Schön war’s beim Stadtteiltreff Rodenbeck

Selbstgemachtes für den guten Zweck und gute Gespräche bei strahlendem Sonnenschein - das war der Tag der offenen Tür in Minden-Rodenbeck

Bernd Müller - Foto: onm
Ortsvorsteher Bernd Müller geht in die Knie beim Tag der offenen Tür des Stadtteiltreff Rodenbecks und greift in die Trödelkiste – Foto: onm

“Als es losging, war alles rappelvoll”, freute sich Quartiermanager Guido Niemeyer über den erfolgreichen Tag der offenen Tür in Minden-Rodenbeck. “Wir haben ein großes Sortiment an Leuten zusammenbringen können, Rodenbecker, Flüchtlinge und interessante Gäste.”

Die kleine Alia sah das ein bisschen anders. “Du musst jetzt aber was kaufen”, forderte sie Ortsvorsteher Bernd Müller mit Bestimmtheit auf, der bei so viel kindlichem Ehrgeiz gern in die Geldbörse griff und ihr ein Buch am Flohmarktstand abkaufte. Elke Röthemeyer von “Wohin” hatte mit ihren selbstgemachten Marmeladen für einen Euro da weniger Probleme: “Erdbeer-Rhabarber war sofort weg.”

Schließlich kamen alle Erlöse dem guten Zweck zugute, sprich der Arbeit des Stadtteiltreffs Rodenbeck – ein Zusammenschluss aus dem Café Montag, der Beratungsstelle “Wohin”, dem Quartiermanagement, dem Projekt “MiRo” und der Interkulturellen Frauengruppe – diese wiederum ein Gemeinschaftsprojekt der Trägergemeinschaft sind, bestehend aus dem “hexenHAUS”, dem Kirchenkreis Minden und der Parisozial Minden-Lübbecke / Herford (Der Paritätische). Alle hatten sie am vergangenen Freitag in den Wilmersdorfer Weg im Mindener Stadtteil Rodenbeck eingeladen und neben Aktionen ihre Angebote vorgestellt.

Radstation
Großer Andrang beim Fahrrad-Check der Radstation Minden – Foto: Ursula Büchsenschütz

Bei strahlendem Sonnenschein wurde der “Keller-Flohmarkt” kurzerhand nach draußen verlegt und an der mobilen “Radstation Minden” die eigenen Fahrräder für den Sommer flott gemacht. Bei der “Kultur-Tombola” war die Spannung bis zum Schluss groß, wer nun das große Los aus Alexandra Rammo‘s Korb gezogen hatte und die begehrten Theatergutscheine sein Eigen nennen durfte. Abgesehen von den “Leider verloren”-Nieten konnten beispielsweise Kinder Brotdosen, Freizeitspiele und andere schöne Dinge mit nach Hause nehmen.

Bei einer enormen Auswahl an selbstgebackenen Kuchen der “Café-Montag”-Frauen, Kaffee und Tee entstanden viele nette wie interessante nachbarschaftliche Gespräche – von Unterschieden zwischen den verschiedenen Kulturen und sozialen Status war kein Hauch zu spüren. Wie viele Farben Rodenbeck hat, zeigte Quartiermanager Niemeyer auch deutlich mit seiner von Hannelore Wiesian erworbenen bunten Seidenkrawatte.

Foto: onm
Hannelore Wiesian überreichte die kleinen, aber feinen Losgewinne – in so einer Brotdose passen schließlich auch Schrauben oder kleine Geheimnisse – Foto: onm

Die seit über 30 Jahren im Handarbeitskreis der Sankt-Thomas-Kirche aktive Mindenerin mit Wurzeln aus dem Ruhrgebiet kann stricken, während sie sich mit Leuten unterhält. “Letztes Jahr habe ich 400 Euro eingeliefert mit Handarbeiten”, erzählte sie stolz und meint den Erlös für gute Zwecke. An ihrem Stand in den Räumen des Stadtteiltreffs fanden sich auch gefüllte Strickmäuse zum Kuscheln, Socken, Deckchen und sommerliche Strickwesten in modernen Farben – gefertigt von Frauen aus dem Handarbeitskreis.

Neben Herrn Kruse von der Verwaltung einer Wohnungsbaugesellschaft, der einfach die Kontakte zum Stadtteiltreff pflegen möchte, kamen auch Gäste wie Mathis Kuhn, Mitglied des HACK & LACK e.V., der seine Graffiti-Veranstaltung vorstellte (Bericht folgt), vorbei. Quartiermanager Niemeyer traf sogar nach über 20 Jahren eine Arbeitskollegin auf dem Fest wieder.

Zehra Özgül aus Bielefeld versuchte, möglichst viele Rodenbecker zu einer Terminsvereinbarung für ein zwei- bis dreistündiges Gespräch in ihrem Zuhause zu bewegen. Die Befragung wurde offiziell vom Institut Gesellschaft für Organisation und Entscheidung (GOE) ins Leben gerufen und richtet sich an Familien und Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern und geringem Einkommen. Befragt werden sie zur Familiensituation, Gesundheit, dem Bildungsniveau und den Angeboten und Akteuren im Stadtteil. Aus den Antworten werden Handlungsbedarfe und Unterstützungswünsche ermittelt.

Stadtteiltreff
Viele Rodenbecker nahmen sich Zeit für gute Gespräche und genossen das gemütliche Beisammensein unter Nachbarn – Foto: Ursula Büchsenschütz

Ursula Büchsenschütz aus Barntrup (Landkreis Lippe), Fachbereichsleiterin “Wohin” und Hauptverantwortliche des Stadtteiltreffs, brachte Tomatenpflanzen und selbst hergestellten Biodünger mit. “Der Stadtteiltreff wird 2016 zehn Jahre alt”, wies sie hin, “genauer gesagt das Café Montag, denn damit hat hier alles angefangen.” Jede Woche montags von 10 bis 13 Uhr trifft man sich am Wilmersdorfer Weg 5 in Minden-Rodenbeck gemütlich beim Frühstück zum Selbstkostenpreis, um einfach Kontakte zu knüpfen, sich mal auszusprechen, Neues kennenzulernen, etwas zu tauschen, Spiele zu spielen oder sich zu verabreden. Das Motto “mach’ was draus” sowie “Mitgebrachtes darf verzehrt werden – man muss nur bereit sein, zu teilen” meinen die Akteure des Café Montag genau so, wie sie es sagen.

Zuguterletzt konnte Ortsvorsteher Müller die komplette Geschichte über “seinen” Bezirk erzählen. Den Begriff “sozialer Brennpunkt Rodenbeck” hört er dabei gar nicht gern. “Früher war das Kasernengelände noch das ‘Gut Rodenbeck’, die Reihenhäuser sind erst in den 60er Jahren gebaut worden.” Seit 1982, als er von Bielefeld nach Minden zog, sind dem Richter am Verwaltungsgericht jedenfalls keine Auffälligkeiten bekannt geworden, die diesem Mindener Stadtteil so einen negativen Beigeschmack geben könnten. Schon nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als die englischen “Tommys” hier einzogen, kamen die ersten Flüchtlinge. Seitdem herrschte immer ein gutes Miteinander – und die Nachbarschaft funktioniert. “Und war hat heute noch ein ‘Kaufmannslädchen’? Da kriegt man alles – vom Brötchen bis zur Geburtstagskarte.”

Schließlich baute man gemeinsam die Zelte ab, ließ den Tag noch einmal Revue passieren, und verabschiedete sich einfach mit einem: “Schön war’s.”


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