Noch nicht alles rund am Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Fahrstühle, Toiletten- und Parkautomaten streiken - hässliche Ecke am Aussichtsplateau - Verbesserung erwünscht am Willem in Porta Westfalica

Wer den „Kaiser“ in Porta Westfalica besucht, kann manche Überraschungen erleben – Fotos: onm

Noch scheint nicht alles rund zu laufen am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Am ersten Wochenende nach der offiziellen Einweihung der freigelegten Ringterrasse mit Ausstellungsgelände und Restaurant streikten Ticketautomaten, fiel ein Fahrstuhl aus, offenbarte sich eine unfertige Ecke auf der Aussichtsplattform und mehr. Die Erweiterung des Denkmalgeländes ist gelungen – aber es gibt noch einiges zu tun.

Wir haben ja versprochen, uns selbst einen Eindruck von der aktuellen Lage zu verschaffen, nachdem uns keine Presseeinladung zur Eröffnungsfeier erreichte (siehe unser Bericht). Aufgrund der zahlreichen Pannen, die wir am Nachmittag des 14. Juli 2018 beim Besuch des Denkmals erlebten – dem ersten Samstag nach der feierlichen Wiedereröffnung -, fällt dieser Bericht allerdings kritischer aus als geplant.

Schließlich haben wir uns schon im Vorhinein die Mühe gemacht, wichtige Besucherinformationen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf OctoberNews.de übersichtlich zusammengefasst jederzeit bereitzustellen, die laufend aktualisiert werden.

Und die Aktualisierung war bitternötig nach dem Besuch am vergangenen Samstag. Denn die spärlichen und unübersichtlichen Informationen, die in den Wochen zuvor von verschiedenen Medienhäusern und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) herausgegeben wurden, hatten so gut wie keinen Mehrwert für Touristen sowie Besucher aus der Region – also die Menschen, die doch hinfinden und Leben reinbringen sollen nach dem 16,4 Millionen teuren Umbau. So findet man auf unserer oben genannten Webseite auch Angaben zu den unterschiedlichen Parkgebühren, Toilettenpreisen, Öffnungszeiten, zur Barrierefreiheit und vieles mehr.

Ordnungsamt statt Beschilderung und kommunales Parkrecht

Nun denn. Mit dem Pkw gegen 15 Uhr aus Minden angereist, lief alles gut bis zur Portastraße. Kein Stau, kein Verkehrschaos. Bis wir auf dem Parkplatz am ehemaligen „Kaiserhof“ eintrafen. Kaum auf dem Schotterplatz das Auto abgestellt, blickte man in offensichtlich verwirrte Gesichter, die in eine Richtung starrten: zu zwei Herren vom Ordnungsamt Porta Westfalica, die anscheinend darauf fixiert waren, möglichst viele Knöllchen zu verteilen. Doch es fand sich kein Verkehrsschild am Platz, das darauf hinweisen könnte, dass hier Parkgebühren fällig werden. Die Verwaltungsangestellten darauf angesprochen, interessierte sie das herzlich wenig, sie verwiesen auf den Ticketautomaten in der Mitte des Parkgeländes, der außer Sichtweite steht für diejenigen, die nahe der Einfahrt zur „Kaiserhof-Ruine“ parken.

Das Ordnungsamt Porta Westfalica kontrollierte verstärkt, ob trotz fehlender Beschilderung Parktickets gezogen wurden am ehemaligen „Kaiserhof“

Den kümmerlichen Eindruck des verlassenen Kaiserhofs noch schnell fotografisch festgehalten, fuhren wir auf den direkt gegenüberliegenden Parkplatz, der völlig leer war, obwohl hier Parkgebühren in gleicher Höhe anfallen. Vermutlich gingen die Parkenden am „Kaiserhof“ (zurecht) davon aus, dass der Schotterparkplatz gebührenfrei wäre aufgrund der fehlenden Beschilderung, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Parkautomat klar erkenntlich von der Portastraße aus angebracht ist.

