Silvesterfeuerwerk als Brauchtum respektieren

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, warnt vor weiteren Verboten - Wir wünschen ein tolles Silvester + Neujahr 2019!

Das Silvesterfeuerwerk ist eine Tradition in deutschen Städten – Symbolfoto: nickgesell pixabay CC0

Mal ernsthaft. Seit dem Diesel- und Abgasskandal rund um Volkswagen und Co. mehren sich die Schlagzeilen zur vermeintlichen Feinstaubbelastung. Erste Fahrverbote in Großstädten sind schon verhängt. Und jetzt fordert die umstrittene Deutsche Umwelthilfe e.V. und das Umweltbundesamt auch noch die deutsche Bevölkerung auf, auf das Silvesterfeuerwerk zu verzichten. Zurecht platzt da manch einem der Kragen, uns auch. Irgendwann muss mal Schluss sein mit Verboten.

Das findet auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. In einem Gespräch mit der Passauer Neue Presse betonte Dr. Gerd Landsberg, dass man “Feuerwerk als Brauchtum respektieren” sollte. Zum einen ist es seit vielen Jahren Tradition, an Silvester Feuerwerke zu veranstalten, zum anderen würden die Menschen “damit ihre Lebensfreude, aber auch ihre Hoffnung auf ein glückliches neues Jahr zum Ausdruck” bringen. Er warnt davor, die Menschen in unserem Land mit weiteren Verboten zu bevormunden. Sicherheitsanforderungen sowie gut gerüstete Polizei- und Rettungskräfte dürften dabei natürlich nicht fehlen, so Landsberg (der übrigens im Oktober geboren wurde lt. Wikipedia, was ihn für uns noch sympathischer macht).

Ein generelles ‘Böller-Verbot’ aufgrund Feinstaubbelastung sieht auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) skeptisch. Nach Angaben von Welt.de erklärte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass schon jetzt Tausende von Einsatzkräfte “rund um den Jahreswechsel bundesweit im Einsatz” wären, “um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen”. Malchows Meinung nach könnte man die aufgrund eines Verbots notwendigen Kontrollen sich “personell überhaupt nicht leisten”.

Wobei insbesondere die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) – eine nicht-staatliche, aber klageberechtigte Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation, die aufgrund ihrer umstrittenen ‘Abmahnpraxis’ gegen Werbeanzeigen von Autohändlern immer wieder in die Kritik gerät (uns ist ein Fall aus Minden bekannt) – kräftig mitmischt. Nach eigenen Angaben kämpfe die DUH “seit vielen Jahren für saubere Luft”, messe aber erst “seit Mai 2016 als erste und bislang einzige Umweltschutzorganisation selbst die Emissionen von Pkw”. Erstmals öffentlich bekannt wurde der Abgasskandal der Volkswagen AG (VW) mit ihren illegalen Abschalteinrichtungen ja am 18. September 2015 in den USA. Seitdem dreht die DUH richtig auf und sieht überall und nirgends eine Feinstaubbelastung – erst im Verkehr, jetzt durch Feuerwerk:

“Unzählige Feinstaubpartikel schwirren herum. Sie sind die Hinterlassenschaften von Silvesterraketen und Co. So schön Feuerwerke auch sind – zumindest in Orten mit erhöhter Luftbelastung haben sie nichts zu suchen …”, so die DUH in ihrem Bericht vom 21. Dezember. Rund 5000 Tonnen Feinstaub sollen die Silvesterfeuerwerke in der Nacht zum Neujahr erzeugen und “besonders betroffen sind Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen wie Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, sowie Schwangere und Kinder”, erklärt die DUH und möchte damit vermutlich Angst und Schrecken in der Bevölkerung verbreiten. Ihre Forderung: “Um den Gesundheitsschutz sicherzustellen, fordert die Deutsche Umwelthilfe einen Stopp von Feuerwerken in den mit Luftschadstoffen hoch belasteten Innenstädten.”

Das geht FDP-Politiker Christian Lindner, Vorsitzender der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag, eindeutig zu weit. Der gebürtige Nordrhein-Westfale reagierte sofort mit einem Post auf Facebook: “Erst Fahrverbote, dann Tempolimit und jetzt auch noch Feuerwerke: Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor dem hohen Feinstaub-Ausstoß an Silvester und regt Verbote von Feuerwerken in den Städten an. Langsam ist es nur noch zum Lachen – was meint ihr? TL”. Und es hagelte Kommentare von zig Nutzerseiten. Die einen fänden es gar nicht so schlecht (wegen Umweltbelastung, Belastung von Mensch und Tier, Geldverschwendung u.a.), die anderen können das ‘Gejammer’ nicht mehr hören und protestieren dagegen, und wieder andere verzichten schon seit Jahren aufs Silvesterfeuerwerk.

