Spontanbesuch bei der DİTİB-Zentralmoschee in Köln

Bau der neuen Moschee in Köln-Ehrenfeld soll bis Ramadan 2017 abgeschlossen sein - spontaner Besuch am 14. Mai öffnete Türen und Tore

Seit 2009 wird – mit Unterbrechungen – bis heute an der DİTİB-Zentralmoschee in Köln gebaut – nun soll sie bis Ramadan 2017 weitestgehend fertiggestellt werden – Fotos: onm

Die Minaretten sind noch eingerüstet, die Treppe zum Gebetsraum umzäunt, die Innenräume teilweise noch Baustelle – aber bis Ramadan 2017 soll der Bau der DİTİB-Zentralmoschee in Köln weitestgehend fertiggestellt sein laut Wachpersonal. Die Fastenzeit für Muslime („Ramadan“) in Deutschland beginnt in diesem Jahr am 27. Mai und endet am 24. Juni.

Bei einem Besuch in Köln am vergangenen Wochenende machten wir am Sonntagabend einen Schlenker in den Stadtteil Ehrenfeld zur Zentralmoschee der DİTİB (Türkisch: Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, Deutsch: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion). Die Kamera schon im Anschlag, um das architektonische Meisterwerk in seiner ganzen Pracht einzufangen, mussten wir zu unserem Erstaunen feststellen, dass das Gebäude noch gar nicht fertiggestellt war, obwohl Dutzende Bilder im Internet den abgeschlossenen Bau zeigen. So haben wir halt den Bauzustand vom 14. Mai 2017 fotografisch festgehalten, den wir von der Straße aus erfassen konnten, und wurden trotzdem nicht enttäuscht:

Zwischen Kuppel- und Verwaltungsgebäude führt eine offene Treppe zum Innenhof, sobald die Bauarbeiten beendet sind

Bei einem Rundgang um das markante rundliche Kuppelgebäude, das einer aufgehenden Blüte ähnelt, stießen wir auch auf ein sehr schmales längliches Verwaltungsgebäude, das zur Venloer Straße hin gerade mal rund 1,20 Meter in der Breite misst und den Anschein erweckte, als müssten Büroangestellte dort in einem „Schlauch“ arbeiten. Nur aus Luftaufnahmen (siehe Google Maps) erkennt man, dass es sich zur Fuchsstraße hin immer weiter verbreitert und eine Tiefgarage beinhaltet.

Läuft man dann den schmalen Weg von der Fuchsstraße zur Inneren Kanalstraße weiter um das Verwaltungsgebäude herum, stößt man unweigerlich auf das Wachpersonal der DİTİB-Zentralmoschee. Mustafa (Name geändert) und ein Kollege von ihm hatten uns schon durch die zahlreichen Kameras im Visier. Und genau das war unser großes Glück.

Neugierig, voller Begeisterung für die großartige Architektur und weil Mustafa uns so sympathisch fand, dankte er uns mit einer spontanen Führung durch die Innenräume. Nur fotografieren durften wir sie nicht, weshalb wir versuchen, sie so gut wie möglich zu beschreiben. Aber er „freut sich über jeden, der – so wie ihr – vorbeikommt und sich einfach dafür interessiert. Denn das soll ein Ort für alle Menschen sein, egal welcher Religion, ob Christen, Muslime oder andere.“

Zuerst einmal öffnete er eine riesige tonnenschwere Holztüre, die einem Festungseingang glich, nur dass sie nicht von oben über Seilzüge herabgelassen, sondern eben wie eine normale Tür, nur mit viel Kraft, geöffnet wird. Eine weitere Tür für uns geöffnet kamen wir aus dem Staunen nicht heraus.

Beide Minaretten der Zentralmoschee an der Venloer Straße Ecke Innere Kanalstraße waren am 14. Mai noch eingerüstet

Wir befanden uns mitten in einem kleinen Einkaufszentrum. Erste Shops waren schon eingerichtet oder ließen bereits erahnen, was einzieht, wie beispielsweise ein Bücherladen mit Literatur in rund zehn verschiedenen Sprachen, ein Fast-Food-Stand, eine Bank, Schmuckläden und vieles mehr. Mittendrin steht ein Brunnen mit interessanter Deckenhängebeleuchtung, wo bald das Wasser sprudeln soll.

An einem Fahrstuhl vorbei gelangten wir zu einem großen Konferenzsaal mit Bühne, der für rund 800 Leute ausgelegt sei. Insgesamt erweckten die Inneneinrichtungen aber den Eindruck, als müsse noch viel getan werden. Doch Mustafa betonte, dass „alles bis zum Ramadan, der ja am 27. Mai beginnt, fertig sein sollte“. Dann führte uns Mustafa über den Innenhof zur noch einrichtungsbedürftigen Bibliothek, in dessen Schaufenster zahlreiche Entwurfsmodelle des damaligen Architekturwettbewerbs standen. Ohne Zweifel ist im Vergleich das Werk des Kölner Architekten Paul Böhm das schönste und ausdrucksvollste aller Entwürfe. Und „einzigartig“, versicherte Mustafa.

