Schornsteinfeger bringt Windmühle Struckhof Glück zur Saison

Mahl- und Backtag 2017 bei der Windmühle Struckhof in Hüllhorst-Schnathorst mit Volkstanz und Mühlenbrot - Bezirksschornsteinfeger Schnier brachte Glück mit

Wenn der Schornsteinfeger die Flügel hält, kann das eigentlich nur Glück bringen für die eröffnete Saison der Windmühle Struckhof – Fotos: onm

Es brauchte schon tatkräftige Unterstützung, um dem Flügelrad der Windmühle Struckhof den nötigen Anschub zu verleihen. Nur gut, dass da der Schornsteinfeger mit viel Glück zum Start in die Saison aushalf. Der Mahl- und Backtag in Hüllhorst-Schnathorst konnte bei bestem Ausflugswetter mit Volkstanz und Mühlenbrot ordentlich gefeiert werden.

Gerhard Niemeyer, Leiter der Mühlengruppe Schnathorst, hatte alle Hände voll zu tun am Mahl- und Backtag

Schnathorst, das „Dorf am Wiehen“, hat sich chic gemacht und auf den Weg zur Windmühle Struckhof – ein Wall-Holländer von 1883 mit Segelflügeln und Windrose im Mühlenkreis Minden-Lübbecke. Schließlich lud die Mühlengruppe des Heimatvereins Schnathorst zum Mahl- und Backtag ein und damit zum Start in die Hüllhorster Mühlensaison 2017.

Einer ganz besonderen Saison, wie sich nach unserer Recherche herausstellte: Nicht nur, dass der Eigentümer der Mühle wechselte, sondern auch in diesem Jahr auf dem Plan stehe, die Schindeln der Mühlenkappe zu erneuern laut Bericht nw.de. Zwischen Sommer und Herbst 2017 wollen Mitarbeiter des Mühlenbauhofes vom Kreis-Mühlenverein aus Petershagen die kostenverschlingende Sanierung angehen.

Bei alledem kann man ein bisschen Glück gut gebrauchen, dachte sich wohl die Schnathorster Mühlengruppe und lud prompt Bezirksschornsteinfegermeister Jochen Schnier aus Hüllhorst-Tengern ein, der mit seinem strahlenden Lächeln jedes Herz erwärmte. Nur mit dem Wind kam er nicht ins Gespräch – der wehte immer von der falschen Seite. Obwohl Mühlengruppenleiter Gerhard Niemeyer die Segel spannte und der „schwarze Mann“ kräftig mit anschob – die Mühlenflügel drehten eine Runde und blieben stehen.

Seit über 130 Jahren an einem Platz und kein bisschen leise: die Windmühle Struckhof

Ob das nun Glück bringt oder nicht – wer über 130 Jahre auf dem Buckel hat, dem sei das laue Lüftchen gegönnt. Dafür konnte man ja durch seinen „Bauch“ spazieren und das Mahlwerk begutachten. Gut, das liegt mittlerweile teils in Einzelteile zerlegt am Boden, aber wer es bis ins Dachgeschoss schaffte, musste schon mal den Kopf einziehen und die Hörmuscheln verschließen. Denn es wurde für kurze Zeit der Motor des Mahlgangs angeschmissen und die Windrose drehte sich draußen wie verrückt. Stand das Mahlwerk still, hörte man dafür Vögel zwitschern, die sich einen Spaß daraus machten, die offenen Dachschlitze zu durchfliegen.

Außerdem konnte man auf mehreren Etagen durch die historische Zeitgeschichte der Windmühle Struckhof „reisen“. Eine umfangreiche Bilderausstellung sowie jede Menge Accessoires verschafften Einblicke in die damalige Arbeitswelt der Müller – ein längst ausgestorbener Handwerksberuf, möchte man meinen. Doch es gibt ihn immer noch, nur unter einem modernen, der Industrie geschuldeten anderen Namen: „Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“. Und jeder mit abgeschlossener Gesellen- oder Meisterprüfung in dem Beruf darf sich – der Traditionsliebe wegen – auch „Müller“ nennen.

Echtes Mühlenbrot frisch vom Bäcker – da muss man einfach zugreifen

Abgesehen davon feiert der Verband deutscher Mühlen in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag und klärt über die moderne Technik und den Beruf in der heutigen Zeit auf. Denn ohne Mühlen gibt’s keine Brötchen auf dem Tisch.

Und kein Brot – womit wir wieder zurückkommen auf den Mahl- und Backtag. Der Duft des frischen Mühlenbrots war einfach zu verlockend, den musste man mit nach Hause nehmen. Gebacken von der Bäckerei Holzmeyer aus Hüllhorst hat es die typisch runde Form mit dem Speichenradmuster und konnte – mit oder ohne Schmalz bestrichen – gleich gekostet werden. Mit Mettenden von der Fleischerei Meyer aus Hille und einem Mühlentropfen aus dem Münsterland kombiniert kamen die zahlreichen Gäste in Wallung.

Zudem sorgte die Volkstanzgruppe des Heimatverein Oberbauerschaft für bunte Abwechslung. In prachtvollen Gewändern gekleidet schwangen sie die Beine auf dem Steinpflaster und drehten ihre Röcke zu Westfälischen Volkstänzen mit klingenden Namen wie „Hettlinger“, „Lange Reihe“, „Sauerländer“ und „Potpourrie“. Mit ihrer Leinewebertracht sind sie längst über die Dorfgrenzen hinweg bekannt und seit 1972 fester Bestandteil des Rahmenprogramms der Freilichtbühne Kahle Wart in Hüllhorst. Doch was nützt die beste Beschreibung, wenn man sie nicht erleben kann. Hier können wir mit einem Video (gedreht von OctoberNews-Leser Jochim G.) nachhelfen:

Volkstanzgruppenleiter Hans-Georg Struckmeyer moderierte nicht nur die tanzende Gruppe, sondern schwang seine Beine zu allen Tänzen mit. Als „Schmankerl“ verteilte er am Ende auch noch Rabattkarten für die Freilichtbühne. Im Anschluss konnten sich die fleißigen Tänzerinnen und Tänzer bei Kaffee und Kuchen erholen, während Hüllhorsts Bürgermeister Bernd Rührup und seine Frau Sandra vorbeischauten.

Als wenn das nicht aktives Dorfleben genug wäre, fuhr ein Bauer mit seinem historischen grauen Deutz-Trecker vor, parkte am Rapsfeld, ließ den Motor weiterknattern und qualmen, und versorgte sich erst mal mit Vorrat. Dann kam er zurück, nahm seinen Traktor in Ruhe in Augenschein, stieg auf und fuhr davon.

Historischer Deutz-Trecker macht bei qualmendem Motor Pause am Rapsfeld – das kann man nur auf’m Dorf erleben!

Zum Ende wurde es schließlich ruhiger und ein Platz auf der Parkbank hinter der Mühle erlaubte einen wunderschönen Blick aufs Weserbergland. Besser konnte man den Tag nicht abschließen. In dem Sinne senden wir herzliche Grüße aus Minden und sagen Danke und „Glück zu!“ an alle, die an diesem Mahl- und Backtag an der Windmühle Struckhof in Schnathorst mitgewirkt haben. Das habt ihr gut gemacht!

Zur Belohnung gibt’s noch ein paar mehr Bildchen zu sehen:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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