Was außerdem nur wenige Besucher wussten: Die Haltestelle vom „Park & Ride (P&R)“-Shuttle (mkb-Mühlenkreis-Bus), der die Gäste direkt hoch zum Denkmal fährt, befindet sich ebenfalls auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom „Kaiserhof“ an dem bisher nicht genutzten Parkplatz, der – im Gegensatz  zu seinem Gegenüber – deutlich großflächiger und nagelneu betoniert ist.

Davon abgesehen trafen wir hier ein privates Charter-Bus-Unternehmen an (dessen Namen wir aus beruflichen Gründen nicht nennen dürfen), das vom „Willem“-Parkplatz oben am Denkmal vom Platz verwiesen wurde, weil dort ausschließlich kommunale Busunternehmen geduldet seien. So musste die sympathische Busfahrerin ihre Fahrgäste oben absetzen, runter zum Parkplatz an der Portastraße fahren und dort warten, bis sie ihre Fahrgäste wieder oben auf dem Wittekindsberg abholen kann. Die Verärgerung stand ihr ins Gesicht geschrieben, schließlich heißt das doppelte Fahrt (-kosten) und in Mobilfunkverbindung bleiben.

Begegnung mit dem Kaiser-Wilhelm-Bus und streikende Automaten

Jetzt hieß es aber auch für uns: hoch zum „Kaiser“. Wer einmal die Kaiserstraße mit dem Pkw gefahren ist, weiß, wie gefährlich sie sein kann, wenn einem der Gegenverkehr auf den Serpentinen begegnet – insbesondere, wenn manche meinen, auf der engen Straße mit Tempo 70 oder schneller rasen zu müssen, oder wenn einem Reisebusse oder rasante Motorräder entgegenkommen. Dann gibt es noch Kraftfahrer, die unbedingt in der Kurve Radfahrer oder Fußgänger überholen müssen (Rad- und Fußwege existieren hier ja nicht).

Da rauscht er hin, der Kaiser-Wilhelm-Bus, der seit 14. Juli zwischen Minden und Porta Besucher zum und vom „Willem“ befördert

Wir machten jedenfalls erst mal Halt auf dem kleinen Parkplatz (kostenlos) kurz vor dem Burgweg Wittekindsburg (wo auf dem Hin- und Rückweg zum/vom „Willem“ die Schranke offen war), der mit rund 20 Fahrzeugen schon gut belegt war, und hatten das Glück, dass gerade der „Kaiser-Wilhelm-Bus“ bergab vorbeifuhr, ein roter Doppeldecker, der am 14. Juli erstmals Besucher aus Minden zum Denkmal fuhr und zurück. Viele Fahrtgäste waren nicht an Bord, aber der „Wecker“ zeigte ja auch schon fast 16 Uhr an. (Im Kreis Minden-Lübbecke scheint es üblich zu sein, so früh am Tage wie möglich etwas entdecken zu müssen – ein Phänomen, das sich schon bei vielen Veranstaltungen zeigte). Schnappschuss vom roten Bus gemacht und weiter ging’s.

Ohne stockenden Verkehr auf dem „Willem“-Parkplatz zu Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmals angekommen, war trotz des hohen Besucheraufkommens schnell eine freie Parkfläche gefunden. Stolz wie Oskar zum Ticketautomaten im hinteren Teil des Parkgeländes gelaufen (die Preise hatten wir ja schon im Kopf dank unserer o.g. Zusammenfassung), erwartete uns die nächste Überraschung: Der Parkautomat war außer Betrieb. Laut Display-Anzeige solle man den nächsten Automaten nutzen. Gut, es wird Zeit zum Beine vertreten. Am anderen Ende des Parkplatzes angelangt, zeigt auch der zweite Parkautomat an: „Außer Betrieb! Nächsten Automaten nutzen!“

