Schloss Wendlinghausen hilft: Wildpflanzensaat statt Maisanbau

Projekt NaTourEnergie aus Lippe bekommt Unterstützung vom Schlossherrn - Anbau einer Praxisfläche "Energie aus Wildpflanzen" für die Biomasseproduktion

Schloss- und Gutsherr Joachim von Reden (re.) säte auf seinem Anwesen Wendlinghausen gemeinsam mit NaTourEnergie-Projektkoordinator Jan Wisomiersky Wildpflanzen als Alternative zum Maisanbau für die Biomasseproduktion

Monokulturen und der erhöhte Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln haben sich in den vergangenen Jahren auf die Artenvielfalt ausgewirkt, erklärt der Kreis Lippe. Wie eine Alternative, insbesondere zum konventionellen Maisanbau, aussehen kann, gibt es jetzt in und um Wendlinghausen zu entdecken.

“Praxisfläche ‘Energie aus Wildpflanzen’ – Mehrjährige Wildpflanzenmischungen als Alternative zum Maisanbau für die Biomasseproduktion. Biogas kann damit einen echten Beitrag für mehr Artenschutz, z.B. Bienen, Schmetterlinge, andere Insekten und Wildtiere leisten. Diese Blühstreifen sind neben wichtigem Lebensraum auch die Apotheke und Kinderstube des Wildes”, steht auf dem Schild von NaTourEnergie – aufgestellt auf dem Schloss & Gut Wendlinghausen-Anwesen von Familie von Reden.

Was es genau mit diesem Schild auf sich hat, erklärt Jan Wisomiersky, Projektkoordinator von NaTourEnergie: “Wir möchten auf unseren NaTourErlebnisführungen auf das Thema aufmerksam machen und die Politik von der Wichtigkeit überzeugen.” Mit dem Pflanzexperiment wollen die Beteiligten die positiven Auswirkungen von Mischkulturen auf den Artenreichtum zeigen.

Das Projekt “NaTourEnergie” wird von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert als “Investition in die Zukunft” und bietet Erlebnisführungen unter anderem zu den Themen Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur an. Neben zahlreichen anderen Projektpartnern hat sich auch die Reden GmbH & Co. KG Schloss und Gut Wendlinghausen, Joachim von Reden aus Wendlinghausen, dazu entschlossen, das Projektmanagement von NaTourEnergie unter Leitung der Lippe Tourismus & Marketing GmbH nach Bedarf zu unterstützen.

So durfte NaTourEnergie mithilfe von Schlossherr Joachim von Reden gleich auf elf Ackerstreifen Wildpflanzen säen auf dem historischen Anwesen (das wie das Rittergut Haddenhausen in Minden früher in Besitz der Familie von Münchhausen war, siehe unser Bericht). „Ich bin Joachim von Reden vom Schloss & Gut Wendlinghausen sehr dankbar, dass er sich so intensiv am Projekt beteiligt und die Flächen kostenlos zur Verfügung stellt und bewirtschaftet“, so Wisomiersky.

Und nicht nur das: Schloss- und Gutsbesitzer von Reden führt eine der NaTourErlebnisführungen höchstpersönlich an – zum Beispiel am 23. Juni 2018 vom Innovationszentrum für Elektromobilität und Erneuerbare Energie im Ländlichen Raum (IZD) auf ein Gelände mit Photovoltaikanlage in der Nähe des Schlosses. Am Infopunkt Biogas wird zudem ein Einblick in die Anlage möglich. Alle Informationen zur Führung und Buchungsmöglichkeiten siehe Erlebnis Energiedorf Wendlinghausen auf der Webseite von NaTourEnergie.

Während von Redens Erlebnisführung wird neben der Bedeutung von Wildpflanzen für den Artenschutz auch auf ihren wirtschaftlichen Nutzen hingewiesen: Die Aussaat mehrjähriger Wildpflanzenmischungen bietet im Sommer wie im Winter lebenswichtige Deckung für Wildtiere. Die langen Blühzeiten und großen Blühflächen verbessern zudem das Nahrungsangebot für Insekten und Wildtiere. Gegenüber klassischen Energiepflanzen kann auf mineralische Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel weitgehend verzichtet werden.

Aktuell würden im bundesweiten Vergleich zu Mais nur 0,5 Prozent blühende Biomasse im Lebensraum Feldflur angebaut nach Aussage von NaTourEnergie. Hier sehen die Projektpartner Potenzial für mehr Artenvielfalt. Auf den Ackerstreifen haben sie daher auf eine spezielle Saatmischung zurückgegriffen, die das „Netzwerk Lebensraum Feldflur“ bundesweit erforscht und weiterentwickelt hat. Beifuß, Fenchel oder Malve: Über 21 Pflanzenarten wurden für den Sortenversuch „Energie aus heimischen Wildpflanzen“ ausgebracht.

„Damit können wir einen echten Beitrag für mehr Artenschutz in der offenen Landschaft leisten und gleichzeitig einen Teil zur Energiegewinnung beitragen, denn aus den Pflanzen kann Biogas gewonnen werden“, sagt Wisomiersky.

Klar sei den Projektteilnehmern aber, dass die Initiative auch ihre Grenzen habe: Wildpflanzen sind nur eine Ergänzung und kein Ersatz zum Maisanbau.

Quelle Text und Foto: Pressestelle Kreis Lippe, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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