RegioPort Weser in Minden kurz vor Fertigstellung?

Eröffnung von umstrittenem Containerhafen 'RegioPort Weser' für Ende März / Anfang April 2019 geplant - Containerverladebrücke steht - Betrieb zunächst bimodal

Der ‘Künz Barge Kran’ am künftigen Containerhafen ‘RegioPort Weser’ in Minden steht – die 35 Meter hohe Containerverladebrücke ist schon aus weiter Ferne zu sehen – Fotos: onm

Den Dom zu Minden überragt er nicht, aber der neue Kran am künftigen ‘RegioPort Weser’ ist weit über den Mindener Ortsteil Päpinghausen hinaus zu sehen. Die um den 20. Januar herum fertig aufgebaute Containerverladebrücke soll – samt Terminal und Abstellflächen – voraussichtlich Ende März / Anfang April 2019 in Betrieb gehen.

Diplomkaufmann Joachim Schmidt, Geschäftsführer der Mindener Hafen GmbH, ist zuversichtlich. Das neue Hafen-Terminal mit Krananlage und Abstellflächen für Container an der Grenze zu Bückeburg-Cammer soll Anfang April in Betrieb gehen (lt. Pressemeldung der Stadt Minden vom 18. Januar). “Damit werde die neue Hafenanlage weithin sichtbar sein”, so Schmidt.

Dass dies jetzt schon der Fall ist, zeigen unsere Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln vom vergangenen Sonntag. Der mittlerweile fertig montierte Einträgerkran des Modells ‘Künz Barge Kran’ der Künz GmbH aus Österreich, der sich passend zu den anliegenden Brücken auf dem Mittellandkanal in blau lackiertem Stahl erhebt, misst eine Höhe von 35 Metern. Damit ist er nicht nur am Mindener Gewerbe- und Industriestandort Päpinghausen, sondern auch im Bückeburger Ortsteil Cammer und vom anderen Ufer in Berenbusch und Dankersen aus zu erkennen.

“Der neue Containerkran mit einer Tragfähigkeit von 45 t und einer imposanten Hauptträgerlänge von 125 m wird zukünftig maßgeblich zum effizienten Umschlag von Straße-Wasser im 1. Teilbauabschnitt beitragen. Nach Abschluss der Inbetriebnahme wird der Kran Ende März 2019 an den Kunden übergeben”, teilt die Firma Künz auf ihrer Webseite mit. Nach den Beschreibungen der Stadt Minden habe der Kran zudem eine Spurweite von 60 Metern, eine Durchfahrtsbreite im Portal von 18 Metern und eine Auskragung von 32 Metern zur Landseite hin sowie 26 Metern zur Wasserseite hin. Die Hubhöhe der Verladebrücke betrage 17,9 Meter. Die Verladebrücke verfüge außerdem über ein 45-Tonnen-Zweimotoren-Hubwerk mit einer Beschleunigung von 0,5 Metern pro Sekunde.

Ein beeindruckendes Bauwerk, wenn man davorsteht. So was haben die 84.000-Einwohner-Stadt Minden und die 19.000-Einwohner-Stadt Bückeburg noch nicht gesehen in dieser Gegend. Entsprechend staunend, sprachlos und argwöhnisch wurde es von den Sonntagsspaziergängern und Anwohnern betrachtet – vor allem im Hinblick auf die Vorgeschichte, die wir in unseren Berichten rund um den RegioPort bereits ausführlich erläuterten.

Davon abgesehen werden die Kosten dieses ersten Teilbauabschnitts auf einer Fläche von 5,4 Hektarn von der Mindener Hafen GmbH aktuell auf rund 29,6 Millionen Euro geschätzt, wovon wohl 16,1 Millionen Euro an Fördergeldern vom Bund getragen werden. Darin inbegriffen wären das Terminal, zwei Schiffsliegeplätze, der Containerkran, die Containerabstellfläche, die Errichtung einer Lärmschutzwand entlang der B482, die Renaturierung der Bückeburger Aue und die Anlage eines Grünstreifens rund um das künftige Hafen- und Gewerbegebiet.