Um wenigstens ein paar Besuchern den Weg zu ersparen, die gerade zum „nächsten“ Automaten am hintersten Ende des Parkplatzes laufen wollten, klärten wir sie darüber auf, dass beide Automaten defekt waren. Die Schultern zuckten nach oben, die Gesichter wandelten sich in Fragezeichen und dann: Okay, dann eben nicht, Parkscheibe ins Auto gelegt und Parkgebühren gespart. Was sich wohl relativ schnell herumsprach unter den Smartphone-Nutzern, denn fortan – und vor allem nach 18 Uhr (wenn bekanntlich keine Parkgebühr mehr fällig wird bis morgens um 8 Uhr) – trudelte ein Schwung neuer, überwiegend jüngerer Besucher ein.

„Außer Betrieb!“ Ein Bild, das sich nicht nur am Parkautomaten vergangenen Samstag beim Besuch des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zeigte

Außerdem ist uns aufgefallen, dass Motorräder die Fahrradständer komplett belegten anstatt auf der ausgewiesenen Motorradfläche zu parken, die allerdings sehr klein ausfällt. Interessant war hingegen die E-Bike-Ladestation, wo zwei Pedelecs gleichzeitig kostenlos aufgeladen werden können. Wohingegen Elektrofahrzeuge an der Elektro-Ladesäule per App bezahlen müssen.

Ein paar Schritte zu den KioskToiletten gemacht, setzte sich die Misere fort. Obwohl auf dem Display des 50-Cent-Ticketautomaten kein Hinweis darauf deutete, dass er zurzeit außer Betrieb wäre, machten mehrere Toilettenbesucher darauf aufmerksam, dass er nicht funktioniere. Tatsächlich war kein Münzeinwurf möglich und das Drehkreuz konnte mühelos durchschritten werden. Die versprochene Barrierefreiheit an dem gewissen Örtchen war gegeben, alles ist ebenerdig konstruiert. Allerdings erschließt sich uns nicht, wie Rollstuhlfahrer das Drehkreuz überwinden sollen.

Unbeachtete Karten im Kiosk „Willem’s“

Das moderne Kiosk-Häuschen an sich, das von den Betreibern auf den Namen „Willem’s“ getauft wurde, machte auf uns einen etwas chaotischen Eindruck. An der Theke werden „Willem’s Hot Dogs“, Pommes Frites, Eis am Stiel aus der Kühltruhe und andere Snacks angeboten, an der Wand leuchten Monitore mit Preisen und der Hinweis auf die „Eröffnung am 08.07.2018 Wilhelm 1896“ (wobei mit „Wilhelm 1896“ das Restaurant im Ringsockel gemeint ist, das am 9. Juli für Besucher öffnete).

Zwischen Ansichtskarten und Souvenirs gibt es auch kostenlose Flyer und Wanderkarten für Touristen in „Willem’s“ Kiosk

Von Besuchern fast unbeachtet ist am Fenster ein einfaches Modell des neu gestalteten Denkmals in einem Glaskasten untergebracht. In einem lieblos gestalteten Wandregal finden Touristen Souvenirs, auf einem Drehständer Ansichtspostkarten und dazwischengequetscht ein Standregal mit kostenlosen Flyern und Wanderkarten zum Mitnehmen – die nicht angefasst werden, weil diese Ecke den Eindruck erweckt, dass ausnahmslos alles etwas kosten würde.

Positiv ist hier anzumerken, dass neue Sitzgelegenheiten gegenüber dem Kiosk, hübsch gestaltet auf einem Kiesbett zwischen niedrigen Mauern unter Bäumen, geschaffen wurden. Ein idealer Ruheort, um sich erst mal zu orientieren oder nach einer anstrengenden Tour auszuruhen und den Menschentrubel an sich vorbeiziehen zu lassen. Großen Anklang findet auch der Touristen-Touchscreen neben dem Kiosk, an dem Besucher Attraktionen in der Umgebung, Unterkünfte und weitere Infos ertasten können (jedoch Schwierigkeiten hatten, bei dem Wust von Bildern und Informationen durchzublicken).

