Sonntagsspaziergang durch Minden-Rodenbeck

Was man im Mindener Stadtteil Rodenbeck so entdecken kann

Was ist dran an dem Gerücht, dass sich nur Katzen durch Rodenbeck trauen können? Fotos: onm

Wenn in Minden der Stadtteilname Rodenbeck fällt, wird meist mit den Augen gerollt, der Atem gestockt oder einfach eine ablehnende Haltung eingenommen. Rodenbeck sei für sein “Getto” bekannt, außer Katzen kann sich doch nachts keiner auf die Straße trauen, heißt es.

OctoberNews hat sich letzten Sonntagnachmittag auf einen Spaziergang in Minden-Rodenbeck begeben und sich selbst ein Bild gemacht.

Gestartet im Stadtteilkern von Rodenbeck in der Straße Vogelsang fällt sofort ein großes Haus an der Ecke ins Auge, der Rodenbecker Kaufmannsladen. Der auf halber Etage liegende, gut besuchte “Tante Emma”-Laden bietet (fast) rund um die Uhr alles, was man eben schnell noch braucht, ob Kuchen, Brötchen, Zigaretten, Brotaufschnitt, Geburtstagskarte, Süßigkeiten, Geschenke, die Lieblingszeitschrift, was zum Trinken oder ob man sein Hermes-Paket abgeben will – alles auf einer überschaubaren Etage bei freundlicher Bedienung.

Hinter diesem Haus entlang der Falkenstraße befinden sich mehrere Wohnblöcke, die zwar schon etwas älter sind, aber es sich um gepflegte Anlagen handelt und nicht den Anschein eines sozialen Brennpunkts, wie die Politik sich ausdrückt, erwecken, auch nicht die Menschen, die einem so auf der Straße entgegenkommen – halt ganz normale Leute.

Wendet man den Blick zurück und folgt nun der Straße Unter den Bäumen befinden sich rechts und links Einfamilienhäuser, teilweise mit ansässigen (ehemaligen) Schützenkönigen, auch wenn man am Ende links abbiegt. An der Ecke Piwittskamp / An der Landwehr / Schwabenring stößt man auf ein griechisches Restaurant und einen Friseursalon.

Am Schwabenring links abbiegend blickt man nach nur 100 Metern links auf einen schmalen Bach entlang der Forellenstraße. Dieser lange Weg lädt geradezu zum Spazierengehen ein und wird auch umfangreich genutzt von den Rodenkirchenern. Denn hier gibt es viel Grün, einen Kinderspielplatz mit Seilbahn, gegenüber des Baches weidende Schafe, wunderschöne alte Trauerweiden, am Himmel kreisende Möven und einfach eine Menge zu entdecken.

Folgt man dem Weg entlang des Wassers, kommt man unweigerlich an einem gut abgeschirmten Offiziersheim der Bundeswehr vorbei, wo jede Menge Transportfahrzeuge, Brückenteile, ein Truppenübungsplatz und was die Bundeswehr sonst noch für Einsätze benötigt, durch den hohen Zaun zu sehen sind. Mehrere Schilder warnen vor dem Zutritt, weil hier Schusswaffen zum Einsatz kommen. Aber keine Angst, hier kann man jederzeit getrost dran vorbeilaufen, wie an den Wohnblöcken mit den interessant konstruierten, verwinkelten Vollbeton-Balkonen.

Weiter entlang der Forellenstraße blickt man plötzlich geradeaus auf ein Feld und rechts eine kleine Brücke, die über den Bach führt. Ein herrlicher Ausblick ins Weite mit Blick auf eine Bach-Verzweigung, hier fließen zwei Bäche zusammen.

