PIPES ‚N‘ ROCK Festival in Minden feierte Premiere

Erstes "Folk & Mittelalter Rock Open Air" in der Stadt Minden war wie ein Hammerschlag - Mittelalterbands rockten die historische Kulisse des Fort A

Dudelsack und Rockgesang inmitten der historischen Kulisse des Fort A – die perfekte Mischung, um dem Mindener und auswärtigen Publikum so richtig einzuheizen (hier: HAGGEFUGG) – Fotos: onm

Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer und entflammte mit vollem Getöse: das erste PIPES ‚N‘ ROCK „Folk & Mittelalter Rock Open Air“ in der ostwestfälischen Stadt Minden. Fünf Bands rockten das Fort A mit Mittelalterfans und Rockmusikbegeisterten.

Mit Met und Honigbier aus dem Wikingerschiff vor dem Fort A wurden die zahlreichen Besucher des ersten PIPES ‚N‘ ROCK Festivals in Minden begrüßt

Was hat er sich ins Zeug gelegt, um das wahrscheinlich rockigste Festival aller Zeiten, das der Innenhof des historischen Fort A je gehört hat, auf die Beine zu stellen: Kai „Fasse“ von Nisinun Productions aus Porta Westfalica (wobei „Nisinun“ der historische Namen von Neesen ist). Gemeinsam mit der „Northern Darkness Heavy Metal Crew Weserbergland“, dem Team der Theaterbühne und dem Mindener Plattenlabel „SMP/TrollZorn Records“ als Sponsor konnten fünf Bands die Bühne mit ihrer Spiellust erobern. Auch hing ein Banner von „Black Skull Records“ (c/o Segimer Fasse) über der Bühne.

Ein kleines mittelalterliches Zeltlager machte es sich auf dem Parkplatz vor dem Fort A gemütlich

Überwiegend in den sozialen Medien beworben, reisten jedenfalls Fans aus ganz Deutschland an, um ihre Lieblingsbands bei bestem Sommerwetter zu erleben. So ein ähnlich kleines, aber feines Festival haben wir zuletzt in den Anfangszeiten der Bückeburger Mittelalterfeste erlebt – und das ist über 15 Jahre her. Die Festival-Crew hat am 10. Juni 2017 also ganze Arbeit geleistet, und nicht zu vergessen die Livebands PANGEA, HAGGEFUGG, IMPIUS MUNDI, VOGELFREY und BLACK MESSIAH. Wobei wir nur Zeit für zwei von ihnen fanden, die hatten es allerdings in sich.

Doch fangen wir von vorne an. Schon vor dem Eingang erwartete die Besucher eine Art Wikingerschiff. Die mobile Theke schwamm zwar nicht die Weser hoch, dafür gab’s hier lecker Met und Honigbier von Beerenweine, einer der Sponsoren des Festivals neben Barre Bräu und anderen. Auch verhungern musste niemand, nur Eintritt (VVK: 20 Euro, AK: 24 Euro) musste man vorher berappen. Mit Stempel am Arm „bewaffnet“ durchs Tor des Fort A gelassen, konnte man sich zuallererst dem sympathischen Lächeln der zwei Merchandise-Mädels nicht entziehen.

Wer kann zu diesem Lächeln schon Nein sagen am Merchandise-Stand?

Sie wollten uns mit kostenlosen Bierdeckeln und anderem Infomaterial der Bands eindecken – da fiel es schon schwer, Nein zu sagen, damit wir dem zahlreich erschienenen Publikum nichts vorenthielten, das – trotz des für manchen vielleicht ungewöhnlichen Outfits – total gut drauf war und einfach gute Laune versprühte. Aber wir waren ja nicht zum Schnacken da, sondern wollten uns einen umfassenden Eindruck von dem ersten Festival dieser Art in Minden verschaffen. Und dann ging’s auch schon los.

HAGGEFUGG betrat die Bühne. Die eigentlich sechsköpfige Band aus Köln hatte wohl ein Mitglied auf der Reise im Galopp verloren, ging aber auch zu fünft ab wie eine Rakete. Gerade mal 2015 gegründet, gewann die Manneskraft schon einen Sängerstreit auf In Extremo’s „20 Wahre Jahre Festival“ und tourt dieses Jahr über bekannte Celtic- und Baltic-Feste. Wohlklingende Namen wie Gregor Krähenkehle (Gesang), Dudel zu Lang (Dudelsack, Schalmei, Flöten), Henry d’Humel (Gesang 2, Darbuka, Dudelsack 2 – der Mann, der fehlte), Martin Lauther (Gitarre) und Bassbär (Bass) helfen da sicher – nur nicht „Hauptmann Klopfer“ am Schlagzeug: Der trommelte nach zwei Jahren sein eigenes Abschiedskonzert (für Nachwuchs ist schon gesorgt).