Der Weg zum „Kaiser“ ist bergig

Auf dem rund 300-Meter-Weg bergauf zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal, der so breit wie eine Straße ist, weshalb manche gut betuchten Besucher meinten, ihre (überwiegend langen, teuren) Karossen illegal am Wegesrand parken zu müssen, bietet großartigerweise moderne Vollholz-Bänke unter zigarettenförmigen Laternen, wie sie Mindener vom Scharn her kennen. Nicht motorisierte Rollstuhlfahrer brauchen zwar kräftige Pfleger, aber die Betonoberfläche erleichtert das Schieben sehr. Zudem befindet sich am Ende des Weges ein kostenloser Parkplatz für ein Fahrzeug, das Menschen mit Behinderung transportiert. (Was daneben der graue leere Kasten mit zwei roten Warnleuchten für einen Sinn hat, erschließt sich uns nicht).

Wer kaiserliche Aussichten genießen will, muss mindestens vom Parkplatz „Willem“ aus rund 300 Meter Anhöhe bewältigen

Endlich auf dem neuen glatten Pflaster der riesigen Aussichtsplattform angekommen, fällt zuerst der Übergang des alten Gemäuers (aus Portasandstein, auch „Brauner Stein“ genannt) zu den neuen Obernkirchener Sandsteinen (gelblich-graue Farbe) ins Auge, die am Sockel und den Mauern der freigelegten Ringterrasse verbaut wurden, und natürlich die zwei Eingänge, die beide zwei Stockwerke tiefer einmal direkt zum neuen Besucherzentrum mit Ausstellung und einmal direkt zum „Raum Portica“ und das Panorama-Restaurant „Wilhelm 1896“ führen. Wobei von Besuchern hauptsächlich der Eingang zum Besucherzentrum genutzt wird, weil man direkt draufstößt und zur neuen Ringterrasse kommt, die das Restaurant und die Ausstellung verbindet.

Der Eingang zum „Raum Portica“ (womit wahrscheinlich der vom Restaurant abgeschiedene Raum gemeint ist, der von geschlossenen Gesellschaften gebucht werden kann) wurde an dem Samstag allerdings nur mit einem Holzkeil offengehalten, vom Catering-Service der Kotelett-Schmiede Minden für die Anlieferung von Speisen über den vorhandenen Fahrstuhl genutzt, und scheint ansonsten für Besucher verschlossen zu sein – also so eine Art Personaleingang. Dabei befinden sich im Untergeschoss – im Gegensatz zu den Kiosk-Toiletten – doch so schön ausgestattete kostenfreie Toilettenräume, die liebevoll mit „Augusta“ für Frauen und „Wilhelm“ für Männer ausgewiesen sind (das einstige Kaiserpaar). Doch die sollen wohl Restaurant-Besuchern vorbehalten bleiben.

„Feine“ Restaurant-Gäste und ein Riss im Panorama-Fenster

Ein ca. ein Meter langer Riss zieht sich durchs Panoramafenster in der Mitte des Restaurants

Dass überhaupt ausgewählte Gäste im „Wilhelm 1896“ mit Panorama-Terrasse erwünscht sind, zeigt sich an der hochwertigen Einrichtung des Restaurants, das einem Vier-Sterne-Hotel ähnelt. Entsprechendes Publikum hat vor allem stundenlang die Tischgruppen auf der Ringterrasse besetzt. „Normalbürger“ trauten sich teils gar nicht, an der „feinen Gesellschaft“ bei Kaffee und Kuchen vorbeizugehen, um von der Mitte der Ringterrasse aus ebenfalls die Aussicht bewundern zu können, weil man ihnen herablassende Blicke zuwarf. Im Restaurant-Saal fanden sich zudem zahlreiche Tische, die per Tischkärtchen „reserviert“ waren.

