NRW-Verband kümmert sich um Multifunktionshallen-Gelände in Minden

Altlastensanierungskosten beim Güterbahnhofsgelände werden vielleicht zu 80 Prozent vom AAV übernommen - Projekt verschiebt sich dafür um zweieinhalb Jahre

Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung beabsichtigt, sich an den Kosten der Altlastensanierung des Güterbahnhofsgeländes in Minden zu 80 Prozent zu beteiligen – Archivfoto: onm

Rückt der Traum von Minden-Lübbeckes Kreistagsmitglied Matthias Beier langsam in greifbare Nähe? Die Stadt Minden teilt mit, dass der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) 80 Prozent der Kosten übernehme, um das ehemalige Güterbahnhofsgelände von Altlasten zu befreien – das Gelände, worauf das Multifunktionshallen-Projekt entstehen soll. Doch das Ganze soll über zwei Jahre dauern.

Nachdem Beier im Oktober 2017 den “Eiertanz” der Mindener Stadtverwaltung um die Planung seines Traumprojekts Multifunktionshalle kritisierte (siehe unser Bericht) und einen Monat später Bombensondierungen keine verdächtigen Objekte erfassten (siehe unser Bericht), scheint nun auch die Frage der Altlastenbeseitigung aus dem Boden des historischen Geländes gelöst:

“Das ehemalige Güterbahnhofsgelände wird von Altlasten befreit. Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) übernimmt 80 Prozent der Kosten. Die Stadt ist sehr froh, dass es dieses Instrument gibt”, heißt es in der Pressemeldung der Stadt Minden vom 1. März.

Doch wie bei allen Großprojekten in der ostwestfälischen Stadt Minden kann man nach dieser Aussage keine Luftsprünge machen, sondern muss immer bis zum Ende lesen. Wir fassen zusammen:

Bevor man auf dem rund 43.000 Quadratmeter großen Grundstück irgendeinen Neubau hinstellen kann, müssen Boden und Grundwasser von Altlasten befreit werden, die aus der ehemaligen Nutzung eines städtischen Gaswerks und Bahnbetriebs (Bahnwerkstätten und Schienenverkehr) entstanden sind, weiß die Stadtverwaltung schon seit Mitte 2016, als sie erstmals Kontakt mit dem Verband aufnahm und das geplante Projekt zur finanziellen Unterstützung beim AAV anmeldete.

Ekkehard Jansa, bei der Stadt Minden für die Aufgabe Umwelt und Altlasten zuständig, erklärt hierzu: “Altlastensanierungen sind oft aufwendig und kostenintensiv und für die Entwicklung einer Fläche damit ein großes Problem.”

Und weil die Stadt Minden nicht allein auf den Kosten von rund 4 Millionen Euro für die Altlastensanierung sitzen bleiben wollte, führte sie zwei Gerichtsprozesse gegen die Deutsche Bahn AG – jedoch ohne Erfolg. Einmal ging es um die Entsorgung des mit stark teerhaltigem PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) belasteten Bodens (nach verlorenem Prozess im Sommer letzten Jahres wurde hier eine Rückstellung in Höhe von knapp 1,4 Millionen Euro von der Kämmerei gebildet).

Im zweiten Prozess ging es um die Feststellung der Ordnungspflichtigen für den Zeitraum ab dem Betrieb eines Gaswerkes bis zur Aufgabe und der sich dort anschließenden gewerblichen Nutzung. Denn auf einer etwa 7000 Quadratmeter großen Teilfläche im Nordwesten des Gesamtgeländes befand sich von 1868 bis 1933 das Städtische Gaswerk von Minden. In diesem Bereich sei der Untergrund erheblich durch gaswerkstypische Schadstoffe, insbesondere PAK, Cyanide (giftige Salze der Blausäure) sowie MKW (Mineralölkohlenwasserstoffe), verunreinigt.

In beiden Fällen bleibt die Stadt Minden auf den Gerichtskosten sitzen und ist für die Altlasten und deren negative Auswirkungen auf die Umwelt allein verantwortlich. Doch dann folgte die vermeintlich erlösende Nachricht:

In einer jüngsten Sitzung des Bauausschusses habe sich der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung aus Hattingen, kurz AAV, nun den Vertretern der Minden-Lübbecker Politik vorgestellt und die Nachricht überbracht, dass unter 52 laufenden Projekten auch das Mindener Gelände mit einbezogen werde, so Dr. Ernst-Werner Hoffmann, Bereichsleiter Technik des AAV. (ON: Fast zwei Jahre auf eine Antwort gewartet zu haben, scheint in diesem Fall wohl nebensächlich).

Im nächsten Schritt müsse ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen der Stadt Minden, dem Kreis Minden-Lübbecke in seiner Funktion als untere Bodenschutzbehörde und dem AAV abgeschlossen werden. Der Vertragsentwurf regele die Planungen und Untersuchungen auf dem Güterbahnhofsgelände. Sobald die Untersuchungsergebnisse vorliegen, soll dann ein zweiter Vertrag unterzeichnet werden, der die eigentliche Altlastensanierung regele.

Doch jetzt kommt wieder der Haken: „Das Ganze wird rund zweieinhalb Jahre dauern“, schätzt Dr. Hoffmann. Sowohl die Planungen als auch die Untersuchungen und später die Ausführung der Sanierung müssten zudem öffentlich ausgeschrieben werden.

Damit wird das Projekt Multifunktionshalle bzw. Veranstaltungs- und Kongressarena kurzerhand auf ca. Ende des Jahres 2020 verschoben. Ohne vorabzusehen, wann mit dem Bau des auf rund 35 Millionen geschätzten Projekts begonnen wird.

TIPP: Alle unsere Berichte zum Thema finden Sie unter dem Stichwort Multifunktionshalle auf unserer Website.

Textquelle: Pressestelle der Stadt Minden, Umformulierung: OctoberNews


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