„Not kennt kein Gebot“ – Bürgermeister Buhre ehrte spontanen Hilfseinsatz beim Elbe-Hochwasser 2013

160 Mindener Feuerwehrleute wurden trotz Kritik des NRW-Innenministeriums am 27. Januar 2015 in Minden für Fluthelfereinsatz in Sachsen-Anhalt ausgezeichnet

Mit einer Flut an Ehrenmedaillen wurden 160 Mindener Feuerwehrleute für ihren spontanen Elbe-Hochwasser-Einsatz 2013 geehrt - Fotos: Pressestelle Minden / Bearbeitung: onm
Mit einer Flut an Ehrenmedaillen wurden 160 Mindener Feuerwehrleute für ihren spontanen Elbe-Hochwasser-Einsatz 2013 geehrt – Fotos: Pressestelle Minden

Mit der Einsatzmedaille „Fluthilfe 2013“ der Bundesrepublik Deutschland und der „Fluthelfernadel 2013“ des Landes Sachsen-Anhalt sind am 27. Januar 2015 im Großen Rathaussaal der Stadt Minden 160 Mitglieder der Feuerwehr Minden ausgezeichnet worden. Die tatkräftigen Helfer der Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr waren beim Elbe-Hochwasser im Juni 2013 in Tangermünde und in Schönebeck im Einsatz.

Mindens Bürgermeister Michael Buhre und Tangermünders Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz würdigten die großartige Hilfeleistung und den freiwilligen Einsatz der Feuerwehrleute beim Hochwasser in Sachsen-Anhalt – trotz Kritik des NRW-Innenministeriums, das zuvor die Rechtmäßigkeit der spontanen Mindener Hilfsaktion für die Partnerstadt Tangermünde infrage stellte.

Doch „Not kennt kein Gebot“, zitierte Bürgermeister Michael Buhre den römischen Rechtsgrundsatz. „Dadurch konnten Menschenleben gerettet und Häuser vor der Überflutung gesichert werden.“

Schnell und unbürokratisch habe er nach einem Anruf seines Amtskollegen Dr. Opitz und nach Rücksprache mit Feuerwehrleiter Heino Nordmeyer die sofortige Hilfe Mindens zugesagt, als am 5. Juni 2013 in den Städten und Gemeinden Sachsen-Anhalts an der Elbe Katastrophenalarm ausgelöst wurde, heißt es seitens Bürgermeister Buhre in der Pressemeldung. Niemand habe damit gerechnet, dass es nach 2002 eine erneute „Jahrhundertflut“ der Elbe gebe. Schon elf Jahre zuvor hatten Mindener Einsatzkräfte und Bürger mit Spenden den Tangermündern geholfen.

Minden und Tangermünde ehren Feuerwehrleute für Elbe-Hochwasser-Einsatz 2013
Bürgermeister Buhre lobte den Einsatz der Mindener Feuerwehrkräfte neben Bildern der Jahrhundertflut aus Tangermünde

Heino Nordmeyer, Leiter der Feuerwehr Minden, und Stadtwehrleiter Michael Classe aus Tangermünde riefen den Großeinsatz vom 5. bis 13. Juni 2013 mittels Fotos auf einer Leinwand in Erinnerung. „Als in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 2013 der Elbedeich bei Fischbeck brach, sank der Wasserstand in Tangermünde spürbar“, berichtete Dr. Opitz. Luftbilder machten dann deutlich, warum und zeigten das Ausmaß der Katastrophe: Fischbeck, Kabelitz und die Umgebung standen vollkommen unter Wasser, die Bewohner mussten evakuiert werden.

Bereits am Vormittag des 5. Juni trafen erste Einheiten der überwiegend Freiwilligen Feuerwehr vor Ort ein. Sandsäcke mussten befüllt und transportiert, die Kläranlage vor der Flut beschützt werden. Die Mindener Helfer übernachteten in Turnhallen. „Ein Shuttledienst wurde eingerichtet, um Helfer vom Einsatzort wieder an ihre Arbeitsplätze und umgekehrt neue freiwillige Helfer nach Tangermünde zu fahren“, so Nordmeyer. „40 bis 50 Kameradinnen und Kameraden aus Minden waren ununterbrochen Tag und Nacht im Einsatz.“

„In dieser Situation mussten Retter aus Berlin, die eine Landwirtsfamilie vom Dach ihres Hauses mit einem kleinen Schlauchboot aus der Notlage befreien wollten, wiederum von den Kräften aus Minden bei starker Strömung gerettet werden“, erinnerte Dr. Opitz an eine bewegende und gefährliche Szene, der seit fast 25 Jahren das Amt des Bürgermeisters in Tangermünde kleidet.

Dr. Opitz und Heino Nordmeyer
Tangermünders Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz (re.), erhielt von Heino Nordmeyer einen Krug, den sonst nur die aus Altersgründen ausscheidenden Mindener Feuerwehrleute erhalten

Ich würde jederzeit in einer solchen Situation wieder so entscheiden„, machte Buhre unter dem Applaus der Feuerwehrleute deutlich. Schließlich besteht die Städtepartnerschaft zwischen Tangermünde und Minden schon seit 1990.“Am Ende hat sich herausgestellt, dass der Einsatz überhaupt nicht mit Nordrhein-Westfalens Innenministerium abgestimmt werden musste, da die Feuerwehr zu jeder Zeit in Minden einsatzbereit war und zusätzlich auch Kontingente für Unterstützungsleistungen im Katastrophenfall bereitstanden, die dann auch für den Einsatz in Schönebeck abgerufen wurden.“


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