Neue Gesichter beim Open Air Muckertreffen 2018 in Minden

Künstler aus Hameln und Hannover bereicherten am 3. Juni die regionale Musikszene im historischen Fort A live und open Stage

Sänger, Musikproduzent und Pianist Ralph Maten überraschte das Publikum beim Open Air Muckertreffen 2018 in Minden mit ungewöhnlich swing-rockigen Klängen – Fotos: onm

„Es war das beste Muckertreffen, an dem ich teilgenommen habe“, teilt eine Besucherin ihre Begeisterung in den sozialen Medien nach dem Open Air Muckertreffen 2018 am vergangenen Sonntag in Minden. Das hört Veranstalter Klaus Fuhse doch gern, der zum gefühlten hundertsten Mal regionale Musikerinnen und Musiker dazu aufrief, sich der offenen Bühne im Innenhof des Fort A vor einem breiten Publikum zu stellen. Und sie kamen wieder in Scharen – dieses Mal unter anderem aus Hameln und Hannover.

Organisator Klaus Fuhse – mit Herz und Seele Musiker der ersten Stunde aller Muckertreffen in Minden

Gut gebräunt und mitgerissen von den verschiedensten Klängen der Bands und Solokünstler, die am 3. Juni die Tucholsky-Bühne zwischen den historischen Gemäuern des Fort A eroberten, kündigte Organisator Klaus Fuhse – Jurist und Musiker mit Leib und Seele – jeden an, der den Mut besaß, die „Bretter der Welt“ zu erobern. Alteingesessene Musiker/innen waren dabei genauso willkommen wie vor allem Nachwuchskünstler und „neue Gesichter“.

Neben dem jungen Julius am Schlagzeug und der Gruppe „KiZZ“ (mit Philipp Mantsch und Tom Bergmeier), die wohl am Vormittag auftrat, zog ein Künstler am Nachmittag, als wir da waren, das Publikum besonders in den Bann: Ralph Maten. Mit einem winzigen Keyboard „bewaffnet“ und dem humorvollen Hinweis „heute ist alles geschrumpft an mir“ (z.B. sein Flügel), gab der Hamelner seinen spontan musikalischen Begleitern aus Minden, wie dem mittlerweile wohl 15-jährigen Marlin Herzog an der Gitarre, perfekte Ansagen und spielte den jeweiligen Refrain ein. Noch bevor Maten mit dem ersten Song loslegte, war klar: Dieser Musiker ist ein Profi.

Nachwuchs-Schlagzeuger Julius gibt schon mal ein gutes Bild ab hinter den Drums

Tatsächlich schöpfte Maten mit einer vollkommenen Lässigkeit Eigeninterpretationen von Swing- und Jazz-, gemixt mit bekannten Rock- oder Pop-Songs der 1980er Jahre aus seinem umfassenden Musikrepertoire. Das Besondere an seiner Musik: Er spielt und singt ursprünglich relativ laute Songs so sanft und zart, dass selbst das härteste Rockerherz verliebt über den Wolken schwebt – getreu seinem Jugendidol, dem britischen Sänger und Songwriter Marc Almond (von „Soft Cell“ – bekannt durch „Tainted Love“). Kein Wunder, dass er schon große Festivals eroberte im Vorprogramm von kuriosen Künstlern wie Marilyn Manson, Wolfsheim, HIM, De/Vision und seinem Idol Almond. Darüber hinaus durfte er Hand anlegen für Produktionen von Udo Lindenberg, Wir sind Helden, Glashaus, Yello und Funker Vogt laut Bio/Vita auf seiner Website. Und ganz „nebenbei“ produzierte Maten über sein eigenes Plattenlabel AMP-Media bereits rund zwanzig englischsprachige Alben.

Das Mindener Publikum zog der begnadete Musiker schließlich mit „Shout“ von „Tears for Fears“ in den Bann, das den Refrain genau wie er „leise schrie“ und im Anschluss mit tosendem Applaus Zugabe verlangte. Maten verabschiedete sich mit einem eigenen Song und fragte, ob er nächstes Jahr wiederkommen dürfe. Noch nie hat in der Geschichte der Open Air Muckertreffen wohl so ein lautes „Ja“ zwischen den Festungsmauern gehallt (oder es hat einfach keiner gefragt, hi, hi). Mehr von Ralph Maten gibt’s auch auf ralph-maten.de und facebook.com/RalphMaten.

