Neuer Besucherrekord beim 7. Mindener Atemwegstag

Rund 250 Besucher verzeichnete die COPD-Selbsthilfegruppe beim siebten Atemwegstag 2016 im Johannes Wesling Klinikum in Minden

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Dr. med. Ryszard Turkiewicz, Direktor der Abt. Pneumologie am Universitätszentrum für Innere Medizin am JWK, referierte zum Thema „Infektionen der Lunge und der Atemwege“ beim 7. Mindener Atemwegstag im Johannes Wesling Klinikum (JWK) in Minden – Fotos: onm

Sieben Referenten hielten rund 250 Besucher am 16. November 2016 im Johannes Wesling Klinikums in Minden sprichwörtlich in Atem. Unter dem Motto „Erkrankungen der Lunge und Atemwege: Vorbeugen, erkennen und behandeln“ drehte sich zum siebten Mal alles rund um die Krankheit COPD beim Mindener Atemwegstag 2016.

Nach und nach füllte sich der alte Hörsaal „Medizin im Dialog“ im Universitätszentrum des Johannes Wesling Klinikums Minden (kurz: JWK) in den Nachmittag- und Abendstunden bis in die hintersten Ecken. „Angefangen haben wir mit 30 Leuten, dann folgte eine kontinuierliche Steigerung, bis wir heute schätzungsweise 250 Besucher zählen können, letztes Jahr waren es noch ca. 170“, freute sich Frank Kühne, Mindener Gruppenleiter der Selbsthilfegruppen COPD / Atemwegserkrankungen für den Kreis Minden-Lübbecke und Ostwestfalen-Lippe. „Nur brauchen wir bald einen größeren Raum, wenn die Besucherzahl weiter ansteigt.“

Längst hatte sich herumgesprochen, dass die Mindener Atemwegstage nicht nur Schall und Rauch sind, sondern ganz im Gegenteil die COPD-Selbsthilfegruppe in Zusammenarbeit mit dem Lungenzentrum am JWK Betroffene auf dem Leidensweg begleiten und Ihnen wichtige Informationen und Hilfe anbieten – von der Früherkennung über Fragen im Alltag und zu Therapien, zu Transplantationen und vieles mehr.

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Rund 250 Besucher lauschten den Vorträgen der Mediziner und Experten (hier: Dr. med. Sebastian Dick, Oberarzt der Universitätsklinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am JWK) im bis unter die Decke gefüllten Hörsaal

Denn COPD, was für chronisch-obstruktive Bronchitis mit und ohne Lungenemphysem (engl.: Chronic Obstructive Pulmonary Disease) steht, belegt Platz 3 der Weltrangliste der zum Tode führenden Krankheiten, erklärte Dr. med. Ryszard Turkiewicz gleich zu Anfang seines Vortrags. An vierter Stelle folgt Pneumonie (Lungenentzündung). Und damit kennt sich der „Chefarzt“, wie ihn Kühne einfach nennt, besonders gut aus. Denn der 50-Jährige polnischer Abstammung ist nicht nur Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, sondern besetzt auch die Stelle als Direktor der Abteilung für Pneumologie am Universitätszentrum für Innere Medizin des JWK.

Woran erkennt man COPD und wie kommt es dazu?

Im Gegensatz zu Erkältungen wie gewöhnlichem Schnupfen, wo es sich meist um harmlose Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut handelt, sind typische Symptome (Krankheitszeichen) für COPD zu nennen: Husten, oft mit Auswurf, besonders am Morgen; Atemnot, insbesondere unter Belastung; sowie Geräusche beim Ausatmen wie Pfeifen oder Brummen. Gelegentlich kann ein Engegefühl in der Brust hinzutreten. In einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es zu Gewichtsverlust kommen, kann man einem Informationsblatt der Deutschen Atemwegsliga e.V. entnehmen, dem Schirmherr des Symposiums.

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Dr. Turkiewicz erklärte die Unterschiede zwischen Erkältung, Bronchitis, COPD und Pneumonie

Solch ein Husten sei also als Leitsymptom einer akuten Bronchitis (Entzündung der Bronchien) zu sehen, referierte Dr. Turkiewicz weiter. Wird diese nicht behandelt, kann es zur Exazerbation kommen, sprich: Verschlechterung einer chronischen Bronchitis, oder eben zur COPD. Bronchitis-Ursachen seien in über 90 Prozent der Fälle Viren, nur bei 5 bis 10 Prozent könne man von „bakteriellen Bronchitiden“ ausgehen. Hinzu kämen begünstigende Faktoren wie Rauchen, schädliche Abgase aus Kraftfahrzeugen, exzessives Feiern (womöglich mit Alkohol- und/oder Drogenkonsum) und verschiedene schädliche Umwelteinflüsse.

