Rund 500 Besucher feierten 20 Jahre Goethepark Minden

Aktionsbündnisse luden zum Begegnungsfest für die ganze Familie - durchweg positive Resonanz - Bürgermeister Jäcke überraschte mit Spontanbesuch

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Weil Königstorer Anwohner ihn vor 20 Jahren selber anlegten, ist der “Goethe Park” in Minden keine Luftblase mehr, sondern kann aktiv mit der ganzen Familie genutzt werden – Fotos: onm

“Wo bin ich denn hier?” “Im Goethe Park … im Stadtteil Königstor … einem Stadtteil von Minden.” “Oh, sehr schön hier.” Für Überraschungen und Gespräche aller Art sorgten am vergangenen Samstag das Aktionsbündnis Aktiv für/in Königstor und das Aktivitätszentrum Alten-Dorf bei ihrem Begegnungsfest – eine Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des von Anwohnern aufgeforsteten Grünstreifens.

Reichlich Aufmerksamkeit erhielt der “Goethe Park” (auch: Goethepark) am 24. September 2016 durch die Mindener Bevölkerung. Trotz zahlreicher Veranstaltungen in der Innenstadt entdeckten rund 500 Besucher die “versteckte” – zwischen Habsburgerring, Hahler Straße und Goethestraße gelegene – grüne Oase für sich.

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Leierkastenmann Jochen Schmeling sorgte mit seiner Musik für “gute Geschäfte”

Denn sie zeigte sich dank fleißigen Helfern von ihrer schönsten Seite: Bei Sommertemperaturen und strahlendem Sonnenschein wurde gelacht, gespielt und geschnackt, Kaffee und Kuchen, alkoholfreie bunte Cocktails sowie interkulturelle Speisen und Bratwürste gingen weg wie warme Semmeln, Schätzchen und Schnäppchen über den Flohmarkttisch. Leierkastenmann Jochen Schmeling hielt die fleißigen Privathändler derweil bei Laune, und das professionelle Musiker-Duo „Dorado Vagabundi“ – mit Helga Freude an der Akustikgitarre und Anton Sjarov an der Violine – unterhielt mit sanfter Stimme und klassischen Klängen.

Für alle Beteiligten völlig überraschend kam Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) am frühen Nachmittag zu Besuch und machte sich persönlich ein Bild von dem 2,7 Hektar großen Park und seinen Gästen. Vielleicht nicht ganz uneigennützig, schließlich waren es Parteigenossen des SPD-Ortsvereins Minden-Königstor, die im Herbst 1996 maßgeblich zur Umsetzung des Projekts “großer grüner Finger” beitragen haben. Es sollte auf langjährigen Wunsch der Anwohner “ernst gemacht” werden im Mindener Westen.

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Mindens Bürgermeister Michael Jäcke kam überraschend zu Besuch, genoss die gute Atmosphäre und mischte sich unters Volk zu interessanten Gesprächen

Man versprach sich von der Maßnahme eine Steigerung der Attraktivität des Wohngebiets und eine Verbesserung des “Nahklimas”. Überdies wäre die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche eine “Hauptfrischluftschneise” für die Innenstadt und würde den damals noch winzigen Goethepark nach Süden hin erheblich erweitern und aufwerten. Ob die Schneise hält, was man versprach, kann nicht nachvollzogen werden. Aber alle anderen Kriterien treffen allemal zu, wie man deutlich erkennen konnte.

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SPD-Ortsverein Minden-Königstor übernahm Patenschaft für Korbinians Apfelbaum

Ergänzt wurde der Park auch durch mehrere Obstbäume auf Initiative der “Essbaren Stadt Minden”, von denen der SPD-Ortsverein für einen Korbinians-Apfelbaum die Patenschaft übernahm (siehe: www.korbiniansaepfel-minden.de) mit historischem Hintergrund: Pfarrer Korbinian Aigner (1885-1966) kritisierte in den 1930er Jahren den Nationalsozialismus auf seine ganze eigene Art: In Dachau säte er mehrere Apfelkerne. Nach seiner Flucht aus dem Konzentrationslager (KZ) pflanzte er die Sprösslinge in seinen Garten und nannte die Früchte “KZ-Äpfel”. So stammt der im Goethepark gepflanzte Apfelbaum aus einer Sämlingsauslese des “Apfelpfarrers”, der für Weltoffenheit und Toleranz stehe, so die Mindener SPD.

Athanasios Vlachos (aktueller Königstorer Ortsvorsteher) verwies am Veranstaltungstag auf eine Goethepark-Fläche (am Habsburgerring) von circa 100 Quadratmetern – dort, wo die zwei höchsten, schlanksten Bäume am Parkrand stehen. “So klein war der Park damals.” Den Hügel davor gab es damals auch noch nicht. Dazu Veranstalterin Sandra Janke (Pressesprecherin Aktionsbündnis Aktiv für/in Königstor): “Wenn Sie jemanden fragen können, dann Herrn Vlachos. Er weiß alles über den Park und kennt jeden hier mit Namen.” Tatsächlich zückte der gebürtige Grieche (geboren in Peloponnes) stolz Medienberichte von 1996 aus der Hosentasche und stellte die Inhalte zur Verfügung.

