Sinkender Wasserspiegel der Bastau deckt Sperrmüll auf

Hitze macht der Bastau in Minden zu schaffen - braune Brühe dringt aus Kanal - alte Trauerweide verliert Ast - wilder Müll dringt an Oberfläche

Die Hitzewelle macht auch vor der Bastau in Minden keinen Halt und trocknet langsam aber sicher aus – Fotos: onm

Wer zurzeit an der Bastau in Minden spazieren geht, kann an vielen Stellen nicht nur den stark gesunkenen Wasserspiegel, sondern auch „braune Brühe“, die aus Kanälen dringt, und von Menschenhand wild entsorgten Plastik- und Sperrmüll entdecken, der in der Trockenperiode an die Oberfläche dringt. Alte Bäume leiden ebenfalls unter der Sommerhitze.

Einer der wärmsten Juli-Monate seit Beginn regelmäßiger Messungen in 1881 mit bis zu 38 Grad und die weitere Hitzewelle im August 2018 macht deutschlandweit nicht nur Landwirten zu schaffen. Vielmehr sind auch Seen, Flüsse und Bäche ganz oder teilweise ausgetrocknet. So auch die Mindener Bastau, ein Nebenfluss der Weser im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen, die im Stadtteil Rodenbeck seit Tagen für entsetzte Blicke unter den Spaziergängern sorgt.

Links und rechts des Schwabenrings sowie die Forellenstraße hoch bis zur Brücke Richtung Trippeldamm sind stellenweise nur noch größere Pfützen von Wasser zu erkennen, wo sonst ein Fließgewässer Raum für zahlreiche tierische Bewohner bietet. Auf unserer rund einstündigen Tour in den Abendstunden des 2. August konnten wir entlang des Weges jedoch gerade mal eine Forelle und rund zehn Enten zählen. Eine erschreckend niedrige Anzahl an Tieren im Vergleich zu vergangenen Monaten und Jahren, in denen sich nicht nur Enten, Fische, Frösche und Vögel (z.B. Möwen) verschiedenster Arten Gute Nacht sagten.

Bastau stinkt, Müllfetzen verfangen sich im Auffanggitter des Abwasserkanals und alte Barrieren werden sichtbar

Doch nicht nur das: Vom Schwabenring aus Richtung Bastaustraße stinkt die Bastau gewaltig an der Austrittsstelle eines alten Abwasserkanals, an dessen Auffanggitter sich weggeworfene Socken, zerfetzte Plastikbecher und anderer Kleinstmüll verfangen haben. Zudem ist die Bastau an der Stelle so ausgetrocknet, dass sich eine alte Metall-Barriere offenbart, wie man sie von Beetabgrenzungen her kennt.

Während hier das noch verbliebene Wasser klar ist, sieht es an der Fußgängerbrücke zwischen Forellenstraße und Trippeldamm schon ganz anders aus. Undefinierbar „braune Brühe“ drang am vergangenen Donnerstag aus einem Kanal direkt in die Bastau. Die stank zwar nicht, erinnerte aber an den Vorfall im Juli 2016 (siehe unser Bericht), als sich die Bastau braun färbte und ihr Sauerstoffgehalt so rapide sank, dass die Feuerwehr zuhilfe kommen musste, um ein größeres Fischesterben zu verhindern.

Tote Fische konnten wir zwar an dem Tag nicht entdecken, aber ein paar Wochen zuvor fanden wir an gleicher Stelle einen vor, der sich wohl im Sperrmüll verfing und verendete – ein Problem, das an zahlreichen Stellen der Bastau immer wieder zu beobachten ist, auch mitten in der Innenstadt (z.B. im Mindener Glacis). Menschen schmeißen ungeachtet der Natur ihre Gartenstühle, Sessel, Schrankteile, Dosen, Fahrräder (auch in Einzelteilen), Autoreifen, Schuhe, Teppiche, Verpackungen von Fast-Food-Ketten, Plastiktüten, Bälle und vieles mehr in die Bastau. Allein in der einen Stunde auf so kurzer Strecke konnten wir einen Mülltonnendeckel, eine Konservendose, eine Plastikgießkanne, vier bunte Plastikbälle, einen Fahrradreifen auf Felgen, eine Autoverkleidung aus Kunststoff, ein zerlegtes Verkehrsschild sowie diverse Plastiktüten und -flaschen zählen, die sich alle aufgrund des Niedrigwassers offenbarten.

