Stadt Minden packt Schulentwicklungsplanung neu an

Zuwanderung, Inklusion, Digitalisierung: Stadt Minden holt sich in puncto Schulentwicklung Hilfe vom IPG aus Oldenburg, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten

Hier wurde die mögliche Entwicklung der Zügigkeiten in der Grundschule Kutenhausen erarbeitet – ein Projekt der Stadt Minden zum Thema Schulentwicklungsplanung, das sie gemeinsam mit der IPG aus Oldenburg und über 100 Teilnehmern erarbeitet

Vor dem Hintergrund von Zuwanderung, Zuzug, mehr Geburten und neuen Herausforderungen wie Integration, Inklusion und Digitalisierung packt die Stadt Minden ihre beschlossene Schulentwicklungsplanung erneut an und holt sich Hilfe vom „Institut für Partizipatives Gestalten“ (IPG) aus Oldenburg.

Bis Anfang Juli 2017 sollen mit Beteiligung von Schulleitungen, Lehrern, Schulpflegschaftsvorsitzenden, Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie 50 Bürgerinnen und Bürgern konkrete Maßnahmen und eine gemeinsame Strategie entwickelt werden. Dieses wird mit dem beauftragten „Institut für Partizipatives Gestalten“ (IPG) aus Oldenburg erarbeitet, teilt die Stadt mit.

Erste Pflöcke wurden nach der Auftaktveranstaltung am 5. Mai und der ersten Schulentwicklungswerkstatt am 6. Mai eingeschlagen. Weiter geht es am 20. Mai mit der zweiten Werkstatt. Danach sollen die erarbeiten Ergebnisse von einem Beirat bewertet werden und in ein Konzept einfließen, das schließlich im Juni dem Fachausschuss zur Diskussion und letztlich dem Rat zum Beschluss vorgelegt wird.

Den Auftakt im Beteiligungsprozess machten am 5. Mai vor rund 100 Teilnehmern Bürgermeister Michael Jäcke mit einer kurzen Begrüßung und die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit, Regina-Dolores Stieler-Hinz, mit einer Einführung in das Thema Schulentwicklungsplanung. Stieler-Hinz stellte den jetzigen Stand und die aktuellen Zahlen für die Stadt Minden vor. Bei den Planungen stehe die Stadt vor immer wieder neuen Herausforderungen, Bedürfnissen, Wünschen und Zahlen, machte die Beigeordnete deutlich. „Die Erfahrung zeigt, dass es meist Abweichungen zwischen den Prognosen und den tatsächlichen Anmeldezahlen gibt.“

Zudem müsse Inklusion umgesetzt werden, so erfreue sich der Ganztag doch steigender Beliebtheit bei den Eltern, „was auch sehr gut so ist“, aber eben teilweise Platzprobleme in den Schulen verursacht, so Stieler-Hinz. Außerdem habe die einzig verbliebene Hauptschule, die Ganztagshauptschule Todtenhausen, immer weniger Anmeldezahlen gehabt, was spätestens im Sommer 2021 zur bereits genehmigten Auflösung führe (siehe auch unser Bericht).

Das wiederum bedeute, dass die beiden Realschulen schon jetzt und auch künftig mehr Schüler aufnehmen müssen. Ein weiterer Knackpunkt sei, so die Beigeordnete, dass nahezu alle Grundschulen aufgrund von Zuwanderung am Rande ihrer Aufnahmekapazitäten stehen würden. Die Klassenstärken seien auch an den weiterführenden Schulen weitgehend ausgereizt und neue Züge könnten vor dem Hintergrund fehlender Räumlichkeiten meist nicht gebildet werden. Hinzu komme: Mit den 2015 und 2016 zugewanderten Flüchtlingskindern und -jugendlichen habe sich schnell ein erhöhter Förderbedarf abgezeichnet. So seien 12 internationale Klassen an den weiterführenden Schulen gebildet worden.

Tag 1 ins des zeitlich sportlich angelegten Beteiligungsprozesses stand ganz im Zeichen von „Informations-Input“ und einer anschließenden Abfrage in Gruppenarbeit, was unter einer gerechten inklusiven und integrativen Bildung verstanden würde, was dafür (räumlich und ausstattungstechnisch) gebraucht werde und wie eine „gerechte Bildung“ aussehen könnte. Zum Abschluss der Veranstaltung kam erstmals der Planungsteppich – eine große Minden-Karte mit allen Stadtteilen – zum Einsatz, wo die bestehenden Schulstandorte eingezeichnet und die einzelnen Schulen mittels aufgestellter Tafeln kurz vorgestellt wurden. Letzte Aufgabe des Abends war es, die Vorteile und Bedarfe der Schulen stichpunktartig kurz zu benennen.

