Stadt Minden braucht neue Gewerbeflächen

Neue Flächen für Gewerbe und Industrie seien Mangelware - öffentliche Info-Veranstaltung am 1. März 2018 in Päpinghausen zum "Regionalplan 2022"

Am Mindener Hafen und in Päpinghausen wird’s eng, wenn noch weitere Gewerbegebiete erschlossen werden sollen, meint die Stadt Minden und sucht neue Wege – Foto oben: Luftbild Krischi Meier, unten: Besiedlung Päpinghausen nach 2011 Grafik der Stadt Minden

Eine Analyse der Stadt Minden habe ergeben, dass schon in Kürze gut angebundene und attraktive Gewerbeflächen im Stadtgebiet Mangelware seien – neue Flächen für Gewerbe und Industrie müssten gefunden und ausgewiesen werden.

Die Pressemeldung der Stadt Minden vom 15. Februar liest sich wie ein Hilfeschrei: “Minden braucht neue Flächen für Gewerbe und Industrie.” Die Konjunktur boome, die Gewerbesteuer-Einnahmen würden steigen und die Arbeitslosenzahlen sinken (wobei Letztgenanntes nicht stimmt, wie die neueste Arbeitsmarktstatistik des Kreises von Dezember 2017 zeigt, siehe auch unser Bericht). Man befürchte zukünftig daher eine steigende Nachfrage nach Industrie- und Gewerbeflächen. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz, klärt auf:

“Wurden 2013 in Minden nur 1,4 Hektar neue gewerblich und industrielle Flächen neu bebaut, waren es 2017 schon 10,7 Hektar. Für die Stadt Minden ist es daher von besonderer Bedeutung, zeitnah neue Gewerbe- und Industrieflächen zu entwickeln, um der heimischen Wirtschaft bei absehbarem Bedarf weiterhin gut gelegene Gewerbe- und Industrieflächen anbieten zu können.” Verfügbare Flächen gingen zu Neige, neue müssten daher gefunden und ausgewiesen werden.

Was damit gemeint ist, erklärt Andreas Chwalek von der Wirtschaftsförderung der Stadt: „Eine Analyse der freien Gewerbe- und Industrieflächen hat ergeben, dass Flächenreserven vorhanden sind, jedoch ein relativ großer Anteil als betriebsgebunden anzusehen ist und viele der verbleibenden Gewerbe- und Industrieflächen mit vielfältigen Entwicklungshindernissen, wie zum Beispiel nahegelegene Wohngebiete, belegt sind.“

ON: Aha, Wohngebiete sind also “Entwicklungshindernisse”, interessant. Aber es geht ja noch weiter:

So konzentrierten sich die freien Flächen auf die Gewerbegebiete in den Randlagen oder den Gewerbegebieten der ehemals selbstständigen Gemeinden. Diese seien aber aufgrund “fehlender Lagegunst” und/oder fehlender groß- und kleinräumiger Erschließung nicht vermarktbar bzw. wenig attraktiv.

ON: Solche Gewerbe- oder Industrie-“Bunker” müssen selbstverständlich mit Vorgarten und Blick auf die Weser gegeben sein (Sarkasmus).

Insgesamt verfüge die Stadt Minden laut Flächenmonitoring der Bezirksregierung Detmold über Gewerbe- und Industrieflächen von 664 Hektar, wovon 556 Hektar genutzt und weitere 47 Hektar betriebsgebunden seien, sodass 61 Hektar freie Gewerbe- und Industriefläche in Minden verbleiben.