Wer mit diesem Mann beim Rock ’n‘ Roll-Takt nicht mithalten kann, fällt unten durch – der „alte Fritz“ hat’s eben noch drauf

Die Mindener Band „Women Market“ hatte nach Angaben von Fuhse am Sonntagvormittag auch ihren Auftritt. Was wir noch mitbekamen, war ihr Sänger Friedrich Walter Griepentrog (auch einfach „Fritz“ oder „Presley“ genannt). Der „Senior“ in der regionalen Musikszene versuchte zum Ende der Veranstaltung, die noch anwesenden Musiker zum Rock ’n‘ Roll anzutreiben. Doch aus unerklärlichen Gründen schaffte es niemand von ihnen, mitzuhalten. Nach einigen Anlaufversuchen gab „Fritz“ auf mit den Worten: „Ich will nicht mehr.“

Alexandra Rogosch rettete mit ihrer Rockstimme „Knockin‘ On Heaven’s Door“

Sänger und Gitarrist Jay Bee Burns mit seiner Band „Black Swamp“, bekannt für ihren Southern Rock, eroberten laut eigener Aussage ebenfalls am Vormittag die Bühne. Und Heino Geier – der „Bratmeister“ – traute sich mit seiner Gitarre auch noch auf die Bretter, nachdem er Hunderte von Besuchern mit Würsten versorgte. Nur sein irisch angehauchtes Gesangstalent drang wegen der lauten Instrumentenklänge seiner Mitspieler nicht zum Publikum durch. Gut, dass da in letzter Sekunde Rocksängerin Alexandra Rogosch einsprang.

Rainer „Spike“ aus Hannover spielte sich schon mal ein, bevor die ganze Band nach Minden kommt

Ebenfalls hat sich Rainer „Spike“ aus Hannover unter die Jam-Sessions gemischt. Der auffällige Blondschopf an der Gitarre, der bei satten circa 25 Grad unter praller Sonne wohl als Einziger in Lederhose erschien, hat über soziale Medien vom Muckertreffen gehört und just um die 80 Kilometer runtergebrettert, um dabei zu sein. Wenn alles klappt, wird man bald von seiner siebenköpfigen Live-Show-Party-Band „Rock4Magic“ hören in Minden.

Ein anderer Hannoveraner ist jedoch von uns gegangen. 2014 noch live auf der Bühne erlebt und für seine großartige rauchige Stimme gelobt (siehe unser Bericht), verabschiedeten die Bandmitglieder von „Flashback“ ihren geliebten Bassisten Herbert Lantz, der nach langer Krankheit verstarb, mit dem Song „I still you“ von Eric Clapton. „Den wollte er immer auf dem Bass spielen. Auf dem Porta Festival 2017 war es dann soweit, er konnte ihn zum ersten Mal live vor Publikum spielen. Das erste Stück, das wir spielen, ist daher zu Herberts Gedenken.“

Wir übermitteln auf diesem Wege seiner Familie unser herzlichstes Beileid und verbleiben mit den Worten von Hieronymus (331-420):

„Wir sollen nicht trauern, dass wir die Toten verloren haben,
sondern dankbar dafür sein, dass wir sie gehabt haben.“

Und hier sind sie, die Macher des Open Air Muckertreffen 2018 in den Nachmittagsstunden – wer nicht mit drauf ist, muss nächstes Mal bis zum Schluss bleiben. ;o)

Danke, dass es so viele Musikerinnen und Musiker gab und gibt, die unser aller Herzen tagtäglich bereichern – ob im Schmerz, in der Liebe oder einfach, um Spaß am Leben zu haben. Und gut, dass es da einen musizierenden Rechtsanwalt wie Klaus Fuhse gibt, der jedes Jahr aufs Neue diese Künstler/innen in Minden zusammentrommelt, damit möglichst viele Besucher bei freiem Eintritt die „Burg“ stürmen können.

Und hier kommen noch ein paar mehr Bildchen:


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