt der Veranstaltung „Wohnen für alle“ im Campus Minden (siehe Bericht FH Bielefeld) getätigt wurde: „Nicht nur, dass Wohnraum insgesamt knapper und teurer geworden ist, sondern auch die Tatsache, dass sich künftige Erfordernisse an das Wohnen ändern werden, machen es erforderlich, sich damit zu beschäftigen“, unterstrich er damals.

Denn die knappe Lage bei kleinen und günstigen Wohnungen sowie die verstärkte Zuwanderung und Zuweisung von Asylbewerbern und Flüchtlingen habe die Stadt Minden im Jahr 2015 dazu gebracht, sich der Frage nach dem Umgang mit der kurz- und mittelfristigen Bewältigung der steigenden Wohnungsnachfrage zu stellen. Aber auch schon vor 2015 soll festgestanden haben, dass vor allem kleine und kleinere Wohnungen – für ältere Menschen (barrierefrei), aber auch für Alleinstehende/Singles und auch Studenten – sehr gefragt seien und in Minden fehlen würden.

„Wir wissen auch, dass der Wohnungsmarkt im günstigen Segment deutlich knapper geworden ist“, erklärt dazu Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz. Gleichzeitig macht er deutlich, dass Minden, was den sozialen Wohnungsbau angeht, derzeit mit einem eher geringen Mietniveau eingestuft sei. 

„Das Land sieht also eine Förderung für sozialen Wohnungsbau bei uns nicht so vordringlich“, so Bursian. Dennoch habe aktuell eine Neuerhebung des Landes zu den Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt stattgefunden, sodass auch die steigenden Mieten Berücksichtigung bei der Förderung des Landes finden würden.

Wohnungsmarktlage in Minden von den 1990ern bis 2017

Mehr als zwei Jahrzehnte galt der Wohnungsmarkt in Minden als entspannt, erklärt die Stadt und führt weiter aus:

Nach dem Abzug von mehr als 3000 britischen Soldaten Mitte der 1990er Jahre gab es „Wohnungen satt“. Zum Teil fanden hier einige Jahre später Aussiedlerinnen und Aussiedler aus Osteuropa eine Bleibe, die im Schwerpunkt bis Ende der 1990er Jahre nach Deutschland kamen. Auch im Anschluss standen viele Wohnungen – vor allem in größeren Mehrfamilienhäusern – leer.

„In dieser Zeit wurde darüber nachgedacht, wenig attraktive Wohnblocks komplett abzureißen“, erinnert sich Ernst Meistrell, städtischer Baurat und Architekt im Bereich Stadtplanung und Umwelt. Dazu kam es aber letztendlich nicht, wohl aber zu dem Beschluss 2006, die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft „Wohnhaus GmbH“ zu verkaufen (heute: Wohnhaus Minden GmbH, einer der größten Immobilienverwalter der Region, der mit der Stadt Minden als “Partner” immer noch zusammenarbeitet, wie man der Webseite entnehmen kann).

Im Jahr 2011 lag die Leerstandsquote dann noch bei fünf Prozent im Einfamilienhausbestand und rund sechs Prozent in Mehrfamilienhäusern. Aktuell würden etwa drei Prozent der rund 41.000 Wohnungen leerstehen – laut Aussage der Stadt Minden ein von Fachleuten allgemein als “üblicher und sinnvoller”, für den Wohnungsmarkt angesehener Fluktuationswert.

Wobei sich in Minden extrem viele, nämlich rund 70 Prozent der Wohnungen, im Besitz von Privatvermietern befänden. Insgesamt würden jährlich rund 370 Ein- und Zweifamilienhäuser ihre Besitzer/in wechseln. „Diese sind nach wie vor sehr gefragt“, meint der Baugeordnete Bursian, zählt aber auf, dass im Jahr 2017 gerade mal 88 Anträge für Einfamilienhäuser (ein Antrag mehr als in 2016) und 14 für Zweifamilienhäuser (zwei weniger als in 2016) eingingen.

Dennoch sei die Zahl der Bauanträge für Wohnobjekte aller Art von 2010 bis 2017 auf 155 gestiegen (2010 waren es noch 100 Anträge), von denen aber nur 136 genehmigt wurden in 2017.

Positiv anzusehen sei die Zunahme des Baus von Mehrfamilienhäusern und kombinierten Wohn-/Geschäftshäusern im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2017 gingen 34 Bauanträge für Mehrfamilienhäuser (2016: 21) sowie 19 für Wohn-/Geschäftshäuser (2016: 14) im Bereich Bauen und Wohnen der Stadt Minden ein. Wobei letztgenannte Form erst seit zwei Jahren einen “Bauboom” erfahre – 2010 und 2011 gab es zwei Anträge für den Bau von Wohn- und Geschäftshäusern.

Schaffen von Wohnraum für Menschen mit kleinem Geldbeutel

Aus dem neuen „Handlungskonzept Wohnen“ sollen Projekte entwickelt werden, die auch die Schaffung von Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zum Ziel haben, erklärt die Stadt Minden. Was die Verantwortlichen genau darunter verstehen, wird jedoch nicht erläutert.

Zudem werde man hier “nicht unmittelbar selbst tätig” (Anmerkung ON: und das seit über einem Jahr seit Ratsbeschluss vom 23. März 2017), sondern die Stadt Minden sucht für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum Partnerunternehmen.

Ein wichtiges Thema für die Stadtverwaltung sei dabei die Bodenbevorratung und das Wohnbauflächenmanagement. Zentrales Ziel soll es sein, dabei geeignete freie Flächen zu identifizieren, die für den Ankauf infrage kommen und “Nachverdichtungspotenzial in sogenannter integrierter Lage” aufweisen.

Auf Deutsch: Größere und kleinere Baulücken in dichter besiedelten Stadteilen mit vorhandener und geeigneter Infrastruktur sollen vorrangig geschlossen werden. Dazu werden aktuell Abwägungsgrundlagen zur gezielten Entwicklung von Wohnbauprojekten in bestimmten Stadtlagen erarbeitet, erläutert Meistrell. (ON: wobei hier vermutlich wieder einmal die – mittlerweile überlaufenen – Stadtteile Rodenbeck und Bärenkämpen gemeint sind – ein Beispiel in Rodenbeck hatten wir ja bereits benannt in unserem o.g. Bericht).

Auch werde die Stadt Minden ihr begehrtes Grundstück an der ehemaligen Grundschule Dützen (die letztes Jahr dem Boden gleichgemacht wurde nach nicht mal 10 Jahren lt. Bericht mt.de) selbst erschließen und – wie angekündigt – über die (stadteigene) Mindener Entwicklungs-und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW) in Kürze (Sommer 2018) vermarkten.

ON: Was derweil ein bekanntes Wohnungsunternehmen unternimmt, um Bestandsmieter dazu zu bewegen, freiwillig einer Grundmiete-Erhöhung zuzustimmen, erfahren Sie in unserem nächsten Bericht.

Pressestelle der Stadt Minden vom 29. März 2018, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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