Jascha Rohr, Geschäftsführer IPG, erklärt auf dem großen Planungsteppich die gemeinsam erarbeiteten Zukunftsbilder für die Mindener Schullandschaft

Daran wurde an Tag 2 angeknüpft. Die erste Stadtwerkstatt startete mit einer kurzen Diskussionsrunde. Hier hatten die Teilnehmenden die Chance, Probleme aber auch Möglichkeiten der Mindener Schullandschaft anzureißen und erste Zukunftsbilder zu entwerfen. Der Tag solle den Blick für das „große Ganze“ schärfen, so Jascha Rohr, Geschäftsführer beim IPG.

Am Planungsteppich wurde über die Entwicklung der Zügigkeiten gesprochen. Grüne Bauklötze zeigten den momentanen Ist-Stand an. Gelbe Bauklötze gaben an, wie sich die Schülerzahlen bis 2024/2025 entwickeln könnten. Beispielsweise rechnen die Primus-Schule und die Förderschulen Kuhlenkamp mit Zuwachs. Zurück an den Arbeitstischen sollte darüber gesprochen werden, was in den kommenden Jahren grundsätzlich erreicht werden soll.

Herausforderungen seien zum einen die Digitalisierung, die räumliche Ausstattung der Schulen, die Zügigkeiten bei allen Schulformen, Beschlüsse der Landespolitik und die Abweisung von Schülern.

Die Arbeitsgruppen wurden sodann aufgefordert, zu den Herausforderungen sogenannte „Wie-Fragen“ zu finden, zum Beispiel: Wie kann es gelingen, dass die Schulen auf die Anforderungen der Digitalisierung gut vorbereitet sind, oder wie kann es gelingen, dass Kinder die passgenaue Schulform finden? Anschließend machten sich die Teilnehmer gemeinsam Gedanken, welche bestimmten Maßnahmen davon abgeleitet werden könnten. Die Gruppen hielten ihre Ideen auf großen Plakaten fest. Jeder wurde aufgefordert, durch den Raum zu gehen, sich die einzelnen Plakate anzusehen und die Vorschläge näher unter die Lupe zu nehmen. Zu entdecken gab es unter anderem die Anregung nach multiprofessionalen Teams, einer flexiblen Gestaltung von Räumen und Beratung darüber, welche Schulform die richtige ist sowie das Thema gemeinsames Lernen.

Zum Abschluss der ersten Stadtwerkstatt sollten alle Ergebnisse des Tages in die Planarbeit mit einbezogen werden. Jede Gruppe bekam einen transparenten Plan. Darauf sollten realistische Ideen für die Schulentwicklung 2022 präsentiert werden. Dabei waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Knete, Malkreide, Wolle oder Filzstifte sollten zum Einsatz kommen. Innerhalb von zwei Stunden erarbeiteten die zwölf Tische unterschiedlichste Ideen.

Heraus kamen unter anderem folgende Vorschläge: Die Käthe-Kollwitz-Realschule könnte an ihren alten Standort zurückziehen, die Stadtbibliothek und die Volkshochschulen könnten in die Obermarktpassage umziehen, längeres gemeinsames Lernen solle ausgebaut werden, die Primus-Schule soll vierzügig werden oder am jetzigen Standort der Kuhlenkampschule könne eine neue integrative Gesamtschule entstehen.

Mit diesen zahlreichen Ideen wird die Stadt Minden zusammen mit der IPG und allen Teilnehmern nun weiterarbeiten. Im Beirat wird über die einzelnen Anregungen diskutiert und priorisiert. „Unsere Aufgabe ist es nun, diese unterschiedlichen Szenarien auf ihre Umsetzungsfähigkeit hin zu prüfen und der Politik gewichtete Empfehlungen zu geben“, erklärt Moderator Jascha Rohr. Die zweite Werkstatt am 20. Mai wird sich damit auseinandersetzen. Hier sollen Maßnahmen konkretisiert und in einen Bezug zueinandergesetzt werden. Am Ende der Bürgerbeteiligung soll ein schlüssiges Gesamtbild entstehen, mit dem in den kommenden Jahren gearbeitet werde.

Quelle Text und Fotos: Pressestelle Stadt Minden


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1 Kommentar zu “Stadt Minden packt Schulentwicklungsplanung neu an

  1. F Pucher
    16.05.2017 at 10:18

    31000 Euro Honorar für die “ Moderation“ durch die Fa Rohr für 3 Tage, von der Beigeordneten Stieler Hinz beauftragt, da sie selbst offensichtlich überfordert ist?? Das hat was in Zeit knapper Kassen so das Geld rauszuschmeissen , nur weil man vorher bei den Zahlen seine Hausaufgaben nicht gemacht hat

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