An dieser Stelle holte Organisator Kühne weiter aus. Schließlich ist der 50-jährige Mindener seit 1998 selbst davon betroffen. Ein Teil seiner Lunge ist bereits zusammengefallen (teilsektioniert), auch stand er kurz vor einer Organspende. Mittlerweile geht es ihm relativ gut dank Betreuung durch das Lungenzentrum des JWKs. „Hier werde ich besser betreut als im Charité in Berlin, meine Werte haben sich verbessert, der Chefarzt nimmt sich Zeit für die Patienten, geht auf sie ein“, betonte er. Aus diesem Grund engagiert sich der EU-Rentner (DRV) und ehemalige Raucher seit einigen Jahren ehrenamtlich bei der COPD-Selbsthilfe.

„Zu 80 bis 90 Prozent kommt COPD vom Rauchen, 10 Prozent durch Umwelteinflüsse. Auch der Beruf spielt eine Rolle. Gerade Lackierer und Landwirte, Letztgenannte wegen der aufwirbelnden feinen Stäube, sind davon betroffen“, ist Kühne der Meinung. Auf einen weiteren Flyer hingewiesen, der am Infobereich auslag, wo auch Ansprechpartner zu den Themen Ernährungsberatung und Tabakentwöhnung zur Verfügung standen, erklärte Kühne, dass Shisha-Rauchen mehr als 10 Mal schädlicher wäre als das Rauchen von Zigaretten.

Shisharauchen viel schädlicher als Zigarettenrauchen

Shisharauchen hat sich ja – nach der umstrittenen E-Zigarette – zum Trend entwickelt, seitdem seitens der Bundesregierung damit begonnen wurde, das Rauchen in Gaststätten, Bars, Diskotheken etc. sowie öffentlichen Gebäuden zu verbieten, weil Nichtraucher nicht zu „Passivrauchern“ (durch Einatmen der Nikotinstoffe über den Rauch), mutieren wollen.

Was anfangs vorwiegend türkischen männlichen Mitbürgern in ihren gesonderten Einrichtungen in Deutschland vorbehalten war, kultivierte sich zwischenzeitlich zu Shisha-Bars für jedermann – ob jung, mittel oder alt, männlich oder weiblich. Ausnahmegenehmigungen machen es möglich, und der Markt an Shisha-Pfeifen bzw. Wasserpfeifen boomt.

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COPD belege Platz 3 der Weltrangliste der zum Tode führenden Krankheiten, klärte Dr. Turkiewicz bildhaft anhand PowerPoint-Präsentationen die Besucher auf, rund 64 Millionen Menschen weltweit seien davon betroffen

Doch eine 20- bis 30-minütige Séance Shisharauchen entspricht 10 bis 20 Zigaretten, erklärt die Deutsche Atemwegsliga und die Deutsche Lungenstiftung in ihrem gemeinsamen Flyer. Das Problem dabei sei die Verschwelung/Verbrennung auf niedrigen Temperaturen, sodass viel weniger Schadstoffe verbrennen als bei einer glühenden Zigarette. So würden die Zusatzstoffe im Tabak verstärkt.

Zudem müsse ein „guter Tabak immer schön feucht“ bleiben – der wassergekühlte Rauch ließe sich leichter inhalieren. Um dies zu gewährleisten, komme oft Glycerin zum Einsatz. Auch variiere die chemische Zusammensetzung des Tabakrauchs. Alles Faktoren, die Gesundheitsschäden verursachen können.

Geheimrezept gegen COPD?

Frank Kühne
Initiator und Organisator Frank Kühne nahm sich Zeit für Fragen der Besucher

Bei wem bereits die Diagnose COPD erkannt wurde, muss mit einer dauerhaften, lebenslangen Erkrankung rechnen. Nach heutigem Wissen sei die Krankheit nicht heilbar, man könne aber den Verlauf beeinflussen. Rund 64 Millionen Betroffene weltweit könnten ein Liedchen davon singen, davon um die 8 Millionen in Deutschland.

„Chefarzt“ Dr. Turkiewicz erklärte noch vieles rund um die Pneumonie und welche Impfungen es gäbe. Aber auch die anderen fünf Fachärzte, ein Fachkrankenpfleger und Kühne selbst erläuterten in teils humorvollen, teils fachmedizinischen Begriffen und Bildern, was es bei der tückischen Krankheit zu beachten gibt und welche Möglichkeiten offenstehen.

So stand schlussendlich die Frage im Raum: Kann man COPD vorbeugen bzw. gibt es ein Geheimrezept gegen COPD? „Relativ viel Sport treiben bzw. einfach aktiv im Leben bleiben“, so Initiator Frank Kühne.

Alles in allem war das Symposium nicht so steif, wie es auf den Bildern wirken mag. Die Redner waren humorvoll und locker drauf, standen vor und nach ihren Vorträgen für Fragen zur Verfügung, vermittelten aber auch die Ernsthaftigkeit der Krankheit. Eine gelungene Mischung, wie man erfolgreich aufklären und Betroffene unterstützen kann, ohne den „Lehrmeister“ zu spielen. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung im angenehmen Rahmen.

Weitere Informationen und Ansprechpartner der COPD-Selbsthilfegruppe findet man auf der Website www.copd-vor-ort-minden.de.

Der 8. Mindener Atemwegstag findet am 15. November 2017 ab 17 Uhr wieder im Klinikum Minden statt, siehe Flyer (PDF-Datei).


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