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Ortsvorsteher Athanasios Vlachos und Veranstalterin Sandra Janke hatten sichtlich Spaß beim Jubiläumsfest

Neben Vlachos war beispielsweise auch die Stellvertretende Bürgermeisterin von Minden, Ulrieke Schulze, unter den einstigen Helfern. Und siehe da: Auch beim Begegnungsfest packte sie tatkräftig mit an und teilte Speisen aus. Den fest installierten Tierkot-Tütenspender im Goethepark haben die Königstorer Bürgerinnen und Bürger ihr ebenfalls zu verdanken, klärte Janke auf und erzählte:

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Das Musiker-Duo „Dorado Vagabundi“ unterhielt die Gäste mit klassischen Tönen

“Der Stadtteilname Königstor ist aus der ehemaligen Mindener Festungsanlage entstanden. Richtung Bastau-Wiesen wurden damals Kühe durch ein heute nicht mehr vorhandenes Tor getrieben. Daher ist es auch als ‘Kuhtor’ bekannt geworden.” Warum es später in “Königstor” umbenannt wurde, erklärte 1992 Marianne Nordsiek (Interessierte könnten beim Mindener Geschichtsverein nachfragen). “Mit rund 8900 Einwohnern erfasst Königstor circa zehn Prozent der Stadtbevölkerung. Wir liegen stadtnah, aber nicht in der Innenstadt, haben relativ günstige Mieten und gute Einkaufsmöglichkeiten”, weiß die gelernte Betriebswirtin und SPD-Anhängerin. Sie ist in Minden geboren und kennt die Sorgen und Nöte in ihrem Bezirk. “Wir stehen an vierter oder fünfter Stelle, wenn es um Kinder im SGB-II-Bezug geht.”

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Mindens Stellvertretende Bürgermeisterin Ulrieke Schulze nahm sich Zeit für die Besucher und beteiligte sich aktiv an der Verteilung von Leckereien aller Art

Das Aktionsbündnis Aktiv für/in Königstor wurde 2009 von Ortsvorsteher Vlachos gegründet, erklärt sie weiter. “Allerdings ging es hier nicht um den Park. Sondern nachdem 2002 eine Schule geschlossen wurde, bestand zuerst der Wunsch, etwas für junge Leute zu tun, eine Einrichtung sollte her. So entstand das Jugendhaus ‘Westside’ im Nachbarbezirk Rodenbeck und ein Stadtteilbüro am Hohenzollernring 28, nahe der Mindener Tafel. Später entwickelte sich die Idee, nicht nur etwas für Jugendliche, sondern für alle Anwohner zu tun. So entwickelten sich Projekte wie die Aktion ‘saubere Landschaft’, wo freiwillige Helfer und Ortsvorsteher den Bezirk von Müll befreien. Seitdem hat die Verschmutzung deutlich nachgelassen.”

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Der zuerst vergebene Tombola-Gewinn war zugleich der Schwerste unter den Gewächsen

Das Aktivitätszentrum Alten-Dorf fungiert hingegen als gemeinnützige Stiftung (der Altersfürsorge), benannt nach dem Namen der 2007 verstorbenen Ideengeberin Anna Luise Altendorf, die die Stiftung mit einem beträchtlichen Teil ihres privaten Vermögens gründete. Programme wie “Alte helfen Alten”, Unterstützung Demenz-Kranker und viele Veranstaltungen machen die Stiftung unter Vorstandsleitung von Claus Lemcke groß. Deshalb ist die Stiftung auch als zweiter Veranstaltungspartner des Begegnungsfestes zu nennen.

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Das Kita-Spiel “Fang die Maus” bereitete vielen Kindern Spaß beim Begegnungsfest

“Last but not least” haben sich auch Kindertagesstätten spontan dazu entschlossen, bei der samstäglichen Veranstaltung mitzuwirken, zum Beispiel die Kita Tausendfüssler, die mit Seifenblasen und einer kunterbunten Spielplane für viel Abwechslung unter den Kleinsten sorgte. Lustig war auch das Spiel “Fang die Maus” einer anderen Kita, bei dem ein Ball in die Mitte einer Holzscheibe in Katzenkopfform geschmissen wird, was wiederum ein Katapult löst, auf dem eine Stoffmaus sitzt, die dann in Richtung des Kindes fliegt und von diesem aufgefangen werden soll. Und beim Sackhüpfen konnte Groß gegen Klein antreten, wobei so mancher Sprössling fast ganz im Sack verschwand und vom Elternteil mal eben über die Ziellinie getragen wurde.

Unter den Erwachsenen sehr begehrt war die Tombola. Manch einer hatte sich vor der Verlosung mit zahlreichen Losen versorgt, weil die Preise – gesponsort von 13 Betrieben aus der Region – wirklich sehenswert waren. Taschen, Tassen, große Lebensmittelkörbe, Pflanzen-Arrangements und vieles mehr konnten den Besitzer wechseln.

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Veranstalterin und Sozialdemokratin Sandra Janke würde sich freuen, wenn der “Goethe Park” nicht länger ein Geheimtipp in Minden bleibt, sondern ordentlich belebt wird

Schlussendlich ist anzumerken, dass der Goethepark mit seinen 2000 Sträuchern, 100 Laubbäumen, drei Obstbäumen, Parkbänken, seiner Bauminsel, der schönen Trauerweide und den geschwungenen Wegen jederzeit einen Ausflug in den Mindener Stadtteil Königstor wert ist. Mal schauen, wielange der Park noch ein Geheimtipp bleibt …


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