Ob Fahrradreifen oder andere Gegenstände – wild entsorgter Sperrmüll findet sich seit Jahren an vielen Stellen der Bastau

„Früher konnten wir als Kinder noch in der Bastau baden, so sauber war das Wasser“, erinnerte sich eine Passantin, die wir antrafen. Heutzutage scheinen sehr viele Menschen keine Achtung mehr vor der Natur zu haben. Sie entsorgen ihren (Sperr-) Müll, wo auch immer sie sich gerade aufhalten oder meinen, unentdeckt zu bleiben: in Wäldern, auf Feldwegen, in Gewässern, an Straßenrändern, aus dem Auto, Boot oder Schiff heraus, zu Fuß oder per Rad. Das gehe ja einfach und schnell und sei kostenlos – womit sie einem Irrtum unterliegen. Denn je mehr Müll die Stadtreinigung aufräumen muss, umso eher steigen die Gebühren, die letztlich alle Anwohner zu tragen haben – nicht nur die Hausbesitzer, sondern auch Mieter per Betriebskostenabrechnung.

Von einer alten Trauerweide knickte ein großer Ast ab und stürzte in die Bastau

Davon abgesehen können sie mit ihrem Fehlverhalten Mensch und Tier schädigen, wie die schwimmenden Plastikmüllberge auf den Ozeanen weltweit zeigen (wobei unsere Redakteurin vermutet, dass ganze Schiffsladungen voll illegal in den Weltmeeren entsorgt werden, wie sonst sollten sich solche Massen bilden). Und es kommt noch schlimmer: Ab 2019 muss Deutschland seinem eigenen Müll Herr werden, da China den nicht mehr annimmt und weiterverwertet (siehe z.B. Bericht der Frankfurter Allgemeinen). Ein Umdenken jedes einzelnen Menschen und vor allem der Unternehmen, die diesen „Dreck“ produzieren und in Umlauf bringen, ist also dringend erforderlich.

Doch zurück zur Bastau in Minden-Rodenbeck, an dessen Böschung sich auch ohne unmittelbar menschliches Wirken einiges abspielt. Ein riesiger Ast einer uralten Trauerweide ist beispielsweise abgeknickt und in die Bastau gefallen. Ob dies an der Hitzewelle liegt, lässt sich nur vermuten. Auf jeden Fall staut sich hier das Wasser und kann nicht ungehindert weiterfließen. Zudem konnten wir eine Ente mit ungewöhnlich blauem Schnabel beobachten, die sich ausgerechnet von der „braunen Brühe“ magisch angezogen fühlte und immer wieder dort hinschwamm.

Vielleicht wird ja nach diesem Bericht das Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke etwas aufmerksamer, was den Zustand der Bastau angeht. Denn einem MT-Bericht zufolge habe es bisher noch keinen Anlass gesehen, einzuschreiten, sondern gehe davon aus, dass sich die heimischen Gewässer nach einiger Zeit praktisch von selbst generieren würden.

Und das mit dem Wissen, dass die Wettervorhersagen keine wirkliche Abkühlung versprechen. Das Müll-Problem wurde außerdem gar nicht erst angesprochen. Daher hier nachdrücklich noch weitere Eindrücke vom 2. August:

Trotz Hinweis auf die vermüllte Bastau im Mindener Stadtteil Rodenbeck und die „braune Brühe“, die in das Gewässer floss, hat sich an dem Zustand nichts geändert. So sah es am 29. September 2018 aus:

Und die Hitze hält im Oktober weiter an, entsprechend ist die Bastau weiterhin fast ausgetrocknet. Ein idealer Zeitpunkt, dass die Stadt Minden endlich reagieren und die Bastau in Rodenbeck von dem wilden Müll befreien kann (und nicht darauf wartet, dass sich die Bürgerinnen und Bürger freiwillig dazu bereit erklären). Außerdem sollte geklärt werden, woher die „braune Brühe“ stammt.

Quelle: wetter.de, Wikipedia, OctoberNews


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