Podiumsdiskussionen zum Thema Medien und Rechtspopulismus

Die Grünen und Minden gegen Rechts laden am 13. März 2017 zeitgleich zu Diskussionen rund ums Thema Umgang von Medien mit Rechtspopulismus in Minden-Lübbecke ein

Links- und Rechtspopulismus – zwei Seiten, die sich nicht vertragen – und in der Mitte die Bürgerinnen und Bürger des Mühlenkreises. Wie man dem Thema medientechnisch begegnen könnte, darüber diskutieren zeitgleich Die Grünen und das Bündnis Minden gegen Rechts in zwei öffentlichen Diskussionen – Symbolfoto: onm

Der Druck auf die Medien nimmt zu. Der Begriff Rechtspopulismus ist in aller Munde. Die Wahlen stehen bevor. Wie Linkspopulisten mit dem Thema „Rechtsextremismus“ umgehen und es in den Medien kommuniziert werden könnte, darüber diskutieren gleich zwei Veranstalter am gleichen Tag zur selben Zeit im Kreis Minden-Lübbecke: einmal Die Grünen in Espelkamp und einmal Minden gegen Rechts in Minden. Beide Veranstaltungen finden am Abend des 13. März 2017 statt.

Vortrag mit Diskussion von Bündnis 90 / Die Grünen

Die Partei Bündnis 90 / Die Grünen (Kreisverband Minden-Lübbecke und Ortsverband Espelkamp), lädt am 13. März ab 19 Uhr zu einem Vortrag mit Diskussion „Gespaltene Mitte? Wie ist der Zusammenhalt der Zivilgesellschaft bestellt?“ ein.

Tritt die demokratische Zivilgesellschaft ausreichend ein gegen Positionen der Rechtspopulisten, die Rassismus und Islamfeindlichkeit verbreiten und zurück zu den „völkischen Werten“ möchten? Wie sollte der auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhenden Rhetorik der „Neuen Rechten“ begegnet werden? Um diese und weitere Fragen geht es am Montag bei Schneiders Am Brunnen in Espelkamp.

Anwesend werden sein Verena Schäffer, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus von Bündnis 90 / Die Grünen im Landtag NRW, und Benjamin Rauer, Landtagskandidat der Grünen für den Altkreis Lübbecke, Petershagen und Hille. Des Weiteren wird Katharina Dannert, Leiterin von BackUp, der Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt, über ihre Erfahrungen aus dem Beratungsalltag berichten. Die Moderation übernimmt Elke Schmidt-Sawatzki vom Ortsverband der Espelkamper Grünen.

„Wir beobachten, dass antidemokratische und menschenverachtende Einstellungen auch bei uns vor Ort und in allen Bereichen der Gesellschaft zu finden sind. Das zeigen zuletzt auch die ‚rechten Schmierereien‘ auf Garagen und einem Wohnhaus in Espelkamp. Die Erfolge der Rechtspopulisten in vielen europäischen Staaten, die Wahlerfolge der AfD bei den letzten Wahlen in Deutschland und der Wahlsieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA deuten darauf hin: neurechte Einstellungen sind salonfähig geworden“, erklären die Grünen.

Mit Begriffen wie Identität, Widerstand oder Lügenpresse gelinge es einer „Neuen Rechten“, derzeit zunehmend nationalistisch-völkische Ideologien zu transportieren, so die Grünen weiter. Was früher als offener Rechtsextremismus dahergekommen wäre, zeige sich nun in einem vermeintlich intellektuellen Gewand. Mehr als ein Viertel der Deutschen würde inzwischen solches Gedankengut vertreten, das auf Verschwörungsmythen, wie beispielsweise der angeblichen Unterwanderung durch den Islam oder das Bestehen eines Meinungsdiktats, aufbaue.

Insbesondere bei AfD-Wählern seien fremden- und muslimfeindliche Einstellungen und die Abwertung asylsuchender und arbeitsloser Menschen besonders stark verbreitet. Doch es existiere in Deutschland und hier vor Ort weiterhin eine breite demokratische Mitte, die für die „offene Gesellschaft“ mit Werten wie Gleichwertigkeit und Demokratie eintrete und Gewalt deutlich ablehne.

So wird in der Diskussion unter anderem die Frage gestellt werden: „Befindet sich unser Land in einer Zerreißprobe zwischen denen, die die demokratischen und gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte vertreten und verteidigen, und denen, die diese zurückdrehen wollen?“

Veranstaltungsort:
Schneiders Am Brunnen
Breslauer Str. 27, 32339 Espelkamp (Google Maps)

Podiumsdiskussion von „Minden gegen Rechts“

Das Bündnis „Minden gegen Rechts“ lädt am 13. März ebenfalls ab 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Der Umgang von Medien mit Rechtspopulismus“ in das Kleine Theater am Weingarten in Minden ein.

Die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus“ (Bezirksregierung Detmold) wird darüber informieren, wie sich das Verhältnis von Presseorganen mit Rechtspopulisten, ihren Parteien und Inhalten gestalte. Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion, in der sich dem Thema in einem lokalen Kontext gewidmet werden soll.

Auf dem Podium werden vertreten sein Frank Hartmann, Lokalchefredakteur der Neuen Westfälischen Lübbecke, Udo Heinze, ehemaliger Journalist bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Karsten Wilke von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold sowie Jannes Tilicke, Mindener Stadtverordneter für die SPD-Fraktion.

Dazu geben die Linksaktivisten von „Minden gegen Rechts“ ein vor Kurzem geführtes Kurzinterview mit Karsten Wilke bekannt:

„Lügenpresse“ war das Unwort des Jahres 2014 – wodurch zeichnet sich das besondere Verhältnis von Presse und Rechtspopulismus aus? Wilke: Ich glaube, dass es sich um ein sehr komplexes Verhältnis handelt. Es entsteht einerseits der Eindruck, dass rechtspopulistische Gruppierungen ihre klare Ablehnung gegenüber der Presse zum Ausdruck bringen und sich dann aber darüber echauffieren, dass sie dort nicht unbedingt gut dargestellt werden. Gleichzeitig versuchen sie natürlich schon, ihre Botschaften zu platzieren.“

Hat die rechtspopulistische Kritik an Journalismus Methode? Wilke: „Das offensive Angehen der Medienlandschaft ist zweifellos Teil einer bewusst zur Anwendung gebrachten Strategie, die darauf abzielt, sich schlussendlich als „Opfer“ inszenieren zu können. Dazu erleben wir, dass Rechtspopulisten inzwischen verstärkt versuchen, sich in den sogenannten Neuen Medien eigene Foren zu verschaffen. Das betrifft zum Beispiel Internet-Blogs.“

Hat sich der Umgang der Presse mit Rechtspopulismus ihrer Meinung nach geändert? Wilke: „Diese Frage ist schwer und schon gar nicht allgemein zu beantworten. Ich würde vielleicht zu bedenken geben, dass gerade die Berichterstattung über vermehrt auftretende Proteste mit ihren vielfältigen Aktionsformen gegen rechtspopulistische Gruppierungen leicht Gefahr läuft, die kritische Auseinandersetzung über den Anlass dieser Proteste – also menschenfeindliche und abwertende politische Positionen – aus dem Blick zu verlieren.“

Veranstaltungsort:
Kleines Theater am Weingarten
(Eingang JazzClub Minden)
Königswall 77 bzw. 97, 32423 Minden (Google Maps)

Die Veranstalter von „Minden gegen Rechts“ behalten sich vor, Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren bzw. von dieser auszuschließen.

Aber beide Veranstaltungen sind öffentlich und bei beiden ist der Eintritt frei.


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