Man fühlt sich plötzlich mitten in Minden wie auf dem Lande. Und das Gefühl wird verstärkt, denn jetzt kommt die Krönung:

Überquert man die kleine Brücke über den Bach, blickt man auf eine wunderschöne alte riesige Windmühle, die “Rodenbecker Mühle”. Direkt gegenüber des bekannten Druckzentrums JCC Bruns (wo unter anderem das Mindener Tageblatt angeliefert wird) angesiedelt, befindet sich die historische Mühle auf dem ehemaligen Gutshof Rodenbeck. Die inaktive Windmühle Rodenbeck ist im Mühlenkreis Minden-Lübbecke verzeichnet und besticht durch ihren massigen, zum Boden hin unglaublich breiten und konischen Mühlenturm aus Feldbrandsteinen mit Segelgatterflügeln und “Ziehrad” (Gaffelrad) zur In-Wind-Stellung (angetrieben von einem Binnenkruirad, um ein sicheres Arbeiten auch bei Starkwind zu ermöglichen) sowie ihrer Haube mit Umgang (kleine 24-eckige Galerie). Der zweistöckige Galerie-Holländer am Mühlendamm wurde 1821 erbaut und die ursprüngliche Technik ist weitgehend erhalten. Aufgrund des sumpfigen Untergrunds wurde die Windmühle auf massiven Eichenpfählen gebaut. Ein absoluter Hingucker und historischer Lichtblick im Stadtteil Rodenbeck.

Biegt man nun rechts in den Trippeldamm ein, stößt man auf etliche weitere angesiedelte Firmen, wie z. B. Siemens Gerüstbau und andere Gerüst-, Beton- und Kunststofffirmen, was jedoch nicht den Eindruck eines Industriegebietes erweckt, sondern ganz gut in das umliegende Wohngebiet integriert ist.

An der Wettinerallee angekommen, einer größeren Hauptstraße, und hier links eingebogen kommt man an der Kotlettschmiede vorbei, wo man nach einigen Aussagen lecker deftig essen gehen kann.

Interessanterweise stößt man dann auf ein Firmengebäude, was vermutlich ehemals eine Kirche gewesen sein muss, wenn man sich den Eingang mit den braun-blauen Steinkacheln anschaut. Auch die steinerne Eingangstür zum Büro deutet darauf hin.

Dann folgt ein architektonisch modernes Firmengebäude der Firma Altendorf mit Glasfassaden und fein säuberlich geschnittenen Buchsbaumkugeln davor. Ein Besuchereingangsschild lädt zum Schaufensterbummel mit Blick auf die verschiedensten historischen Sägemaschinen ein. Das Unternehmen wurde 1906 in Berlin gegründet, kann somit auf eine über 100-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken, insbesondere was die Erfindung ihrer “Format- und Besäumkreissäge System Altendorf” angeht, die im Gründungsjahr von Wilhelm Altendorf erfunden wurde und sich in etlichen Tischlereien, Schreinereien sowie Holz, Metall und Kunststoff verarbeitenden Betrieben befindet.

Schlussendlich folgt noch ein Rundgang durch das gegenüberliegende Wohngebiet mit Einfamilienhäusern, wo an manchen Grundstücksgrenzen extrem hohe Hecken auffallen, und dann endet der Spaziergang am Sonntag durch den Mindener Stadtteil Rodenbeck.

Auffällig sind die unglaubliche Ruhe der Umgebung (auch unter der Woche) und die nett grüßenden Menschen, die einem entgegenkommen. Und fest steht, dass es hier kein “Getto” gibt, ganz im Gegenteil: Historie und Natur, wohin das Auge reicht.

Auf jeden Fall gibt’s hier eine Menge zu entdecken, ob historisch oder modern, ob Landschaft, Tiere, Industrie- oder Wohngebiet. Und das waren längst nicht alle sehenswerten Ecken von Rodenbeck. OctoberNews will Ihnen ja nicht alles verraten. ;o)

Vielleicht machen die folgenden Aufnahmen auch Ihnen einen Spaziergang durch oder sogar ein Leben in Minden-Rodenbeck schmackhaft:


Diesen Bericht teilen: