Sollte Jürgen Schnake Bürgermeister von Minden werden, würde er …

... den RegioPort und die Stadtwerke zu erfolgreicher Vermarktung verhelfen - Teil 8 unserer Beitragsreihe "Schnake für Minden"

Jürgen Schnake an der Schachtschleuse Minden
Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake lehnt sich ans Geländer der Aussichtsplattform auf dem Wasserstraßenkreuz Minden, das er als Dreh- und Angelpunkt seiner neuen Idee sieht – Fotos: onm

Nachdem Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake über 300 Unterstützerunterschriften von Mindener Bürgern erhielt, um offiziell in den Wahlkampf ziehen zu können, widmet er sich nun Teil 8 seiner Ideenreihe zum Thema Akquisition von RegioPort und Stadtwerke in der westfälischen Stadt Minden.

Denn wie er meint, ist es keine Kunst, einen Hafen zu bauen oder Stadtwerke zu eröffnen. Die Kunst sei es, beides erfolgreich zu betreiben. Das wollen wir natürlich näher wissen und haben den parteilosen Kandidaten wieder zu einem Skype-Interview eingeladen.

Vorab trafen wir uns mit dem 45-jährigen auf der Aussichtsplattform des Mindener Wasserstraßenkreuzes, von wo aus man das Gelände des von der Stadt Minden geplanten Container-Umschlaghafens RegioPort zumindest in weiter Ferne erahnen kann, wie er meinte.

Wir reden gar nicht lang drum herum, das Interview ist umfassend genug:


Schild Wasserstraßenkreuz Minden + Wasserflugzeug
Der Treffpunkt Wasserstraßenkreuz Minden wurde von Bürgermeisterkandidat Schnake wohlbedacht ausgewählt – während des Fototermins konnte man seltenerweise ein Wasserflugzeug am Himmel beobachten

ON: Einen schönen guten Tag, Herr Schnake. Schön, dass es weiter geht mit Ihrer Ideenreihe. Bei unserem Fototermin am 10. Juli auf dem Wasserstraßenkreuz in Minden sprachen Sie bereits an, dass es im Großen und Ganzen um das Vermarkten des Hafenprojekts RegioPort und der Stadtwerke geht. Aber was genau möchten Sie uns und unseren Leserinnen und Lesern damit sagen?

Jürgen Schnake: Was ich sagen will, ist: Es ist keine Kunst, einen Hafen zu bauen, es ist auch keine Kunst, Stadtwerke zu eröffnen. Die Kunst ist es, beides erfolgreich zu betreiben. Das ist der Kernpunkt der Sache. Man darf sich nicht davon blenden lassen, dass der Hafen gebaut wird. Man darf sich nicht davon blenden lassen, dass die Stadtwerke jetzt da sind. Teuer wird es, wenn beides versagt. Das hat man beim JadeWeserPort gesehen. Der war lediglich noch gut als Kulisse für einen Tatort-Film.

ON: Wikipedia zufolge wurde der JadeWeserPort in Wilhelmshaven im September 2012 in Betrieb genommen und lief nur schleppend an. Das Investitionsvolumen betrug rund 950 Millionen Euro. Und zum Thema Stadtwerke?

Jürgen Schnake: Zum Thema Stadtwerke verweise ich auf einen Bericht der Tagesschau mit dem Titel „Kommunale Pleite GmbH & Co. KG“. Hier erkennt man ganz gut, dass das landauf, landab ein echtes Problem ist. Die Kommunen haben in den letzten Jahren alle rekommunalisiert, aber eine ganze Menge ist dabei auch baden gegangen. Dann wird’s richtig teuer.

ON: Was meinen Sie, ist jetzt das grundlegende Problem?

Jürgen Schnake: Dass weder die aktuelle Verwaltung noch meine drei Konkurrenten Jäcke, Beier und Stadtmann wissen, wie man so was erfolgsbringend führt. Der Dreh- und Angelpunkt meiner Ansicht nach ist die Akquise. Man müsste für beides – RegioPort wie Stadtwerke – Kunden auftreiben, ganz platt – wie für jede Pommesbude, wie für jedes Großunternehmen. Jedes Unternehmen lebt einfach von Kunden. Hat man keine Kunden, geht man pleite.

ON: Normal. Das können wir nachvollziehen.

Jürgen Schnake: Genau, normal. Und ich sehe das beim Hafen RegioPort noch nicht. Ich habe vor ein, zwei Jahren Joachim Schmidt, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung, Firmenkontakte und Finanzen bei der MEW, der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH, mal nach einem Hauptausschuss gefragt: Wie betreiben Sie eigentlich die Akquise? Da hatte er keine vernünftige Antwort. Und da schrillen bei mir alle Alarmglocken. Die bauen das Ding, wissen aber nicht, wie sie es betreiben.

ON: Hat sich das zwischenzeitlich geändert? Betreibt die MEW mittlerweile Akquise?

Jürgen Schnake: Nicht, dass ich wüsste. Ich weiß von keiner, schon gar keiner guten. Die Situation am RegioPort wird auch noch dadurch verschärft, dass die Weservertiefung wenn überhaupt sehr viel später kommt, die Trimodalität kommt frühestens 2022, und durch die Brücken nach Westen … da kommt auch nicht wirklich Containergut, jedenfalls nicht in den Quantitäten, die so ein Hafen bräuchte. Die Akquise müsste also nicht nur anlaufen, sie müsste doppelt bis drei Mal so gut sein wie unter normalen Umständen.

Jürgen Schnake zu Fuß am Wasserstraßenkreuz Minden
Bürgermeisterkandidat Schnake kommt uns – wie immer zu Fuß – am 10. Juli auf dem Mindener Wasserstraßenkreuz Richtung Aussichtsplattform entgegen

ON: Was die Brücken betrifft, hatten wir bereits am 10. Juli darüber gesprochen, dass diese auf der gesamten Weser- und Mittellandkanal-Strecke allesamt erhöht werden müssten, damit die Schiffe mit ihren hochgestapelten Containern auch durchpassen. Eine Vertiefung der Weser nördlich von Minden, der sogenannten Mittelweser – womit die Planer des RegioPorts fest gerechnet hatten – ist ja vor Kurzem untersagt worden aus Naturschutzgründen. Es gibt ja auch das Problem, dass das RegioPort-Projekt nicht nur Minden betrifft, sondern auch Schaumburg und umliegende Regionen, die daran beteiligt sind.

Jürgen Schnake: Darin sehe ich kein Problem, es handelt sich ja dabei um ein Gemeinschaftsprojekt.

ON: Warum nicht? In dem Falle ist doch eine gemeinsame Akquise bzw. Werbung von Nöten.

Jürgen Schnake: Ach so, von dem Standpunkt aus, ja, natürlich. Das macht es sicherlich nicht einfacher, wenn man mit mehreren Partnern ein Akquise- bzw. Marketing-Konzept auf die Beine stellen soll. Für das viel größere Problem halte ich ja Hannover. Unter www.hannover-hafen.de ist eine ganz gute Auflistung der Häfen. Und die haben da was wunderschönes, großes Neues gebaut. Das ist meiner Meinung nach schwere Konkurrenz zum RegioPort, riesengroß, nur rund 50 Kilometer von Minden.

ON: Bei Hannover handelt es sich um eine Großstadt.

Jürgen Schnake: Ja, und es ist besser angebunden.

ON: Sie meinen, da ist es sinnvoller, einen solchen Hafen zu bauen.

Jürgen Schnake: Natürlich. Stellen Sie sich nur vor, Sie würden einen Container besitzen, und Sie hätten die Chance, den in Hannover auf einen Lkw zu kriegen, und dann direkt auf die A2 – denn der Hafen liegt direkt an der A2 – oder Sie schiffen ihn erst mal nach Minden, und versuchen, ihn dann auf die A2 zu kriegen – durch das Nadelöhr in Porta. Was ja auch noch mal ein Problem darstellt.