Okay, kann aber auch echt laut und nebelig werden, wie in unserem Video vom Feuerwerk in Minden-Rodenbeck zu Silvester 2014:

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Aber wer hätte es gedacht? Das Umweltbundesamt springt plötzlich auf den Zug der Deutschen Umwelthilfe auf. Mit “Dicke Luft zum Jahreswechsel” betitelt steige “die Belastung in der Silvesternacht mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an”, heißt es in dem Bericht vom 27. Dezember. Im Unterschied zur DUH würden ‘nur’ rund 4500 Tonnen Feinstaub (PM10) freigesetzt. Außerdem gefährde das Einatmen von Feinstaub die menschliche Gesundheit, das reiche von “vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen”.

Wie das Umweltbundesamt und die DUH 4500 bis 5000 Tonnen errechneten, wird unseres Erachtens nirgends erklärt. Belege über Gesundheitsbeeinträchtigungen von Mensch und Tier durchs Silvesterfeuerwerk können wir ebenfalls nicht finden. Will man etwa ablenken von den umstrittenen Methoden, die der Volkswagen-Konzern und die Deutsche Umwelthilfe e.V. an den Tag legen? Statt die Dieselfahrzeugbesitzer wie in den USA zu entschädigen für den Einbau illegaler Abschalteinrichtungen, misst man lieber an den verkehrsstärksten Straßen und führt Fahrverbote in Innenstädten ein. Und um das Thema Feinstaubbelastung noch publiker zu machen, ‘verflucht’ man halt das Silvesterfeuerwerk.

Dazu unsere Redakteurin: “Entschuldigung. Ich bin 52 Jahre alt, fahre einen über 20 Jahre alten Benziner mit Euronorm 2, weil ich mir kein neues Fahrzeug leisten kann, schieße seit meiner Kindheit in der Silvesternacht Raketen in die Luft, lasse Böller knallen und zünde Wunderkerzen an – unter Beachtung der Bedienungsanleitungen und Rücksicht der Nachbarn. Ich habe mich als Jugendliche durch sämtliche Diskotheken Berlins getanzt. Ich habe über 8 Jahre in Köln gelebt – weiß demnach auch, wie es in Großstädten zugeht. Ich bin seit über 20 Jahren Vegetarierin, arbeite seit 1990 an Computerbildschirmen, telefoniere mit Smartphones und habe eine freilaufende Katze. Ich rauche seit meinem 13. Lebensjahr Zigaretten bzw. Zigarillos. Bis heute bin ich – Gott sei Dank – weder blind noch taub, habe keine Verbrennungen durch Silvesterfeuerwerk erlitten, habe kein Lungenkrebs und leide nicht unter mangelnder Ernährung. Der Katze geht es nach fünf Silvestern immer noch blendend. Zugegeben, in bestimmten Situationen bin ich vielleicht etwas wachsamer und respektvoller als andere Menschen. Aber sonst ein ‘stinknormaler’ gesund denkender Mensch. Und das Wichtigste in der Feinstaub-Diskussion: Ich lebe noch.”

So, von uns aus kann Silvester 2018 kommen – mit vielen bunten Raketen am Himmel, lauten Böllern und eine Menge Rauch, was das Ganze erzeugt. Wir schließen dann alle Fenster, bevor es losgeht, treiben uns mit den Nachbarn vor den Häusern rum und knallen alle gemeinsam. Das schweißt zusammen, das macht Spaß (vorausgesetzt, irgendein Idiot schmeißt seine Raketen oder Böller nicht in den Balkon, unters Auto oder uns vor die Füße). Nach Neujahr ist eh alles vorbei und der Alltag holt einen ein. Raketen und Böller sammeln wir am 1. Januar draußen auf, öffnen die Fenster, fertig.

In diesem Sinne: Lassen Sie sich den Spaß nicht verderben und den Himmel so hell erleuchten, dass die Politiker und sonstigen Entscheider endlich wach werden, die uns das Leben erschweren! Vor allem, was die Armut mitten unter uns betrifft, zu der Bundespräsident Steinmeier rein gar nichts zu sagen hatte in seiner Weihnachtsansprache – und so einer wuchs in Ostwestfalen-Lippe auf.

Wir wünschen Ihnen einen großartigen Jahresübergang und ein richtig (auch finanziell) gutes, glückvolles, gesundes Neues Jahr 2019!


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