HAGGEFUGG-Sänger „Gregor Krähenkehle“ aus Köln überzeugte nicht nur Rocker aus dem Mühlenkreis mit seiner begnadeten Stimme

Gebührend mit „Knoblauchschweiß“ begossen, den er gesichtsverzerrend aus der Tonflasche schlürfte, brachten die Jungs ansonsten einfach Spaß bringende Songs mit, die in die Beine gehen und zum Mitgrölen anregen – Headbangen inbegriffen. Das Motto der Instrument-Akrobaten lautet ja auch: „Wir sind Haggefugg und ihr seid hackevoll.“

Je nordischer, desto doller: IMPIUS MUNDI aus Hoya heizten ihren Fans ein

Wir blieben zwar nüchtern, ärgern uns aber jetzt noch darüber, dass wir das Seemannslied nicht auf Video haben – vor allem, weil die „Krähenkehle“ eine begnadete Stimme hat, bei der man auch noch jedes Wort versteht. Nun ja, wer am 24. Juni aufs Hörnerfest geht, kann selber reinhören, was wir unbedingt empfehlen. „Allet Jute kommt eben aus Kölle“, weiß unsere Berliner Redakteurin (die acht Jahre ihres Lebens dort verbrachte und bis heute nicht bereut).

Nach geduldigem Kesselumbau und mühevoller Feinstarbeit im Einstimmen der richtigen Töne begeisterte anschließend IMPIUS MUNDI das Publikum, das gerne etwas länger wartete. Schließlich handelt es sich hier um eine seit 2006 fest in der Mittelalter-Rock-Szene verankerte Größe. Die fünfköpfige Musikgruppe aus dem niedersächsischen Hoya, unter Plattenvertrag von TrollZorn stehend, drehte im Vergleich zu HAGGEFUGG den Spieß um und trat im „Sixpack“ auf: mit einem namenlosen Musiker an der Geige.

Elfe oder gottloser Geiger? Man weiß es nicht.

Eine gute Wahl, wie sich herausstellte, so verkörperte das Wesen mit dem wallend blonden Haar und den zarten Tönen ein interessantes Gegenstück zu den ansonsten „Hau-drauf-Typen“, die in ihren Liedern halt nicht nur die blutigen Schlachten, die Pest und den Tod besingen, sondern auch die Liebe und das Leben – eben alles, was im Mittelalter gegenwärtig war – interpretiert in die neue Welt. Genauer gesagt „Gottlose Welt“, wie sie ihren Bandnamen aus dem Lateinischen übersetzen.

Bestehend aus Hannes Riedemann (Gitarre, Gesang), Lars Meyer (Gesang, Dudelsack, Schalmeien), Peter Heilen (Dudelsack, Schalmeien, Drehleier) sowie Jan-Hendrik Martin (Bass, Gesang, Gitarre) überzeugte hier insbesondere der headbangende Drummer Ralf Bruns, der seine Sticks wie kein Zweiter schwang. Zur Krönung mit „Verdammt sein“ ihre Fans angeheizt, setzten sich diese am Ende noch auf den Boden und bildeten ein Schiff – umtanzt vom Dudelsackspieler. Auch Sänger Hannes stürzte sich mit seiner E-Gitarre in die Menge. Doch hören und sehen Sie selbst einen Ausschnitt aus „Scharlatan“, liebe Leserinnen und Leser:

Alles in allem war es ein gelungenes Spektakel, das nach Wiederholung schreit. Auch Festival-Organisator „Fasse“ freute sich über das positive Feedback der Besucher und plant schon fürs nächste Jahr: „Eine Menge Bands haben bereits ihr Interesse für 2018 bekundet und auch wir, die komplette Festival-Crew, stehen bereit, die Planungen für das nächste PIPES & ROCK in die Gänge zu bringen! In den nächsten Wochen wird es daher Gespräche mit der Leitung des Fort A und den Behörden geben.“

Wir drücken die Daumen, dass es klappt. Ansonsten weiß ja die Verwaltung der Stadt Minden, was sie erwartet:

Strick oder Freistempel … mal schauen, was 2018 bringt

Zuguterletzt gibt’s noch 138 Bildchen auf 2 Seiten Album – viel Spaß beim Anschauen:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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