ON: Könnten Sie das konkretisieren?

Jürgen Schnake: Im Grunde ist es ganz einfach. Der Mindener RegioPort wird beworben mit dieser ominösen Trimodalität – also Schiff, Lkw und Schiene. Die Deutsche Bahn sagt jetzt schon, die Schiene binden wir frühestens im Jahr 2022 an. Das ist Augenwäscherei, wenn das überhaupt jemals kommt. Die Probleme auf dem Wasser haben wir schon besprochen. Mit dem Lkw wäre es schön, wenn man anliefern kann von der Autobahn A2. Doch machen Sie sich doch mal den Spaß und fahren Sie morgens um 9 Uhr oder nachmittags um 16 Uhr durch Porta. Stau ohne Ende. Jetzt stellen Sie sich vor, da würden noch 450 Container-Lkws durchröhren. Porta läuft schon seit Jahren Sturm, die überlegen sogar, dagegen zu klagen. Weil, man kann diese Straße nicht ausbauen.

ON: Warum nicht?

Jürgen Schnake: Die Straße ist am Limit. Wenn man von Minden kommt, auf der linken Seite hat man den Berg, da kann man nichts ausbauen. Auf der rechten Seite kommt schon die Schiene, nach der kann man auch nicht richtig ausbauen. Man kann die Straße also nicht verbreitern. Es wäre schön, wenn man sagen könnte, man baut die auf vier Spuren aus. Aber das ist schlicht nicht machbar. Man hat da ein feststehendes Nadelöhr. Das macht die Sache nicht leichter.

Schiff unter Brücken Wasserstrassenkreuz Minden
Schiffe, wie dieser Ausflugsdampfer “Helena” passen problemlos unter Mindener Brücken durch – anders sieht es bei Containerschiffen aus

ON: Das sind doch eine Menge Probleme auf einmal rund um den RegioPort.

Jürgen Schnake: So ist es. Und doch gehen die Planer ganz optimistisch immer noch davon aus und sagen: Das wird schon. Wie an vielen anderen Stellen auch übrigens. Und jetzt kommt die Weservertiefung beispielsweise eben nicht. Die Weser darf im Moment weder vertieft noch verbreitert werden. Im Moment kann auf diesen Strecken maximal ein Schiff fahren in eine Richtung. Das ist wie, wenn eine Straße repariert wird, dann wird eine Seite gesperrt und man steht vor so einer Ampel. Genauso wäre das im Moment auf der Weser, wenn die größeren Schiffe da überhaupt fahren würden – aber das ist noch mal ein anderes Thema. Also man hat da so eine Ampel, und dann darf ein Schiff über ein paar Kilometer erst mal langtuckern. Wenn das durch ist, schaltet die Ampel rum, und dann darf das entgegenkommende Schiff durchfahren. Das ist natürlich irrsinnig langsam, um da einen ordentlichen Güterverkehr aufzubringen.

ON: Vor allem bei Containerschiffen, die schwer beladen sind. Die sind eh nicht schnell unterwegs.

Jürgen Schnake: Richtig. Und der RegioPort ist ja ausgelegt – womit gern geprahlt wird, aber das ist totaler Unsinn – auf die 108 bis 110 Meter langen Motorschiffe. Die können aber bei der Fahrrinne der Mittelweser überhaupt nicht fahren. Die Mittelweser müsste vertieft werden, damit die anvisierten Schiffe überhaupt dort fahren könnten.

ON: Und die anvisierten Schiffe kommen woher?

Jürgen Schnake: Das ist eine schöne Frage, ich hab’ keine Ahnung. Maximal aus Berlin. Die anvisierten Schiffe wären 110 Meter lange Großmotorschiffe (GMS) mit drei Lagen Containern drauf. Dafür wurde der RegioPort mal konzipiert. Unter den Brücken kommen solche Schiffe aber nicht durch. Durch die Mittelweser kommt es wegen der Wesertiefe nicht dazu. Südlich von Minden auf der Weser fährt mal gerade die Touristenflotte. Alles, was bleibt, ist die Strecke nach Berlin. Und was von da kommt, wo muss das lang? An Hannover vorbei. Daher ist der neue Hafen in Hannover ein Konkurrenzhafen, wie von mir beschrieben. Jeder einigermaßen vernünftige Schiffer, der Güter auf die A2 kriegen will, nachdem er sie auf dem Kanal hatte, stoppt in Hannover und macht das da. Also dieser RegioPort ist politisch sehr gewollt – ökonomisch aber total fragwürdig.

ON: Vielen Dank für Ihre Erklärungen, Herr Schnake.

Jürgen Schnake: Gern. Also das Ganze riecht nach Millionengrab. Und da müssten jetzt Leute ran, um das zu verhindern, die was von Akquise verstehen. Und bei den vier Bürgermeisterkandidaten, die in Minden bekannt sind, bin das nur ich.

ON: Wie Sie meinen. Allgemein gesehen scheint das Projekt RegioPort an der technischen Umsetzbarkeit zu scheitern, was das Drumherum betrifft, wie die Brückenerhöhung, die Wasservertiefung, die Straßenverbreiterung. Und wenn das nicht passiert, dann haben wir einen brachliegenden Hafen, und brauchen auch keine Akquise machen.

Jürgen Schnake: Bingo. Ich hätte es nicht schöner ausdrücken können. Aber ich werfe halt ungern die Flinte ins Korn. Wir steuern da auf ein Millionengrab zu, und es wäre schön, wenn jemand anfangen würde, das auszulasten. Noch mal: Ich sehe nicht, wer das gelernt hat und kann. Bei den anderen drei Bürgermeisterkandidaten wüsste ich nicht, wie sie das tun sollten.

Wasserstraßenkreuz mit RegioPort
Der rote Pfeil lässt in der Ferne erkennen – hier soll der Mindener Hafen RegioPort entstehen

ON: Man müsste noch einmal auf den Anfang zurück. Von wem stammt denn die Idee des RegioPorts?

Jürgen Schnake: Das weiß ich nicht. Ich vermute, dass das vielleicht Bürgermeister Michael Buhres Eigenidee war. Aber ich kann es nicht beantworten. Über das Thema RegioPort bin ich erst 2011 gestolpert, als ich langsam anfing, in die Sachthemen bezüglich Bürgermeister reinzukommen. Bis dahin fand auch ich: Oh, wir kriegen einen Hafen, wie schön. Und danach habe angefangen, mich damit zu beschäftigen. Es klemmt an allen Ecken und Enden.

ON: Tatsächlich klingt es so, als ob dieses Projekt kein Hand und Fuß hat.

Jürgen Schnake: Es ist auch ganz verblüffend. Regelmäßig wurden schöne Grafiken gezeigt mit allen möglichen Containerentwicklungen, weltweit und in Deutschland. Und unbestritten haben wir eine Weltwirtschaftskrise in 2008/2009 gehabt. Da weint der Kämmerer heute noch, weil das Minden ziemlich getroffen hat. In diesen Entwicklungskurven war es aber immer eine ganz leichte Delle, also da wurde immer davon ausgegangen: Da war nichts, das war minimal, die Entwicklung geht weiter schön nach oben.

ON: Diese Stimmung konnte man damals in ganz Deutschland heraushören. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise waren zu dem Zeitpunkt in den Köpfen der Menschen noch nicht angekommen.

Jürgen Schnake: Ich rede jetzt von 2014, das war glaube ich die letzte Präsentation für den RegioPort. Seitdem gibt es immer noch Tabellen von Herrn Malte Wittbecker von der Geschäftsstelle des Planungsverbandes und der städtischen Wirtschaftsförderer, der dafür zuständig ist. Also meiner Meinung nach wird da eine ganze Menge schöngeredet. Das ist nicht gut.

ON: Wie meistens in der Politik, das ist ja nichts Neues. Kommen wir zu den Stadtwerken Minden.

Jürgen Schnake: Ja, dasselbe Ding. Ich hatte ja bereits den Bericht von der Tagesschau erwähnt. Die Quintessenz ist halt, ich male hier keine irrealen Gefahren an die Wand. Es ist schon Städten passiert. Die haben ihre Stadtwerke rekommunalisiert, und dann hat es nicht funktioniert, und jetzt sitzen sie auf Millionengräbern. Und das muss nicht sein. Ich sehe den Dreh- und Angelpunkt in der Akquise, dafür Kunden zu bekommen. Ganz platt. Das ist jetzt kein schimmerndes Wahlkampfthema. Aber daran wird’s entweder scheitern oder die Stadtwerke haben Erfolg, dadurch, dass sie Kunden generieren. Und ich sehe nicht, dass die das aktiv tun. Ich vermisse die Flyer oder Angebote von denen, zum Beispiel per Post oder ein Stand in der Stadt, wo man sagen kann: Ja, ich muss jetzt zu den Mindener Stadtwerken wechseln. Und das ist ein tödliches Versäumnis.

ON: Die Stadtwerke stecken ja jetzt mitten in der Umstrukturierung. Die Trinkwasserversorgung ist seit 1. Juli 2015 wieder in kommunaler Hand (siehe Bericht).

Jürgen Schnake: Wenn ich das schon höre, umstrukturieren – da klingeln bei mir die ganz großen Glocken. Umstrukturieren heißt, was man bisher gemacht hat, hat nicht funktioniert. An dieser Stelle sollten alle große Panik in den Augen haben. Es fängt ja schon an, dass es nicht funktioniert. Gruselig.

Mindener Stadtwerke
Eingang zum Servicecenter der Mindener Stadtwerke in der Innenstadt, deren fehlende Akquisition Bürgermeisterkandidat Schnake kritisiert – Foto: Pressestelle der Stadt Minden

ON: Kernaussage bei den Stadtwerken ist ja, dass alles aus einer Hand kommen kann: Strom, Trinkwasser und Gas.

Jürgen Schnake: Und hat Sie das aus dem Bett getrieben, dass Sie sagen, oh, jetzt muss ich zu den Mindener Stadtwerken wechseln?

ON: Interessant war es schon. Bleibt abzuwarten, was für Preise sie anbieten. Wir nehmen an, dass da noch Werbung mit der Post kommen wird in nächster Zeit.

Jürgen Schnake: Das ist sehr optimistisch. Für mich passiert da einfach zu wenig. Es wird immer angetreten, sie wollen Marktführer in Minden werden. Ich werde in den nächsten Tagen mal hingehen und fragen, wie weit sie damit sind. Ich vermute, dass ich keine Auskunft bekomme. Auch nicht als Bürgermeisterkandidat. Aber ich werde es zumindest mal probieren. Denn wenn das Kind erst mal in den Brunnen gefallen ist, dann jammern alle.

ON: Auf jeden Fall ist schon mal eine Änderung da und man muss abwarten, was passiert. Marktführer in der Stadt Minden zu werden, ist natürlich nicht schwer – Alleinstellungsmerkmal wäre hier wahrscheinlich die bessere Aussage. Fakt ist, dass es Großanbieter für Energien auf dem Markt gibt.

Jürgen Schnake: Also eigentlich müsste es ein Kinderspiel sein, Marktführer hier zu werden. Ich bin da hoch skeptisch. Ich glaube auch nicht, dass das was wird unter Jäcke oder Stadtmann.

ON: Warum nicht?

Jürgen Schnake: Weil Jäcke von der Struktur her so ein Angestellter-Typ ist, ich glaube nicht, dass er den unternehmerischen Geist hat. Im Grunde gilt dasselbe für Stadtmann auch, Stadtmann ist da sogar noch weicher. Stadtmann kommt aus der Bildungspolitik, er hat doch mit Wirtschaft und Akquise ganz wenig praktisch zu tun. Der kommt zwar aus der CDU und kann dir die Zahlen um die Ohren klöppeln.

