Rosenmontagsumzüge 2015 von Terrorwarnungen geprägt

Der Karneval 2015 ist geprägt von Terrorwarnungen aus der Islamistenszene - wir fassen zusammen

Archivfoto: onm
An Karneval ist (eigentlich) jedes politische Thema erlaubt – Archivfoto: onm

Mit den Rosenmontagsumzügen erreicht der Straßenkarneval an Rhein und Main heute seinen Höhepunkt. Vor allem in Köln, Düsseldorf und Mainz werden Millionen Besucher erwartet. Ungeachtet der Anschläge von Kopenhagen und Paris sehen die Sicherheitsbehörden jedoch keine besondere Gefahr für die Umzüge. Gestern Morgen war der Karnevalszug in Braunschweig wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden. Der Rosenmontagsumzug in Ovenstädt (Petershagen) wird heute wie geplant ab 14 Uhr stattfinden.

Am Abend des Valentinstages hatte die Polizei in Braunschweig gegen 22 Uhr von einer Sicherheitsbehörde erfahren, dass es konkrete Hinweise auf einen Terroranschlag gäbe. Ein Tippgeber aus der islamistischen Szene soll die Informationen weitergegeben und sogar Zeit und Ort der Bedrohung genannt haben. Nach nächtlichen Telefonkonferenzen und Überprüfungen erhärtete sich der Verdacht, dass insbesondere der Bereich des Altstadtmarktes gefährdet sein könnte. Daraufhin beschloss Polizeipräsident Michael Pientka gemeinsam mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Zugmarschall Gerhard Baller, den Braunschweiger Karnevalsumzug “Schoduvel” am Sonntagmorgen aus Sicherheitsgründen abzusagen. Die Jecken, die sich gestern bereits in der Altstadt zusammenfanden, wurden nach Hause geschickt.

Sodann gab es Spekulationen im sozialen Netzwerk Twitter, dass angeblich bis zu vier Sprengsätze in der Stadt Braunschweig gefunden worden seien, die nach Untersuchung mit Sprengstoffspürhunden sich jedoch kurze Zeit später als “Karton in einer Mülltonne” und “Thermoskanne” herausstellten. Weitere auffällige Gegenstände wurden nicht gefunden und es bestand dahin gehend keine Gefahr, betont Pientka. Weitere Ermittlungen nach § 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat) sollen aber von der Staatsanwaltschaft Hannover übernommen werden. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius war der Erste, der über die Terrorwarnung informiert wurde. Die Absage des “Schoduvel” hält er für die “einzig richtige Entscheidung”. Einzelheiten zur Person oder zum Inhalt der Terrorwarnung werden jedoch unter Verschluss gehalten.

Charlie Hebdo Rosenmontagswagen
Entwurf des Kölner Rosenmontagswagens “Mir sin Charlie”

Anders verhält es sich in Köln. Die Kölner Rosenmontagsumzüge sind dafür bekannt, auf politische und gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Erstmals hatten die kölschen Jecken in aller Welt die Möglichkeit, aktiv an der Auswahl der Entwürfe für einen Persiflagewagen mitzuwirken. Über 2400 Facebook-Freunde entschieden sich für einen Rosenmontagswagen “Mir sin Charlie” (siehe Zeichnungsentwurf), der eine klare Ansage für die Meinungsfreiheit – im Karneval bekannt als Narrenfreiheit – und gegen den terroristisch-islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung “Charlie Hebdo” darstellen sollte. Nachdem der Bau des Wagens bereits begonnen hatte, kippte jedoch die Stimmung. Diskussionen in den Medien über eine angeblich kritische Sicherheitslage dieses Wagens und des Zuges an sich löste eine Welle der Angst aus unter den Karnevalisten, es folgten sogar persönliche Beschimpfungen, die weit unter die Gürtellinie gingen. Daher entschied sich das Festkomitee Kölner Karneval dazu, den Rosenmontagswagen “Mir sin Charlie” nicht weiterzubauen und nicht am Rosenmontagsumzug teilhaben zu lassen.

Das Festkomitee betont in einer Stellungnahme: „Nach Auskunft hochrangiger Vertreter der Polizei und weiterer Behörden gegenüber dem Festkomitee besteht und bestand keinerlei Risiko für den Kölner Rosenmontagszug, weder für Teilnehmer noch für Besucher – auch ausdrücklich nicht wegen des Charlie-Hebdo-Wagens. Aus diesem Grunde waren bisher auch keinerlei besondere Maßnahmen zur Sicherung von Wagen geplant. Dies wurde heute in verschiedenen Medien falsch dargestellt und verursachte somit Verunsicherung bei einigen Lesern.”

Dass die Kölner sich aber dennoch nicht unterkriegen lassen, beweisen Sie heute: Ein veränderter “Charlie-Hebdo”-Wagen wurde “klammheimlich” kurzentschlossen eingeführt und führte den Rosenmontagsumzug an, der die “Narrenfreiheit” – und somit die Meinungsfreiheit der Jecken – betonte: ein Bleistift, der wie ein zartes Pflänzchen gegossen wird. “Auf dass die Meinungsfreiheit gedeihe.” Des Weiteren liegt symbolisch der Kopf eines Attentäters am Boden (Fotos, auch vom geplanten grauen Wagen, siehe Beitrag von Express.de).

Müssen Jecken nun seit dem Anschlag in Paris um ihr Leben fürchten oder nicht?

In Düsseldorf beispielsweise werden die Themenwagen der Rosenmontagsumzüge bis zum Schluss geheim gehalten. Ist das vielleicht die klügere Lösung? DAS ERSTE übertrug live im Fernsehen den Rosenmontagsumzug in Düsseldorf, wo gegen 14.45 Uhr zwei Wagen zum aktuellen Thema zu sehen waren: einmal “Satire kann man nicht töten!” und “Der Karneval ist für ALLE da!”:

Der Karneval ist für ALLE da!
Der Karneval ist für ALLE da!
Satire kann man nicht töten!
Satire kann man nicht töten!

Der Anschlag in Kopenhagen galt übrigens dem schwedischen Karikaturisten Lars Vilks, der als Gast im Kopenhagener Kulturcafé “Krudttønden” vertreten war. Seit Veröffentlichung seiner Karikaturen des Propheten Mohammed in verschiedenen dänischen und schwedischen Lokalzeitungen trachten ihm die Radikalen nach dem Leben, weshalb er seine Arbeit in dieser Richtung einstellte und unter ständigem Polizeischutz steht. Auch die Satirezeitung “Charlie Hebdo” veröffentlichte Karikaturen von Lars Vilks.

Wir wünschen dem närrischen Volk jedenfalls am heutigen Rosenmontag viel Spaß und senden vor allem liebe Grüße nach Kölle.

Fazit nach den heutigen Rosenmontagsumzügen: Es ist nichts Schlimmes passiert.

Quelle Text und Fotos: Deutschlandfunk, Kulturgemeinschaft Ovenstädt, NDR, Festkomitee Kölner Karneval, RP-Online, Deutsche Welle, Kölner Stadtanzeiger, Express.de


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