Nur nichts vom Teller schaufeln lassen – Minden baggert weiter

Die Bauarbeiten in der Mindener Innenstadt gehen auf dem Marktplatz weiter - Bagger kesseln Cafébesucher ein

Eingekesselt - Fotos: onm
Cafégäste des „Back-Factory“ auf dem Mindener Markplatz fühlen sich eingekesselt – Fotos: onm

Seit dem 23. Februar bis zum 20. April 2015 kommt es zu „Sicherungsmaßnahmen“ auf dem Markt, heißt es in der nordrhein-westfälischen Stadt Minden. Die Bauarbeiten in der Innenstadt gehen weiter.

Seit Beschluss des Masterplans für die Neugestaltung der Mindener Innenstadt am 8. Oktober 2009 zum „Aktiven Stadtzentrum“ brodelt es auf dem Pflaster. Barrierefrei soll die Innenstadt werden, der Scharn als „grüner Raum“ in der Fußgängerzone entstehen, Fassaden sollen erneuert, Innenhöfe begrünt und überhaupt alles schöner und besser werden. Nach etlichen Versammlungen und Ausschüssen ging es dann 2013 los mit den Bauarbeiten (siehe auch unser vorheriger Bericht sowie unser Bericht über merk-würdige Muster am Scharn).

Auch zwischen Rathaus und Scharn ist ein Durchkommen nur schwer möglich
Auch zwischen Rathaus und Scharn ist ein Durchkommen nur schwer möglich

Klar, dass das nicht ohne tosenden Baulärm und schwere Maschinen realisiert werden kann. Doch nach dem Shoppen über das immer noch holprige Gehwegpflaster beim gemütlichen Kaffeetrinken von einem Bagger auf den Teller gucken lassen – das geht nun wirklich zu weit.

Wir haben es am letzten Tag im Februar erlebt. Ein sonniger Tag, der regelrecht zum Draußensitzen verleitete. Gäste des „Back-Factory“ auf dem historischen Marktplatz sitzen eingekesselt zwischen Bauzäunen und Bagger und versuchen, die Contenance zu behalten.

Die Händler sehen das nicht mehr ganz so gelassen. Sie beklagen sich über den Baulärm, die ständig wandernden Baustellen, die schweren Baufahrzeuge, die mitten im Einkaufstrubel zwischen die Menschenmasse rollen, und vor allem das Pflaster, was Dutzende Male aufgerissen, wieder zugeschüttet und neu verpflastert wird.

Das schadet dem Umsatz – gerade kleinere Geschäfte in den Seitengassen werden so gut wie gar nicht mehr besucht, weil die Leute einfach nicht mehr durchkommen. Viele Einkaufswillige bleiben ganz weg oder fahren lieber woanders hin, wo sie ihre Ruhe haben und ohne Hindernisse bummeln gehen können.

Von der Obermarktstraße aus Richtung Markplatz sieht es auch nicht besser aus
Von der Obermarktstraße aus Richtung Markplatz sieht es auch nicht besser aus

Das Verschönerungsprojekt in Minden wurde zur Dauerbaustelle. Ob die Fertigstellung bis 2017 realisiert werden kann, bleibt ungewiss. Schließlich soll demnächst noch das ehemalige HERTIE-Gebäude inklusive umliegendem Platz komplett saniert werden, von Begrünung ist weit und breit auch noch nichts zu sehen, und die Barrierefreiheit steht wohl noch in den Sternen.


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