Rathaussanierung: alles nur Fassade?

Erste Umzugsphase der Stadtverwaltung Minden in die Alte Regierung ab dem 27. Juni 2017 - Wochenmarkt am Kleinen Domhof fällt aus - eingeschränkte Erreichbarkeit der Verwaltung

Die Mindener Verwaltung zieht wegen anstehender Rathaussanierung für rund vier Jahre in die Alte Regierung am Weserglacis um. Dafür um die 35 Millionen Euro zu investieren, scheint wie ein Messer hinterm Rücken auf viele Bürgerinnen und Bürger zu wirken. – Fotos: onm

Auch wenn es manch einer nicht mehr hören mag und die einkalkulierten Kosten von rund 35 Millionen Euro den Rahmen sprengen: Das Rathaus Minden wird saniert und die erste Umzugsphase von Verwaltungsangestellten samt Büroeinrichtungen in die Alte Regierung wird ab dem 27. Juni 2017 erfolgen.

Einerseits „glänzt“ die Mindener Innenstadt mit leerstehenden Geschäften und hilfebedürftigen Menschen, wie Obdachlosen, Geflüchteten und HartzIVern, die „dank“ Jobcenter Minden sanktioniert werden, bis sie nicht mehr für den Lebensunterhalt aufkommen können (dafür bekam das Jobcenter ein saniertes Bankhaus mit hochwertigen Einrichtungen), andererseits wird das Innenstadtpflaster aufgehübscht, moderne Kaufhäuser angesiedelt und in „geheimen“ Sitzungen mit irgendwelchen Geschäftsleuten über die moderne Zukunft des eigenen Rathauses verhandelt.

„Alles nur Fassade – außen hui, innen pfui“, müsste man denken, womit mit „pfui“ die Entscheidungen der Verantwortlichen gemeint sind, die sich wohl irgendwann dazu entschlossen, nicht mehr das Volk anzuhören und zu unterstützen, sondern nur sich selbst im „goldenen Glanze“ sehen – unterstützt von „In-den-Allerwertesten-Kriechern“ und Mindener „Klüngel“, wie man es eigentlich nur aus Köln kennt.

Nichtsdestotrotz, es herrscht Sanierungslust im „Staate Minden“. So stünden doch Teile des Rathauses unter Denkmalschutz, Energiekosten würden durch die Decke steigen, Büroeinrichtungen seien hoffnungslos veraltet, die Barrierefreiheit ließe zu wünschen übrig und überhaupt sei seit den 1960er Jahren nichts mehr von Grund auf saniert worden. Also wenn da nicht noch andere Baustellen wären, wie die noch nicht abgeschlossene in der Innenstadt, die neue Schachtschleuse und die in den Startlöchern stehende Mehrzweckhalle, hätte man sicher Verständnis für die Komplettsanierung des Rathauses.

Aber es muss ja alles her – man wolle die Stadt ja nach vorne bringen, attraktiver machen. Bei über 80.000 Einwohnern, verteilt in 19 Stadtbezirken, denkt man dabei natürlich nur an die Innenstadt rund ums Rathaus und die touristischen Attraktionen, wobei das doch wohl das Wasserstraßenkreuz ist. Nette kleine Cafés, verrauchte Kneipen, kleine Boutiquen und alles, wo man halt Tag und Nacht hinschlendern und es sich gemütlich machen kann, wenn man in der Stadt ist (also das Gegenteil von klinisch reinen Kaufhäusern, wo man mit Schlagermusik zugedudelt und an jeder Ecke von Kameras beobachtet wird), sind längst passé. Kein Wunder, dass es die Deutschen in ferne Länder zieht.

Das ganze Gejammer nützt jedoch nichts. Über die Zukunft der Mindener Bürgerinnen und Bürger entscheidet die Stadtverwaltung„komme, was wolle“. Und diese sei jetzt selbst an der Reihe, hat sie beschlossen. Dafür widmet sie sogar eine eigene Webseite unter www.minden.de/rathaussanierung.

Ende Juni ziehen die ersten Dienststellen der Stadtverwaltung in das Gebäude „Alte Regierung“ am Weserglacis um, dessen Räume monatelang aufwendig renoviert wurden (natürlich auch nicht für lau). Denn das alte Regierungsgebäude wurde frei, nachdem die Deutsche Bahn AG (genauer: DB Systemtechnik GmbH) als bisherige Mieterin im Frühjahr eigene Räumlichkeiten an der Pionierstraße 10 bezog.

Doch jetzt bitte nicht an den Gleisen festketten: Das in Teilen von der Stadt Minden angemietete Regierungsgebäude, das sich übrigens im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalens befindet, wird für ganze vier (!) Jahre von der Stadtverwaltung als „Interimslösung“ (sprich: Übergangslösung) angemietet. Auf Deutsch: Man rechnet mit einer vierjährigen Sanierungsphase des Rathauses. Okay, der Kölner Dom ist seit Jahrzehnten eine Baustelle, aber Entschuldigung, in der Zeit hat Peking einen nagelneuen Flughafen aus dem Boden gestampft.

Außen hui, innen pfui? Zumindest bröckeln laut Stadtverwaltung die Innenräume und Außenfassade. Aber auch die Entscheidungen über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg lassen zu wünschen übrig. Da hilft auch keine bauliche Sanierung.

„Gut Ding will halt Weile haben“, heißt es da wohl bei den Ostwestfalen, was man schon an den geplanten Umzugsphasen erkennt:

Laut Verwaltung läuft die erste Umzugsphase – der Bereiche Personal und Organisation sowie des Zentralbereichs Recht – in der Zeit vom 27. bis 30. Juni 2017 – voraussichtlich jeweils zwischen 7 und 17 Uhr. Ab dem 29. Juni ziehen die Bereiche Vermessung und Geoservice, der Personalrat und das Rechnungsprüfungsamt in das 2. Obergeschoss des Regierungsgebäudes um.

Für die Bürgerinnen und Bürger sowie Händler heißt das natürlich Einschränkungen:

  • Der Wochenmarkt auf dem Kleinen Domhof findet am 27. Juni 2017 nicht statt. Das sei mit der zuständigen Marktgilde bereits abgestimmt.
  • In der Umzugszeit seien die Verwaltungsmitarbeiter nur eingeschränkt zu erreichen. Der Dienstbetrieb soll erst ab dem 3. Juli in den neuen Räumen wieder vollständig laufen.

Arbeits- und kostenmäßig ist es damit aber noch nicht getan. Denn ein Umzugsunternehmen übernimmt den Transport der wahrscheinlich Büroeinrichtungen und Aktenberge auf der zugegeben sehr kurzen Strecke (siehe Google Maps) zwischen den Häusern.

„Last but not least“ soll im September die zweite, größere Umzugsphase starten. Dann werden unter anderem auch das Standesamt und das Jugendamt ihre nagelneu hergerichteten Büros in der Alten Regierung beziehen, wo insgesamt rund 180 Arbeitsplätze auf drei Ebenen zur Verfügung stehen.

Jau, das kann schon mal alles ins Geld gehen. Eins ist leider gewiss: Die Mindener Steuerzahler zahlen dafür – und den Arbeitslosengeld-II-Empfängern (deren Anzahl stetig wächst) und anderen Hilfebedürftigen werden wieder mit allen Mitteln notwendige Leistungen gekürzt (weil die Bundesagentur für Arbeit die alleinige Entscheidungsbefugnis der Kommune überlässt). So setzt man Prioritäten in der Stadt Minden. Also alles nur Fassade oder was?!

Quelle: Pressestelle der Stadt Minden, Anmerkungen von OctoberNews


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