ON: Ulrich Stadtmann ist doch Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW). So hat man ihn jedenfalls vorgestellt bei der IHK-Podiumsdiskussion (siehe unser Beitrag).

Jürgen Schnake: Sie müssen mal schauen, wer da alles im Vorstand ist, das ist doch eine rotierende Sache. Da ist irgendwie jeder mal drin gewesen. Das heißt nicht viel. Das hat man ein Mal im Jahr im Rat, welche Fraktion kriegt aufgrund ihrer Größe wie viele Posten in der MEW. Das heißt noch lange nicht, dass die Leute, die da sitzen, von jedem was Ahnung haben. Davon darf man nicht ausgehen. Das ist so ein Machtspielchen innerhalb der Parteien. Das hat nichts damit zu tun, dass Stadtmann Ahnung von Akquise hätte.

Unterstützerunterschriften Schnake
Mit einem Stand in der Innenstadt wandte sich der parteilose Bürgermeisterkandidat Schnake direkt an die Mindener Bürger, um die erforderlichen 300 Unterstützerunterschriften für seine Kandidatur zusammenzukriegen

ON: Und Kandidat Matthias Beier?

Jürgen Schnake: Ganz sicher nicht. Wenn ich ihn mir angucke in den letzten Tagen, wie Beier mit Menschen umgeht, das ist genau das Gegenteil von Akquise. Wenn jemand in der Stadt auf Sie zukommt und Sie haben das Verlangen, ihn aus dem Weg zu gehen, dann kann man nicht von Akquise sprechen. Da sehe ich überhaupt kein Talent. Man stelle sich vor, dieser Mann würde einem einen ordentlichen Gastarif anbieten. Nein. Jetzt sage ich ja nicht nur, dass ich seit ungefähr dem Jahr 2000 das beruflich mache, ich habe jüngst als Kandidat bewiesen, dass ich Akquise gut kann, indem ich nämlich diese über 300 Unterstützerunterschriften beigebracht habe. Was in dieser Form vor mir in Minden noch keiner gebracht hat.

ON: War da nicht noch Peter Düster?

Jürgen Schnake: Ja, war wohl mal, aber der hatte natürlich das BBM (Bürger-Bündnis Minden) im Nacken. Also ich glaube, das war kein großes Problem für ihn, das zusammenzukriegen. Ich habe mich tatsächlich an die Leute auf der Straße gewandt. Da waren ganz normale Bürger, Mindener, die mir ihre Unterstützung gegeben haben. Wofür ich sehr dankbar bin. Und das, weil ich in einer relativ gekonnten, behaupte ich jetzt mal, auch akquisitorischen Form auf sie zugegangen bin.

ON: Wir haben da eher einen schüchternen Jürgen Schnake in Erinnerung.

Jürgen Schnake: Geht so.

ON: Aber es hat ja geklappt, das ist die Hauptsache. Apropos beruflich: Können Sie uns ein Beispiel nennen, wo Sie Akquise erfolgreich umgesetzt haben? Sie sind ja von der IHK als Verkaufsberater betitelt worden.

Jürgen Schnake: Ja, PR- und Verkaufsberater, das ist ganz offiziell. Ich war im Rhein-Main-Gebiet eine Zeit lang tätig. Ich habe mich in den letzten Jahren ja sehr auf den Wahlkampf konzentriert. Aber da war einiges bei, also von Akquise für Software im Business-Intelligence-Sektor, ich habe hier in Minden für zwei, drei Firmen ein bisschen was gemacht. Meistens bin ich tatsächlich für Firmen außerhalb von Minden tätig. Das ist ja das Schöne in der heutigen Internetzeit, man sitzt so zu Hause und kontaktiert Leute ganz woanders.

ON: Gerade unsere Redakteurin arbeitet seit über 12 Jahren hauptberuflich vom Homeoffice aus per Internet und hat europaweit und in der Schweiz Kundschaft.