Das chic gekleidete, geschulte weibliche Restaurant-Personal hingegen begegnete jedem Gast mit einem aufrichtigen freundlichen Lächeln. Und die Preise der Speisen bewegten sich im üblichen Rahmen (z.B. Westfälische Kartoffelsuppe für 6 Euro, Hähnchenbrust mit Spätzle, Kräuterrahm und Salat 15,50 Euro).

Fast daran vorbeigelaufen fiel uns dann ein langer Riss im Panorama-Fenster auf – ausgerechnet in der Mitte des Restaurants. Das Personal darauf angesprochen, bestätigte man uns von drei Seiten, dass dieser Riss schon seit Beendigung der Bauarbeiten vorhanden sei. Weder abgeklebt noch sonst mit Hinweisen auf eine Gefahrenstelle versehen, wandert der nun quer durch die Scheibe.

Am Besucherzentrum gibt’s nichts zu meckern

Die umfangreiche Ausstellung im Besucherzentrum, die in Bild und Ton interaktiv die Geschichte Wilhelms I. und des Kaiser-Wilhelm-Denkmals offenbart, ist wirklich ein Schmuckstück. An zahlreichen Computerbildschirmen können Informationen abgerufen werden, eine Wand zeigt die Entwicklung der Region von vor 166 Millionen Jahren mit dem „Monster von Minden“ (ein Dinosaurier) über die Errichtung und Einweihung des ursprünglichen Denkmals am 18. Oktober 1896 bis zur Wiedereröffnung am 8. Juli 2018 in der Neuzeit. Und Dutzende Zeitzeugen auf Papier, wie eine Telegrafie des Deutschen Reiches, Fest-Gedichte zur Einweihung, ein Gelöbnis aus Elberfeld (dem heutigen Wuppertal), sowie zig Souvenirs aus der Vergangenheit präsentieren sich in Glasvitrinen.

Ein Aufzug am Besucherzentrum hat so seine Tücken

Man kann vom schicken roten Rundsofa aus historische Fotografien betrachten, findet in einem etwas versteckten Gang eine Bilderreihe von der jüngsten Baustelle, kann sich im offenen Kino die ganze Geschichte rund ums Denkmal anschauen und vieles mehr. Wer wissen will, was zwei Skulpturen der ehemaligen nordkoreanischen Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong Il sowie das Holocaust-Mahnmal aus Berlin im Kleinformat in der Ausstellung zu suchen haben, muss sich selber auf den Weg machen.

Nur ein einziger Punkt gibt Grund zum Meckern: Der Fahrstuhl zum/vom Besucherzentrum fiel aus. Schon gegen 16 Uhr machten wir Anmerkungen gegenüber einem Seniorenpaar, das vor dem Aufzug wartete, dass aber merkwürdige Geräusche aus dem Fahrstuhl dringen. Eine Dreiviertelstunde später klebte ein Zettel dran mit dem Hinweis: „Aufzug außer Betrieb, bitte nutzen Sie den Aufzug auf der anderen Seite des Gebäudes. Danke“. Das ist natürlich schlecht für Menschen mit (Geh-) Behinderung, schränkt somit die Barrierefreiheit deutlich ein.

Die halbrunde Ringterrasse

Das i-Tüpfelchen der Begehung und absoluter Besuchermagnet am ersten Wochenende nach der Wiedereröffnung war natürlich die aufwendig freigelegte und sanierte Stützmauer und Ringterrasse mit Restaurant und Ausstellung im Ringsockel, die aus der Ferne gesehen den Eindruck erweckt, als wäre die Zeit zurückgedreht worden. Wobei es sich hier praktisch um eine Erweiterung des Denkmal-Areals handelt, denn historischen Aufnahmen kann man weder Fensterscheiben in den Rundbögen entnehmen noch eine Gaststätte oder Ähnliches im Innern des Ringsockels. Zudem wurde nur circa die Hälfte des Mauerringes freigelegt, der wiederum nur zur Hälfte für Besucher begehbar ist.