ON: Also wo ist das Problem, wenn im letzten Jahr “nur” 10,7 Hektar Neuland gefragt war? Jetzt kommt’s:

Großer Ansiedlungsdruck herrsche vor allem in den modernen Gewerbe- und Industriegebieten Minden-Ost und Päpinghausen, die von der Stadt Minden als “bevorzugte Wirtschaftsstandorte” tituliert werden. So erklärt sie: Aufgrund der guten Standortfaktoren und der hervorragenden Verkehrsanbindung an Mittellandkanal, Schiene und Straße (ON: was noch geschaffen werden muss) habe sich hier ein Gebiet mit regionaler Bedeutung entwickelt, dessen Attraktivität durch die Inbetriebnahme des im Bau befindlichen RegioPort Weser weiter steigen werde, und an den sich ein 8 Hektar großes Gewerbegebiet anschließe, heißt es vonseiten der Stadtplanung und weiter:

Hier könnten gemäß Wirtschaftsflächenkonzept des Kreises Minden–Lübbecke langfristig Erweiterungsflächen von bis zu 128 Hektar planerisch gesichert werden.

ON: Klingt doch erst mal gut für die Wirtschaft, oder?! Im gleichen Zuge heißt es jedoch:

Hier seien aber nahezu alle Reserven erschöpft, erklärt Bursian. Diese Flächen seien nämlich für hafenaffine Gewerbebetriebe reserviert.

ON: Ja was denn nun? Einerseits gibt es 61 Hektar Freiflächen in Minden und es könnten “langfristig” gesehen bis zu 128 Hektar Erweiterungsflächen “gesichert” werden. Außerdem wurden in 2017 nur 10,7 Hektar benötigt. Andererseits herrsche “Ansiedlungsdruck” und seien alle Reserven erschöpft? Aber die Stadt Minden denke ja noch weiter voraus:

“Weitere Flächen mit Potenzial und guter Lage werden im Bereich nördlich des jetzigen Gewerbegebietes in Dützen und in Meißen gesehen”, erläutert Steffen Wilhelmi, zuständig für den Bereich Einzelhandelsentwicklung der Stadt Minden.

ON: Oha. Jetzt sollen die Mindener Ortsteile Dützen und Meißen auch dran glauben. Wir sind schon gespannt auf die nächste Demo. Die letzte störte ja bekanntlich die RegioPort-Einweihungsstunde auf dem Ausflugsschiff (siehe unser Bericht). Sollen die Bürgerinnen und Bürger nun von vornherein “beruhigt” werden?

Tatsächlich will die Stadtverwaltung in diesem Fall “schrittweise vorgehen”, habe diesbezüglich am Valentinstag 2018 den Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr bereits informiert. Denn die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Minden bekommen bei einer öffentlichen

Informationsveranstaltung am 1. März 2018
ab 18.30 Uhr
im Dorfgemeinschaftshaus Päpinghausen
Im Haverkampsfeld, 32423 Minden
(Google Maps)

die Möglichkeit, sich einzubringen und Fragen zu stellen. Im Schwerpunkt soll es hier um die Ausweisung neuer Gewerbeflächen nördlich der Karlstraße (ca. 8 Hektar) gehen, die durch die Ortsteile Dankersen und Hasenkamp führt (siehe Google Maps), um bereits absehbare Bedarfe der heimischen Wirtschaft befriedigen zu können. Außerdem wird die mittelfristige und langfristige Planung unter dem Titel “Regionalplan ab 2022” der Stadt Minden vorgestellt.

ON: Und diese hat sehr genaue Vorstellungen:

Der zu erarbeitende Regionalplan, der 2022 vorliegen soll, sollte Erweiterungsflächen von mindestens 30 bis 50 Hektar darstellen, mit denen die absehbaren Bedarfe der Mindener Wirtschaft befriedigt werden sollen. Diese Flächen könnten dann auch in Form einer interkommunalen Zusammenarbeit entwickelt werden. „Die könnte dann so aussehen, dass benachbarte Kommunen ihre Flächenkontingente in den Vorzugsstandort einer anderen Gemeinde/Stadt mit einbringen und dann später auch an der Gewerbesteuer beteiligt sind“, schlägt Wilhelmi vor.

ON: Insgesamt schwer zu durchschauen, was die Stadt Minden hier wirklich beabsichtigt. Da bleibt nur die Info-Veranstaltung abzuwarten – der RegioPort Weser wird ja eh weitergebaut “auf Teufel komm raus”.

Quelle Text und Fotos: Pressestelle der Stadt Minden, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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