Jürgen Schnake: Sie können das also gut nachvollziehen. Bei dem ganzen Thema Akquise geht mir ein Satz nicht aus dem Kopf: Die Mindener bezahlen nicht nur für die Fehler, die die Politiker machen, sie zahlen auch für die Versäumnisse. Bei der „Wappen von Minden“ beispielsweise dadurch, dass uns ein Stück Lebensqualität flöten gegangen ist. Da hätte man schon vor fünf bis zehn Jahren gegensteuern müssen, damit der Raddampfer hier bleibt. Hat keiner gemacht. Das Schiff ist in Bremen und keiner fühlt sich dafür verantwortlich, man kann auch niemanden mehr zur Rechenschaft ziehen. Bei Fehlern vielleicht noch, aber bei Versäumnissen ganz sicher nicht. Nur wenn beim RegioPort und bei den Stadtwerken ebenfalls eine vernünftige Akquise versäumt wird, dann fahren beide vor die Wand und dann zahlen die Mindener richtig Geld dafür. Wir haben schon genug Probleme.

Wappen von Minden ohne Wappen
Die “Wappen von Minden” ohne Wappen am Tag ihrer Abreise (17.04.2015) Richtung Bremen – “ein verloren gegangenes Stück Lebensqualität” der Stadt Minden, so Bürgermeisterkandidat Schnake – Leserfoto (Handy) von Joachim G.

ON: Hier fällt uns auf, dass Sie in dem Punkt Akquise doch sehr mit den Aussagen des Kandidaten Stadtmann übereinstimmen.

Jürgen Schnake: Ja, aber ich fürchte, dass das bei Stadtmann eher ein Lippenbekenntnis ist. Ich wüsste gern mal, was er denn vorhat. Aber im Moment ist er glaube ich in Urlaub.

ON: Wir nähern uns dem Ende dieses Interviews. Nennen Sie uns doch bitte abschließend ein konkretes Beispiel. Was würden Sie tun, um den RegioPort zu vermarkten?

Jürgen Schnake: Ich habe mit dem Bundesministerium für Verkehr gesprochen und da zufällig auch jemanden erwischt, da sich richtig auskennt und den eine halbe Stunde gesprochen. Er gab mir diesen grandiosen Tipp: Der Hafen kann funktionieren, wenn man die lokale Wirtschaft vernünftig einbindet. Das heißt, sollte ich Bürgermeister von Minden werden, werde ich als oberstes Verwaltungsmitglied viel deutlicher an die lokale Wirtschaft herangehen und sehen, wie die den Hafen nutzen können. Der Mindener RegioPort darf nicht nur Umschlagplatz für Externe sein, sondern muss tatsächlich auch ein Hafen sein für die Mindener Wirtschaft – sowohl für die Industrie als auch für den Handel. Man muss beide dazu kriegen, dass die den Hafen auch tatsächlich nutzen. Und das ist eine Akquise-Tätigkeit. Und ich behaupte, das kann ich. Das krieg’ ich hin. Und was ich auch behaupte: Das kriegen die anderen Kandidaten nicht hin.

ON: In Ordnung. Vielen Dank für Ihre Ausführungen, Herr Schnake. Und herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben.

Jürgen Schnake: Immer wieder gern.


Sollte Jürgen Schnake am 13. September 2015 zum Bürgermeister der Stadt Minden gewählt werden, würde er mit seinen veröffentlichten Ideen zur Verbesserung der Stadt Minden beitragen wollen. Vorab möchte er aber mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wieder darüber diskutieren. Dahin gehend bedanken wir uns an dieser Stelle für Ihre zahlreichen Feedbacks und Verlinkungen der vorangegangenen Beiträge!

Und bleiben Sie dran. Sobald Teil 9 unserer Beitragsreihe online geht, werden wir an dieser Stelle verlinken.


Alle Beiträge über die Ideen von Jürgen Schnake – Bürgermeister(kandidat) mit Rückgaberecht – finden Sie übersichtlich unter der Kategorie Schnake für Minden. Informationen über Jürgen Schnake finden Sie auf seiner Webseite www.juergen-schnake.de “Minden?! Reparier’ ich Ihnen.”

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