Das schweizer Viscope schenkt weiten Blick über das „Tor zu Westfalen“ und erklärt die einzelnen Aussichtspunkte

Auf jeden Fall haben die Historiker, Architekten und Baufirmen ganze Arbeit geleistet – der Anblick der halbrunden Ringterrasse ist spektakulär – ob von oben, wenn man draufsteht, oder unten von der Portastraße aus gesehen (siehe unser Titelbild). Das ganze Ausmaß der Umbauarbeiten ist allerdings leider nur auf Luftaufnahmen zu erkennen. Einen besseren Blick mit Fernglas oder mega Kameraobjektiv hat man sicher auch vom gegenüberliegenden Jakobsberg aus (der mit dem Fernmeldeturm auf der Spitze).

Die Ringterrasse ist modern gepflastert und durch kindshohe Plexiglasscheiben absturzgesichert, die den freien Blick bis zum Jakobsberg nicht beeinträchtigen. Durch das Viscope (modernes Fernglas mit Informationen zu jedem Aussichtspunkt, wenn man durchschaut) hat man hier den vollen Durchblick – und zwar kostenlos, was man von den veralteten Ferngläsern ganz oben an der Kaiser-Statue nicht behaupten kann. Letztendlich bietet die Ringterrasse Gelegenheit zum Durchatmen, wenn man aus dem Besucherzentrum kommt.

Hässliche Ecke auf neuem Aussichtsplateau

Die wohl hässlichste Ecke am Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist die, wo die Aussichtsplattform endet

Jede Menge frische Luft kann man natürlich auf dem gesamten offenen Gelände des Kaiser-Wilhelm-Denkmals genießen – auf dem neu gestalteten Plateau über der Ringterrasse wie auch etliche Stufen höher auf der Aussichtsplattform direkt an der Kaiser-Statue.

Bewegt man sich jedoch auf dem Ringsockelplateau Richtung Wolfsschluchtweg (Waldweg), tut sich eine hässliche Ecke auf: Die Ringmauer und das Pflaster enden hier plötzlich im Nichts. Ein Metallzaun und Absperrbänder grenzen das Gebiet ab und ein gelbes Hinweisschild warnt: „Sie verlassen hier das gesicherte Gelände. Absturzgefahr.“ Tatsächlich geht es hinter der Absperrung auf Schotter steil bergab (womit nicht der Zugang zum Waldweg gemeint ist, der ist bedenkenlos betretbar). Der ordentliche Abschluss des Denkmal-Plateaus ist an dieser Stelle jedenfalls nicht gelungen.

Apropos Abschluss: Nach Eintreffen einer Polizeistreife gegen 18.15 Uhr, die vermutlich kontrollierte, ob alles in Ordnung ist zum Feierabend, war unsere „Tour zum Kaiser“ beendet. 

Fazit

Vielleicht sind wir ja zum falschen Zeitpunkt gekommen, vielleicht handelt es sich bei den reihenweisen Ausfällen von Automaten um Einzelfälle. Unser Besuch zeigt jedoch: Es läuft noch nicht alles rund am Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Viele Besucher, die war antrafen, wünschen sich an der einen oder anderen Stelle Verbesserungen.

Nichtsdestotrotz ist hier ein – wenn auch teures – architektonisches Meisterwerk gelungen, das es in dieser Art wohl nicht ein zweites Mal gibt auf der Welt. Wir sind glücklich darüber, das miterleben zu dürfen, und sagen DANKE an all diejenigen, die an dem jahrelangen Umbau beteiligt waren.

Last but not least: Ein Samstag ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!

Doch vorher muss an der Arroganz manch vermeintlich feiner Leute (auch „Snobs“ genannt) noch gefeilt werden. Denn …

… wenn der „Kaiser“ seinen Schatten vorauswirft, ist jeder Mensch nur ein Reiskorn im Gesamtgeschehen.

Doch nun zu unserer vollständigen Bilderstrecke vom 14. Juli:


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