Speedcarving im Mindener Wald

Wenn Kettensägen auf Holz treffen und filigrane Figuren entstehen während der 9. Holztage Mindenerwald

Da fliegen die Späne, wenn Maschinengewalt auf Holz trifft – Fotos: onm

Im Rahmen der 9. Holztage Mindenerwald fand am 29. und 30. März 2014 in Hille auch ein Speedcarving-Wettbewerb statt – ein rasantes Ereignis mit „mehr Power“.

Das hätte Tim Allen, dem Hauptdarsteller aus “Hör mal … wer da hämmert” mit seiner Fernsehshow “Tool Time”, gefallen: Männer, die sich mit roher Motorgewalt an Baumstämmen zu schaffen machen. Kettensägen, die sich aufbrausend durch’s Holz schlagen. Fräsmaschinen, die Augen auskratzen. Schleifmaschinen, die Flügel stutzen. Da fliegen meterweit Späne durch die Luft. Alles ist laut und staubig.

Auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Pohlsche Heide in Hille (Kreis Minden-Lübbecke) traten am jeweiligen Veranstaltungstag um 11, 13 und 15 Uhr Teilnehmer gegeneinander an, um sich im sog. “Speedcarving” zu messen. Wir waren am 30. März 2014 ab 13 Uhr vor Ort, um das rasante Spektakel live erleben zu können.

Innerhalb 30 Minuten mussten die Männer Figuren und eine Bank aus Nadelrundholzstämmen anfertigen, wobei der Fantasie freien Lauf gelassen wurde. Erlaubt waren alle hand- oder motorbetriebenen Geräte wie Kettensägen, Fräsen und Schleifmaschinen. Und diese Männer gaben alles! Mit gekonntem Blick für’s Detail wuchsen durch diese Männerhände mithilfe roher Maschinengewalt filigrane Holzkunstwerke.

In dieser kurzen Zeit kamen Schritt für Schritt verschiedenartige Adler- und Eulenfiguren aus dem Holzstamm zum Vorschein, als wenn sie diese Tiere aus dem rohen Baum “befreit” hätten. Die Sitzfläche der Bank sägten sie aus dem Stamm heraus und verzierten diese auch noch mit Mustern (z. B. durch Einkerbungen) und schliffen sie glatt. Man will ja schließlich keinen Splitter im Gesäß haben, wenn man sich draufsetzt.

Da blieben die Blicke der Zuschauer dran kleben. Mit Staunen wurde die unglaublich schöne künstlerische Arbeit dieser Männer bewundert. Nicht einmal fiel der Satz “das kann ich auch, ist doch kein Problem, mach’ ich doch mit links” oder so ähnlich. Da steckt eben langjährige Erfahrung im Umgang mit Motorsägen und Holz dahinter, insbesondere im Carving-Bereich (dt.: “Schnitzerei”).

Die Minuten des Wettbewerbs wurden heruntergezählt, und Stopp! Jetzt müssen die Holzfiguren und Bänke fertig sein. Alles wurde niedergelegt und die Männer konnten sich entspannt zurücklehnen.

Damit sich der Weg und der Arbeitsaufwand für die Männer mit den schweren Maschinen aber auch richtig lohnt, konnten sie ihre Figuren und Bänke an die Besucher der Holztage versteigern, deren Erlös sie behalten durften. Die komplette Schutzausrüstung und Maschinen mussten die Teilnehmer ja selbst stellen, erhielten vom Veranstalter aber netterweise 50 Euro für Anfahrt und Verpflegung als Unkostenpauschale. Leider war die Resonanz der Versteigerung nicht so hoch, wie man es sich erhofft hatte, und diese einmaligen Versteigerungsobjekte gingen unter Zögern gerade mal für rd. 70 bis 200 Euro unter den Hammer.

“Ein echtes Schnäppchen”, feuerte Moderator und Förster Carsten Bölts noch an, “schauen Sie sich mal an, für welchen Preis diese Kunstgegenstände ansonsten angeboten werden”. Recht hat er. Denn “Beamtenschweiß ist teuer!”, klärte er auf – schließlich gingen diese Kunsthandwerker auch ihrem erlernten Beruf nach, und ihre Maschinen sind von allerbester Qualität. Einer der Teilnehmer lebt sogar von dieser Holzschnitzerei, er ist also auf den Verkaufserlös angewiesen.

Schlussendlich ging es natürlich um die Hauptveranstaltung “Holztage”, die auf dem rd. 1.000 Quadratmeter großem Gelände am Mindener Wald umfangreiche Informationen und Aktionen rund um den Rohstoff Holz und den nachhaltigen Umgang damit aufzeigte.

Alles in allem war es auf jeden Fall eine großartige Show, was die Männer uns boten, uns hat es riesigen Spaß gemacht. Logisch, dass wir Ihnen die Bilder nicht vorenthalten wollen:


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