Tatsächlich hat sich seit Beginn der Bauarbeiten Ende Mai 2017 (und nicht Anfang Juli 2017, wie immer wieder von der Stadt Minden und Geschäftsführer Schmidt der Mindener Hafen GmbH behauptet) eine Menge getan auf der Baustelle RegioPort Weser: Der Schiffsanlegeplatz steht, an dem zwei Containerschiffe parallel zueinander anlegen können (lt. Zeichnung auf der Webseite der Ingenum GmbH), die Containerverladebrücke steht, die Container-Abstellfläche ist betoniert, eine neu angelegte Straße führt vom 2017 errichteten Kreisverkehr aus quer übers Feld direkt zum Betriebsgelände des Hafens, mehrere Becken (die wir vom Sinn / ihrer Funktionalität her nicht zuordnen können) sind ausgehoben, eine ebenfalls nicht zuordenbare Rampe, über die man Boote ins Wasser lassen kann, wurde gebaut, diverse Zäune umgeben das Gelände, ein Hochsitz wurde am Fußgängerweg entlang der Bückeburger Aue aufgestellt, rund ums Betriebsgelände wurden junge Bäume und Sträucher gepflanzt und an der Bückeburger Aue selbst wurde gebaggert.

Ein Terminal oder Verwaltungsgebäude war am 17. Februar allerdings nicht zu sehen. Und ein ‘trimodaler’ Hafen, wie ursprünglich geplant, steht wohl noch in weiter Ferne. Der RegioPort Weser werde nämlich erst einmal ‘bimodal’ betrieben, also der Transport von Containern erfolge auf den Verkehrswegen Schiff und Lkw. Der Containerumschlag per Bahn erfolge vorerst weiterhin am Mindener Standort Industriehafen II (3,3 Hektar Fläche am Wasserstraßenkreuz, siehe unsere Bilderstrecke im Bericht vom 4. Juli 2017, wo auch Fotos vom benachbarten Hafen Berenbusch in Bückeburg zu finden sind).

Kommunalberater Jürgen Schnake hat dahin gehend bereits in unserem Interview im Juli 2015 angemerkt: “Die Deutsche Bahn sagt jetzt schon, die Schiene binden wir frühestens im Jahr 2022 an.” Uwe Tönsing, Vorsitzender der Bürgerinitiative Containerhafen e.V., die sich von Anfang an gegen das Hafen-Projekt ausspricht und ein rechtswirksames Urteil gegen den ursprünglichen Bebauungsplan und Planungsverband RegioPort Weser erwirkte, sprach im Juli 2017 (siehe unser Bericht) sogar davon, dass “die Deutsche Bahn eine weitere (für das Bauprojekt RegioPort erforderliche) Bahnstrecke nie zulassen” würde. Außerdem habe Geschäftsführer Schmidt der Mindener Hafen GmbH gegenüber dem Onlinemagazin Binnenschifffahrt im September 2018 erklärt, dass “sämtliche Fördergelder zunächst für einen bimodalen Hafen beantragt” wurden.

Alles in allem kann man gespannt sein, ob der dieses Mal angesetzte Eröffnungstermin Ende März / Anfang April 2019 eingehalten wird. Ankündigungen in der Vergangenheit gab es genug: Einst sollte der Hafen 2013 in Betrieb gehen, dann rechnete man im Herbst 2017 mit der Fertigstellung und zuletzt Ende 2018. Diverse Fachexkursionen mit Inaugenscheinnahme des RegioPort Weser in Minden, wie die der Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure der Freien Hansestadt Bremen e.V. im Mai 2019 (siehe Ankündigung der VSVI Bremen), stehen auf jeden Fall in den Startlöchern.

Doch jetzt zu unserer Bilderstrecke vom 17. Februar 2019 (inklusive zwei Bildern vom Hafen Berenbusch und dem ‘Düker’ (Wasserverlauf der Bückeburger Aue unter dem Mittellandkanal):

++ UPDATE ++

Die Containerverladebrücke soll ab 1. April für zwei Monate in Probebetrieb gehen, teilte Geschäftsführer Schmidt der Mindener Hafen GmbH mit. Geplant sei, im Anschluss den Hafen RegioPort Weser in Betrieb zu nehmen und eine offizielle Einweihungsfeier zu veranstalten. Der Eröffnungstermin wird sich demnach voraussichtlich auf Juni 2019 verschieben.

++ UPDATE ++

Die offizielle Einweihungsfeier des RegioPort Weser soll am 1. Juli 2019 mit hohem Besuch aus der Hauptstadt stattfinden – siehe unser Bericht.


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