Räumungsverkauf des Interieurs der Gaststätte am Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Vor Abriss der Denkmalsgaststätte am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica konnten Teile des Inventars günstig erworben werden

Ein letzter Blick auf die Denkmalsgaststätte am Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica - Fotos: onm
Der erste Schnee in 2015 gewährt einen letzten romantischen Blick auf die Denkmalsgaststätte am Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Porta Westfalica – Fotos: onm

Die „Denkmalsgaststätte“ in Porta Westfalica ist bald Geschichte. „In den nächsten Wochen wird mit dem Abriss begonnen“, so Dr. Franke, Vorsitzender des Fördervereins für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Zusammen mit Herrn Wille und Herrn Hermening organisiert er den zweitägigen Räumungsverkauf dieses Wochenende sowie den Abriss der Gaststätte und versucht, so viel wie möglich des noch vorhandenen Inventars zu verkaufen. Das eingenommene Geld kommt schließlich dem neuen Gastronomie-Projekt im Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zugute.

Nachdem die Gaststätte am Parkplatz des Kaiser-Wilhelm-Denkmals bereits vor rund drei Jahren ihren Betrieb einstellen musste, wurde nun von den Eigentümern, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der Abriss des Gebäudes beschlossen. Bevor die geschichtsträchtige „Denkmalsgaststätte“ (auch „Denkmals-Restaurant Kaiser Wilhelm“ genannt) dem Erdboden gleichgemacht wird, erhielten Interessenten die Möglichkeit, ein Großteil des gesamten gastronomischen Inventars günstig zu erwerben: von Möbeln über Lampen, Gläser, Porzellan und Erinnerungsstücke wie ehemalige Speisekarten, Postkarten und vieles mehr.

Der Kaiser hat lange genug zugeschaut, wie seine Gaststätte verfällt - jetzt muss Neues her
Der Kaiser hat lange genug zugeschaut, wie seine Gaststätte verfällt – jetzt muss Neues her

Wer Teller, Tassen, Gläser und Milchkännchen für seine eigene Gaststätte benötigt, sollte heute noch bis ca. 16 Uhr vorbeischauen, denn davon sind noch reichlich vorhanden. Auch Kleiderbügel, Decken- und Tisch-Lampen gibt es noch zu erwerben.

Wir waren gestern Nachmittag vor Ort und fanden einen traurigen Zustand vor. Neben Spinnenweben an den Fenstern und dem Geruch von alten Gemäuern konnte man nur noch an den roten und grünen Samtvorhängen, den massiven Stühlen und Tischen, dem prachtvollen Holzornament an der Decke und dem Blick in die Großküche erahnen, was für ein reges Leben hier geherrscht haben muss. Drei große Gasträume standen zur Verfügung sowie ein fast modern eingerichteter Raum mit schicken Streifentapeten, grau gefliestem Boden und Kugel-Leuchten an den Decken.

In der oberen Etage hingegen muss jemand gewohnt haben, vermutlich der ehemalige Betreiber der „Denkmalsgaststätte“, Albert Kronshorst aus Minden. Denn hier fanden wir einen neuwertig blau tapezierten Flur, ein Bürozimmer mit Schreibtisch, einen Wohn- und Essbereich, eine komplett eingerichtete Küche und ein Schlafzimmer, eingerichtet mit Himmelbett und hellblauen Holzmöbeln, vor. Dieses Interieur steht wohl nicht zum Verkauf. Auf jeden Fall ist dieser Wohnbereich eigentlich viel zu schade zum Abreißen.

Familie Kronshorst erwarb die Gaststätte 1997 vom LWL, musste sie jedoch Ende 2011 an den Landschaftsverband zurückverkaufen, weil aufgrund der fehlenden Infrastruktur, dem Saisonbetrieb und der fehlenden Mittel für notwendige Investitionen zur Erneuerung der veralteten Einrichtung sowie aus Altersgründen ein Weiterbetrieb nicht möglich war. Seitdem tat sich nichts mehr – das „Denkmals-Restaurant Kaiser Wilhelm“ verwahrloste.

Dr. Franke, Herr Wille und Herr Hermening vom Förderverein für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal sehen den Abriss der Denkmalsgaststätte gelassen
Dr. Franke, Herr Wille und Herr Hermening vom Förderverein für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal sehen dem Räumungsverkauf und dem Abriss der Denkmalsgaststätte gelassen entgegen

Fakt ist, diese Gaststätte an der Kaiserstraße 15, die 1896 eingeweiht wurde – also zum gleichen Zeitpunkt wie das Kaiser-Wilhelm-Denkmal -, wird nicht länger existieren. „Auf dem Grundstück entsteht eine neue Durchgangsstraße und Zufahrt zum Parkplatz“, erklärt Dr. Franke. „Sodann wird auf dem Parkplatz eine neue Schnell-Gastronomie bzw. ein neuer Kiosk gebaut. Sobald in dem Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals eine neue Gaststätte, normale Gastronomie, fertiggestellt wurde, wird sich eh kein Besucher mehr für eine Gaststätte auf dem Parkplatz interessieren. Die Menschen möchten eben in unmittelbarer Nähe des Kaisers speisen und trinken. Der Fußweg vom Parkplatz bis nach oben zum Kaiser bleibt aber erhalten, mit dem Bus oder Auto wird man nicht direkt bis zum Denkmal vorfahren können.“

Um einen kurzen Fußmarsch vom Parkplatz zum Kaiser wird man auch in Zukunft nicht drumrum kommen
Um einen kurzen Fußmarsch vom Parkplatz bis zum Kaiser wird man auch in Zukunft nicht drum herum kommen

Somit geht eine langjährige Geschichte in Porta Westfalica verloren, was die drei Herren des Fördervereins jedoch nicht so tragisch sehen. „Nach rund 118 Jahren kommt eine Veränderung“, referiert Kreisheimatpfleger Dr. Gerhard Franke.

Der Bau der neuen Gastronomie im Sockel des „Willem“ – wie er von den Anwohnern liebevoll genannt wird – wird zwar noch ein paar Jahre dauern, entpuppt sich aber als ein vielversprechendes Projekt des LWL. Denn seit jeher strömen Tausende Touristen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal und genießen den Ausblick über die Region Ostwestfalens. Zukünftig können sie die Aussicht durch die im Sockel freizulegenden historischen Rundbögen genießen – wie zu Kaisers Zeiten.

Nachfolgend die letzten Impressionen der „Denkmalsgaststätte“:

Update: Am Samstag, 31. Januar 2015, wird noch ein – letztmaliger – Räumungsverkauf in der Denkmalsgaststätte stattfinden, dieses Mal von 11 bis 15 Uhr. Wer also (noch mal) stöbern möchte, dem bietet sich jetzt wohl die letzte Gelegenheit, bevor der Abrissbagger kommt.

Die Gaststätte am Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist endgültig Geschichte. An der Stelle befindet sich am 3. Mai 2015 nur noch eine kahle Fläche, umzäunt von weißen Betonblöcken:

Geschichte
118 Jahre Geschichte der Denkmalsgaststätte am Willem endet an dieser Stelle – Foto: onm

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