Ein Blick ins schmale Ende des Verwaltungsgebäudes verrät, dass auch im Inneren noch einiges zu tun ist

Auf ein Stück Teppich in der Bibliothek zeigend verriet er, dass dieser türkisfarbene Bodenbelag demnächst in dem Gebetsraum ausgelegt werden soll. Und dieser befinde sich im Obergeschoss und nicht, wie von vielen Leuten vermutet, im gesamten, 36,5 Meter hohen Kuppelgebäude der Moschee. Dort werde es Platz für circa 300 Frauen (obere Ebene) und circa 900 Männer (Gebetssaal) geben. Zudem gebe es einen Übergang zwischen dem Zentrum für Frauen-, Familien und Sozialarbeit (ein weiteres Gebäude) und der Kuppelmoschee, sodass Frauen direkten Zugang bekommen, um beten zu können. Im Erdgeschoss des Kuppelgebäudes kommt wahrscheinlich ein Museum für islamische Kunst rein.

Zugang zu dem Rest des Verwaltungsgebäudes, der Bibliothek, dem Frauen-/Jugendzentrum und dem Kuppelgebäude musste er unter Bedauern verwehren aus bautechnischen Gründen. Wie unsere Recherche nach dem Besuch ergab, befindet sich die Zentralmoschee ja schon seit 2009 in Bau und die bevorstehende Eröffnung musste wegen Baumängeln und aufgrund der schwierigen Beton-/Glas-/Holzkonstruktion immer wieder hinausgezögert werden. Aber Mustafa lud uns jetzt schon herzlich dazu ein, vorbeizukommen, wenn alles fertig ist.

Die künstlerische Gestaltung der Decke des Kuppelsaals scheint hingegen fertig zu sein. Durch die Fenster kann man blütenartige Ornamente erkennen und Gebetstexte in goldener Schrift. Insgesamt wurden knapp 120.000 Bögen weißes (6 Karat) und gelbes (24 Karat) Blattgold aus Deutschland von 31 Künstlern an die Wand gebracht laut Ausstellungsbroschüre – unter künstlerischer Oberleitung der Architektin Merih Aykaç in Realisierung des Architekten und Künstlers Semih İrteş mit seinem Atelier NAKKAŞ aus Istanbul.

Liegender Halbmond auf einer der zwei Minaretten

Auch die „liegenden Monde“ (Halbmond, wie man ihn von der türkischen Flagge her kennt) auf den beiden Minaretten (zwei Türme) sind vergoldet worden. Die Türme waren am Sonntagabend zwar eingerüstet, aber einen Halbmond konnten wir mit der Kamera einfangen. Die Minaretten seien hohl und würden nicht mit Treppen oder Ähnlichem versehen, erklärte Mustafa. „Sind sie fertig, müssen sie stehen.“ Reparaturen könnten dann nur durch Wiederanbringen eines Gerüsts durchgeführt werden.

Gleichwohl beherbergt der Innenhof schon einen Brunnen und kann, wenn alles fertig ist, über offene Stufen erreicht werden und bildet die Verbindung zu allen Gebäuden. Außerdem ist bereits ein Platz in einer Betonwand für einen großen Bildschirm vorgesehen. „Dann können wir hier Fußball gucken“, scherzte Mustafa.

An dieser Stelle endete seine Sonderführung und wir verabschiedeten uns. Schließlich war es auch schon spät geworden und wir mussten ja wieder nach Minden zurück – den Ort, den Mustafa sogar kannte (vermutlich, weil hier die DİTİB-Gemeinde ebenfalls vertreten ist).

Somit senden wir herzliche Grüße nach Köln, bedanken uns für die spontane, offenherzige, sehr eindrucksvolle Führung des Wachmanns, und drücken den DİTİB-Mitgliedern dolle die Daumen, dass es mit der Eröffnung zu Ramadan klappt.

Aber vorher gibt’s hier noch ein paar mehr Bildchen zu sehen:

<a href="https://flic.kr/s/4gLq58j" target="_blank">Click to View</a>

Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.

Übrigens stand auf dem Platz bereits seit vielen Jahren eine Moschee. Denn DİTİB wurde bereits 1984 in Köln gegründet. Nur war das ein Flachbau im Stil der 70er-Jahre-Betonbauten, der abgerissen und durch die architektonisch anmutige Zentralmoschee ersetzt wurde. Der Platz hat somit rein optisch gesehen eine deutliche Aufwertung erfahren.

Zudem betonen die Verantwortlichen auf ihrer Website, dass in den Bau weder direkt noch indirekt Mittel von der EU, vom Bund, Land oder einer Kommune geflossen seien – der Verein finanziere die Baukosten in Höhe von über 30 Millionen Euro über Eigenmittel und Spenden.


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